Märchen-Mythenshop

Wenn das nicht märchenhaft ist: Schokolade fair gehandelt, aus biologischem Anbau - mit gebrannten Mandeln, Zimt, Streugold, kandierten Rosenblättern....

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Bilderbücher

Aulnoy/Unzner: Die weiße Katze

Aulnoy: Die weisse Katze
Märchen-Bilderbuch ab 6 Jahren
Autorin: Marie-Catherine d´Aulnoy, mit Illustrationen von Christa Unzner
78 Seiten, 26,2 x 20 x 1,2 cm, gebunden, mit vielen 4farbigen Abbildungen
€ 12,90

Bewertung: ***** (5 von 5 Sternen)

Marie-Catherine d´Aulnoys Leben ist fast noch spannender als ihre berühmten Feenmärchen: 1666 wurde sie im Alter von 16 Jahren von ihrem Vater mit einem 30 Jahre älteren Mann, François de la Motte, verheiratet, einem Trinker und Schürzenjäger. Drei Jahre später versuchen d´Aulnoy und ihre Mutter, sich dieses Mannes zu entledigen, in dem sie ihn der Majestätsbeleidigung bezichtigen – einem Verbrechen, auf das die Todesstrafe stand.

De la Motte gelingt es jedoch, seine Unschuld zu beweisen, und nun müssen seine Frau und Schwiegermutter um ihr Leben fürchten. Es gelingt ihnen, unter abenteuerlichen Umständen nach England und Spanien zu fliehen. Beide Frauen werden zwischen 1685 und 1690 von Ludwig XIV. begnadigt. D´Aulnoy eröffnet in Paris einen literarischen Salon, kompromittiert sich aber bald schon wieder durch ihre Freundschaft mit einer Frau, die für die Ermordung ihres Mannes enthauptet wird. Ab 1697 veröffentlicht sie Feenmärchen, unter ihnen die weiße Katze, die sich auch im Märchenkochbuch „Tischlein deck dich“ von Christine Ferber wiederfindet.

In ihren Feenmärchen plädiert d´Aulnoy immer wieder gegen die Zwangsehen mit ungeliebten Männern und für die freie Wahl der Frauen. „Die weiße Katze“ erinnert an das Märchen von Rapunzel: Auch hier gelüstet es einer Schwangeren (einer Königin) nach Pflanzen aus einem Feengarten, in diesem Falle ist es Obst, und sie verpflichtet sich dafür, den Feen das Kind zu überlassen. Das Baby wird von ihnen in einen Turm gesperrt und auf das liebevollste versorgt. Auch hier verliebt sich ein Königssohn in das Mädchen und sie sich in ihn. Die Feen wollen es jedoch mit einem häßlichen, halb tierischen Zwerg verheiraten....

Das Buch ist aufregend und zärtlich illustriert von Christa Unzner, die das Märchen auch aus dem Französischen übersetzt hat. Als Laiin würde ich sagen: kolorierte Federzeichnungen, dazwischen Satzfetzen aus dem französischen Text. Laut Amazon ist es für Kinder ab 6 Jahren geeignet, meine Tochter hat es aber auch schon mit 4 Jahren goutiert.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3896032771/holleland-21

© 2006 leiv Leipziger Kinderbuchverlag GmbH
ISBN-13: 978-3-89603-277-1

Baumann Senn: Vom dicken fetten Pfannekuchen

PfannekuchenUntertitel: Ein Volksmärchen
Gebackene Figuren und Fotos von Sigrid Baumann Senn
© 2010 Stuttgart, bei der Künstlerin
Text leicht verändert nach Colshorns „Märchen und Sagen aus Hannover“
Produktion DCC Kästl, Ostfildern-Kemnat
Hardcover, 4c, 36 S.
Preis: € 18, erhältlich bei Frau Baumann Senn

***** (5 von 5 Sternen)

„Es waren einmal drei alte Weiber, die wollten gern Pfannekuchen essen“ - so beginnt ein Märchen aus dem Dorf Salzdahlum (Wolfenbüttel), das viele von uns als Kind kennengelernt haben. Der von den Alten fertig gebackene Pfannekuchen springt aus der Pfanne und läuft kanntapper kanntapper im Galopp davon, entkommt mehreren Tieren, bis er am Ende drei hungernde Waisenkinder trifft: „Da blieb der Pfannekuchen stehen, sprang den Kindern in den Korb hinein und ließ sich von ihnen aufessen.“

Die drei alten Frauen, das sind die Nornen, Parzen, Moiren – Geburtshelferinnen und Schicksalsgöttinnen, auch die dreifaltige Mondgöttin, die den Vollmond gebiert – und so sieht der Pfannkuchen auch bei Sigrid Baumann aus, wie ein lächelnder Vollmond. Er steht für das trotz allem gütige Schicksal, dass die Alten als göttliche, nährende Mütter den Waisenkindern zugedacht haben.

Als Berlinerin weiß ich, dass ein Pfannkuchen natürlich viel dicker ist als das, was die Süddeutschen darunter verstehen: Unser Pfannkuchen ist das, was hier im Süden als „Berliner“ bezeichnet und kann somit wirklich davonrollen, während der dünne, süddeutsche Pfannkuchen Sigrid Baumanns vermutlich eher umknicken als auch nur eine Umdrehung schaffen würde. Aber was solls! Die Back-Fotos der Künstlerin und Erzählerin Baumann sind einfach kongenial und machen ebenso viel Spaß wie das Volksmärchen selbst!

Zum Bestellen des Buchs müssen Sie sich an die Künstlerin wenden, bei der Sie übrigens auch Erzählabende buchen können: Sigrid Baumann Senn, Lerchenstieg 8, 70619 Stuttgart-Sillenbuch, Tel./Fax: 0711-471043.

Erstellt am 13.11.2011

Belli/Erlbruch: Die Werkstatt der Schmetterlinge

Belli: Die Werkstatt der SchmetterlingeUntertitel: Ein Märchen
Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren und für Erwachsene
Autorin: Gioconda Belli
Illustrator: Wolf Erlbruch
Titel der spanischen Originalausgabe: La Historia de la creación de las mariposas
Übersetzerin: Anneliese Schwarzer
40 S. mit 24 vierfarbigen Bildern
25,1 x 17,7 x 1 cm, gebunden
€ 11,--

***** (5 von 5 Sternen)

Die WEISE ALTE ist eine riesige, dicke, dunkelhäutige Frau mit Hakennase und Schlangenstab. Neben ihr wirken die Gestalter aller Dinge, die für sie arbeiten, klein und zerbrechlich. Einer von ihnen ist Rodolfo, dessen Großvater den Regenbogen und dessen Urgroßmutter das Nordlicht erfunden hat. Er möchte etwas schaffen, so schön und zart wie eine Blume, das aber fliegt wie ein Vogel. Ein wunderbares Wesen, das alle in Staunen versetzen und vor Glück weinen lassen kann. Dabei darf er aber die Grenzen zwischen Tier- und Pflanzenreich nicht verwischen.

Wie Rodolfo das gelingt, erzählt die nicaraguanische Schriftstellerin und Widerstandskämpferin Belli in geradezu lyrischer Prosa, congenial bebildert vom gleichaltrigen Wolf Erlbruch, dem vielleicht besten und phantasievollsten Kinderbuchillustrator der Gegenwart.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3872948679/holleland-21

(c)1994, 2000 für den Text: Gioconda Belli, für die Illustrationen: Wolf Erlbruch, für die deutsche Ausgabe: Peter Hammer Verlag GmbH, Wuppertal, Deutschland

Berner: Märchenstunde


Comic für Kinder ab 3 Jahren
Illustratorin: Rotraut Susanne Berner
48 Seiten im A4-Format
Illustrationen 4c, gebunden
ab ca. 2,36 € (nur antiquarisch erhältlich)

***oo (3 von 5 Sternen)

Rotraut Susanne Berner, Jahrgang 1948, gehört zu den bekanntesten Kinderbuchillustratorinnen Deutschlands - und sie ist eine der wenigen, die von ihrem Metier auch leben kann. Ihr Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Wohl am bekanntesten sind ihre "Wimmelbücher". Sie sehen also: Die Frau zeichnet extrem gut, und sie zeichnet lustig. Trotzdem überzeugt mich ihr Versuch, Kindern Grimmsche Märchen als Comic nahezubringen, nicht.

Persönliche Erfahrung: Meine Tochter war eine zeitlang so auf die schönen bunten Bilder mit den extremst verkürzten Texten fixiert, dass sie die ungekürzten Märchen nur zögerlich annahm. Wir haben uns dann anfangs so geeinigt, dass ich die Originalversion vorlese und sie parallel die Bilder anschaut. Denn lesen Sie ernsthaft mal vor: "Aua!" "Rein mit dir in den Brunnen!" "Wo bin ich?" "Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich!" "Ich mach mich doch nicht schmutzig!" "Ach schüttel mich, wir sind alle reif!" "Ph! Da könnte mir ja einer auf den Kopf fallen!" "Ich möchte bei Ihnen arbeiten." "Gut, du kannst gleich anfangen." (Wenn Sie die Originalgeschichte gut kennen, erraten Sie vielleicht, dass es sich um Pechmaries Sprung in den Brunnen und den Beginn ihres Dienstes bei Frau Holle handelt....) Inzwischen kann sie zum Glück auch einem Märchen lauschen, wenn es nur wenig oder gar nicht bebildert ist.

Zum Bestellen des künstlerisch wertvollen Comics können Sie auf folgenden Link klicken: Märchenstunde

(c) Beltz Verlag, Weinheim 1998

Blunck: Frau Holle und die Kiebitze

Märchen-Bilderbuch, nur für kritische Erwachsene!
Autor: Hans Friedrich Blunck

*○○○○ (1 von 5 Sternen)

Sie kennen Herrn Blunck (1888-1961) nicht? Das ist ein Fehler, denn er war bei den Nazis ein wichtiger Mann, zeitweise sogar Präsident der Reichsschrifttumskammer und einer von jenen Blut- und Boden-Schriftstellern, die es bis zum Schluss nicht begriffen haben.

Der Mann war schriftstellerisch ungeheuer produktiv - die Liste seiner Veröffentlichungen in Wikipedia will schier kein Ende nehmen. Was aber so richtig unerträglich ist - sein Werk wird auch heute noch gefördert, siehe: Jürgen Blunck: Bibliographie Hans Friedrich Blunck. Mit einem Anhang: Schriften von und über Barthold Blunck. Hamburg: Ges. zur Förderung d. Werkes von Hans Friedrich Blunck e. V. 1981. (= Jahrbuch der Gesellschaft zur Förderung des Werkes von Hans Friedrich Blunck; 1981).

Ich habe nur dieses eine Nachkriegs-Buch von ihm gelesen und werde es nicht durch weitere ergänzen. Der Autor versucht, die Figuren von Frau Holle, Ostara und anderen mit dem christlichen Glauben zu verknüpfen. Natürlich sind die Göttinen dem "lieben Herrgott" untergeordnet und arbeiten ihm zu. Frau Holle ist die himmlische Königin der Pflanzen und Tiere, natürlich kann sie auch Wetter machen. Sie ist kapriziös, wunderschön, fröhlich, unberechenbar, ärgert gern einmal den Teufel, handelt, bevor sie nachdenkt und macht deshalb viele Fehler, vor allem, wenn sie sich in das Leben der Menschen und Zwerge einmischt. Aber sie meint es immer gut. Man gewinnt den fatalen Eindruck: "eine echte Frau ganz nach dem Geschmack von Herrn Blunck".

Meine Empfehlung: Nur für kritische Erwachsene (auch wenn der Autor das Buch natürlich auch für Kinder gemeint hat)

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0000BGMLG/holleland-21

(c) Internationaler Universitätsverlag (1954)

Carroll: Die kleine Alice

Aulnoy: Die weisse KatzeMärchenbilderbuch für Kinder ab 3 Jahren
Autor: Lewis Carroll
Illustrator: John Tenniel
Aus dem Englischen mit einem Nachwort von W.E. Richartz
71 Seiten, gebunden, mit vielen 4c-Abbildungen
€ 12,90

Text und Zeichnungen: ****o (4 von 5 Sternen)
Hintergründe: *oooo (1 von 5 Sternen)

Im April 1890 veröffentlichte Lewis Carroll nach "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" eine Version der Geschichte für Vorschulkinder: "The Nursery Alice" - zu deutsch: "Die kleine Alice". Ein Stück Nonsense-Weltliteratur ist hier erfolgreich weitergesponnen worden, wenn ich den leuchtenden Augen meiner Tochter folge. Die Welt steht auf dem Kopf, nichts ist so, wie es zu sein hat, Alice schrumpft und wächst, sobald sie den Kuchen Iss mich! oder Pilze zu sich nimmt oder aus der Flasche Trink mich! trinkt, Drontes und Greifen tauchen auf, aus Babies werden Ferkel, die Edamer Grinsekatze löst sich in einem Lächeln auf und die Herzkönigin spielt mit Flamingos und Igeln Krocket - möchte aber am liebsten allen den Kopf abschlagen. Also sagte Alice: "Mist und Blödsinn!" Und dann sagte Alice: "Wer seid ihr denn schon! Ihr seid ja bloss ein Kartenspiel!" - und erwacht aus ihrem Traum. Anders als die Geschichte für größere Kinder orientiert sich die Nursery Alice stark an den Illustrationen. Der Autor fragt die Kinder, was sie denn darauf erkennen können - und gibt in allwissender Manier anschließend selbst die Antworten. Schlecht: Er geht davon aus, dass Lernen für Kinder eine Qual ist - und der Diogenes Verlag steht ihm in einer Passage, die aus Übersetzungsgründen nicht dem Original entspricht, da leider auch in nichts nach. Also musste ich meiner Tochter erklären, dass Lernen Kinder natürlich nur nervt, wenn sie nicht wie sie auf eine Freie Aktive Schule kommen... Nichts desto trotz: Ihren nächsten Geburtstag möchte sie als Alice im Wunderland feiern! Dafür also 4 von 5 Sternen.

Charles Lutwige Dodgson, alias Lewis Carroll, war ein höchst pedantischer Lehrer und Autor, stotterte und litt an Migräne-Attacken, die mit halluzinatorischen Bewußtseinsveränderungen bezüglich der eigenen Größe einhergingen (Todd's Syndrom bzw. nach dem Autor auch Alice-im-Wunderland-Syndrom genannt). Dodgson liebte kleine Mädchen mehr als erwachsene Frauen. Er fotografierte Kinder mit Leidenschaft, und zwar (halb-)nackt, und eines sehr beliebtesten Modelle war die Tochter seines Dekans, Alice Liddell. Die große Liebe seines Lebens sei sie gewesen, kann man in den Kommentaren lesen... und ganze 12 Jahre alt, als der erwachsene Mann ihr diese seine Liebe widmete. Schließlich verbot die Mutter Dodgson den Umgang mit ihrer Tochter, verbrannte alle seine Briefe - und mysteriöserweise sind auch alle seine Tagebücher aus dieser Zeit verloren gegangen. In den Kommentaren (ich kenne nur Kommentare von Männern dazu!) steht da gern etwas von "verzopfter viktorianischer Moral" und dass es in jener Zeit ja andererseits nicht unüblich gewesen sei, kleine Mädchen mehr oder minder nackt zu fotografieren. Es ist heute nicht mehr nachzuweisen, ob Dodgson Alice sexuell oder "nur" psychisch missbraucht hat - aber Missbrauch ist allemal im Spiel, wenn ein kleines Mädchen die große Liebe eines Erwachsenen Mannes wird. Weltliteratur für Kinder - auf Kosten eines Kindes. Unterste Kategorie: 1 von 5 Sternen.

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(c) der deutschen Ausgabe 1977, 2008 Diogenes Verlag AG Zürich

Erlbruch: Nachts

Erlbruch: NachtsBilderbuch für Kinder ab 4 Jahren
Autor und Zeichner: Wolf Erlbruch
18,4 x 14,9 x 0,8 cm
26 Seiten, vierfarbig, gebunden
9,90 €

***** (5 von 5 Sternen)

"Fons ist hellwach. "Ich will in die Nacht!", denkt er. Aber allein traut er sich nicht. Papa muss mit. Aber Papa ist sehr verschlafen." So beginnt die märchenhafte Bilderbuchgeschichte von Wolf Erlbruch, die für Erwachsene mindestens genauso spannend ist wie für kleine Kinder. In der Folge versucht der müde Vater seinem Sohn klarzumachen, wie langweilig es in der Nacht ist: alle schlafen, die Geschäfte sind zu. Aber was sieht Fons, während er in seiner Fantasie bereits mit Papa durch die Stadt läuft? Eine Mickeymaus, die durch die Luft fliegt. Einen Riesengorilla, der Engelchen flieg mit ihm spielt. Einen Hasen in mathematischer Vase, der sich den Mond im Fernseher anschaut. Einen Dackel, der als Brücke dient. Einen Eisbär, auf dem man reiten kann, wenn man Fons heißt. Einen Fisch, der eine Schubkarre mit Riesenerdbeere vor sich herschiebt. Bäume mit Gesichtern. Eine rollschuhlaufende Tulpe. Alice im Wunderland, die durch den Reifen des weißen Hasen springt und Fons einen Ball zuwirft. Eine Ratte, die als Gondoliere durch die nächtliche Straße stakt. Was aber sagt Papa?: "Es ist einfach nur dunkel. Sonst nichts." Fons weiß es besser, denn er hält, neben Papas Bett stehend, den Ball in Händen, den Alice ihm aus dem Wunderland der Nacht zugeworfen hat.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3872948342/holleland-21

(c) der Originalausgabe 1999 bei Stichting CPNB, Amsterdam, Niederlande (ja, die rollschuhfahrenden Tulpen!)
(c) der deutschsprachigen Ausgabe 1999 bei der Peter Hammer Verlag GmbH, Wuppertal

Grimm/Asensio: Rumpelstilzchen


Märchen-Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren
Autor: frei nach dem Märchen der Brüder Grimm
Bilder von Agustí Asensio
nur antiquarisch erhätlich ab ca. 1,70 €

**ooo (2 von 5 Sternen)

Während der Text sich noch so einigermaßen ans Original hält, haben die Bilder nur wenig mit ihm zu tun: Der König ist zu Beginn weißhaarig mit Bart und runder Nase - und als die Müllerstochter ihn heiratet, hat er auf einmal eine spitze Nase, braune Haare, Schneuzer und Spitzbart. Und am Ende, als Rumpelstilzchen sich mitten entzwei reißt, sieht man das natürlich nicht, sondern lediglich eine Staubwolke, als sei es stattdessen explodiert. Schade drum!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3773554915/holleland-21

(c) 1988 by Parramón Ediciones S.A. / Multilibro S.A.
(c) der deutschen Ausgabe Delphin-Verlag, Köln, Juli 1999
ISBN 978-3773554918

Grimm/Janssen: Hänsel und Gretel

Märchen-Bilderbuch für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren
Autoren: Jacob und Wilhelm Grimm
mit Illustrationen von Susanne Janssen
14,90 €
56 Seiten mit durchgehend 4farbigen Abb., 34,6 x 22 x 1 cm

***** (5 von 5 Sternen)

Dieses Buch hat in der Kategorie Bilderbuch den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008 gewonnen, und ich hoffe, dass dies seinen Verkauf kräftig ankurbelt! Für ganz kleine Kinder sind sie nichts, die surrealen Illustrationen Susanne Janssens, gehalten in knallrot, rotbraun, weiß und schwarz, ab und an unterstützt von einem zarten, durchscheinenden Grün. Ältere zieht sie in ihren Bann.

Da sitzt die Stiefmutter neben dem nackten Vater im Bett, und nackt ist er nicht nur am Körper, sondern auch oben auf dem Kopf, aber er hat einen prächtigen roten Bart und eine Hakennase und ist so dünn, wie man es sich bei einem Holzfäller, der am Hungertuch nagt, vorstellen muss. Dann ist da die Hexe, wie fotomontiert vor ein Hochhaus, jung, in rotem Ballkleid und mit roten Haaren streckt sie den Kopf vor, riesengroß er im Verhältnis zum Körper. "Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierhergebracht?" fragt sie zuckersüß und bedrohlich, eine echte Femme Fatale. Insekten krabbeln über die Seiten, Wespen, Ameisen und Schmetterlinge, riesengroß, dunkelrot, das ist der Wald, der bedrohliche Wald. Wie gut, dass da am Ende das weiße Entlein auftaucht und die Kinder nacheinander über den See trägt!

Die Textfassung folgt überwiegend der 1857er Aufgabe der Grimmschen "Kinder- und Hausmärchen". Die Illustratorin Susanne Janssen wurde 1965 in Aachen geboren und lebt seit 1992 mit ihrer Familie im Elsass. Sie hat mit ihren Arbeiten schon unzählige Preise gewonnen, darunter neben dem oben genannten den Preis der Stiftung Buchkunst "Die schönsten Bücher", den Troisdorfer Bilderbuchpreis und den "Goldenen Apfel" der Biennale in Bratislava.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3356012266/holleland-21

(c) Éditions Etre 2007
(c) für die deutsche Ausgabe Hirnstorff Verlag GmbH, Rostock 2007, 2008
ISBN-13 978-3-01226-2

Grimm/Rettich: Die schönsten Märchen

Märchen-Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren
Autoren: frei nach den Märchen der Brüder Grimm
Mit vielen Bildern von Rolf Rettich
nur antiquarisch erhätlich ab ca. 70 Cent

**ooo (2 von 5 Sternen)

Der Versuch, den Text zu modernisieren (aus einem Menschenfresser wird ein Zauberer) und die Zeichnungen kindgerecht zu machen (die Brüder Grimm sind kaum noch zu erkennen) scheitert gründlich. Heruas kommt: Kitsch. Nebenbei: Der gestiefelte Kater ist ein Perraultsches und kein Grimmsches Märchen.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3785524099/holleland-21

(c) 1191 by Loewes Verlag, Bindlach
ISBN 3-7855-2409-9

Lichte: In der Märchen-Klause

In der Märchen-KlauseMärchenbuch für Kinder ab 4 Jahren
Autorin und Zeichnerin: Ursula Lichte
Softcover, 61 Seiten mit vielen s/w-Illustrationen
Nur antiquarisch erhältlich, ca. € 7,50

****o (4 von 5 Sternen)

Was tut ein junges Mädchen in den 1930er Jahren, das praktisch nichts gelernt, aber eine überschäumende Phantasie hat? Es folgt dem Ruf des vor den Nazis geflohenen Stiefvaters, fährt mit dem letzten Zug vor der endgültigen Grenzschließung von Berlin nach Basel Badischer Bahnhof und kommt als eine der letzten Deutschen hochoffiziell in die Schweiz. In Basel arbeitet es ein bisschen in der katholischen Wochenzeitung des Stiefvaters Heinrich Pfeifer mit und quartiert sich bei Fräulein Kerlé in der Pension Birsigstüble ein. Es hilft beim Servieren und Betten machen und wird außerdem noch Porzellanmalerin, verlobt sich auch, aber der Verlobte ist ihr zu farblos neben dem Leuchten und Strahlen der katholischen Religion. Also legt Ursula die Gelübde der Dominikanerinnen ab, ohne im Kloster zu leben oder wie ein Nönnchen in der Kutte herumzulaufen, denn gleichzeitig ist sie ja auch noch Hexe. Das passt zu ihr: Nonne sein im Orden, der sich in der Hexenverfolgung besonders hervorgetan hat – und gleichzeitig Hexe. Porzellan malen und außerdem fotografieren, sticken und ein kleines Büchlein mit eigenen Märchen veröffentlichen.

Dieses Märchenbändlein kann in der Sprachkunst nicht mit Grimm oder Andersen mithalten, aber er ist sehr frisch geschrieben und gezeichnet und vermittelt den Eindruck, als ob sich hier wirklich eine Tante hinsetzt und ihren Nichten und Neffen frei von der Leber weg Märchen erzählt. Einige dieser Märchen haben eine religiöse Komponente, andere sind reinweltlich, alle aber strahlen eine unendliche Lebenslust aus:
"Eines Tages aber hatte die Prinzessin gar keine Lust, in die Schule zu gehen. Das war ja kein Wunder, denn es war ein ganz besonders schöner Tag. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel und alle Vögel sangen, die Blumen blühten und die Schmetterlinge tanzten. Und da beschloss die Prinzessin, in den Wald zu gehen und an die Schule gar nicht mehr zu denken. Sie war glücklich, als sie so durch das hohe Gras ging und die Sonne durch die Bäume schien und ihr den Weg zeigte. Sie sang sich ein Liedchen und pflückte sich Blumen, und als es Mittag wurde und sie Hunger bekam, setzte sie sich an einen Bach, holte ihr Z´nünibrot hervor und aß es. Viele kleine Vögel kamen geflogen, Rotkehlchen und Amseln und Stare und sogar ein Kuckuck."

Ob die obige Geschichte mit dem letzten Zug in dieser Dramatik stimmt, weiß ich nicht, aber sie ist die letzte, die mir meine Stieftante erzählt hat. Da war sie schon an Magenkrebs todkrank, ich fuhr von Stuttgart nach Rheinfelden zum Krankenhaus und wir spazierten ein wenig am Fluss entlang. Fröhlich und in Frieden ist sie gestorben, wenn auch zum Skelett abgemagert, und der Orden hat den Pater, der nach ihrem Willen die Grabrede halten sollte, tatsächlich unterwegs in Italien ausfindig gemacht – und er ist auch wirklich von Italien nach Basel zurückgekommen und hat die Zeremonie geleitet. Ihre Brüder wussten nie, wann sie die Wahrheit sagte oder wann sie ihre Wahrheit sagte (und waren darob manchmal sehr verzweifelt). Auch über ihre Finanzen wusste sie nie Bescheid, dachte, sie wäre arm und war es doch nicht, wie sich nach ihrem Tod herausstellte. Aber mir war das schnuppe als Kind wie auch als Erwachsener – Ursula war einfach immer meine Lieblingstante.

Zum Bestellen des Büchleins können Sie z.B. auf einen der folgenden Links klicken:
http://www.buchfreund.de/productListing.php?used=1&productId=29343407 oder http://www.biblioman.de/info/BScier7938/sachgebiet_4D_E4_72_63_68_65_6E.htm

© Kanisiuswerk, Freiburg/Schweiz, o.J.

Liebers/Moser-Zours: Frau Holle


Märchen-Bilderbuch (ab 3 Jahre)
von: Moser-Zours, Katja (Bilder) und Liebers, Andrea (Text)
28 Seiten, gebunden, mit vielen farbigen Illustrationen

Bewertung: ***** (5 von 5 Sternen)

Jeder kennt das Frau-Holle-Märchen der Brüder Grimm – aber wenn Sie die Fassung von Andrea Liebers nicht kennen lernen, dann entgeht Ihnen etwas, und Ihren Kindern auch! Denn hier ist einmal eine Germanistin, die wirklich gut schreiben kann, und die Zeichnerin steht ihr in nichts nach.

Dem Märchen werden so ganz neue Aspekte abgewonnen: „Das Schlafzimmer der Frau Holle war seltsam eingerichtet. Es standen darin Truhen und Kästen, aus denen lauter Kostbarkeiten herausquollen: Juwelen, Ringe, Perlenketten und andere blitzende und funkelnde Dinge. Und überall im Zimmer wuchsen die allerschönsten Blumen, die man sich nur vorstellen kann, einfach so aus dem Fußboden hervor. Sie welkten nie und dufteten wie der Frühling, der Sommer und der Herbst zusammen.“ Also: kaufen, solange es bei Amazon noch Restexemplare gibt!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3871814431/holleland-21

© 2002 DRW-Verlag Weinbrenner, Leinfelden-Echterdingen
ISBN-10 : 3-87181-443-1, nur antiquarisch erhältlich

Mein schönstes Märchenbuch

Untertitel: Die schönsten und bekanntesten Märchen in einem Band
128 Seiten, gebunden
mit 81 meist halbseitigen, 4farbigen Illustrationen von Hanna Helwig-Goerke
nur antiquarisch erhätlich ab ca. 2,99 €

**ooo (2 von 5 Sternen)

Dies Buch ist ärgerlich, denn: Hier waren keine Märchenliebhaber am Werk! Zwar sind die vielen bunten Bilder "im alten Stil" sehr detailreich: Zum Beispiel sitzt auf dem Brunnen, in den Goldmaries Spindel fällt, ein Kätzchen und daneben steht ein Bottich; in Frau Holles Schlafzimmer hängen eine Pendeluhr und ein Abreißkalender (ob Frau Holle sowas wohl wirklich braucht?); neben dem Goldtor steht ein Goldregen (stammt der nicht aus dem südlichen Mittel- und Osteuropa und nicht aus Hessen?)--- nur passen die Abbildungen leider nicht zum Text! Das ist nun kein so großes Wunder, denn Helwig-Goerke hat in den 40er und 50er Jahren gezeichnet (z.B. hat sie Spyris Rosenresli illustriert), während dieses Buch aus dem Jahre 1995 stammt und extrem schlecht lektoriert und verkürzt ist. So schüttelt Goldmarie den Baum erst, nachdem sie schon mit Gold beladen nach Hause gekommen ist.

Oder: In Schneewittchen wird die Episode mit dem giftigen Kamm im Text nicht erwähnt, sondern nur die mit dem giftigen Apfel - abgebildet ist aber ausschließlich die Geschichte mit dem Kamm, und nicht die mit dem Apfel! Die böse Stiefmutter braucht sich natürlich nicht auf glühenden Kohlen zu Tode tanzen - hier wurde großzügig modernisiert und das Böse nicht bestraft.
Ach ja, und obwohl man (Lektor unbekannt) doch tatsächlich am Ende von Hänsel und Gretel schreibt, dass die Mutter in der Zwischenzeit gestorben war, begrüßt sie doch im Bilde die beiden Kinder. Wie das wohl funktionieren soll! Steht da eventuell ein Gespenst?
Solche Bücher verwirren Kinder. Ich empfehle deshalb: Nur die Bilder anschauen, keinesfalls den Text dazu lesen. Wieder einmal zeigt sich: Beim Bücherkauf für Kinder sollte nicht am falschen Ende gespart werden. Übrigens gibt es natürlich keinen Hinweis darauf, dass die Märchen frei nach den Brüdern Grimm aufgeschrieben worden sind. Nicht erwähnt wird auch der Name der Illustratorin, ich habe meine Adleraugen gespitzt und geschaut, was die Illustrationen selbst verraten.

Zum Bestellen (von wegen der Bilder) können Sie auf folgenden Link klicken:
www.buecher.de/shop/Buecher/Mein-schoenstes-Maerchenbuch-Die-schoensten-...

Sonderausgabe für Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1995
(c) 1982 by Schwager und Steinlein GmbH, Nürnberg, ISBN 3-8112-1223-0

Ott: Der Riese und der Fernsehturm

Ott: Der Riese und der FernsehturmMärchenbuch für Kinder im Vorschulalter
Erzählerin: Gertrut Ott
Illustrationen: Christina Richter
26 Seiten, gebunden, mit 6 ganzseitigen Illustrationen zum Selbstausmalen
nur bei der Illustratorin oder antiquarisch erhältlich

****o (4 von 5 Sternen)

Der älteste Fernsehturm der Welt steht in Stuttgart. Zu seinen Füßen liegt der Stadtteil Degerloch, der neben dem Fernsehturm noch mit anderen Besonderheiten aufwarten kann, zum Beispiel dem „Schwäbischen Lindwurm“, dem Plateosaurier. 1834 wurden erstmals Knochen dieses acht Meter langen Pflanzenfressers gefunden, der vor 210 Mio. Jahren lebte und starb, und zwar nicht nur hier, sondern auch in China. Und dann gibt es in Degerloch oder Tegerlohe (althochdt. für dichter Wald) noch die Ahornstraße!

Hier lebte Gertrud Ott, und Gertrud Ott erzählte den Kindern der Nachbarschaft gerne Märchen. Aber nicht nur einfach die der Brüder Grimm, sondern sie dachte sich die Geschichten aus, und immer hatten sie etwas mit den Kindern selber zu tun.

In „Der Riese und der Fernsehturm“ geht es um den kleinen Johannes, der immer, wenn er die Großeltern in der Ahornstraße besucht, auf den Küchenstuhl klettert und aus dem Fenster guckt, um den Fernsehturm zu sehen. Eines Abends aber ist der Turm verschwunden! Der Riese, der im Degerlocher Wald haust (eigentlich ein weißer Schimmel, „dichter Wald Wald“!), hat ihn mitgenommen, weil es nachts im Wald doch immer so dunkel ist. Aber die wilden Tiere sind überhaupt nicht begeistert. Niemand kann schlafen oder den Vollmond sehen, die Eule kann nicht jagen, und die Elfen können nicht tanzen. Kurz und gut: Der Riese soll den Fernsehturm wieder zurückbringen. Johannes schaut aus dem Fenster. Immer noch kein Licht zu sehen! Nach dem Essen, tröstet ihn die Großmutter. Und tatsächlich: Als Johannes anschließend wieder auf den Küchenstuhl steigt, hat sich der Nebel verzogen, „und wie eine Riesenlaterne mit weißen und roten Lampen stand der Fernsehturm hinter den Bäumen.“

Dies ist nur eine von vielen „Geschichten aus der Ahornstraße“, die alle ursprünglich einmal als Taschenbücher erschienen sind, mir aber nur in Fotokopie vorliegen. Meine Tochter (knapp sechs Jahre alt) liebt sie.

ISBN 3-930313-01-4
© 1994 by Peter Spang Verlag, Stuttgart

Stockinger: Der Märchenberg

Stockinger: Der Märchenberg
Märchen-Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren
Untertitel: Märchen aus dem schönen Stuttgart
Autorin: Elisabeth Gertrud Stockinger
Farbillustrationen und Textbilder von Walter Rieck
58 Seiten, gebunden
ab ca. 13 € (nur antiquarisch erhältlich)

***oo (3 von 5 Sternen)

Für Stuttgart-Fans und Stuttgarter Kinder ist dieses Buch gewiß recht herzerfrischend. Es nimmt nicht wunder, dass der Nachdruck von der Arbeitsgemeinschaft Königsbau veranlasst worden ist. Ansonsten aber nimmt es auch nicht wunder, dass es zu dieser Autorin nur 18 Links im Internet gibt - DIES Buch ist keine Kunst! Selbst der Titel Märchen ist nicht so ganz richtig, einiges darin würde eher den Titel einer Sage oder Legende verdienen.

Sie erfahren, was Stuttgart ganz ursprünglich einmal war: nämlich ein Stutengarten, was es mit dem Brunnengeist auf sich hat (der mittlerweile zu einer Maske im Cannstatter Karneval avanciert ist), dass der Tazzelwurm nicht nur eine Miniaturdampflok auf dem Killesberg ist und warum das Hutzelmännlein Hutzelmännlein heißt (letzteres können Sie jedoch bei Eduard Mörike viel schöner nachlesen, siehe http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3150047552/holleland-21). Bei all diesem bedient Frau Stockinger sich örtlicher Sagen und Märchen, macht aber ganz eigene Geschichten daraus.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3440068315/holleland-21

(c) 1946, 1993 Elisabeth Gertrud Stockinger und Franckh-Kosmos Verlags-gmbH & Co., Stuttgart, Deutschland

Tschaikowsky/Hämmerle: Der Nussknacker

Tschaikowsky/Hämmerle: Der NussknackerBilderbuch mit Begleit-CD für Kinder ab 5 Jahren
Untertitel: Märchenballett nach Peter Iljitsch Tschaikowsky
Autorin: Susa Hämmerle nach E.T.A. Hoffmann
32 S., mit vierfarbigen Illustrationen von Peter Friedl
€ 19,95

****o (4 von 5 Sternen)

Ich habe dieses Buch gekauft, um mit meiner Tochter in naher Zukunft einmal ins Ballett gehen: Hier kann man die Musik Tschaikowskys hören und gleichzeitig dem Kind aus dem Bilderbuch die Geschichte vom Nussknacker vorlesen. Vorteil: Ich werde im Ballett dann nicht mit einem lauthalsen "Mama, was machen die da gerade?" konfrontiert. Und: Ich habe bis heute noch keine bessere Buchserie gefunden, Kindern vorab den Inhalt von Balletten und Opern zu vermitteln!

Leider merkt man dem Buch an, wie platt und süßlich solch ein Ballett doch im Verhältnis zum richtigen Märchen Hoffmanns ist, und die stark modernisierte Sprache Hämmerles macht es auch nicht gerade besser. So fängt das Märchen bei Hoffmann an: "Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Medizinalrats Stahlbaum den ganzen Tag über durchaus nicht in die Mittelstube hinein, viel weniger in das daranstoßende Prunkzimmer. In einem Winkel des Hinterstübchens zusammengekauert saßen Fritz und Marie, die tiefe Abenddämmerung war eingebrochen, und es wurde ihnen recht schaurig zumute, als man, wie es gewöhnlich an dem Tage geschah, kein Licht hereinbrachte." Und so bei Hämmerle: "Es war der Heilige Abend. Im Haus der Familie Stahlbaum herrschte erwartungsvolle Aufregung. Clara und Fritz, die beiden Kinder, liefen ständig zwischen der Haustür und der verschlossenen Salontür hin und her."

Vom Paten Drosselmeier bekommt Marie/Clara an diesem Abend einen Nussknacker geschenkt, der in der Nacht zum Leben erwacht. Er kämpft zusammen mit Clara und den Zinnsoldaten Fritzens gegen den Mäusekönig und seine Armee, verwandelt sich schließlich in einen Prinzen und nimmt Clara mit in das Schloss der Zuckerfee.

Mit modernen Erziehungsinhalten hat all dies nichts zu tun, aber die Musik Tschaikowskys ist einfach zu und zu schön! Und immerhin ist es Clara, die im Ballett mittels eines feministischen Pantoffelwurfs die Mäuse in die Flucht schlägt.

Auf der dritten Umschlagseite sind die Stücke der CD zu den Seiten des Buches parallel gesetzt. Leider stimmen die Seitenzahlen nicht. Tipp: Handschriftlich korrigieren!

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(c) für die CD 1990 Naxos Rights International Ltd.
(c) für das Buch 2006 by Annette Betz Verlag im Verlag Carl Ueberreuter, Wien, Österreich

CDs/DVDs

Aquabella: Kykellia

Aquabella: KykelliaDie beste Weihnachtsmusik-CD, die ich kenne
Mitglieder des A-Capella-Chors Aquabella: Claudia Karduck, Bettina Wildtraut, Bettina Stäbert, Gisela Knorr und Ulrike Siems
Percussion: Dorothee Wesseling und Janos Crecelius
Spieldauer 44'40"
€ 14,95

***** (5 von 5 Sternen)

Das Berliner Ensemble Aquabella (Schönes Wasser) hat sich mit traditioneller Vokalmusik aus der ganzen Welt ein einmaliges Repertoire in 20 Sprachen zugelegt. 2009 wurde es mit dem Special Award Worldmusic in Graz ausgezeichnet, die vorliegende CD wurde für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Aquabella zeigen hier die vorchristlichen Wurzeln des Weihnachtsfestes auf: Am 25. Dezember feierten die alten Ägypter im Winterritual Kykellia die Geburt des Lichtgottes Horus durch die Göttin Isis. Der getötete Fruchtbarkeitsgott Osiris sollte durch das Licht zu neuem Leben erweckt werden. Der auch in Rom sehr beliebte Kult der Muttergöttin Isis, die auf ihrem Schoß den Horusknaben trägt und auf einer Mondsichel steht, wurde zum Vorbild der christlichen Mariendarstellungen. Das Fest dauerte, genau wie die germanischen Rauhnächte, 12 Tage und endete am 6. Januar, dem Tag der ersten Aussaat.

Das Lied "Maria durch ein´ Dornwald ging" begleitet die HörerInnen durch diese CD, die ansonsten aus afrikanischen, kastilischen, lettischen, katalanischen, bulgarischen, irischen, argentinischen, französischen, georgischen, baskischen, indianischen (Huronen), Maori, sefardischen, norwegischen und wolgadeutschen Weisen besteht. Das beiliegende Booklet gibt analog zu den 12 Rauhnächten 12 Definitionen oder besser: stellt 12 Rauhnachtsbräuche dar.

Nr. 1: "Wotan ließ die Pforten der Unterwelt öffnen, die wilde Jagd beginnt: Odin galoppiert auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir durch die Luft, Frau Holda zieht mit ihrem grausigen Gefolge, bestehend aus neuen Kinderseelen, Elben, Zwergen, Dämonen und Hexen umher. Jeder, der jetzt das Haus verlässt, ist des Todes gewiss!"

Nr. 3: "Um Kindern gute Gesundheit zu schenken, Frauen einen fruchtbaren Schoß und Obstbäumen einen reichen Erntesegen, ist Folgendes zu tun: Von einem Barbarastrauch schneide man ein paar Zweige und binde sie zu einer Rute. Sodann berühre man Kinder, Frauen und Obstbäume damit, wodurch die lebensweckenden Keimkräfte auf die übertragen werden und so für gute Gesundheit bürgen. Der Hitzköpfige sei gemahnt: Verdreschen dient der Gesundheit nicht!"

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(c) 2005 JARO Medien (c) 2004 Aquabella

Barbara singt Barbara in deutscher Sprache


Märchenhafte CD mit französischen und deutschen Chansons für Erwachsene
Autor: Barbara
€ 17,95

***** (5 von 5 Sternen)

Eine französische Chansonnette auf einer Märchen-Homepage? Die Kindheit der kleinen Monique Andrée Serf (*9.6.1930 als Jüdin in Paris) war alles andere als märchenhaft. Vor den Nazis und ihren französischen Kollaborateuren fliehen, sich verstecken, vom Vater sexuell missbraucht werden. Andere Kinder zerbrechen daran. Aber 1945 geschieht ein Wunder, und aus der kleinen Monique wird schließlich die große, schwarze, traurige Barbara. Ihr in Deutschland vermutlich berühmtestes Chanson ist das "Göttingen" der Kinder und der Brüder Grimm, es findet sich auch auf der vorliegenden CD in deutscher Fassung die Strophe "Et que personne ne s´offense, mais les contes de notre enfance, "Il était une fois" commence à Göttingen..... Und dann ist da noch das Lied vom schwarzen Adler (L´aigle noir), der auf seiner Stirn, brennend wie tausend Feuer, einen blauen Diamanten trägt und sie mit seinem Schnabel berührt, und mit dem sie ins Land ihrer Kindheit zurückkehren und Wunder vollbringen möchte.... Die weiteren Titel auf dieser CD: Paris im August, Eine winzige Kantate, Sag, wann bis du bei mir? Nantes, Pierre, Wenn schon sterben..., Die Einsamkeit, Mein Kompliment, "Ich liebe dich", kann ich nicht sagen, A mourir pour mourir, Ma plus histoire d´amour (c´est vous!), Le mal de vivre, Remusat, Du bout des lèvres, Y´aura du monde, L´amoureuse. Nicht nur Märchen, sondern: Kunst!

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c) Mercury (Universal), Sept. 1998
Die französische Version von "Göttingen" finden Sie unter folgendem Link (nur antiquarisch):
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000006RJ2/holleland-21
c) Mercury (Universal), 1987

Boine: Eight Seasons

Mari Boine: Eight Seasons
Weltmusik-Jazz
Texte, Gesang, Gitarre: Mari Boine
Tenor Saxophon: Jan Garbarek
Trommeln, (elektronische) Percussion, Sounds: Kenneth Ekornes
und viele andere
CD mit 20seitigem Booklet
Spielzeit ca. 64 Min.
€ 17,95

***** (5 von 5 Sternen)

Haben Sie schon einmal gejoikt? Ich habe es auf einem alten Segelschiff vor Spitzbergen gelernt. Es funktioniert ein bisschen wie jodeln, aber statt in die krachlederne, ordentliche Welt der bayerischen Alpen versetzt Sie dieser Obertongesang in die mystischen, kargen Weiten Nord-Skandinaviens, zum Volk der Samen.

Die Samen haben die Skier erfunden und sind überwiegend Rentierzüchter. Mari Boine ist eine ihrer berühmtesten Vertreterinnen. Sie hat viele CDs eingespielt, unterschiedlich im Sound, diese hier erinnert zum Beispiel ein wenig an Techno - und ist dabei doch zutiefst samisch und schamanistisch. Die "Hymne" (Titel Nr. 6) wurde von der Heidin Boine bei der Trauung des Kronprinzen in einer Kirche gesungen und löste einen Skandal aus. Ebenso gut gefällt mir ein samisch gesungenes Lied (Nr. 11), das auf Deutsch in etwa "Lass Silber beschützen" heißt: "Unser Geist war nicht frei / in düsteren Räumen / Damals nicht, heute nicht / Ich gehe hinauf / zum Gipfel des Berges / Ich bitte den Windgott / mich freizublasen / Ich rufe die Götter von damals / Ich beuge mein Knie / vor dem heiligen Stein / Am Herde des Bergfeuers / reinige ich all die alten Wunden / An der Brust / des heiligen Bergs / lüfte ich mein lang verstecktes / Festtagskleid." Und im Hintergrund hört man das Heulen der Schlittenhunde...

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(c) Emarcy Rec (Universal) 2002

Boine: Idjagiedas - In the hand of the night

Boine: Idjagiedas - In the hand of the nightSängerin: Mari Boine
CD, Spieldauer 58'22“, mit 20seitigem Booklet
Texte: Mari Boine, Rauni Magga Lukkari, Karen Anne Buljo
Musik: Mari Boine, Georg Buljo, Svein Schultz, Malika Makouf Rasmussen, Ross Reaver
€ 16,99

***** (5 von 5 Sternen)

Im Jahre 2006 erschien der Kinderfilm „Hänsel und Gretel“ von Anne Wild, zu dem Mari Boine die Filmmusik schrieb. Er wurde mit dem Prix Danube und dem Diversine UNICEF Award ausgezeichnet. Ein kleines Stück der Filmmusik findet sich auf dieser CD. Es heißt „Little Bird“ (oder auf Samisch „Lottás“). Der Text ist Fantasiesprache. Leider scheint der Rest der Filmmusik (noch) nicht auf CD erhältlich zu sein.

Auf „In the hand of the night“ sind jedoch auch andere märchenhafte Wesen zu finden, z.B. eine Meerjungfrau: „Die stolze Meerjungfrau zeigt den Weg, wem immer sie will. Die schöne Maid der See zeigt die Tiefen, wo immer sie aufsteigt. Lass den Nordwind Wellen atmen. Die stolze Meerjungfrau erklärt Träume, wem immer sie will. Die schöne Maid der See befreit die Tiefen, wo immer sie fällt. Lass das Gewitter die zertrümmernden Steine umherwerfen, während sie zerbrechen. Lass den Wirbelwind aus den Wellen eine Klippe erbauen. Das Gewitter wird den Stein am Meeresgrund nicht erreichen. Der Wirbelwind wird die stolze Maid nicht vom Boden der See emporheben.“

(Übersetzung von mir).

In „Reindeer of Diamond“ (Diamántta spáillit) geht es eigentlich um etwas ganz Prosaisch-Kolonialistisches: Da im Samenland Diamanten gefunden worden sind, versucht eine Firma, den Menschen das Land abzukaufen. Das klingt dann von mir übersetzt so: „Große röhrende Tiere, Stahlskelette, haben ihren Weg in unser Land gefunden. Sie graben und graben und suchen dass Diamanten-Rentier. Große, riesige Tiere mit gefräßigen Mündern sind hier. Laufe an deinen heiligen Ort, Diamanten-Rentier. Lauf! Lass sie dich nicht finden!“

Die norwegische Samin Mari Boine Persen verbindet archaische Elemente mit schlichtem Joik-Gesang und Elektronik: tiefe, pulsierende Trommeln, filigrane Saitenklänge und leise Elektronik, gepaart mit ihrer ausdrucksvollen, unverwechselbaren Stimme, gewispert und geraunt in Samisch, Englisch, und eben Fantasiesprachisch. Die Texte stammen diesmal großenteils von zwei samischen Lyrikerinnen und basieren auf Geschichten aus der samischen Mythologie. Zahlenmäßig hat Boine mit insgesamt 15 Musikerinnen und Musikern ein sehr großes Aufgebot vereint; auch bekannte Gäste, wie der norwegische Gitarrist Terje Rypdal, sind vertreten. Die Instrumente stammen aus aller Welt: von der griechischen Bouzouki über das afrikanische Daumenklavier Mbira bis zum brasilianischen Berimbau – und trotzdem wirkt alles wie aus einem Guss. Eben magisch.

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© 2006 LEAN und Universal Music AS, Norwegen

Grimm u.a.: Das Haushörbuch der Märchen

Grimm: Haushörbuch der Märchen
Märchen-CDs für Kinder ab 4 Jahren
Vorgelesen von: Christian Brückner
Gemalt von: Renate Seelig
Musikalisch reflektiert von: Ulrich Maske
2 CDs, 73’31“ und 71’45“
€ 17,99

***** (5 von 5 Sternen)

Ganz ruhig und neutral liest Christian Brückner die Märchen auf diesen beiden CDs vor und lässt seinen Zuhörerinnen und Zuhörer viel Platz für eigene Bilder. Eine wahre Ikone ist er sowohl als Vorleser wie auch als Synchronsprecher z.B. Robert de Niros, Harvey Keitels und Marlon Brandos – und wurde dafür schon 1990 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Neben meiner geliebten Frau Holle finden Sie die folgenden Grimmschen Märchen hier versammelt: Hans im Glück, Der Wolf und die 7 jungen Geißlein, Dornröschen, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Das tapfere Schneiderlein, Die weiße Schlange, Rumpelstilzchen und Der Froschkönig. Ergänzt werden sie durch Perraults Gestiefelten Kater, Jung-Schillings Jorinde und Joringel sowie Andersens Fliegenden Koffer.

Renate Seelig vereinigt in ihren zauberhaften Illustrationen Elemente aus mehreren Märchen in einem Bild – wobei uns nicht alle auf den CDs zu Gehör kommen! Da sitzt ein krähender Hahn oben auf einem Baum neben einer Prinzessin, die sich gerade koppheister hinunterzuangeln scheint, Frau Holle schüttelt ein Federbett aus, ein Teufel mit rotgoldenem Bart schreitet durch den Wald, Rotkäppchen läuft neben dem Wolf einher und schielt auf den gestiefelten Kater, der wiederum misstrauisch einen König beäugt, welcher in langem Schleppmantel fröhlich und unachtsam einherschreitet. Rapunzel sitzt im Baum und der Königssohn klettert soeben an ihren Haaren herauf, während von rechts drei Zwerge kommen, die eben auf dem Weg zur Arbeit im Bergwerk sein mögen.

Die sehr ansprechenden Musikstücke zwischen den einzelnen Märchen tragen solch seltsame Namen wie: Caligula, Was bleibt, Jojo, Und wenn sie nicht…, 1001 Jahre & 1 Kuss, Für Lonzo, Ein Streicher, Flatterzunge, Für Steuerwald, So oder so, Das letzte Wort und Phantasistan. Hier ist wahrlich nichts mehr unmöglich!

Zu Recht stand diese Doppel-CD auf der hr2-Hörbuch-Bestenliste

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© Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH, Hamburg und Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2006

Grimm: Jorinde und Joringel


Märchen-CD für Kinder ab 6 Jahre
Nach einem Märchen von Johann Heinrich Jung-Stiling, gesammelt von Johann Wolfgang von Goethe, veröffentlicht von den Brüdern Grimm
CD mit 4seitigem Booklet, Gesamtspielzeit 45:19 Min.
€ 12,90

Bewertung: ***** (5 von 5 Sternen)

Diese CD aus der Reihe „Klassik-Hörbücher für Kinder“ hat zu Recht den Preis der deutschen Schallplattenkritik und den Medienpreis "Leopold" des Verbandes deutscher Musikschulen erhalten. Das Märchen ist gegenüber der mir bekannten Grimmschen Fassung erweitert und betont die Liebesgeschichte zwischen der in eine Nachtigall verwandelten Jorinde und ihrem Joringel stärker, was dem Zauber der Erzählung aber keinen Abbruch tut.

Im Wechsel mit der Märchenerzählung (gelesen von Samuel Weiss) spielen Wally Hase (Flöte und Altflöte) sowie Thomas Müller (Gitarre) Stücke von Edvard Grieg, Franz Joseph Gossec, Béla Bartók, Francis Poulenc, Marin Marais, Francisco Tárrega und Manuel de Falla. Zum Teil handelt es sich um Ersteinspielungen! Ein Hörgenuss.
In derselben Serie ist übrigens auch „Der Froschkönig“ erschienen (ISBN 978-3-935261-09-8).

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© Edition See-Igel , in Co-Produktion mit dem SWR
ISBN-13: 978-3-935261-12-8

Grimm: Schneeweißchen und Rosenrot

Grimm. Schneeweißchen und RosenrotAudio-CD für Menschen ab 5 Jahren
Autoren: Brüder Grimm
Textbearbeitung: Ute Kleeberg
Erzähler: Samuel Weiss
Mit Musik von: Felix Blumenfeld, Domenico Dragonetti, Antonín Dvorák, Anatoly Liadow, Max Reger, Nikolai Rimski-Korsakow
Eingespielt für diese CD vom Auryn-Quartett: Matthias Lingenfelder (Violine), Jens Oppermann (auch Violine), Stewar Eaton (Viola) und Andreas Arndt (Violoncello). Dazu Kontrabass: Felix von Tippelskirch

Mit vierseitigem Booklet
Spieldauer: 66.34 Min.

€ 17,72

***** (5 von 5 Sternen)

Nach „Jorinde und Joringel“ (http://www.holleland.de/content/grimm-jorinde-und-joringel) hier eine weitere CD der Edition See-Igel, die wir uns geleistet haben, und die (trotz des mageren Booklets) die volle Sternchenzahl verdient. Im Februar 2010 hat die CD den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ erhalten, und es ist nur einer von sehr vielen, den die kleine, feine Edition aus Iznang am Bodensee seit 2004 eingeheimst hat. Erzählt wird das Märchen von den beiden Schwestern Schneeweißchen und Rosenrot, die mit ihrer Mutter in einer ärmlichen, abseits gelegenen Hütte leben und eines Abends im Winter Besuch von einem Bären bekommen – der natürlich nichts anderes als ein von einem Zwerg verzauberter Prinz ist.

Das Märchen wird von der angenehmen Stimme Samuel Weiss´s getragen, und dazu haben Ute Kleeberg und Uwe Stoffel Streichquartette ausfindig gemacht, die teils sehr unbekannt sind (oder kennen Sie Felix Blumenfeld?), aber die Stimmungen und den Verlauf der Handlung ideal unterstützen. Am Ende steht das Nocturno in H-Dur von Antonín Dvorák, warm timbriert und mit feinen Nuancen. Diese CD verzaubert, und zwar nicht nur meine Tochter, sondern auch mich!

Übrigens ist sogar der Name des Quartetts, das die Stücke eingespielt hat, durchaus märchenhaft: Das Amulett Auryn verleiht seinem Träger in Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ seine Intuition. Die vier Herren spielen schon seit 1985 in unveränderter Besetzung zusammen und gehören mittlerweile zu den weltweit führenden Streichquartetten.

Zum Bestellen von „Schneeweißchen und Rosenrot“ können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261195/holleland-21
© Edition See-Igel, 2009, in Coproduktion mit dem SWR

Weitere Produktionen der Edition See-Igel:

* ANDERSEN: Der Schweinehirt („Für alle, die Märchen und klassische Musik lieben und eine Stunde zuhören können“), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261063/holleland-21

* ANDERSEN: Däumelieschen (ab 4 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3980450759/holleland-21

* ANDERSEN: Das hässliche Entlein (ab 6 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261055/holleland-21

* ANDERSEN: Des Kaisers neue Kleider (ab 4 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261071/holleland-21

* GRIMM: Allerleirauh (ab 5 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261136/holleland-21

* GRIMM: Hans im Glück (ab 5 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261144/holleland-21

* GRIMM: Prinzessin Graues Mäuschen (ab 5 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261209/holleland-21

* GRIMM: Der Froschkönig (ab 4 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261098/holleland-21

* GRIMM: Vom Fischer und seiner Frau (ab 5 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261152/holleland-21

* HAUFF: Kalif Storch (ab 6 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261012/holleland-21

* HAUFF: Zwerg Nase (ab 6 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261020/holleland-21

* HAUFF: Das kalte Herz (ab 10 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261179/holleland-21

* HAUFF: Der kleine Muck (ab 6 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3935261004/holleland-21

HOFFMANN: Nussknacker und Mäusekönig (ab 6 Jahren), http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3980450791/holleland-21

Grimm: Vom Verlieren und Wiederfinden

Aulnoy: Die weisse KatzeCD ohne Hörbuch, für Kinder ab 6 Jahren
Autoren: Brüder Grimm / Johann Heinrich Jung
Sprecher: Johannes Steck (Brüderchen und Schwesterchen / Jorinde und Joringel) und Sabine Kastius (Der Wolf und die sieben Geißlein / Frau Holle)
Musik: Olivier Truan
Spieldauer: 45 Minuten
€ 9,95 empfohlener Ladenpreis (bei Amazon auch billiger)

****o (4 vom 5 Sternen)

Uccello, „Vogel“, heißt ein kleiner Verlag im bayerischen Seefeld zwischen Ammer-, Wörth- und Pilsensee, der sich auf Hör-CDs für Kinder und Erwachsene spezialisiert hat. Und mit einem singenden Vögelchen geschmückt ist auch die CD selbst. Die Märchen sind unter das Motto „Vom Verlieren und Wiederfinden“ gestellt. Was wird da verloren und wiedergefunden? Die alte Geiß findet sechs ihrer Geißlein lebend im Bauch des schlafenden Wolfs wieder. Goldmarie findet ihre im Brunnen verlorene Spindel im Reich der Frau Holle. Brüderlein verliert seine menschliche Gestalt und wird ein Reh, Schwesterlein verliert gar in der Badstube das Leben selbst – aber als der König ihr Gespenst als seine wahre Frau erkennt, erhält sie das Leben zurück - und Brüderlein wird wieder zum Manne, als der König die böse Stiefmutter auf dem Scheiterhaufen verbrennen lässt. Joringel schließlich verliert seine Jorinde an eine alte Frau, in deren Burg 7.000 Jungfrauen wie Vöglein leben und singen, und erhält sie wieder, als er sie und die anderen mit der roten Blume der Sexualität berührt (Achtung: in diesem Märchen wird tatsächlich und gut gesungen! --- passt vorzüglich zum Label Uccello).

Beide Sprecher und der Musiker sind hochkarätig:
Johannes Steck, geb. am 15. März 1966 in Würzburg, ist Theatermaler, Schauspieler (Der geheime Zeuge, Soko 5113, Die Rosenheim-Cops, In aller Freundschaft usw. usf.), Sprecher und Produzent von Hörspielen und Hörbüchern.
Sabine Kastius ist Hamburger Münchnerin und arbeitet seit 1988 als Sprecherin bei Funk und Fernsehen. 2007 hat sie die CD „Der kleine schwarze Fisch“ vom Samad Behrangi gesprochen und veröffentlicht.
Der Basler Olivier Truan ist Komponist, Pianist, Sound Designer und Fotograf, außerdem Gründungsmitglied der Klezmer-Gruppe Kolsimcha und seit 1986 dabei.

Auf der hier vorliegenden CD spielt er ein Intro und den Ausklang. Ich bin keine professionelle Musikerin, würde es aber als „Sound Design“ bezeichnen. Eine singende Säge harmoniert hier mit Geige und Klavier. Für kleine Kinder vielleicht einen Tick zu düster. Mir persönlich gefällt es außerdem besser, wenn zwischen jedem Märchen kleine Musikstücke eingespielt werden und damit Zeit zur Reflektion bleibt.

Gesprochen werden die klassischen Versionen der Märchen, nicht ganz, aber fast nach meiner Grimm-Ausgabe (http://www.holleland.de/content/grimm-kinder-und-hausmaerchen-1857). Da „Frau Holle“ auch zu meinem Repertoire als Märchenerzählerin gehört, kann ich dies Märchen natürlich am besten von allen vieren beurteilen: Sabine Kastius betont besonders Verben und macht es dadurch sehr dynamisch, das passt gut zum handlungsorientierten Motto der CD. Gefällt mir!

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© 2008 by Uccello – gut zu hören, Seefeld, Deutschland

Humperdinck: Hänsel und Gretel. Märchenoper.


Spätromantische Märchenoper für Erwachsene und ältere Kinder (CD), in 3 Bildern
Autor: Engelbert Humperdinck
Einspielung von 1978 mit den Wiener Philharmonikern unter Sir Georg Solti.
5,95 €
Highlights-CD, Gesamtspielzeit 70 Minuten 20.

***○○ (3 von 5 Sternen)

Vermutlich befasst sich mindestens die Hälfte aller Opern dieser Welt mit Märchen- und Mythenstoffen, aber nur die allerwenigsten heißen schon im Titel so. Die explizite Märchenoper "Hänsel und Gretel" wurde am 23. Dezember 1893 unter der musikalischen Leitung von Richard Strauss uraufgeführt und machte Humperdinck mit einem Schlag berühmt. Auch heute noch gehört die Oper zu den meistaufgeführten in Deutschland - vor allem um die Weihnachtszeit.

Humperdinck war zuvor (von 1880-82) Assistent Richard Wagners in Bayreuth und teilte dessen Vorliebe für Sagen- und Märchenstoffe. Auch in der Instrumentationstechnik und der Verwendung der Leitmotive orientierte er sich an seinem großen Vorbild. Man kann das mögen oder nicht - ich persönlich finde seine Version von "Hänsel und Gretel" reichlich konventionell. Humperdincks andere Märchenopern, "Die Königskinder" (1897/1910) und "Dornröschen" (1902), kenne ich (noch) nicht.

Die vorliegende Decca-CD wartet mit großen Namen auf: Brigitte Fassbaender singt Hänsel, Lucia Popp Gretel, Walter Berry den Vater, Julia Hamari die Mutter (Humperdinck hat aus der bösen Stiefmutter eine liebe Mutter gemacht, die nur versehentlich einmal zornig geworden ist - und selbstverständlich am Ende noch lebt!), Anny Schlemm die ausdrucksstarke Knusperhexe, Norma Burrowes das Sand- und Edita Gruberova das Taumännchen. Unterstützt werden sie nicht nur von den Wiener Philharmonikern, sondern auch noch von den Wiener Sängerknaben, und all dies, wie oben erwähnt, unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti. Mehr geht nicht an Berühmtheiten.

Und trotzdem ist bei mir der Funke nicht wirklich übergesprungen. Humperdinck bedient sich vieler Kinderlieder ("Suse, liebe Suse", "Brüderchen, komm tanz mit mir" usw.), die aber veropert viel von ihrem Charme verlieren. Auch die Einführung von Sandmann und Taumann finde ich eher kitschig. Und natürlich wollen die Eltern ihre Kinder nicht im Wald aussetzen (vulgo: töten), weil es nichts mehr zu essen gibt, sondern sie sollen lediglich dort ein paar Beeren gegen den Hunger holen und schnell wieder zurückkommen. Schade, dass das nicht geklappt hat, und die dummen Kinderchen sich versehentlich im Wald verlaufen! Aber Ende gut, alles gut, die böse Hexe muss auch hier verbrennen und war so freundlich, die Vorgänger von Hänsel und Gretel nicht zu essen, sondern nur in Lebkuchen zu verwandeln, so dass am Ende der Oper aus allen Lebkuchen wieder Kinder werden - und aus der Hexe ein Lebkuchen. Die allüberall herumhüpfenden (Schutz-)Engelein dürfen da natürlich nicht fehlen und werden auch regelmäßig von den Kinderlein angebetet.

Wie sagte Engelbert Humperdinck doch so schön: Seiner Mutter sei geweißsagt worden: "Ehe der Herbst herrannaht, wirst Du einen Sohn Dein eigen nennen, der einst durch vierzehn Engel Ehre und Ansehen erlangen wird." (aus seiner Mitteilung an die Mutter, 1894). Und siehe da, so geschah es, und natürlich erhielt das Büblein da auch gleich einen engelhaften Namen!

(c) 1978 The Decca Record Co. Ltd., London

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Jobarteh: ADO


Geschichten- und Musik-CD für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahre
Autor: Tormenta Jobarteh
CD-Spielzeit 56:32 Minuten
€ 16,50

Bewertung: ***** (5 von 5 Sternen)

Tormenta Jobarteh sieht so deutsch aus wie er ist – ein waschechter Münchner. Aber wenn man ihn im westafrikanischen Gewand mit Käppi zum Beispiel auf dem Stuttgarter Flohmarkt Kora spielen und erzählen hört, dann versteht man, warum sein kamerunischer Bekannter ihn seinen weißen Bruder nennt: Während er als Baby in einen Topf mit flüssiger Schokolade gefallen sei, sei Jobarteh eben in einen Milchtopf gepurzelt. So weiß wie Jobarteh ist, so westafrikanisch ist seine Seele.

ADO bedeutet in der Sprache der Mande Gambias Tradition, Kunst und Ritual. Einen Münchner Schlagzeuger verschlug es einst in dieses kleine Land, und er blieb dort acht Jahre lang und studierte bei seinem Lehrer Basuro Jobarteh die Kora (eine Art Laute), lernte seine Sprache und seine Kultur. Schließlich wurde er von der Familie adoptiert, und so heißt er nun Tormenta Jorbateh, und ich weiß nicht, wie sein deutscher Name ist. Dann wurde er gar zum Griot ernannt. Was ist ein Griot? Ein Griot ist ein afrikanischer Musiker, Historiker, Chronist, Geschichtenerzähler und weiser Berater in einem. Seine Aufgabe ist es, die Tradition aufrecht zu erhalten, denn in einer schriftlosen Kultur ist der Geschichtenerzähler derjenige, der den Kindern eben nicht nur Geschichten, sondern auch Geschichte vermittelt. Und dass ausgerechnet ein Nicht-Mande zum Bewahrer der Tradition ernannt wird, ist gewiss selten, vielleicht auch einmalig.

Auf dieser CD wird er von seiner Gruppe Jobarteh-Kunda („Jobarteh-Seele“) begleitet. Zu seinen Geschichten, die teilweise aus dem Koran stammen, hören Sie solch seltsame Instrumente wie Talking Drums, N´guhl, Ballafon, Dun Dun, Shekere, Djeme, Sabar, Cajon.... Die Geschichten enden durchweg mit einer Pointe, so wie diese: Der Prophet Mohammed predigte, und einer seiner Zuhörer war besonders eifrig und vertieft. Doch was musste der Gläubige erleben, als er nach der Predigt wieder nach draußen kam? Sein Kamel war verschwunden! Aiyy! Er ging also zurück zum Propheten und beklagte sich: „Ich bin besonders gläubig, und das soll nun der Lohn sein?“ Da erwiderte der Prophet sanft: „Bete eifrig - und binde dein Kamel fest.“

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© 2008 Verlag Sankt Michaelsbund, Deutschland
ISBN-13: 978-3-939905-22-6

Jordan: Zeit der Wölfe

Jordan: Zeit der WölfeKULTFILM

Darsteller: Angela Lansbury, Sarah Patterson, David Warner, Stephen Rea
Regisseur: Neil Jordan
Autorin: Angela Carter
Komponist: George Fenton
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprachen: Deutsch, Englisch
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Concorde Video
Produktionsjahr: 1985
Spieldauer: 90 Minuten
€ 10,40

***oo (3 von 5 Sternen)

Als diese Fantasy-Horror-Version von „Rotkäppchen und der Wolf“ in den 80er Jahren im Fernsehen lief, war ich begeistert. Einen mystischeren Märchenwald konnte man sich schier nicht vorstellen, und dass es beim Grimmschen Märchenwolf in Wirklichkeit um Männer und Sex ging, war einleuchtend. Na, und ein bisschen blutrünstiges Werwolfsgehabe ließ sich im WG-Kreis auch recht gut verdauen. Nicht so recht verstehen konnte ich, warum am Ende ein ganzes Rudel Wölfe in das Zimmer der schlafenden Rosaleen (=Rotkäppchen) einbricht, aber die eigentümliche Traumweltlogik machte den Film nur noch spannender und führte dazu, dass er auf meiner Favoritenliste landete. Ich war mir sicher, dass es mir gelingen würde, den Film beim zweiten oder dritten Mal ansehen auch wirklich und gänzlich zu verstehen.

Schließlich erwarb ich 2010 ihn als DVD – und war ziemlich ernüchtert. Der Werwolf leidet und ist böse, das Blut fließt, da bleibt nichts der Fantasie überlassen – und das ist mir mittlerweile einfach zu brutal. Aber – typisch prüde-amerikanisch – beim Sex ist alles nur Andeutung. Mittlerweile bin ich mir auch sicher, dass es nicht mehr zu verstehen gibt, als ich schon in den Achtzigern verstanden habe: Das Geheimnisvolle ist schlichte Effekthascherei ohne Botschaft. Das ändert nichts daran, dass die Bilder opulent und wunderbar sind – und allein diese Bilder lassen auch heute noch verstehen, warum das Werk seinerzeit zum Kultfilm avancierte. Wenn Sie also schöne Bilder mögen und Ihnen ein bisschen Blut nichts ausmacht, kaufen Sie die DVD – wenn Sie allzeit und immer ein hohes intellektuelles Niveau benötigen, dann lassen Sie lieber die Finger davon.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00005MOKO/holleland-21

Erstellt am 15.1.2011

Kassel: Märchen - Mythen - Moderne

Untertitel: Musikalischer Dialog mit der Museumslandschaft Kassel
Herausgeber: Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt/Main, in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Spielzeit der CD: ca. 77 Minuten
mit 60seitigem Booklet
ca. 5 €

****o (4 von 5 Sternen)

Kassel ist alles: märchenhaft (Wirken der Brüder Grimm), mythisch (über der Stadt thront als ihr Wahrzeichen der Halbgott Herkules) und modern (alle fünf Jahre findet hier die documenta statt). Ihre Museums- und Parklandschaft ist partiell einzigartig in Europa und steht als Ensemble in Deutschland auf einer Stufe mit München und Dresden. So ist es nicht verwunderlich, dass Kassel seine landgräflichen Gärten zur Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO angemeldet hat. Auf dieser CD hat die HfMDK Stücke eingespielt, die alle drei Aspekte Kassels illustrieren:

MÄRCHENHAFTES

* Robert Schumanns romantische Stücke für Klavier und Viola op. 113 (Märchenbilder). Sie beziehen sich nicht auf konkrete Märchen, sondern entwerfen 1851 eine heile Gegenwelt zur als unvollkommen empfundenen Realität. (In einer anderen Einspielung auch erhältlich unter: Chamber Music [Complete])

* Maurice Ravels Ma Mère l´Oye (Meine Mutter, die Gans), 1912 in der Orchesterfassung uraufgeführt. Der Titel bezieht sich auf die in Frankreich berühmte Märchensammlung Perraults aus dem 17. Jahrhundert. An ein Vorspiel schließt sich der Tanz des Feenspinnrads an, gefolgt von der "Pavane de la belle au bois dormant" (die in etwa unserem Dornröschen entspricht). Ein Interludium leitet über zum Märchen von der Schönen und dem Biest. Es folgt der Kleine Däumling und schließlich das exotische Bild von Laideronette, der Kaiserin der Pagoden, in dem Ravel ein Märchen-China heraufbeschwört. Abgeschlossen wird der Werk mit der Beschreibung eines Feengartens.

* Johannes Brahms hat 1864 vierzehn Volkslieder vertont, darunter das Chorlied "Bei nächtlicher Weil": Ein Jäger verliebt sich in eine Nixe und stürzt sich schließlich in ihre tiefe Quelle, um im Tod mit ihr vereint zu sein.

MYTHISCHES

* Jacob van Eyck hat im 17. Jahrhundert sich in einem Flötenstück der schönen Daphne angenommen, die vom liebetollen Apoll verfolgt sich in einen Lorbeer verwandelt.

* Johann Sebastian Bach komponierte zwischen 1718 und 1721 seine Brandenburgischen Konzerte, dessen fünftes die Wahl der Herkules zwischen Laster (Flöte des Satyrs, bei Bach eine Querflöte) und der Tugend ist. Diese wird durch Athene/Minerva verkörpert, und musikalisch durch Lira oder Violine. Das Cembalo wiederum repräsentiert den unschlüssigen Herkules.

* Benjamin Britten hat sich in seinem opus 49 für Oboe im Jahre 1951 der sechs Metamorphosen des Ovids angenommen: Pan spielt auf seiner Geliebten Syrinx; Phaeton wird durch einen Donnerschlag in einen Fluss geschleudert; Niobe verwandelt sich aus Trauer über den Tod ihrer Kinder in einen Felsen; Bacchus veranstaltet ein Gelage; Narcissus wird zur Blume gleichen Namens; und Arethusa schließlich, die ebenso wie Daphne der "Liebe" eines Gottes entkommen wollte, verwandelt sich in eine Quelle.

MODERNES

Die CD endet mit zwei Kirchenmusikstücken von Klaus Huber (*1924) und Hans Zender (*1936), die mir schier gar nicht gefallen wollen, zum Glück aber zusammen nur 13 Minuten lang sind.

Leider ist die CD nicht leicht übers Internet erhältlich. Sie können entweder nach Kassel fahren und sie dort in einem der diversen Museumsshops käuflich erwerben oder aber in Wiesbaden in der Hessischen Landesbibliothek ausleihen: http://www.hlb-wiesbaden.de/media/File/Hoerbuecher_CD_Januar_2009_fertig...

(c) HfMDK, Frankfurt/Main 2007

Kuchta: Schneewittchen und die sieben Zwerge

Märchen-Erzählspiel-CD für Kinder ab 4,5 Jahren UND Erwachsene!
Autor: Matthias Kuchta, Lille Kartofler Figurentheater
Cello: Franziska Borderieux
Länge: 44:08 Minuten
€ 12,00

***** (5 von 5 Sternen)

Mit unserer Tochter waren wir schon in vielen Märchentheater-Stücken - aber keines war bisher so gut wie das von und mit Matthias Kuchta und seinen kartoffligen, halblebensgroßen Figuren. Nicht nur die Kinder haben begeistert mitgespielt, auch wir Erwachsenen hatten was zu lachen - wie in einem ordentlichen, richtigen Kabarett. Kein Wunder, dass wir uns am Ende noch von einem anderen der Kuchta-Stücke eine CD gekauft haben, nämlich von Schneewittchen. Wunderbar, die fiese Stimme der Königin, und uffta, uffta, der stärkste Zwerg, wie er da aus dem Bergwerk kommt und Schneewittchen nur Arbeit macht.... Empfehlen kann ich also die CD Schneewittchen, das Theaterstück vom Fischer und seiner Frau (gibt´s noch nicht auf CD), und ich gehe einmal davon aus, dass die anderen CD-Einspielungen Kuchtas mindestens ebensogut sind. Als da wären: Rumpelstilzchen, Dornröschen, Der Froschkönig, Der Wolf und die sieben Geißlein. Leider haben sie alle keine ISBN, Sie müssen sie also direkt beim Herrn Puppenspieler bestellen:
http://www.lille-kartofler.de/sites_d/bestell/bestell.html

(c) Matthias Kuchta, Juni 2003

Nola et al.: Eine kleine Zauberflöte

Angeblich eine Kinderoper für Kinder ab 5 Jahren
Komponist: in sehr grober Anlehnung an Wolfgang Amadeus Mozart, von den Herren Mandozzi, Brückner und Nola
In sehr grober Anlehnung an das Libretto von Emanuel Schikaneder
Bearbeitung: Graziano Mandozzi, Wolfgang Bücker und Jürgen Nola
Synthesizer: Serge Weber
Audio-CD, 16.10.1990
Deutsche Grammophon (Universal), € 9,49

*oooo (1 von 5 Sternen)

Nachdem ich mit meiner 6jährigen Tochter diese angebliche Kinderoper erstmals im Stück gehört habe, bin ich ebenso entsetzt wie sie.

Da singen und sprechen normale Erwachsene (Evelyn Hamann, Mona Seefried, Manfred Böll usw.) wie normale Erwachsene ebenso singen. Mit Kunst hat es nicht viel zu tun – und wie soll man Kindern so Kunst näher bringen? Klar, dass es für die schwierige und wunderschöne Arien wie „Der Hölle Rache“ schier nicht langt.

Auch der Text ist grob vereinfacht zu einem angeblichen „Märchen“, der angeblichen Kinder-Kompatibilität halber (Zitat: "Die Autoren...wagten den Versuch, in ihrer Bearbeitung der Mozart-Oper erst einmal alle "klugen Dinge"... wegzulassen.")

Aber der Text ist nicht nur vergröbert, sondern auch uminterpretiert worden. Aus der Mutter wird eine Stiefmutter, der von Anbeginn an ein hinterlistiges, böses Spiel unterstellt wird (damit das Kind auch ja nicht selbst denken braucht), und Sarastro ist der gute Stiefvater, der Pamina nur zu ihrem Besten entführt hat und gefangen hält. Damit einher geht die Vielschichtigkeit der Texte und Musik verloren – ursprünglich sollte ja die Königin der Nacht, die Mutter Paminas, durch das Singspiel hindurch die Gute und Siegreiche sein, was sich jedoch nicht verkaufen ließ und deshalb kurz vor Abgabe an den Auftraggeber „mal eben schnell“ umgeschrieben und –komponiert wurde. Die kleine Zauberflöte nun vereinfacht, ohne dass diese neue Fassung an Klarheit gewinnen würde - sie wird stattdessen nur plumper und frauenfeindlicher (Wer war noch mal Sarastro? Wie heißt noch mal der Prinz?). Mittendrin jedoch verstand meine Tochter plötzlich, was Sache war: Der Mann hat das Mädchen entführt und hält es gefangen. Und da hat sie fürchterlich angefangen zu weinen und wollte die tolle „Kinderoper“ nicht mehr zu Ende hören: „Mama, schmeiß die CD weg. Warum sagen die, dass der Mann gut sei? Jemand, der einen Menschen entführt und gefangen hält, ist böse!“ Und damit sei der Stab über dieses wirre, kunstlose Machwerk gebrochen. Ob ich meine Tochter nach dieser Erfahrung noch davon überzeugen kann, dass die „echte“ Zauberflöte zauberhaft ist, wenn auch in ihrer Endversion leider gleichfalls frauenfeindlich?

Zum Trotzdem-Bestellen-und-sich-ein-eigenes-Urteil-Bilden können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0000269ZP/holleland-21

Erstellt am 12.5.2011

Ravel: L´enfant et les sortilèges / Ma mère l´oye

Ravel: L´enfant et les sortilèges / Ma mère l´oyeMärchenoper und Märchenballett
Komponist: Maurice Ravel
Dirigent: Simon Rattle
Berliner Philharmoniker
CD, Spieldauer 72'58“, mit Booklet
€ 9,97

****o (4 von 5 Sternen)

Die Komposition ist genial, die Einspielung kongenial, das Booklet jedoch eine Katastrophe (verantwortlich für die deutsche Übersetzung: Eckhardt van den Hoogen), und die Erziehungsmethoden in L´enfant et les sortilèges („Das Kind und die Hexereien“) nach einer Geschichte von Colette atmen noch den Geist des 19. Jahrhunderts.

Worum geht es in der Märchenoper? Ein kleiner Junge sitzt in einem altmodischen normannischen Haus und hat nicht die leiseste Lust, Hausaufgaben zu machen (denn die Erwachsenen haben es nicht für nötig befunden, ihm zu erklären, wozu die gut sein sollen). Er will nach draußen! Er will Kuchen essen! Er ist sauer und aggressiv. Mama kommt herein und bestraft ihn: Tee ohne Zucker! Trocken Brot! Alleinbleiben bis zum Abendessen! Als sie die Tür schließt, kriegt das Kind einen Tobsuchtsanfall, zerschlägt Teekanne und Tasse, verletzt das gefangene Eichhörnchen, zieht den Kater am Schwanz, zerstört das Pendel der Standuhr, zerfetzt Bücher, Hefte, Mustertapete. Doch plötzlich werden die Gegenstände im Zimmer lebendig und beginnen, das Kind zu bedrohen und anzuklagen.

Die Sonne geht unter, der Mond auf. Der Kater stolziert hinaus in den Garten zu seiner Kätzin, und das Kind folgt ihm. Draußen beklagen sich Tiere und Pflanzen über die Wunden, die ihnen der Junge in der Vergangenheit zugefügt hat, über die von ihm gemeuchelten Partnerinnen und Partner. Sie verbünden sich gegen den Jungen und fallen über ihn her. Doch einem Eichhörnchen hat er vor kurzem die Pfote verbunden, und als er ohnmächtig zu Boden fällt, beginnen die Tiere dann doch, nach der Retterin, seiner Mutter zu rufen, die schließlich auch herbeieilt. "Maman!" ruft das erwachende Kind und streckt die Arme nach ihr aus. Finale. Das könnte im Struwwelpeter kaum moralinsaurer stehen, wenn das Werk Ravels auch viel jünger ist: Die Uraufführung fand am 21.3.1925 in Monte Carlo statt.

Bekannter ist Ma mère l´oye („Meine Mutter, die Gans“) aus den Jahren 1908-12. Ravel hat hier einige Stücke aus der gleichnamigen Märchensammlung Charles Perraults, aber auch Mme de Villeneuves und Mme d´Aulnoys vertont – ursprünglich für Klavier zu vier Händen. Auf der vorliegenden CD ist die Orchesterfassung des Balletts mit Vorspiel, 5 Bildern und Apotheose zu hören. Als Rahmenhandlung diente Ravel die barocke französische Version des jüngeren Grimmschen Dornröschens, „La Belle au bois dormant“ (die übrigens auch die Basis des Balletts von Tschaikowsky bildet). Während ihres Schlafes treten die Schöne und das Biest auf, der kleine Däumling und die hässliche Kaiserin der Pagoden. Schließlich betritt der Prinz den Feengarten, küsst das Mädchen, sie erwacht und alle freuen sich.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
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© 2009 EMI Records Ltd.

Reichel: Regenballade


Balladen und Mythen verrockt
Autoren: unsere deutschen Dichter
Komponist, Sänger, E-Gitarrist: Achim Reichel
CD, € 15,95

***** (5 von 5 Sternen)

Viele Abende haben wir im Auto diese CD gehört, wenn wir des Nächtens von der Tanzstunde nach Hause fuhren. Deutsche Balladen ohne den erhobenen Zeigefinger eines Deutschlehrers, das war´s! Sie ahnen gar nicht, wie schnell man "HerrvonRibeckaufRibeckimHavelland" singen kann! Reichel gehörte in den 60ern zu den legendären Rattles. Später führte er den ebenso legendären Hamburger Star Club (der, in dem die Beatles auftraten) in den Ruin und sang und sang fort, und singt und komponiert auch heute noch, Rock-Shanties, und Rock-Balladen, und Rock-Mythen. Und davon ist rein gar nichts aufgesetzt und kitschig, obwohl er doch auch so ein Junge aus St. Pauli ist.

Auf dieser Mythen-CD (seine zwei anderen heißen "Wilder Wassermann" und "Klabautermann") begegnet Ihnen Pidder Lüng, der für den friesischen Wahlspruch "Lieber tot als Sklave" tatsächlich stirbt, als es darum geht, dass die Sylter nun doch endlich mal Steuern zahlen sollen.... In der Regenballade wird es gruselig. ICH möchte Ihnen nicht wünschen, dass Sie je dem Schnaater-, Schnaater-, Schnaatermann begegnen. Ebenso nass bekommt Ihnen die Gegenwart des Goetheschen Zauberlehrlings, der die Geister, die er rief, nimmer los wird. Oder fahren Sie mit Heine über Rungholt: Die Stadt ging unter vor vieln hundert Jahrn - Trutz blanker Hans! Da ist dann mehr als een Boot buten (draußen) geblieben. Außerdem treffen Sie auf dieser CD Nis Randers, Uwe Randers, den Fischer, John Maynard sowie das Meerweib. Eventuell empfiehlt es sich also, ging Wind und Wetter den Ostfriesennerz aus dem Schrank zu holen. Oder aber sie tanzen sich warm und singen aus voller Kehle mit!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0015S816Q/holleland-21

(c) Tangram (Indigo) 2008

Reichel: Wilder Wassermann


Verrockte Balladen und Mythen für Erwachsene - und so manche Kinder
Autoren: unsere deutschen Balladendichter
Komponist, Sänger, Gitarre usw.: Achim Reichel
CD-Spielzeit ca. 45 Minuten
€ 15,95

***** (5 von 5 Sternen)

Sie kennen Achim Reichel noch nicht? Doch, doch, Sie kennen ihn bestimmt! Denn Sie kennen ganz sicher die Bands, in denen er gespielt hat, die Rattles und Wonderland. Das war in den 60ern, zu Star Club-, Beatles- und Rolling Stones-Zeiten. In den 70ern hat Achim Reichel dann angefangen, sich seiner zweiten Leidenschaft zu widmen: Klassische Gedichte zu vertonen. Und das Ergebnis ist so natürlich, als hätten Goethe und Heine bereits im Beatrythmus gedichtet....

Der Wilde Wassermann ist eine von drei CDs zum Thema Balladen und Mythen (die zwei anderen heißen "Klabautermann" und "Regenballade"). In der Titel-Volksballade will der wilde Wassermann die schöne, junge Lilofee und kriegt sie auch. Hi-ha Wassermann, es freit der wilde Wassermann, hi-ha Wassermann, der wilde Wassermann! Ferner sitzt Heinrich Heine am blassen Meeresstrande, und es ist ihm, als hört´ er verschollne Sagen wie die von Rungholt, jener Stadt, die in der Nordsee untergegangen sein soll (siehe CD Regenballade). Aber vielleicht ja auch die von Vineta, der auf dem Grunde der Ostsee liegenden Wunderstadt? Den Refrain schmettere ich zusammen mit meiner kleinen Tochter: Oh Vineeeeta, oooh Vineeeeta! Ohhhh Vineeeeta, ohhh Vineeeta! Im schwarzen Walfisch zu Askalon können Sie dann noch tanzen und den folgenden Balladen lauschen:
* Balsazar
* Der Erlkönig
* Die Geister vom See
* Lars Jessen (an der schieren Menge der Seeballaden merken Sie, dass Reichel in Sankt Pauli aufgewachsen ist und ursprünglich Schiffssteward werden wollte....)
* Die Loreley
* Der Reichtum und die Not
* Walpurgisnacht
* Der Nöck
* Ein Nachmittag am Hofe der Nibelungen

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(c) Tangram (Indigo) 2008

Reiniger: Märchen und Fabeln

Lotte Reiniger: Märchen und Fabeln
Kategorie: Film-DVD für Kinder und Erwachsene
Reihe: Die Klassiker von Lotte Reiniger
FSK: ohne Altersbeschränkung
Regisseurin: Lotte Reiniger
2 DVDs, Länge ca. 369 Minuten
Ton: Mono, verschiedene Fassungen
Sprachen: Deutsch, teilweise Englisch
€ 30,99

****o (4 von 5 Sternen)

Lotte Reiniger (2.6.1899, Berlin, - 19.6.1981, Dettenhausen) war eine deutsche Scherenschneiderin, Silhouetten-Animationsfilmerin und Buchillustratorin. Sie arbeitete mit so ziemlich allen Künstlergrößen ihrer Zeit zusammen: Paul Wegener, Max Reinhardt, Paul Dessau, Kurt Weill, Paul Hindemith, Carl Zuckmayer, Fritz Lang, Berthold Brecht, Igor Strawinsky, Benjamin Britten, Jean Renoir, Luchino Visconti.... Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kehrte Lotte Reiniger Deutschland den Rücken, weil »mir diese Hitler-Veranstaltung nicht passte und weil ich sehr viele jüdische Freunde hatte, die ich nun nicht mehr Freunde nennen durfte.« Sie ging 1935 nach London, später nach Paris und Rom, und kehrte erst 1943 wegen ihrer kranken Mutter nach Berlin zurück, wo sie im Bombenhagel das Ende des Dritten Reichs überlebte. 1948 siedelte sie gänzlich nach London über, starb aber schließlich in Dettenhausen bei Tübingen.

Trotz vieler Kunstpreise und dem Bundesverdienstkreuz sind ihre Scherenschnitte heute dem großen Publikum nahezu unbekannt. Dabei sind ihre Werke so phantasievoll, vielseitig und ausdrucksstark, dass sie Cineasten ebenso wie Kinder faszinieren. Auf den hier vorliegenden DVDs, die in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender arte erstellt worden sind, befinden sich ihre Märchenfilme und Fabeln in neuer, digitaler Abtastung und verschiedenen Versionen – auf deutsch und englisch, als Stummfilm mit Musik oder auch als gänzlicher Stummfilm. Das beginnt mit „Der fliegende Koffer“ (Berlin 1921) und geht weiter über Aschenputtel, „Der Graf von Carabas / Der gestiefelte Kater“, „Die goldene Gans“, Aschenputtel, Däumelinchen, Dornröschen, „Die drei Wünsche“, „Der Froschkönig“, „Hänsel und Gretel“, „Der Heuschreck und die Ameise“, „Kalif Storch“, „Schneeweißchen und Rosenrot“, und „Das tapfere Schneiderlein“ (auf der 6. Biennale in Venedig 1955 mit dem Silbernen Delphin, dem 1. Preis für Kurzfilme ausgezeichnet).

Bis dahin sind alle Filme in schwarzweiß gehalten. Dann fängt Lotte Reiniger an, mit Farbe zu experimentieren. So gestaltet sie 1955 den Film „Jack and the Beanstalk“ (Jack und die Bohnenstange) nach einem englischen Volksmärchen mit schwarzen Silhouettenfiguren vor farbigem Hintergrund. Der jüngste Märchenfilm ist „Der Froschkönig“ (London 1961), ein kurzer, farbiger Silhouettenfilm, eigentlich intendiert als Zwischenspiel für Live-Pantomimen-Aufführungen, produziert zum 25. Jubiläum des Conventry Theatres.

Die Qualität der frühen Filme ist partiell leider nicht mehr optimal wiederherstellbar (Ton, Zeichnung, Gradation). Gegenüber den Originalmärchen sind die Versionen Lotte Reinigers zum Teil stark verkürzt (zwischen 2'47“ und 13'21“ Minuten). Sie sind sehr graziös, aber durch die Verkürzungen natürlich auch oberflächlicher, und die Grausamkeiten der Originale fielen dem Rotstift zum Opfer – bis hin dazu, dass die Hänsel-und-Gretelsche Hexe nicht verbrannt wird. Dafür gibt es einen * Abzug. Aber ohne Zweifel: Das hier ist echte Kunst, Schattenspielkunst.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0007MSOPE/holleland-21

Übrigens: Lotte Reinigers Scherenschnittfilme können Sie auch im Ludwigsburer Märchengarten auf Großleinwand bewundern.

© by absolut MEDIEN, Berlin 2006

Schild: Blaue Karawane 1

Kategorie: Märchen-CD für Erwachsene und Kinder ab 4 Jahren
Untertitel: Von Moskau an den Amur
Autorin: Maria Schild
mit Musik von Derya Takkali (Baglama), Alexej Wagner (Akustik- und E-Gitarre) und Cherif Hammiche (Percussion und Sounds)
CD, Dauer ca. 70 Min.
€ 14,90

****o (4 von 5 Sternen)

Der Erzählerin Maria Schild gelingt das Kunststück, Geschichten vorzutragen, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene faszinieren. Ich habe ihr zum ersten Mal im Linden-, dem Stuttgarter Völkerkundemuseum, durch ein Hörrohr gelauscht - in der Ausstellung "Schamanen Sibiriens - Magier * Mittler * Heiler".

Maria Schild liebt Sibirien und berichtet auf dieser CD von einer Sommer- und einer Winterreise, die sie mit der Transsibirischen Eisenbahn dorthin unternommen hat, von dem Samowartee, den es unterwegs im Zug zu trinken gab, und von den Märchen, die ihr am Baikalsee und anderswo erzählt worden sind: von der Baba Yaga; von der Tochter des Baikals, die ihren Vater heimlich verlassen hat; von der schönen Jukeiten, dieser goldenen Sonne, diesem zarten Falter....

Den einen Stern Abzug gibt es nur dafür, dass mir ihre Stimme nicht besonders liegt - sie zieht sich langsam schleppend dahin. Andere Leute scheint diese Stimme hingegen in ihren Bann zu ziehen. Die Vita Schilds ist extrem ungewöhnlich: Im Krieg als Tochter einer galizischen Polin und eines Deutschen geboren war sie etwas, was gar nicht sein durfte - und damit staatenlos. Bis 1965. Die Mutter ihres Vaters hat sie in Kassel und im Schwalmland großgezogen und ihr die Liebe zum mündlich erzählten Märchen vermittelt. Und die Liebe zum Leben. Was hat Maria Schild nicht alles gelernt und ausprobiert: Sie war Hauswirtschafterin, Kinderpflegerin, Erzieherin, Schauspielerin (unter Erwin Piscator!!), hat mit den Wühlmäusen politisches Kabarett gemacht, ihren Sohn Kolja allein groß gezogen, in den 70er Jahren ein Studium der Sozialpädagogik abgeschlossen, und in den 80er Jahren eines der Ethnologie (mit den Schwerpunkten Schamanismus und Mythen). Seither erzählt sie Märchen und organisiert Reisen in die Ursprungsländer der Geschichten und Mythen. Ich empfehle Ihnen, ihre verwunschene Lebensgeschichte einmal selbst im Internet nachzulesen.

Zum Bestellen dieser zauberischen CD können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/389930201X/holleland-21

(c) 2007 Verlag Hans Schiler
Made in Germany

Schumann: Chamber Music


Romantische Kammermusik für Erwachsene
Komponist: Robert Schumann
Interpreten: diverse
7 Audio-CDs, Spieldauer: 411 Minuten
ca. € 18,99

*****(5 von 5 Sternen)

Sie kennen Robert Schumann? Genau, er war der Mann von Clara Wieck. Geboren am 8.6.1810, starb er schon 46jährig in geistiger Umnachtung. Davor aber hat er rund 150 opi komponiert, unter ihnen 4 1/2 Sinfonien. Als echter Romantiker bemühte er sich natürlich auch um das märchenhafte Element. Auf den vorliegenden, exzellenten CDs tragen zwei Opi das Märchen schon im Titel: die "Märchenerzählungen für Klavier, Klarinette und Viola, op. 132" aus dem Jahr 1853 sowie die "Märchenbilder für Viola und Klavier, op. 113" aus dem Jahre 1851, beide in jeweils 4 Sätzen. Wenn man Schumann aber fragte, welche Märchen sich denn hinter den Stücken verbergen würden, so waren Spott und Hohn die Antwort: Schumann hat hier keine Programmmusik geschrieben. Es steht ihnen also frei, sich ein Märchen zu den einzelnen Stücken auszudenken, und meine Tochter und ich haben dies mit großem Vergnügen getan.

Natürlich sind dies nicht die einzigen Märchenstücke Schumanns: z.B. gibt es im Zyklus Dichterliebe (op. 48) auch eine Vertonung des Heine-Lieds "Aus alten Märchen winkt es hervor mit weißer Hand, da singt es und da klingt es von einem Zauberland.... Ach! jenes Land der Wonne, das seh´ ich oft im Traum, doch kommt die Morgensonne, zerfließt´s wie eitel Schaum." Aber das ist eine andere CD...

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: Chamber Music [Complete]

(c) Brilliant (Joan Records), 9.8.2003

Schwehr: Das kalte Herz

Ein zeitgenössisch-romantisches Märchen mit Musik nach Wilhelm Hauff
Komponist: Cornelius Schwehr
im Repertoire von: ensemble recherche

***oo (3 von 5 Sternen)

Ich stelle hier eine CD vor, die es (noch) gar nicht gibt, aber geben sollte - bis dahin sind Sie auf jeden Fall auf die Live-Aufführungen angewiesen, z.B. in der Liederhalle in Stuttgart. Schwehr ist ein Freiburger Komponist und dortselbst Professor für Komposition und Musiktheorie. Vermutlich kennen Sie ihn am ehesten von seinen Filmmusiken, z.B. für einige Tatorte oder für den Spielfilm "Viehjud Levi". Drei Jahre hat er am kalten Herzen gearbeitet, einem als Lesung mit Musik bezeichneten Hörstück für Sprecherin, Sprecher und vier Instrumente. Die Neuinszenierung dieses im Schwarzwald spielenden Märchens mischt klanglich Altes und Neues und es gelingt ihr, das leichte Gruseln und Schauern aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert in einen modernen Konzertsaal zu transportieren.

Kapitalismuskritisch sei der Stoff, wird gesagt, aber was diesem herzlosen und mörderischen Kapitalismus von Hauff entgegengehalten wird, ist lediglich biedermeierlich-frömmelndes (und am Ende siegendes) Christentum. Und so endet denn das Märchen und die Komposition wie folgt: "So lebten sie still und unverdrossen fort, und noch oft nachher, als Peter Munk schon graue Haare hatte, sagte er: "Es ist doch besser, zufrieden zu sein mit wenigem, als Gold und Güter haben und ein kaltes Herz."" Ja, wenn´s so einfach wäre! Aber so einfach ist es auch für Peter Munk nur deshalb, weil ihm ein zauberndes Glasmännlein ab und an Geld verschafft - nicht viel, aber genügend. "Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist schon viel hundert Jahre alt,
Dir gehört all Land,
wo Tannen stehn -"
Sie können´s ja mal probieren, wenn Sie im Schwarzwald stehen und ein Sonntagskind sind...

Wenn Sie gerne wissen möchten, wo das Hörstück aufgeführt wird, sollten sie auf die Homepage des ensemble recherche gehen, die sich der modernen Musik verschrieben haben: www.ensemble-recherche.de (und vielleicht werden Sie eines Tages dort ja auch feststellen, dass inzwischen eine CD eingespielt worden ist). Außerdem empfiehlt sich die Homepage des Komponisten: www.cornelius-schwehr.de

(c) Cornelius Schwehr 2006

Storl: Frau Holle und andere Pflanzenmärchen


Märchen- und Mythen-CD für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren
Autor: Wolf-Dieter Storl
Musik: Sayama
€ 12,95
Gesamtspieldauer: 63:20 Minuten

****○ (4 von 5 Sternen)

Streifzüge durch Midgard, den Wohnort der germanischen Menschen, und Utgart, die Außenwelt der alten Göttinnen und Götter, könnte man diese CD auch untertiteln. Untermalt von elektronischer Sphärenmusik erzählt Storl von Frau Holle, der Hüterin der Seelen, dem Holunder, von Gut und Böse und ihrem Auftritt als des Teufels Großmutter. Und er erzählt leibhaftig, mit Ähs und Äms, Wiederholungen, Grammatikfehlern, und machnmal entfernt er sich zu weit vom Mikrofon.

Seine Stimme ist etwas schleppend, man braucht einige Minuten, um sich daran zu gewöhnen. Dann aber begeistert die Idee, quasi neben Storl am Ofen zu sitzen und ihm zuzuhören, wie er kenntnisreich von einer alten Göttin erzählt, die es in allen Kulturen gegeben hat. Anspielungen auf unser heutiges Leben, wie Klimawandel, Michael Jacksons Neverland oder George W. Bush kommen dabei nicht zu kurz. Sehr eigen!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3867280533/holleland-21

(c) Koha-Verlag GmbH 2008
ISBN 3 13 978-3867280532

Wizard Women of the North

Wizard Women of the North
Skandinavische Musik-CD
Sängerinnen und Musikantinnen aus Schweden, Norwegen und Finnland: Susanne Rosenberg, Tone Hulbaekmo, Tallari, Susanne Lundeng, Hege Rimestad, Tellu, Mari Eggen, Helene Hoye, Aurora Borealis (sic!), Asne Sunniva Soreide, Helen Hoye, Annbjorg Lien, Sinikka Langeland, Kirsten Braten Berg, Pernille Anker
Dauer ca. 64 Minuten
€ 18,99 (neuere Kompilationen mit einem zusätzlichen Stück bis zu € 30,99)

***** (5 von 5 Sternen)

Haben Sie schon einmal einer Kantele oder einer Hardangergeige zugehört? Wissen Sie, wie eine Schäferin ihre Herde ruft oder wie der Gesang der Waldnymphe klingt? Die Zauberinnen des Nordens können Sie in einem Café treffen, achten Sie nur auf ihre Schuhe: Sie gehören meist zu der Art, die man schnell abstreifen kann. Denn die Zauberin des Nordens braucht Luft zwischen den Zehen, so dass sie die Erde fühlen kann, auf der sie geht und zu der sie gehört. Diese wohlgelüfteten Zehen braucht sie zum Tanzen und um den Rhythmus zu klopfen, wenn sie spielt oder singt.

Alle Zauberinnen des Nordens besitzen einen Dolch. Vielleicht hängt er an ihrem Gürtel, oder er liegt in einer Küchenschublade oder im Handschuhfach ihres Autos... Ein gutes Messer ist ein notwendiges Werkzeug für jede Zauberin des Nordens: Du weißt nie, was als nächstes passieren wird!

Am Strand, im Wald und in den Bergen leben die Schwestern der Zauberin des Nordens, die Waldnymphen. Sie sind schön, mit starkem Willen, mutige Geister, die Männer verzaubern und sie zur Hochzeit in ihre unterirdische Welt entführen. Den Frauen des Nordens hingegen dient die Sylphe als große Quelle der Inspiration. Die Kraft der Waldnymphen kann in den Blues-Tönen und zarten Rhythmen der nordischen Volksmusik erhört werden. Die Sylphe lebt in der wilden Natur - aber ich selbst habe sie tatsächlich auch schon in einem Musikcafé getroffen... in der Morgendämmerung!

(frei übersetzt nach Pernille Anker)

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00005CDNS/holleland-21

(c) Grappa (Galileo Music Communication) 1998, 2005

Wolkow: Der Zauberer der Smaragdenstadt


Märchen-CD für Kinder ab 8 Jahre
Autor: Alexander Wolkow. Gesprochen von Katharina Thalbach
2 CDs mit 8seitigem Booklet, Spielzeiten 76:48 und 70:09 Minuten
€ 13,99

Bewertung: ****○ (4 von 5 Sternen)

Der Sibire Wolkow (1891-1977) hat hier seine eigene Version des „Zauberers von Oz“ erschaffen. Die ZEIT meint dazu: „Er erweckte den Eindruck, als Erster da gewesen zu sein. Statt brav hinter dem Urtext aus dem Jahre 1900 her zu galoppieren, schrieb Wolkow ein Buch, das man nun verblüfft als das wahre Original erkennen musste.“

Vielleicht, vielleicht auch nicht – bei mir hinterlässt es gemischte Gefühle. Phänomenal und genial ist hingegen die Sprecherin Katharina Thalbach: eene kleene Berlinerin, nicht mehr jung, aber mit einer Stimme, die alles kann: Sie ist eine Hexe. Sie ist ein Hündchen. Sie ist ein kleines, junges Mädchen. Sie ist eine Künstlerin.

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© 2006 Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH, Hamburg
© des Originaltextes Alexander Wolkow Erben
© der Übersetzung aus dem Russischen Leipziger Kinderbuchverlag GmbH
ISBN-10: 3-8337-1533-2

Geschenkpapiere

Geschenkpapier 1001 Nacht

Märchen-Geschenkpapier von Künstlerhand
10 verschiedene Bögen 70x50 cm
4,95 €

**○○○ (2 von 5 Sternen)

Der Verlag verspricht "zehn märchenhafte Motive aus 1001 Nacht" in "Premiumqualität" und die Verpackung zeigt eine Moschee mit Palmen vor blauem Himmel. Innen befinden sich dann 10 verschiedene Bögen mit eher spießigen, rein ornamentalen Mustern, oberflächlich in der Farbgebung. Von Märchen keine Spur. Welcher Künstler da am Werk gewesen sein soll, wird auch nicht verraten. Trotzdem zwei Sterne, da die Qualität des Papiers tatsächlich sehr gut ist.

(c) Krone Verlag 2006
ISBN 978-3937485638

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Kochbücher

Drabandt/Schirmer: Der süße Wolf


Märchenkochbuch für Kinder ab 6 Jahren
Autoren: Heinz Drabandt / Gudrun Wallmann. Mit Illustrationen von Freya Schirmer
Untertitel: Märchen-Koch- und Backbuch
152 Seiten, gebunden, mit vielen 4farbigen Abbildungen
€ 14,90

Bewertung: **○○○ (2 von 5 Sternen)

Der Umschlagtext verrät, dass Kinder auch heute noch Märchen wie Rotkäppchen oder Schneewittchen lieben. Das ist wahr – nur, was wird hier aus den Märchen gemacht? Die böse Hexe von Hänsel und Gretel ist keine böse Hexe mehr, sondern zeigt den Geschwistern, wie man Zimtplätzchen backt. Der böse Wolf verschlingt nicht die 7 Geißlein, sondern die Griesspeise, die sie gemacht haben – und so weiter, und so schlecht. Die Märchen werden hier verhunzt und ihres tieferen Sinns beraubt, das Ganze garniert sich mit Bildern, die an Kitschigkeit kaum noch zu überbieten sind.

Die Wortwahl und Zutaten selbst sind sehr regional-norddeutsch. Immerhin scheinen die Rezepte so beschrieben zu sein, dass tatsächlich Kinder ab 6 Jahren mit „Muttis“ Hilfe (Väter sind nicht gefordert) sie meistern können, sofern sie mit nordostdeutscher Jagdwurst und „Pizzagewürz“ operieren wollen. Und selbstverständlich fehlt jeder Hinweis darauf, dass man keinen schädlichen, weil cumarinhaltigen Cassia- sondern lieber Ceylonzimt verwenden sollte. Meine Tochter jedenfalls hat das Angebot, sich eine „nettere“ Version von Schneewittchen anzuhören (und dadurch vielleicht Lust aufs Kochen zu bekommen), rundweg ausgeschlagen. Schade ums Geld!

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© 2004 Klatschmohn Verlag, Rostock
ISBN-13: 978-3-933574-75-6

Ferber: Tischlein deck dich!


Märchenkochbuch für Jugendliche und Erwachsene
Autoren: Christine Ferber, Philippe Model, Bernhard Winkelmann, Laurence und Gilles Laurendon
Untertitel: Rezepte aus der Märchenküche
168 Seiten, gebunden, mit vielen 4farbigen Abbildungen
€ 39,90

Bewertung: ***** (5 von 5 Sternen)

Zu diesem Kochbuch kann man nur eines sagen: Es ist wunderschön! Die Fotografien und Zeichnungen sind wie verzaubert, Alice huscht soeben um die Ecke, Rotkäppchen hat nur schnell ihren Korb abgestellt, um der Großmutter noch ein paar Blumen zu pflücken. Und dort sind Sie auch schon im Schloss des Menschenfressers, der soeben vom gestiefelten Kater in Form einer Maus verspeist worden ist.

Die Rezepte sind kochbar, allerdings zum Teil nicht für kleine Kinder. Was mir an ihnen gefällt: Sie sind von den Märchen inspiriert, halten sich aber nicht sklavisch an sie, sondern sind echte Kunst, Gedichte, garniert von Ausschnitten aus vielen europäischen Märchen und geordnet nicht etwa nach Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise, sondern unterteilt in die Kapitel „Das geheimnisvolle Haus“, „Der Zaubergarten“, „Im Märchenwald“, „In der Gewalt von Riesen und Hexen“, „Von einem Schloss zum anderen“, „Im Wunderland“.

Dieses Kochbuch ist ein wahres Märchen für Erwachsene, und es gibt eigentlich nur einen Wermutstropfen: Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Französischen, und so sind die Zutaten auch echt französisch und in Deutschland teils nur schwer erhältlich. Ich kann Ihnen auf Anhieb sagen, wo ich in Paris kandierte Engelswurz bekomme – aber hier bei uns? Auch mit den Kapaunen ist es so eine Sache: Während wir sie fast nur noch aus Märchen kennen (in Deutschland werden pro Jahr nur noch 1.500 kastrierte Hähnchen verspeist), sind sie in Frankreich beinahe Alltag: 1.500.000 Kapaune lassen dort jährlich ihr Leben. Bei solch phantastischen Rezepten wie diesen hier und einem so wunderschönen Buch führt das aber nicht zum Punktabzug – wir müssen uns eben bemühen!

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© 2008 Gerstenberg Verlag, Hildesheim
ISBN-13: 978-3-8369-2985-1

Francia: Das magische Kochbuch


Rezepte zum Verzaubern und andere Geheimnisse von weisen Frauen - für solche, die es werden wollen
Autorin, Zeichnerin und Fotografin: Luisa Francia
144 Seiten, durchweg vierfarbig bebildert, gebunden
€ 19,90

***** (5 von 5 Sternen)

Dies ist mit Abstand mein liebstes Zauberkochbuch, obwohl mir Luisas Kraftplätzchen nicht besonders gut schmecken - der Löwenzahnquark mit Kartoffeln zur Frühlings-Tagundnachtgleiche macht aber alles wieder wett. Die Präsentation der Rezepte ist höchst liebevoll und ansprechend. Luisa weiß viel und erklärt viel drumrum.

Das beginnt mit einem Einführungskapitel über Kochen als ältester magischer Tätigkeit und geht fort unter anderem über

* Gerichte und Getränke, die groß und stark machen
* Verführerische Kleinigkeiten, Liebestränke und zauberhafte Verlockungen
* Speisen, die zu den wichtigsten Hexenfeiertagen passen
* Gerichte nach den Jahreszeiten der Natur
* Rezepte, die heilen, aufbauen und glücklich machen

und endet schließlich mit einem Glossar, das die wichtigsten Begriffe aus der Magie erläutert. Es passt ganz zu Luisa, dass einer dieser Begriffe das Lachen ist: "Das Wichtigste im Umgang mit starken Substanzen und hohen Energien ist die Heiterkeit. Lachen zu können ist die größte Qualität der weisen Frau."

Sie ahnen es schon, Luisa Francia ist eine wirkliche Hexe, und keine verquaste Esotherikerin. Auf ihrer Homepage www.salamandra.de können Sie mehr über sie erfahren.

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(c) 2006, Nymphenburger, München

Nell: Märchenrezepte

Nells´ MärchenrezepteMärchenkochbuch für Kinder ab 8 Jahren
Autorin: Edith Nell, mit Illustrationen von Jost Braun
176 S. mit fast ebenso vielen 4farbigen Abbildungen
gebunden
ab ca. € 4,30 (nur antiquarisch erhältlich)

****o (4 von 5 Sternen)

Dieses Kochbuch ist einfach klasse! Nach der Wende erschienen weitere Auflagen im Westen, ich aber habe eine richtige, echte DDR-Ausgabe von 1981. Was als erstes auffällt: Die ausgesprochen schönen Zeichnungen, ganz weit über dem Durchschnitt heutiger Kinderbücher. Dann das Vorwort, aus dem ich Ihnen kurz zitieren möchte:

"Liest du gern Märchen? Die drei Kinder, die wir hier vorstellen, hören und lesen sie mit Begeisterung. Christian ist sieben Jahre alt, seine Schwester Susanne hat gerade ihren zehnten Geburtstag gefeiert, und Mathias, der Cousin der beiden, ist schon elf. Oft, wenn die drei zusammen waren, verkleideten sie sich und spielten Märchen nach. Das hast du bestimmt auch schon gemacht. Eines Tages aber, als sie wieder einmal in der Sammlung der Brüder Grimm gelesen hatten, fiel Mathias auf, dass in vielen Märchen von gutem Essen die Rede ist. Und weil er ein Schlecker ist, schlug er den beiden kleineren vor, sich auszudenken, was es beispielsweise bei Frau Holle oder beim Rumpelstilzchen zu essen gegeben hat. Susanne und Christian gefiel das sehr, und sie erfanden für viele Speisen ulkige Namen... Wenn du willst, kannst du auch kochen lernen. Dieses Buch wird dir dabei helfen."
Und genau dies ist der Fall: Wir haben hier ein ausgesprochen kindgerechtes, und trotzdem nicht kitschiges Kochbuch vor uns. Eingeteilt ist es nach 12 Märchen der Brüder Grimm, die am Anfang jedes Kapitels kurz vorgestellt werden. Dabei enthält "Der süße Brei" Milch- und Obstspeisen, "Schneewittchen" Gemüsegerichte, "Rotkäppchen" Getränke usw. usf. Es wird nicht nur aufgelistet, welche Koch- und Backzutaten man braucht, sondern auch, welche Küchengeräte, z.B. braucht mensch für "Knüppel im Sack": 1 großes Holzbrett, 1 Nudelholz, 1 spitzes Messer, 4 Teller und 1 Backblech! Und da es sich um ein DDR-Kochbuch handelt, fehlen solch vergnügliche Zutaten wie "1 Päckchen kochfertiges Linsengericht (z.B. von "Suppina")", "Mekorna", "Erfurter Diätgewürze", "Kuko-Reis" oder "Erwa-Suppenwürze flüssig" natürlich nicht. Da brauchen dann die heutigen Kinder doch einmal kurz die Hilfe der Eltern...

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: Märchenrezepte. Ein Kochbuch für Kinder

(c) Verlag für die Frau, DDR Leipzig 1981

Tietz: Götterspeisen

Ausgewählte Köstlichkeiten mit Honig
Autorin: Oda Tietz
Illustrationen: Jutta Hellgrewe
96 S., 27 farbige Illustrationen
nur antiquarisch erhätlich ab ca. 1,34 €

*** */o o (3,5 von 5 Sternen)

Ein kleines Kochbüchlein für Verliebte, das auch in jedes Handtäschlein, in Rucksäcke und Resietaschen passt! Wie wir alle wissen, liebten die griechischen Göttinnen und Götter Nektar und Ambrosia, welche ihnen ewige Jugend und Gesundheit bescherten. Und bei den Menschen??? "Honig macht die Frauen zärtlicher und die Männer feuriger", sagt zumindest das Motto des Buchs. Ob die eingestreuten Geschichten einer intimen Kenntnis des Olymp entspringen oder frei erfunden sind, wage ich nicht zu beurteilen. Auf alle Fälle aber gibt es wunderbare Rezepte, knapp beschrieben (nichts für KochanfängerInnen!).

So finden sich im Kapitel "Aus den Gefäßen des Ganymed" nicht nur eine Pfirsichblättermilch (sic!), sondern auch eine Sündenlimonade, ein Lustsorbet oder natürlich der Lebensquell.
Zu "Eros Vorspeisen" zählen sein vegetarischer Kaviar oder ganz exzellente Honigmöhren (ich empfehle als Reibekäse Ziegengouda, als Honig Lindenhonig und statt Margarine Butter).
Im Kapitel "Geheime Kräfte bergen die Jagdbeuten der Artemis" erfahren sie so einiges über Tauben nach Götter-Art, Wildschweinschnitzel und Rehgulasch.
"Die eßbaren Gedichte der Aphrodite" sind Poesie in Form von Teemilch-Götterspeisen, einem Begrüßungskuss selbiger Göttin oder Äpfeln auf Wacholdersahne.
"Gebläht vor Stolz preist Poseidon schmackhafte Meereswesen" wie Liebesfische oder Crêpes mit Kaviar (diesmal ist echter Kaviar gemeint!).
Und last but not least sind himmlisch "die Backwerke der Göttin der Morgenröte", zu denen ihre Torte, ein Götterkuchen oder kandierte Veilchen gehören. Bei diesem Rezept können Sie ruhig mehr als die angegebenen 30 Blüten pflücken. Achten Sie aber darauf, einen Zucker zu nehmen, der gut auskristallisiert - unser Vollrohrzucker war denkbar ungeeignet. Und unter "etwas Wasser" dürfen Sie wirklich nur wenigste Esslöffel verstehen. Viel Spaß beim Kochen, Essen - und danach!

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Ich habe nicht exakt die West-Ausgabe, die bei Amazon angeboten wird, sondern eine Ost-Ausgabe:
(c) Verlag für die Frau, Leipzig 1988, 1991
ISBN 3-7304-0193-9

Krimis

Izquierdo/Eßer: Die Märchenmörder

Izquierdo/Eßer: Die Märchenmörder
Herausgeber: Andreas Izquierdo und Angela Eßer
Taschenbuch, 206 S.
mit 13 s/w Illustrationen von Egbert Greven und vielen Aldusblättern
Vorwort: Julius Moll
€ 10,--

****o (4 von 5 Sternen)

Märchenhaft mörderisch! wirbt der Verlag für dieses Taschenbuch, in dem 13 teils berühmte Autoren die Motive aus 12+1 Märchen in 13 Krimis verwandelt haben. Die Märchen kennen Sie alle, von Aschenputtel über die Schneekönigin bis zum Machandelboom – und falls Sie sie nicht kennen sollten, so finden Sie am Anfang jeder kriminellen Kurzgeschichte eine Zusammenfassung in wenigen Zeilen. Um so spannender ist es zu lesen, was die einzelnen Autorinnen und Autoren daraus gemacht haben. Das reicht von psychologisch subtil bis zum primitiv-blutrünstigen 007-Verschnitt.

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen sieht nicht im Sterben wie beim bürgerlichen Andersen einen Gänsebraten, den Weihnachtsbaum und die Großmutter – sondern es rächt sich, wenn auch nur in der Phantasie, an den Konzernen und Bossen, die an seiner Armut und seinem Elend Schuld sind. In der Schneekönigin hingegen wimmelt es nur so von „Titten“ und „Mösen“ und in den anderen Geschichten ist Prostitution ein gar häufiger Frauenberuf: in vier der 13 Märchen üben die Heldinnen ihn aus. Dazu passen die etwas banalen Zeichnungen von Egbert Greven.

Insgesamt bereiten die Geschichten jedoch ein mörderisches Vergnügen, und daran Schuld sind: Frank Schätzing, Ingrid Noll, Zoë Beck, Stephan Slupetzky, Norbert Horst, Thomas Kastura, Sandra Niemeyer, Ralf Kramp, U.A.O. Heinlein, Anke Gebert, Kai Hensel und die beiden Herausgeber. Nur das Korrekurlesen hätte etwas sorgfältiger erfolgen können!

Zum Bestellen können Sie unter anderem auf folgenden Link klicken http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3940610127/holleland-21
Falls dort nicht erhältlich, wenden Sie sich bitte an den Verlag:

© 2010 Kölnisch-Preußische Lektoratsanstalt
ISBN 978-3-940610-12-6

Erstellt am 12.2.11

Schäfer: Froschkönig

Regionalkrimi für Erwachsene
Autor: Henning Schäfer
Taschenbuch, 315 Seiten
€ 9,80

***/ooo (2,5 von 5 Sternen)

Wenn Sie vom Noro-Virus befallen völlig benommen im Bett liegen, dann ist dieses Buch genau das Richtige für Sie, denn es verlangt Ihnen nicht viel ab: Ein spannender Who´s-done-it-Krimi, der in Nordhessen spielt, zwischen Kassel und Eisenach, in Eschwege samt Vorort Oberhone (woselbst der Mordfälle lösende pensionierte Polizeiarzt Gerhard wohnt), Witzenhausen, Marburg, Rotenburg, Bad Hersfeld... und dazwischen. Eben im Märchenland. Schäfer, selbst pensionierter Arzt und Nordhessen-Fan, hat seinen Helden vielleicht einige seiner Züge verliehen (z.B. die Passion für Opernarien), und die Oberhoner Bauern, die sich erbittert mit den Oberhoner Naturschützern streiten, kann man sich auch noch leibhaftig so vorstellen.

Ansonsten ergeht sich Herr Schäfer in Allgemeinplätzen, als da wären: Frauen verstehen nichts von Fussball (auch wenn sie das manchmal gut verbergen können!), lieben banale Kaffeekränzchen, handeln intuitiv und nutzen jede sich bietende Gelegenheit zum Shoppen. Fanatische Umweltschützer haben lange Haare und sind ungepflegt (sogar wenn sie Universitätsdozenten sind). Polizisten "sollen und wollen" sich "ausschließlich an Fakten halten" (und kriegen mangels Fantasie deshalb natürlich auch keine Fälle gelöst). Pensionierte Ärzte scheinen nur an das Eine zu denken (wenn sie nicht gerade Kriminalfälle lösen) usw. usf. Die wörtliche Rede fällt dabei häufig etwas schwülstig aus. Kennen Sie z.B. jemanden, der Sie privat so anspricht: "Dabei wurden Sie, Herr Dr. Gerhard, von meinen Gesprächspartnern nur so mit Lob überschüttet für den damals gezeigten Spürsinn, für Ihre feinfühlige Diskretion und Ihre intuitive Sensibilität." Punkt. Mit von der Partie sind übrigens noch Odysseus, Polyphem, der Styx... und natürlich der Froschkönig!

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(c) Matthias Schäfer Verlag, Eschwege 2006

Kunstbücher

Burne-Jones: Das irdische Paradies

Burne-Jones: DornröschenDas schlafende Dornröschen, vollendet 1894/95, Öl auf Leinwand, 126x237 cm, Dublin City Gallery The Hugh Lane


Burne-Jones: Das irdische ParadiesKunst für Erwachsene

Maler: Edward Burne-Jones
Herausgeber: John Christian, Christofer Conrad, Matthias Frehner
232 Seiten, 4c, 27,4 x 23 x 2,8 cm
€ 29,80

**ooo (2 von 5 Sternen)

Das irdische Paradies wollte der Theologiestudent Edward Burne-Jones (1833-1898) schaffen und schloss sich dem Männerbund der Präraffaeliten um D.G. Rossetti an (dessen erfolgreiche Schwester, die Dichterin Christina Rossetti, nie formell als Mitglied aufgenommen wurde). Abgeschaffen werden sollte die soziale Hässlichkeit und Massenproduktion des industriellen Zeitalters, Schönheit und Handwerk sollten regieren, und dazu orientierte Mann sich am christlichen Mittelalter. Puritanisch ging es da zu, und heroisch natürlich, und wenn man Burne-Jones Glauben schenkt, auch seeehr elegisch. Und so stehen sie denn da, seine Figuren, und schauen gedankenverloren in weite Fernen – aber besser noch liegen sie, wie z.B. der verzauberte König Artus oder eben Dornröschen, denn wer schläft, der sündigt nicht. Zu Märchen und Mythen wie Dornröschen, Perseus oder Amor und Psyche hat der Viktorianer ganze Zyklen gemalt, aber es ist bezeichnend, dass am Ende des Dornröschen-Zyklus die Prinzessin nicht erwacht, sondern immer schön weiterschläft, obgleich der Prinz bereits das Schloss betreten hat.

Schon seit Anfang der 1860er Jahre lässt sich Burne-Jones von diesem und anderen Märchen anregen - mehr als 30 Jahre lang. Das Dornröschen-Thema bearbeitet er zunächst in Form von Wandkacheln für das Haus des Künstlers Myles Birket Foster, ab 1874 entsteht dann ein vierteiliger Zyklus von Ölgemälden für den Salon von Alexander Henderson in Buscot Park (Oxfordshire), zu dem das obige Bild gehört.

Edel, hilfreich, gut und selbstverständlich schön sind seine idealisierten Helden – und wirken alle, als ob sie unter Narkose stünden oder gar Puppen wären. Dunkle Farben herrschen vor, und wenn auch vereinzelt eine rote Rose leuchtet, so ist doch der Haupteindruck schwarz-braun und bedrückend. Wenn das irdische Paradies so wäre, dann bin ich sehr froh, dass es dazu nicht gekommen ist.

Ähnlich erging es meiner fünfjährigen Tochter (märchenbegeistert und eine geübte Museumsgängerin), als die Staatsgalerie Stuttgart im Winter 2009/2010 zu einer Märchenveranstaltung für Kinder mit der Erzählerin Sigrid Früh in die Edward Burne-Jones-Ausstellung lud: Schon im ersten Saal reagierte sie mit Erschöpfung, Ablehnung, am Ende gar mit Fieber und Weinen. Ich dachte, sie wird krank. Und all dies war vergessen, kaum dass wir eine Stunde das Museum verlassen hatten...

Ein Künstler war Burne-Jones jedoch zweifellos, und wer sich den Ausstellungskatalog zu Gemüte führen möchte, der kann auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3775725164/holleland-21

© Hatje Cantz, Stuttgart 2009

East London Printmakers: Wonderland

Ausstellungskatalog
Projekt-Konzeption: Katja Rosenberg
Design: Richard Roberts et al.
Übersetzungen: Tina Fock

76 Seiten, 4c

für rund 5€ im Brüder-Grimm-Museum, Kassel, oder zum freien Download unter: http://www.eastlondonprintmakers.co.uk/catalogues/wonderland.pdf

****o (4 von 5 Sternen)

Die East London Printmakers sind, wie der Name andeutet, ein unabhängiges Künstlerkollektiv mit über 100 Mitgliedern, das ein Studio für Druckgrafik in Ost-London betreibt. "Wonderland" ist ihr erstes größeres Projekt außerhalb Großbritanniens, mit Ausstellungen in Bad Oeynhausen, Kassel, und natürlich auch in London selbst. Wonderland, das ist Alice im Wunderland, die Zeit der Kindheit, der Märchen, die die Künstlerinnen und Künstler in ihren Bildern wieder aufleben lassen.

 

  • Kitty Reford läßt den Wolf Rotkäppchen beobachten.
  • Janet Wilson stellt in einer zarten Radierung die Kleine Meerjungfrau dar, über der ein Fisch schwimmt, größer als sie selbst.
  • Gut gefällt mir auch Jean Gibbins Holzschnitt zum Märchen "Paddle to the Sea" der Ojibway Indianer in Kanada: Ein Junge schnitzt ein Kanu, einen Mann und ein Paddel und schickt sie auf eine Reise durch die Großen Seen bis zum offenen Meer.
  • Auf Louiz Kirkebjerg Nielsens Siebdruck Däumelinchen verheddern Kröten, Maikäfer, Maulwurf und Feldmaus sich schier in einem Gewimmel von Erde, während Däumelinchen den Weg in die Freiheit findet und mit den Schwalben davonfliegt.
  • Eine schöne Installation ist auch "Jack und die Bohnenstange" von Janet Patterson: Schachteln mit aufgemalten Blättern, die in einem Bogen vom Boden bis zur Decke reichen.
  • Lydie Gallais wiederum hat die Engelsflügel des Begehrens radiert, und später festgestellt, dass es darüber ja schon einen Film gibt: Den Himmel über Berlin von Wim Wenders (was mich wiederum daran erinnert, dass ich schon seit langem auf dieser Homepage über den Film schreiben möchte...)

Das sind nur 6 der 36 in diesem Katalog vertretenen märchenhaften Künstler. Ich hätte ihm gerne 5 von 5 Sternen gegeben, wenn nur die Übersetzung der Texte ein klein wenig besser gewesen wäre. So kann ich Ihnen nur empfehlen, den englischen Text zu lesen, und nur, falls eine Vokabel fehlt, kurz auf die deutsche Übersetzung zu schielen....

 

Kittelsen: Troll

Kittelsen: Troll Maler: Theodor Kittelsen ***** (5 von 5 Sternen) Den Maler Kittelsen (1857-1914) kennt in Norwegen jedes Kind - und außerhalb Norwegens fast niemand. Er hängt im norwegischen Nationalmuseum, aber in einer deutschen Kunstbuchhandlung werden Sie seine Bilder wohl kaum entdecken. Laut Wikipedia ist er zwischen Neoromantik und naiver Malerei einzuordnen, aber was an ihm naiv sein soll, entzieht sich meinem Verständnis, wenn ich mir eine schwarz/weiß-Zeichnung anschaue, auf der die PEST die Wendeltreppe heraufkommt! Kittelsen hat die norwegische Landschaft gemalt, feinst zisiliert, und die norwegischen Märchen und Mythen. Traumhaft sind sie, und furchterregend, und erinnern mich unbestimmt an E.T.A. Hoffmann und Edgar Allan Poe. Da wimmelt es von Nöcks (Wassermännern, die einen in die Tiefe ziehen), Pixies (ich würde sie eher als Wichtel bezeichnen) und vor allem von Trollen. Riesengroß sind diese, vielleicht sind sie ja auch nur Felsen, denn auf ihren Häuptern wachsen Bäume. Selbstverständlich sind sie komplett unchristliche Menschenfresser - und ziemlich dumm. Häßlich und in abgerissenen Kleidern kommen sie daher, mit nur einem glühenden Auge auf der Stirn, langen Nasen, und manchmal drei oder vier Köpfen.

Am einfachsten können Sie Kittelsens Bücher direkt in Norwegen erstehen, aber zumindest zwei gibt es auch im Internet bei Amazon. Der unten erstgenannte Titel enthält 37 Bilder Kittelsens und kurze Ausschnitte aus den dazugehörigen Märchen und Sagen, u.a. auch aus Henrik Ibsens Peer Gynt, nebst einer Einleitung und einem Nachwort. So weiß ich nun, dass es auch ein Trollschloss gibt, ganz aus Gold, umgeben von Silberstücken... Der Vorteil dieses Bandes ist natürlich: Es gibt ihn auf Deutsch! Der zweite Titel stellt Sie vor etwas größere Herausforderungen, der ist nur in englischer Sprache erhältlich, und der dritte gar (Trollskap), der ist in norwegisch. Sie verstehen ihn aber recht gut, wenn Sie sich vorab Nr. 1 zu Gemüte geführt haben und ein bisschen Sprachfantasie mitbringen. Dann wissen Sie, dass Heksen eine Hexe ist und "med ei nese sa lang" wohl "mit einer Nase sooo lang" heißen muss. Und sie können die leichte Ironie der Bildunterschrift "Nökker. Studie after Naturen" voll und ganz genießen. Zum Bestellen können Sie auf die folgenden folgenden Links klicken: 1.) Kittelsen, Troll: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/8204067119/holleland-21 (c) N.W. Damm & Son 2003 Redakteur: Per Erik Borge 66 Seiten, 4farbig, gebunden ab € 10,-- (139 NOKs) 2.) Kittelsen, Norwegian Troll Tales: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/1932043101/holleland-21 (c) Penfield Pr; Auflage: Rev Exp (30. Juli 2005), 160 Seiten, € 24,79 3.) Kittelsen, Trollskap: http://websok3.mikromarc.no/Mikromarc3/Web/detail.aspx?Unit=6465&db=nord... (c) Medusa A/S, 2002, Jar, Norway, ISBN 82-90988-00-1 Redakteur: Eli Ketilsson zur Zeit per Internet nicht lieferbar

Skadé: Verwurzelt fliegen


Mythen-Kunstbuch für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren
Autorin: Cambra Maria Skadé
Untertitel: Von Wurzelkraft und Ahninnen
€ 24,95
208 Seiten mit 4farbigen Abbildungen
29 x 22,6 x 1,8 cm

***** (5 von 5 Sternen)

In 384 Bildern, die sie in 13 Monden zwischen dem 24.7.2002 und dem 11.8.2003 gemalt, geklebt, geschnitzt, gesammelt hat, macht Skadé sich auf die Findung ihrer Wurzeln in ihrer Kindheit, in den Jahreszeiten, in ihren Heimaten Bayern und Altkastilien. Von ihren Großmüttern ist die Rede, von Krenweibern, von der Wacholderin, von Lucia, der Percht, der Göttin Holle, von Wurzeltänzen, Herdfeuern, Knochenklängen.

Am Ende des Initiationsweges, der zugleich ein Anfang ist: "Auf Wurzeln gebettet, sanft entschlafen. Die Wiege des Neuen schaukelt langsam hin und her. Viel später dem Ei entschlüpft, neu geboren, wohlbehütet wieder in einem Nest erwacht (...) Die Arme ausgebreitet, in Keilformation die Kraft der Ahninnen im Rücken, setze ich mich in Bewegung (...) Ich fliege der entgegen, die ich werden soll."

Mein Lieblingsbild heißt "Golden-spiralig aus den Kessel tauchen". Tipps: Lebenslang etwas riskieren! Auch im Alter neugierig bleiben! Rote-Beete-Suppe kochen! Mit anderen Geschichten erzählen und Feste feiern! Bilder von Skadé hängen unter anderem im Frauenmuseum Wiesbaden (http://www.frauenmuseum-wiesbaden.de/).

Nachtrag vom 4.1.2010: Wie ich heute erfahren habe, ist zwar nicht Frau Skadé, aber doch der Arun-Verlag sehr rechtslastig. Grundsätzlich bitte ich Sie deshalb um allerkritischste Vorsicht, bevor Sie ein anderes Buch von Arun als das hier rezensierte bestellen!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3866630220/holleland-21

(c) Arun-Verlag, Uhlstädt-Krichhasel 2004, 2008
ISBN 3 13 978-3866630222

Wiegand: Märchen im Alltag

Fotoband für Erwachsene
Fotograf: Thomas Wiegand
Herausgeber: Bernhard Lauer
Vorwort: Johannes Wassersprung
48 Seiten, broschiert
23 s/w Fotografien
ab ca. 5 €

***** (5 von 5 Sternen)

Was hat der Gevatter Tod mit Rasenmähern zu tun? Wie findet man bei Dornröschen den Notausgang? Welches Schiff ist dem Fischer un syner Fru lieber? Hatte das Kleid von Schneewittchen Scotchgard Gewebeschutz? Warum sind die Fenster von Frau Holle mit Bettüchern verdeckt?
Wenn Sie den Spuren folgen möchten, die Märchen im manchmal banalen, manchmal auch rätselhaften Alltag hinterlassen, dann können Sie entweder ins Brüder Grimm-Museum nach Kassel fahren und das Büchlein dort käuflich erwerben oder auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3929633817/holleland-21

(c) 2002 Brüder Grimm-Musem Kassel und Thomas Wiegand
ISBN 3-929633-81-7, ISSN 0941-1860

Märchen- und Mythenbücher allg.

Bull (Hg.): Sagenhafte Weihnacht

Bull: Sagenhafte Weihnacht
Untertitel: Wintergeschichten und Weihnachtsbräuche aus längst vergangenen Zeiten
Herausgeberin: Gudrun Bull
Taschenbuch, 174 S., mit 21 schwarzweißen Abbildungen aus der Zeit zwischen 1707 - 1910
€ 7,90

****o (4 von 5 Sternen)

Gudrun Bell hat in diesem Band 70 sagenhafte Geschichten und Überlieferungen zusammengestellt. Viele davon sind christlich, eine ganze Reihe weist aber auch auf vorchristliche Zusammenhänge hin. Da wird vom hilfreichen kleinen Volk erzählt, von den Zwölften, der eisernen Bertha, davon, dass die Tiere in der Neujahrsnacht reden können, aber auch von der fliegenden Frau. Diese Sage will ich hier wiedergeben:

Bevor das Christentum sich über das nördliche Deutschland verbreitete, da war es die gute Frau Hare (oder Harke, Hertha), welche den Menschen alles, was sie brauchten, gewährte. Zwölf Nächte nach dem kürzesten Tag flog sie über das waldige, schneebedeckte Land, und wo sie in den Häusern fleißige und geschickte Arbeiter fand, da zog sie ein durch irgendeine Öffnung und segnete die Wohnung mit Glück und Freude für das nächste Jahr; wo sie aber Unreinlichkeit und Versäumnis sah, da bestrafte sie die Nachlässigen.

Am großen Jul- oder Weihnachtsfeste opferte man ihr fette Schweine, überall tönte der Ruf: "Frow Hare da plughet" und lud man die fliegende Frau zum Besuch ein. Als nun die christlichen Priester die heidnischen Götter vertrieben und die Tempel derselben brachen, blieb doch die gute Frau Hare, oder wie man sie später nannte, Holle, im Lande und flog in den zwölf Nächten bis zum Dreikönigstag nach wie vor durch die Lüfte und besuchte die Häuser, namentlich auf dem Lande.
Nun lebte damals zu Grubow ein alter Schäfer, der hatte einen Sohn, der bei ihm als Knecht diente, aber schon verheiratet war und ein einziges Kind besaß. Zu diesem trat der alte Schäfer am Heiligen Abend, wie gerade die junge Frau vor der Wiege des Kindes saß, und ermahnte ihn, in diesen zwölf Nächten ja recht achtsam auf die Herde zu sein und den Pferch wohl verschlossen zu halten, auch den Wolf nicht zu nennen, damit er, da er umgehe, nicht böse werde. Er solle den Keil für den Wagen der Frau Hare bauen und ihn auf die Schwelle legen, dass sie ihn finde, wenn sie ihn brauche, wo nicht, so solle er ihn später in den Wagen stecken. Die Frau und die Magd aber sollten bis Groß-Neujahr (das ist der 6. Januar) den dicken Flachsknoten abspinnen, damit die nicht von der Frau Hare betratzt und besudelt würden, die Frau solle keine Hülsenfrüchte kochen oder berühren, vor allem aber das Kind hüten.
Der Sohn blieb nun bei den Schafen, und die Frau vor der Wiege, der Alte aber ging hinaus auf den Voßberg vor dem Dorfe, sah sich nach allen Seiten um und hielt den nassgemachten Finger empor, um zu fühlen, woher der Wind wehe, denn Frau Hare machte die Witterung für das ganze Jahr in den zwölf Nächten, und jeder Monat ist ganz so wie sein Tag zwischen Weihnachten und Groß-Neujahr. Der Ostwind wehte aber eisig von den Bergen, und darum hielt sich der Alte nicht lange auf und eilte seiner Wohnung zu. Nun war aber sein Haus das erste im Dorf; als er bald an dasselbe herankam, sah er ein großes, zottiges Tier quer über den Acker nach dem Wald eilen, und als er an die Haustür kam, fand er dieselbe offenstehen. Er eilte in die Stube, doch sah er niemand, die Kammer der Magd war verschlossen, das Kind in der Wiege aber fort. Seine Schwiegertochter hatte nämlich, sobald er fortgegangen war, der Magd aufgetragen, an ihrer statt sich an die Wiege zu setzen und war in den Garten gegangen, um sich Kohl bei den Nachbarn zu stehlen, dann man glaubte, dass, wenn man dem Rindvieh in der Christnacht frisch gestohlenen Kohl zu fressen gebe, erkranke dasselbe in diesem Jahre nicht. Die Magd war aber auch nicht in der Stube geblieben, sondern war in ihre Kammer gegangen, hatte sich ganz nackt ausgezogen und so stillschweigend alles, was darin war, gescheuert, denn wenn sie dies tue, hatte man ihr versichert, käme in dem Jahr ein Freier.
Der alte Schäfer stand verzweifelt und die Hände ringend in der Stube, denn er war überzeugt, dass der Werwolf das Kind geraubt habe. Plötzlich aber stürzte seine Schwiegertochter leichenblass ins Zimmer, in der einen Hand den Korb mit dem gestohlenen Kohl, im andern Arm aber das in seine Windeln gehüllte Kind. Sie erzählte, als sie über die Hecke des Nachbargartens gestiegen, habe sie einen großen Wolf auf sich zurennen gesehen, sie habe darüber einen lauten Schrei getan und in demselben Augenblick habe sie gewaltiges Rauschen in den dürren Blättern der Bäume über sich gehört und einen dumpfen Schatten über sich hinschweben sehen. Der Wolf habe dann das Kind aus seinem Rachen zu ihren Füßen fallen lassen und sei über den Acker dem Walde zugelaufen. Da faltete der Schäfer andächtig die Hände und sagte: "Das war die gute Frau Hare."

Diese und viele weitere schöne und schaurige Geschichten finden sie in dem ansprechend aufgemachten Taschenbuch. Einen Punkt Abzug gibt es dafür, dass einige der Sagen doch recht bekannt und auch in anderen Büchern zu finden sind.

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(c)1996, 2005 Deutscher Taschenbuch Verlag, München

Calvino: Die Braut, die von Luft lebte

Calvino: Die Braut, die von Luft lebteUntertitel: ...und andere italienische Märchen
Gesammelt und nacherzählt von Italo Calvino
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber
Mit einer Einführung von Paul-Wolfgang Wührl
Vignetten von Susanne Janssen
Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
Verlag: Carl Hanser; Auflage: 2 (1. Januar 1993)
Sprache: Deutsch
€ 24,90

****o (4 von 5 Sternen)

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat Italo Calvino aus allen Regionen Italiens Geschichten zusammengetragen. Auf diese Weise ist eine Märchensammlung, vergleichbar mit den deutschen Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, entstanden. Calvino hat viele der Märchen erstmals aus dem Dialekt übertragen und erzählt nun diese neu entdeckten Geschichten mit Witz und voller Fabulierfreude nach. Der italienische Grimm wurde 1923 in Santiago de las Vegas/Kuba geboren und wuchs in San Remo auf und kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Partisan gegen die Deutschen. Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften, Philosophie und Literatur war er einige Jahre als Lektor bei dem italienischen Verlag Einaudi beschäftigt, in dessen Auftrag die vorliegenden Märchen gesammelt wurden.

Danach lebte er als freier Schriftsteller in Rom, Paris und in Siena, wo er 1985 starb. Sein Werk wurde in alle Weltsprachen übersetzt und mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Viele von Calvinos Büchern sind heute in Italien Volksgut und Schullektüre.

Was die hohen zeichnerischen Qualitäten von Susanne Janssen anbelangt, verweise ich auf ihre Illustrationen zu Hänsel und Gretel (http://www.holleland.de/content/grimm-janssen-haensel-und-gretel). Aber leider sind in diesem Buch eben nur jedem Kapitel einfarbige Vignetten vorangestellt, auf denen sich nicht allzu viel erkennen lässt – für die Bilderfreude meiner Tochter nicht ganz ausreichend. Insgesamt ein sehr solide gemachtes, ansprechendes Märchenbuch – aber eben doch keines für eine Prämierung als „schönstes Buch des Jahres“.

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Artikel erstellt am 15.1.2011

Dumas: Geschichte eines Nußknackers

Autor: Alexandre Dumas père
Illustrator: Bertall
Herausgegeben und bearbeitet von Josef Heinzelmann,
Taschenbuch, 189 Seiten
nur antiquarisch erhältlich, ab 6 €

****o (4 von 5 Sternen)

Wer kennt nicht das Ballett Tschaikowskys von Nussknacker und Mäusekönig? Hier finden Sie nun in deutscher Übersetzung Tschaikowskys Quelle, Alexandre Dumas. Sie wissen schon: Die drei Musketiere, Der Graf von Montechristo. Und wer war Dumas´ Quelle? Der Deutsche E.T.A. Hoffmann. Dumas erzählt die Geschichte der kleinen Marie, welche zu Weihnachten einen Nussknacker geschenkt bekommt. Der Nussknacker wird in der Nacht höchst lebendig und bekämpft mit Maries Hilfe den siebenköpfigen Mäusekönig: In Wirklichkeit ist er der verzauberte Neffe des Paten Drosselmayer, der zum guten Ende das Kind Marie heiratet:

„Nach einem Jahr kam der Bräutigam, um seine Braut in einem kleinen Wagen von Perlmutt abzuholen, der mit Gold und Silber ausgelegt war und von Pferden gezogen wurde, die nicht größer waren als Schafe, aber unschätzbar, weil es keine ähnlichen in der Welt gab, und er brachte sie in den Marzipanpalast, wo

sie durch den Schloßkaplan getraut wurden und wo zweiundzwanzigtausend kleine Leute, die alle mit Perlen, Diamanten und blitzenden Steinen bedeckt waren, auf der Hochzeit tanzten. Marie ist noch heute die Königin des schönen Reiches, wo man überall prächtige Weihnachtswälder, Limonaden- und Rosenessenzflüsse, durchsichtige Paläste von schneeweißem feinen Zucker, kurz die herrlichsten Dinge sieht, wenn man nur gute Augen hat, um sie zu erkennen.“

Soweit das Ende dieser anmutigen französischen Nacherzählung von Hoffmanns Original. Ironischer ist sie, vergnüglicher, bürgerlicher als die groteske und beinahe wahnsinnige Geschichte Hoffmanns – dem Geschmack der französischen Mainstream-Publikums angepasst. Illustriert mit weit über hundert wunderbaren Miniaturen Bertalls in schwarzweiß, und dadurch wirklich ein Vorlesespass für alle Eltern. Einen Punkt Abzug, weil Dumas die Hoffmannsche Genialität fehlt.

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oder für das fanzösische Original z.B. auf: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/ B002Y57K1Q /holleland-21

© Insel Verlag Frankfurt/Main 1978

Früh: Märchen von Hexen und weisen Frauen

Aulnoy: Die weisse KatzeSerie: Märchen der Welt
Herausgeberin: Sigrid Früh
Fischer Taschenbuch, 154 Seiten, o. Abb.
Gebraucht ab 1,08 €

***** (5 von 5 Sternen)

Die Germanistin und Volkskundlerin Sigrid Früh hat sich schon in den 80er Jahren mit der Frage beschäftigt, was für Frauengestalten in Volksmärchen auftreten. Im vorliegenden Band sind Hexen und weise Frauen unter drei Aspekten dargestellt: als Vernichtenden und Bedrohende, als Helfende und Heilkundige sowie als mythische Gestalten. Die Märchen stammen aus Estland, Italien, Frankreich, Groß Britannien, Deutschland, Flandern, Island und Russland und werden von Sigrid Früh im Nachwort ausführlich kommentiert. Der erste, einseitig bedrohliche Aspekt zeigt dabei das Bild, das durch die Hexenverfolgung mit ihrer Verteufelung der Muttergottheiten und ihrer Priesterinnen am stärksten im Gedächtnis der EuropäerInnen haften blieb. Am spannendsten ist für mich der Abschnitt über die mythischen Gestalten: Zu meiner großen Überraschung taucht hier die Sibylle von der Teck wieder auf,

die ich an anderer Stelle bereits behandelt habe (http://www.holleland.de/node/115), und die von Sigrid Früh ganz ähnlich eingeschätzt worden ist wie von mir: „ In der Sage von 'Sibylle auf der Teck' spiegelt sich sowohl die Seherin der Vorzeit wie auch die große Muttergottheit wider. Die Sibyllen genossen in Schwaben noch lange Verehrung. Deshalb konnte ein Künstler wie Jörg Syrlin noch im 15. Jahrhundert im Chorgestühl des Ulmer Münsters die Sibyllen darstellen. Sibylle auf der Teck fährt in einem von Katzen gezogenen Wagen, wie alle großen Muttergottheiten (z.B. Freya und Kybele). Katzen galten daher auch als Hexentiere. Sibylles Wagenspuren hinterließen einen Streifen fruchtbaren Landes. Tatsächlich ist der Pflanzenwuchs an dieser Stelle üppiger als auf dem umliegenden Gelände“ (S. 151f). Weitere mythische Figuren des Bandes sind die Alfkönigin der Isländerinnen, die Baba Yaga der Russinnen, und schließlich die Alte im Grimmschen Märchen „Die Gänsehirtin am Brunnen“.

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© Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1986

Dieses Buch ist auch in einer Sonderausgabe bei Königsfurt-Urania 2008 erschienen (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3868260005/holleland-21, € 4,95)

Früh: Rauhnächte

Früh: RauhnächteUntertitel: Märchen, Brauchtum, Aberglaube
Autorin/Herausgeberin: Sigrid Früh
Taschenbuch, 98 Seiten
mit vielen kleinen schwarzweiß-Abbildungen
12,80 €

****o (4 von 5 Sternen)

Die zwölf Rauhnächte, das sind die Tage vom 25.12. bis zum 6.1. - vor der Christianisierung bei uns die heiligste Zeit des Jahres: Die Wintersonnenwende am 21.12. ist überstanden, das Licht kommt zurück, gleichzeitig toben Stürme übers Land, die wilde Jagd braust einher und macht die Erde fruchtbar. Viele vorchristliche Bräuche haben sich über Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit gerettet. Die Germanistin und Volkskundlerin Sigrid Früh stellt sie kapitelweise mit der Weihnacht beginnend zusammen und ordnet ihnen die verschiedenen Märchen und Sagen zu. Die eigentliche Holle- oder Perchtennacht schließlich ist die Nacht vom 5. auf den 6.1., und in diesem wichtigsten Kapitel finden sich gleich elf Sagen aus dem Hollekreis. Schön zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren, und zu erklären, was der Ausdruck "das Lager teilen dürfen" bedeutet, hat mir auch gefallen.

Einen Stern Abzug gibt es dafür, dass Sigrid Früh versehentlich - hoffentlich versehentlich! - im ersten Teil zwei Märchen des Nazis Hans Friedrich Blunck aufgenommen hat, einem jener allertreuesten Anhänger Hitlers, die selbst nach Ende der Schreckensherrschaft von rechtsextremen Gedankengut nicht abließen ("Ein Reiter in den Zwölften", "Knecht Ruprecht"). Überblättern Sie sie!

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(c) 1998 by Verlag Stendel, Fellbach, 13. Auflage 2008

Göttner-Abendroth: Frau Holle ~ Das Feenvolk der Dolomiten


Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen neu erzählt
Autorin: Dr. Heide Göttner-Abendroth
350 Seiten, mit vielen s/w-Abb.
20,8 x 14,8 x 2,8 cm, broschiert
€ 24,95

****o (4 von 5 Sternen)

Göttner-Abendroth hat im ersten Teil des Buches alle Erzählungen um Frau Holle und im zweiten Teil um die Fanes-Königinnen in eine logische Reihenfolge gestellt und jeweils mit einer Rahmenhandlung sowie Kommentaren versehen. Das ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sehr spannend. Und eigentlich hätte dabei eine Art Bibel des Göttinnenglaubens herauskommen können.

Leider ist die Autorin keine Dichterin, und so enthält das Buch an allen Ecken und Enden Passagen wie diese: "Als sie am Backhaus vorüberschritten," (haben sie schon einmal ein 15jähriges Mädchen schreiten sehen?) "zog Erdschlange die fertigen Brote mit dem Schieber aus dem glühenden Loch. Sie waren dunkel und duftend." Das Backhaus scheint denn doch eher ein Backofen gewesen zu sein, und dass es im Ofen heiß ist, ist ebenso selbstverständlich wie dass ein Brot himmlisch riecht, wenn man´s aus selbigem holt. Und natürlich kämmt sich Frau Holle auch nie die Haare - sie "strählt" sie! Mit einem Wort: So schön der Inhalt, so kitschig die Form. Wenn sich doch einmal eine wirkliche Dichterin oder ein echter Dichter des Themas annehmen würde!

Doch dafür müssen Sie das Buch erst einmal lesen, und dafür finden Sie hier einen Link: Frau Holle - Das Feenvolk der Dolomiten: Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen. Neu erzählt

(c) 2005 Ulrike Helmer Verlag, Königstein/Taunus

Grimm: Kinder- und Hausmärchen (1857)

Märchenbuch für Kinder und Erwachsene
Gesammelt durch die Brüder Grimm, Textrevision und Anmerkungen von Therese Erler
786 Seiten, gebunden, ohne Bilder

Bewertung: ***○○ (3 von 5 Sternen)

Das Buch kommt optisch ziemlich dröge daher, eine einzige Bleiwüste, aufgehellt nur durch den Frakturschnitt der Überschriften. Dafür aber versammelt es nicht nur sage und schreibe 200 Märchen der Brüder Grimm, sondern es erklärt im Anhang auch schwierige Wörter.

Die Einleitung atmet noch den Geist der letzten Tage der DDR, und weist ausführlich darauf hin, wie sehr Wilhelm Grimm doch anfällig war für „regressive Tendenzen“ und „moralisierend-religiöse Wendungen“. Das Buch richtet sich nach der letzten von den Grimms gebilligten Fassung 1857 und enthält selbstredend auch das Märchen „Frau Holle“. Es trägt die Nr. 24. Für kleine Kinder ist diese Ausgabe mangels Bebilderung komplett ungeeignet – größere Kinder und Erwachsene könnten sich darüber freuen, dass so ein dicker Schinken im Antiquariat manchmal schon für unter zwei Euro erhältlich ist.

Achtung: Lesen Sie bitte die Märchen selbst, bevor Sie sie Ihren Kindern vorlesen - einige Märchen sind extrem antisemitisch (z.B. Nr. 110, Der Jude im Dorn) und wurden auch von den Nazis reichlich verwertet.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3351017200/holleland-21

© 1990 Aufbau-Verlag Berlin und Weimar (18. Aufl.)
ISBN-10: 3351017200
ISBN-13: 978-3351017200, nur antiquarisch erhältlich

Heine: Deutschland – Ein Wintermärchen

Heine: Deutschland – Ein WintermärchenKategorie: Demokratische Märchen
Autor: Heinrich Heine
Taschenbuch, 130 Seiten
€ 6,--

***** (5 von 5 Sternen)

Wie gefährlich Märchen den Mächtigen sein können, erkannten die deutschen Zensoren 1844 sofort, als sie das soeben erschienene Wintermärchen Heines in Händen hielten – und verboten es umgehend. Unterfing sich doch hier ein vor eben dieser Zensur und in Preußen drohender Verhaftung nach Paris emigrierter Schriftsteller, ein getaufter Jude gar, geistreich alles zu verspotten, was den deutschen Spießern und Herrschern gut und heilig war. Das hat heute noch genauso viel Brisanz wie im 19. Jahrhundert, denn, seien wir ehrlich, die Zahl der Spießer und Herrschenden hat schier gar nicht abgenommen, und die Wahl der Mittel sich kaum geändert: Öffentliches Infragestellen von geheimen Beschlüssen ist nach wie vor unerwünscht, und Untertanengeist wird statt mit Festungshaft mit Wasserwerfern einzementiert, siehe die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21.

Was also tat der Emigrant Heine? Er sehnte sich so schrecklich nach Deutschland, dass er dorthin reiste (wobei er preußischen Boden sorgfältig vermied). Sein Büchlein schildert im volksliedhaften Versmaß der Vagantenstrophe, wie er im November 1843 bei Aachen die Grenze übertritt und per Postkutsche nach Hamburg fährt. Wie der Riese Antaios kommt er sich dabei vor, dem durch Berühren der Mutter Erde endlich wieder neue Kräfte erwachsen. Doch was muss er erleben? Alles ist grau in grau, die Wege könnte nicht matschiger und scheußlicher sein, das katholische Köln nicht klerikaler, die Menschen nicht militärisch-gedrillter, die Festungsstädtchen nicht bedrückender. Und dabei könnte doch alles ganz anders sein:

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Jedoch sein geliebtes Deutschland singt immer noch das Eiapopeia vom Himmel, und als Heine durch das Münsterland fährt, so denkt er an seine alte Amme, die ihm viele, sehr viele Märchen und Sagen erzählte, und davon wiederum erzählt das 14. Kapitel seines Büchleins:

Ein feuchter Wind, ein kahles Land,
Die Chaise wackelt im Schlamme;
Doch singt es und klingt es in meinem Gemüt:
»Sonne, du klagende Flamme!«

Das ist der Schlußreim des alten Lieds,
Das oft meine Amme gesungen -
»Sonne, du klagende Flamme!« Das hat
Wie Waldhornruf geklungen.

Es kommt im Lied ein Mörder vor,
Der lebt' in Lust und Freude;
Man findet ihn endlich im Walde gehenkt
An einer grauen Weide.

Der Mörders Todesurteil war
Genagelt am Weidenstamme;
Das haben die Rächer der Feme getan -
»Sonne, du klagende Flamme!«

Die Sonne war Kläger, sie hatte bewirkt,
Daß man den Mörder verdamme.
Ottilie hatte sterbend geschrien:
»Sonne, du klagende Flamme!«

Und denk ich des Liedes, so denk ich auch
Der Amme, der lieben Alten;
Ich sehe wieder ihr braunes Gesicht,
Mit allen Runzeln und Falten.

Sie war geboren im Münsterland,
Und wußte, in großer Menge,
Gespenstergeschichten, grausenhaft,
Und Märchen und Volksgesänge.

Wie pochte mein Herz, wenn die alte Frau
Von der Königstochter erzählte,
Die einsam auf der Heide saß
Und die goldnen Haare strählte.

Die Gänse mußte sie hüten dort
Als Gänsemagd, und trieb sie
Am Abend die Gänse wieder durchs Tor,
Gar traurig stehen blieb sie.

Denn angenagelt über dem Tor
Sah sie ein Roßhaupt ragen,
Das war der Kopf des armen Pferds,
Das sie in die Fremde getragen.

Die Königstochter seufzte tief.
»O Falada, daß du hangest!«
Der Pferdekopf herunterrief:
»O wehe! daß du gangest!«

Die Königstochter seufzte tief:
»Wenn das meine Mutter wüßte!«
Der Pferdekopf herunterrief:
»Ihr Herze brechen müßte!«

Mit stockendem Atem horchte ich hin,
Wenn die Alte ernster und leiser
Zu sprechen begann und vom Rotbart sprach,
Von unserem heimlichen Kaiser.

Sie hat mir versichert, er sei nicht tot,
Wie da glauben die Gelehrten,
Er hause versteckt in einem Berg
Mit seinen Waffengefährten.

Kyffhäuser ist der Berg genannt,
Und drinnen ist eine Höhle;
Die Ampeln erhellen so geisterhaft
Die hochgewölbten Säle.

Ein Marstall ist der erste Saal,
Und dorten kann man sehen
Viel tausend Pferde, blankgeschirrt,
Die an den Krippen stehen.

Sie sind gesattelt und gezäumt,
Jedoch von diesen Rossen
Kein einziges wiehert, kein einziges stampft,
Sind still, wie aus Eisen gegossen.

Im zweiten Saale, auf der Streu,
Sieht man Soldaten liegen,
Viel tausend Soldaten, bärtiges Volk,
Mit kriegerisch trotzigen Zügen.

Sie sind gerüstet von Kopf bis Fuß,
Doch alle diese Braven,
Sie rühren sich nicht, bewegen sich nicht,
Sie liegen fest und schlafen.

Die Grimmsche Gänsemagd (KHM 89) ist bei Heine das wahre und schöne, aber geknechtete Deutschland, eine entrechtete Prinzessin, deren gouillotiniertes Pferd Falada die große Mutter vertritt, wie ein Dichter auch im Tode noch die Wahrheit spricht - und dem schwächlichen Deutschland am Ende zu seinem Rechte verhilft.

Im Märchen. Aber was tut die Sage? Barbarossa schlurft wie ein alter Mann durch die Säle und lässt seine Soldaten weiterschlafen, und am Ende erzürnt er sich gar über den Dichter, der wiederum erkennt, dass man Könige eh nicht braucht.

In Hamburg angekommen, vergnügt sich Antaios Heine mit der saint-simonistisch gesinnten Göttin Hammonia = Hamburg, welche ihn aber auch einen Blick in Deutschlands Zukunft gewährt: Sie befindet sich im Nachtstuhl der Göttin und stinkt erbärmlich.

Doch es bleibt trotz allem die Drohung des zensierten Dichters an die Mächtigen, vor allem den preußischen König:

Doch gibt es Höllen, aus deren Haft
Unmöglich jede Befreiung;
Hier hilft kein Beten, ohnmächtig ist hier
Des Welterlösers Verzeihung.

Kennst du die Hölle des Dante nicht,
Die schrecklichen Terzetten?
Wen da der Dichter hineingesperrt,
Den kann kein Gott mehr retten -

Kein Gott, kein Heiland erlöst ihn je
Aus diesen singenden Flammen!
Nimm dich in acht, daß wir dich nicht
Zu solcher Hölle verdammen.

Verständlich, dass Herrschende und Deutschtümler jedweder Couleur da nicht begeistert sein können. Und wenn Sie nun noch den Vergleich zu Sönke Wortmanns "Deutschland, ein Sommermärchen" ziehen...

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© Insel Verlag, 4. Auflage 2005

Erstellt am 26.2.2011

Hoffmann: Der goldene Topf

Hoffmann: Der goldene TopfUntertitel: Ein Märchen aus der neuen Zeit
Autor: E.T.A. Hoffmann
entstanden 1814 und erstmals veröffentlicht in den "Fantasiestücken in Callots Manier"
142 Seiten
mit einem Nachwort von Konrad Nussbächer
ab ca. € 1,99 (als Reclam-Titel bei Amazon antiquarisch erhältlich)

***** (5 von 5 Sternen)

Ich gestehe, ich war schon immer ein Fan von E.T.A. Hoffmann, auch wenn natürlich vom feministischen Standpunkt so einiges gegen ihn einzuwenden wäre. Aber da ist etwas, das ihn deutlich unterscheidet von den vielen verquasten Romantikern seiner Zeit: dass er sich nicht geflüchtet hat in mittelalterlichen Katholizismus, und dass er seine biedermeierlichen, spießigen ZeitgenossInnen schlicht nicht ertragen hat. Mit Ironie versuchte er sich ihrer zu erwehren, und: sie in Alkohol zu ertränken. Ein genialer Mensch, der an den Konrektoren und Registratoren um sich herum schier verzweifelte. Und so lesen sich denn auch seine Märchen – und er hat deren viele geschrieben! – ganz anders als z.B. die seines Zeitgenossen Tieck. Sie spielen, wie auch der Untertitel des goldenen Topfes verrät, nicht in einer nebulösen Vergangenheit, sondern in der Hoffmannschen Gegenwart:

Dem verträumten Studenten Anselmus geht in Dresden am Himmelfahrtstag alles schief: Er stolpert über den Apfelkorb einer Marktfrau, und statt nun sein weniges Geld in ein Bier investieren zu können, muss er ihr den Schaden bezahlen. Er flüchtet sich an die Elbe, und dort, in einem Holunderbaum, begegnet er ihr, der Schlange Serpentina, die so wunderbare blaue Augen hat, dass er sich gleich in sie verguckt. Sie ist die Tochter des Archivarius Lindhorst, der in Wirklichkeit ein Feuersalamander ist, und alles könnte ganz wunderbar und einfach sein, wäre da nicht der Konrektor Paulmann, dessen Tochter Veronika ebenfalls ganz hübsche blaue Augen hat, und die sich an der Seite des Anselmus so von ganzem Herzen eine bürgerliche Ehe erträumt, wenn er denn erst einmal Hofrat geworden ist.

Also versichert sie sich der Unterstützung der oben genannten Marktfrau, welche wiederum Tochter einer Runkelrübe und die größte Feindin des Feuersalamanders ist. Ähnlich wie ein Volksmärchen endet dieses Kunstmärchen gut im Hoffmannschen Sinne – Anselmus wird glücklich, und der letzte Satz fragt: Aber „ist denn überhaupt des Anselmus Seligkeit etwas anderes als das Leben in der Poesie, der sich der heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur offenbaret?“ Ob diese Seligkeit nun in den blauen Augen der Veronika oder denen einer grüngoldenen Schlange liegt, und was es mit dem goldenen Topf auf sich hat, das möchte ich Ihrer Fantasie überlassen!

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(es sind auch noch weitere Ausgaben bei Amazon erhältlich)

(c) Reclam 101 (2), Stuttgart 1976

Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg

Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg
Für Kinder und Erwachsene
Herausgeberin: Gundula Hubrich-Messow
104 S., o. Abb.
nur antiquarisch erhältlich ab ca. 6 €
****o (4 von 5 Sternen)

In der sehr empfehlenswerten Reihe "Sagen und Märchen aus..." werden wahre Kleinodien präsentiert, teils auf hochdeutsch, teils im Dialekt. Im vorliegenden Band hat die Herausgeberin aus 19 verschiedenen Quellen geschöpft. Mit Flensburg ist hier nicht allein die Stadt, sondern der ganze Landkreis gemeint. Im Ortsregister kann man nicht nur nach Ortschaften suchen, sondern auch nach Gebäuden, Plätzen und Straßennamen, und zwar sowohl heutigen als auch historischen.

Der wichtigste Märchenerzähler in Flensburg war der Kuhknecht Lorenz Jensen, der 1830 in Kitschelund bei Bau geboren wurde und seine Geschichten dem Kohlenzieher Heinrich Traulsen erzählte. Aus dieser Quelle wiederum schöpfte Prof. Wilhelm Wisser. Er übertrug einige der Flensburger Märchen leider ins ostholsteinische Platt, andere hingegen sind zum Glück in Jensens Flensburger Platt aufgezeichnet worden. Und ab und an verirrt sich auch ein dänischer Satz in die Sagen und Märchen - Dänemark liegt schließlich selbst heute noch in Sichtweite, und früher einmal gehörte Flensburg zu Dänemark.

Damit Sie einen Eindruck gewinnen: Vier der Sagen und Märchen habe ich für Sie unter "Sagen rund um Frau Holle" und "Märchenorte: Holnis" aufgeführt.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880425922/holleland-21

(c) Husum Verlag, Husum 1992

In derselben Reihe ist ebenfalls erschienen: Dietmar Damwerth, Sagen und Märchen aus Ostfriesland, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880427828/holleland-21

(c) Husum Verlag, Husum 1997

Knittel: Der Frieder, der Graf und die Laugenbrezel

Sage für Kinder ab 4 Jahren
Autorin und Zeichnerin: Elke Knittel
32 S., A5, geheftet
mit vielen einfachen s/w-Zeichnungen
ab ca. € 4,89, nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Die Kochbuchautorin Elke Knittel hat sich hier an die alte württembergische Sage von der Erfindung der Laugenbrezel gewagt. Angeblich soll der Bäcker Frieder sie im 15. Jh. während der Regierung Eberhards im Barte in Bad Urach gebacken haben, um seinen Kopf, der wegen Majestätsbeleidigung in der Schlinge steckte, aus selbiger zu ziehen. Wahr ist dies alles nicht, auf alten Illustrationen kann man sehen, dass es die Brezel in der heutigen Form schon 300 Jahre früher gab. Auch ist mir ein angeblich lateinisches Wort namens "bracchia" für Ärmchen (die der Brezel!) noch nie untergekommen, das lateinische Wort für einen kleinen, niedlichen Arm ist vielmehr bracchiolum. Aber welch edle Kochbuchschreiberin stören schon solche Nichtigkeiten! Nett: Am Ende des Buchs gibt es ein Rezept für Laugenbrezeln und ein kleines Brezellied: "Jeder ißt se bei ons gern, arme Leit ond reiche Herrn. Zom Kaffee - au zom Wei, a Laugabrezel isch halt fei!" Was ist bestätigen kann.

Graf Eberhard im Barte (ebenfalls lateinunkundig) rühmte sich übrigens, er könne "sein Haupt kühnlich in jedes Untertanen Schoß legen", ohne Angst um sein Leben haben zu müssen. Seine jüdischen Untertanen kann er damit nicht gemeint haben, denn die hat er 1477 alle aus Württemberg vertrieben. Und seine italienische Frau Barbara Gonzaga war Zeit ihres Lebens in Urach unglücklich, was ja auch damit zusammengehangen haben mag, dass der ach so fromme Eberhard mit diversen anderen Frauen jedwede Menge unehelicher Kinder zeugte. Gestorben ist er dann aber nicht an der Syphilis, sondern (mit 50 Jahren) an einer Mischung aus Fieber, roter Ruhr und Blasengeschwüren. Auch nett.

Und was ist nun mit der Brezel? Ihre Form hat sich im Lauf der Jahrhunderte allmählich entwickelt. Ursprünglich war sie einmal ein Ringbrot, das zu kultischen Handlungen im antiken Rom benötigt wurde. Sie gehört zu den "Gebildbroten" (mit der Hand geformte Gebilde), diente als Opfergebäck und Grabbeigabe, bis sie schließlich christianisiert und als Fastenspeise verwendet wurde. Bei so viel Religion ist es kein Wunder, dass sich um die Brezel noch viele andere Sagen und Legenden ranken, aus Bayern, der Schweiz, aber auch aus Südfrankreich. In Baden und Schwaben verheißen die ungelaugten Neujahrsbrezeln Glück und Wohlergehen. Und vielleicht findet man ja auch deshalb die ein oder andere an so manchem Hexenhäuslein...

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3875162617/holleland-21

(c) 1986 Hugo Matthaes Druckerei und Verlag GmbH & Co. KG, Stuttgart

Knittel: Wie Jakob die Maultasche erfand

Sage für Kinder ab 4 Jahren
Autorin: Elke Knittel
46 S., A5, Klebebindung mit sehr vielen s/w Strichzeichnungen
ab ca. 0,01 €, nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Ähnlich wie in "Der Frieder, der Graf und die Laugenbrezel" erzählt Kochbuchautorin Elke Knittel auch in diesem Büchlein von der Erfindung einer schwäbischen Köstlichkeit. Nach einer Sage (der ich diesmal nicht widersprechen will) hat ein Zisterziensermönch im Kloster Maulbronn die Maulbronner Taschen gleich Maultaschen in der Fastenzeit erfunden, als ihm ein Stück Fleisch "zufiel", das er einfach nicht verkommen lassen wollte. Also zerhackte er es, vermengte es mit vielen, vielen Kräutern und versteckte das Gemisch in Nudelteig, damit es der Christengott nicht sehe. Aus diesem Grunde heißen die Maultaschen im Ländle auch "Herrgottsbescheißerle". Elke Knittel ist von der Landesstelle für Volkskunde im Würrtembergischen Landesmuseum Stuttgart bei ihrer Arbeit unterstützt worden. Dadurch werden Schreibstil und Zeichnungen zwar nicht kunstvoller, aber lesbar ist die Sage allemal. Am Ende befindet sich wieder ein Lied (das Maultaschenlied) und ein Maultaschenrezept, bei dem mir jedoch gänzlich unbegreiflich ist, wie ich aus 3-4 Eiern und sonst nix einen Nudelteig herstellen soll (irgendwie muss doch da auch noch Mehl rein?).

Maultaschen gehören zu den wirklichen Köstlichkeiten der schwäbischen Küche. Wir essen sie geschmälzt zu Kartoffelsalat und Rapunzel, in der Brühe oder in Streifen geschnitten, mit Ei übergossen und gebraten (ebenfalls zu Kartoffelsalat). Es gibt sie aus Weizen- oder aus Dinkelmehl, und ja, es gibt auch wirklich vegetarische Maultaschen ohne ein winziges Fitzelchen Fleisch.

Und Maulbronn? Das Kloster (in der Nähe der Goldstadt Pforzheim in Baden-Württemberg) ist eines der schönsten, die man besichtigen kann - und da es gleichzeitig die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen ist, steht es als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Begründet wurde es übrigens von einem Esel, besser gesagt einem Maul-Tier, welches mit den Klosterschätzen beladen war, selbige aber abwarf und mit dem Huf scharrte, woraufhin eine Wasserfontaine hervorschoss - der heutige Klosterbronnen. Sagt die Sage.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3926268026 /holleland-21

(c) Mamaverlag Stuttgart 1986

Kübler: Die Mondstein Märchen

Kübler: Die Mondstein MärchenUntertitel: Ein Märchenbuch nicht nur für Erwachsene
Widmung: Für alle, die noch um die Macht der Märchen wissen
Autor: Roland Kübler
94 S., mit vielen einfarbigen Illustrationen von Claudia Layer und Manfred Häusler
€ 14,80

***oo (3 von 5 Sternen)

Dieses Buch ist beliebt: Bei Amazon steht es auf Rang 27 bei „Märchen, Sagen und Legenden“, und laut Pressemappe des Stendel-Verlags hat es sich 332.000mal verkauft, ist in diverse Sprachen übersetzt und wurde 1993 mit dem Deutschen Märchenpreis für das schönste Märchenbuch ausgezeichnet. Wer diesen Preis nach welchen Kriterien vergibt, konnte ich leider nicht eruieren.

Zugegeben, das Büchlein ist spannend. Und die politische Botschaft: „Sei mutig, hilfsbereit und erwehre dich der dich unterdrückenden Herrscher – es geht!“ gefällt mir natürlich auch, zumal sie wunderbar in die momentanen Auseinandersetzungen um „Stuttgart 21“ passt. Fast könnte man es als Rezeptbuch lesen zum Thema „wie mache ich eine gewaltfreie Revolution“.

Aber muss die Moral gleich mit der esoterischen Keule geschwungen werden? Roland Kübler, Jahrgang 1953, war Lehrer, bevor er sich als Schriftsteller und Organisator der Fellbacher Märchentage selbständig machte, und diesen pädagogisch erhobenen Zeigefinger merkt man seinen Märchen an.

Und sind es denn überhaupt Märchen? Kennen Sie ein Märchen, indem tatsächlich Gier, Neid, Zorn und Hass quasi-personifiziert als See, Sumpf, Abgrund, Mauer auftreten, mit einem Etikett versehen, damit auch der dümmste Schüler begreift, dass er hier eine der sieben Todsünden vor sich hat? Der Teufel bei Grimm mag zwar dumm sein, aber kennen Sie ein Märchen dass z.B. „Der Bauer und die Dummheit“ hieße? Allegorien, die passen eher in die Religion und in die Politik (siehe Delacroix´s Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“). Und so sind Küblers Märchen, obwohl sie mit Feen, Einhörnern und Zauberern nur so um sich schmeißen, denn auch eher religiös-politische Erbauungsliteratur denn wirkliche Märchen. Die sind feinsinniger.

Passend dazu die Buchgestaltung: Hübsch die Idee, eine Ecke des Papiers auszusparen, so dass dem beigelegten Lesezeichen ein kleiner Mondstein aufgeklebt werden kann – wobei sich der geneigten Leserin nur bedingt erschließt, warum die Märchen just Mondsteinmärchen und nicht Bergkristallmärchen oder Lapislazulimärchen heißen (dazu müsste frau sich vermutlich in Hildegard von Bingen vertiefen). Die Zeichnungen strahlen jede Menge Anthroposophie aus und weniger Kunst. Wessenthalben wohl auch die Schrift blau und nicht schwarz ist.

Wer davon kein Bauchweh bekommt, dem vergönnt das Büchlein einige Stunden voller Spannung, wenn auch ohne literarischen Tiefgang (aber das muss ja auch nicht immer sein!).

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3926789026/holleland-21

© Stendel-Verlag, Waiblingen 1988, 1990

Erstellt am 2.2.2011

Macdonald: The Complete Fairy Tales

Macdonald: The Complete Fairy Tales
Märchenbuch für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene
Autor: George Macdonald
354 Seiten, Taschenbuch, keine Abb.
€ 11,56

***oo (3 von 5 Sternen)

Von Macdonald hatte ich noch nie etwas gehört, bis mich mein schottischer Kollege auf ihn aufmerksam machte und mir dieses Buch lieh. Macdonald war ein viktorianischer Schriftsteller und Pfarrer, jedoch ein kritischer. So bemerkte er zum Beispiel, das Kinder keine asexuellen Wesen sind, selbst Mädchen nicht - unerhört für seine Zeit. Und er hatte es mehr mit der Liebe Gottes denn mit der Strafe. Nichtsdestotrotz spürt man den Pfarrer natürlich in jedem seiner Märchen.

Der Ausgangspunkt der Geschichten ist traditionell, Motive aus Dornröschen tauchen auf, es gibt Kinder, die sich im Wald verirren, Hexen, Feen, Menschenfresser usw. Jedoch sind dies keine Märchen à la Grimm, sie sind vielschichtig und ironisch, sodass Erwachsene daran ebensoviel Freude haben können wie Kinder.

Ja, diese Märchen sind Kunst. Nur wurde Macdonald Psyche im Laufe der Jahre düsterer, und so auch seine Geschichten. Gerade die beiden letzten (The Wise Woman, or the Lost Princess: A Double Story and The History of Photogen and Nycteris: A Day and Night Mährchen) ergehen sich in ausführlichen Beschreibungen des Quälens von Kindern, was selbigen "zu ihrem Besten" gereichen soll. So wird zum Beispiel ein eingebildetes Mädchen in einen unendlichen Raum mit blauem Dämmerlicht gesperrt, in dem es nichts berühren kann außer sich selbst, nichts hören außer sich selbst, nichts sehen außer sich selbst usw. Selbstverständlich soll dies nur dazu dienen, dass das Mädchen merkt, dass es gar keinen netten Charakter hat und sich bessert (was in diesem Fall nicht klappt). So geht das über mehrere Tage und Nächte hinweg. Moderne Foltermethoden sind ein Dreck dagegen. Übrigens: Macdonald hatte eigene Kinder.

Seine älteren Geschichten sind zum Glück kinderfreundlicher und menschenfresserunfreundlicher.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0140437371/holleland-21

(c) Penguin Books, Middlesex, Groß-Britannien, und U.C. Knoepflmacher, 1999

MärchenZauber

Untertitel: Märchen, Land & Leute neu erleben!
Märchenzeitschrift
ISSN 2191-401X
Hier: Frühjahr Nr. 2/2011
€ 4,80 pro Ausgabe
Geplant sind 4 Ausgaben pro Jahr zum Abopreis von 19 €
98 S., 4c
Herausgeber und Verlag: Gredé-Verlag, Gesellschaft für Verlags- und Regionalentwicklungen, 37290 Meißner
www.mzauber.de

***oo (3 von 5 Sternen)

Nach einer ersten Ausgabe im Jahr 2010 liegt hier die zweite Ausgabe einer noch jungen Pflanze im deutschen Märchenwald vor, deren Ziel, der Verlagsname verrät es, die Regionalentwicklung des Werra-Meißner-Kreises in Nordhessen ist.

Frau Gredé und ihren Mitarbeitern ist es gelungen, viele Anzeigenkunden und Sponsoren für sein Projekt zu gewinnen, von der ARD über diverse Tourismusorganisationen Hessen bis hin zu einigen kleinen Familienunternehmen.

Herausgekommen ist ein auf den ersten Blick schön bebildertes und ansprechend gestaltetes Heft.

Bei der Konzeption seiner Zeitschrift hat Frau Credé sich offenbar bei meiner Website Holleland Rat geholt, zu ähnlich sind die Grundthemen: Abdruck einzelner Märchen, Erklärung einzelner Märchenmotive, Brauchtum & Handwerk, Märchenhafte Orte, Gastlicher Märchenzauber, Buch- und sonstige Kulturtipps

Inhaltlich bewegt sich die Nr. 2 leider auf einem eher oberflächlichen Niveau (klar, das Heft dient ja auch der Tourismusförderung vor allem für das Holleland Hoher Meißner und nicht der literarischen oder gar gesellschaftlichen Kritik), stilistisch konnten leider keine guten Journalisten gewonnen werden und das Korrektorat hat der Verlag sich offenbar völlig gespart. Heraus kommen dann banale Sentenzen wie diese: „Oft bekam derjenige der einen ersten Frühlingsboten meldete, einen Dankestrunk oder sogar ein Geschenk. Ein sehr schöne Brauch und vielleicht sollte man ihn wieder einführen.“ Da stellt sich die Frage, ob die Chefredakteurin vielleicht nicht in Deutschland zur Schule gegangen ist.

Fazit: Es ist noch viel Platz nach oben für Verbesserungen.

Die Zielgruppe ist nicht ganz klar, und in der Anzeigenpreisliste werden auch keine Angaben über sie oder gar über die Druckauflage gemacht.

Trotzdem hat die Zeitschrift durchaus auch etwas zu bieten: z.B. Infos über Märchenevents und eben auch über märchenhaftes Einkaufen, Hotels und Restaurants. Allein schon aus diesem Grund überlege ich tatsächlich, ob ich sie nicht doch abonnieren soll...

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: www.mzauber.de

(c) Barbara Pfeifer, erstellt am 20.7.2011

Ott: Gold auf Lapislazuli

Ott: Gold auf LapislazuliUntertitel: Die 100 schönsten Liebesgedichte des Orients
Herausgeberin: Claudia Ott
157 S., Hardcover, € 14,90

****o (4 von 5 Sternen)

Wenn uns Deutschen vielleicht auch auf den ersten Blick nicht klar ist, was Liebesgedichte mit Märchen und Mythen zu tun haben könnten, eine Araberin wüsste die Antwort sofort: Liebe ist märchenhaft, Liebe ist poetisch, Liebe verwandelt Steine in Menschen, und deshalb finden sich viele Liebesgedichte auch in den Märchen aus 1001 Nacht.

Einige der Gedichte der Märchensammlung hat Claudia Ott in diesem schön gestalteten Büchlein versammelt, nebst weiteren, die auf 1001 Nacht referieren. Orient, das reicht bei ihr vom orientverliebten Goethe über die Türkei, Arabien und Persien, bis nach Afghanistan, die Mauren in Spanien bis 1492 nicht zu vergessen. Und es umspannt die vorislamische Zeit des assyrischen Gilgamesch-Epos, das biblische Hohelied Salomos als auch die Dichterinnen und Poeten unserer Tage.

Gold auf Lapislazuli ist ein Geschenk meiner Freundin Heidi, und als ich es morgens in der U-Bahn meiner Kollegin Antje zeigte, da kannte sie Claudia Ott und hatte schon in ihrem Bauernhaus in Norddeutschland mit den Mitgliedern ihres Chors Tee getrunken. Eine sehr nette Frau soll sie sein, und das vermittelt auch das Foto auf dem Schutzumschlag des Büchleins. Doch Claudia Ott ist nicht nur nett, sondern auch klug und märchenerfahren, sie hat 1001 Nacht neu übersetzt und spricht Arabisch, Hebräisch, Türkisch, Persisch und Paschto. Hier eine kleine Kostprobe aus ihrer 1001-Nacht-Übersetzung:
Die Schönheit selbst sollte sich mit ihm vergleichen.
Da blickte die Schönheit beschämt auf die Knie.
Man fragte: „Hast du, liebe Schönheit, schon einmal...“
Sie sagte: „...solch einen gesehen? Noch nie!“ (S. 24)

Dass ich dem Büchlein lediglich 4 von 5 Sternes gebe, hängt nicht mit seiner Qualität zusammen: Meine Magistra-Arbeit habe ich über Heinrich Heine und die Weiblichkeit des islamischen Orients geschrieben, und da bin ich einfach mit persischen Rosen und Nachtigallen ein klein wenig übersättigt. Außerdem hätte ich mir mehr Lyrik von Frauen gewünscht. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind nur drei der hundert Gedichte von Frauen geschrieben – aber vielleicht ist das in einer patriarchalen Welt auch kein Wunder.

Nichts desto trotz: Es werden vor Ihnen in diesem Buch irdische Paradiese wie Teppiche ausgebreitet. Begeben Sie sich nach Babylon in die hängenden Gärten der Semiramis, suchen sie Eden zwischen Gazellen und Granatapfelbäumen und stellen Sie schließlich fest, dass das Paradies dort ist wo sie geliebt werden und wiederlieben.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3406576699/holleland-21

© Verlag C.H. Beck oHG, München 2008

Paetow: Frau Holle

Untertitel: Volksmärchen und Sagen
Autor: Karl Paetow
© 1986 Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum
Taschenbuch, 144 S., mit zahlreichen s/w-Abbildungen
€ 6,95
***** (5 von 5 Sternen)

Der Sagen- und Märchenexperte Paetow hat hier einen Großteil der bekannten Sagen und Märchen rund um Frau Holle zusammengestellt. Umschlagtext: „Frau Holle, auch Berchta, Frau Gode, Frau Herke und anders genannt, ist als unsere bedeutendste volksmythologische Gestalt in Sagen, Märchen und Brauchtümern überliefert. Als Vertreterin des Mutterrechts wacht sie über häusliche Ordnung und Liebestreue. Bekannt ist Frau Holle vor allem aus dem Märchen der Brüder Grimm, es rankt sich um sie aber auch ein üppiger Sagenkranz, dessen Heimat der Meißner ist, der „König der hessischen Berge“. (....Hier) können wir Frau Holle in vielerlei Gestalt begegnen, als „weißer Frau“ oder als „spinnegrauem Mütterlein“, das in hohlen Baumstrunk sitzt, um nur zwei zu nennen." Schade nur, dass Paetow im Nachwort zwar die mutterrechtlichen Verhältnisse der Vorzeit erwähnt, sich aber sonst fast ausschließlich auf patriarchalische Germanen und das nicht minder patriarchalische Atharvaveda der Hinduisten bezieht.

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Erstellt am 20.1.2012

Rowling: Die Märchen von Beedle dem Barden


Märchenbuch für Kinder ab 10 Jahren
Autorin: Joanne K. Rowling
129 S., zahlreiche kleine s/w-Zeichnungen aus der Hand der Autorin
17,8 x 13 x 1,4 cm
ab € 7,49

**ooo (2 von 5 Sternen)

Frau Rowling hat wieder einmal ihren Zauberstab geschwungen, um noch mehr Geld zu verdienen, diesmal geht der Gewinn allerdings an eine Stiftung für Kinder in Waisenhäusern. Das Schwingen war erfolgreich: Ihr Buch landete bei seinem Erscheinen im Dezember 2008 sofort auf den allerobersten Rängen der Bestsellerlisten. Zu den 100 reichsten Menschen der Welt gehört Frau Rowling meines Wissens trotzdem noch nicht.

Was hat Frau Rowling getan? Für mich sieht es so aus, als ob sie sich einmal einen Nachmittag hingesetzt und geschaut hat, wie ein klassisches Zaubermärchen à la Grimm funktioniert: Es ist wird gezaubert (klar, das passt schon mal gut in der Nachfolge Harry Potters), es geht meist gut aus, Held oder Heldin sind danach ein bisschen klüger, und die Zahl drei spielt eine wichtige Rolle. Dann hat sie sich noch einen Band mit Literaturkommentaren (sog. Sekundärliteratur) genommen und analysiert, wie die Wissenschaftler so im allgemeinen schreiben. Und schließlich (siehe auch hier die magische Drei!) hat sie sich überlegt, wie man das wohl auf ihre Harry-Potter-Fantasy-Welt übertragen könnte. Herausgekommen ist ein seelenloses Konglomerat von Versatzstücken aus der Märchenwelt.

Zugegeben: Frau Rowling hat Witz. Aber das ist auch schon alles. Es fehlt ihr an Poesie - sie ist ganz schlicht und ergreifend keine Künstlerin. Die Moral wird dicker aufgetragen als in den meisten Märchen der Grimms oder Andersens, und, was Frau Rowling bei ihrer Beschäftigung mit dem Thema leider übersehen hat: Ihren Geschichten geht die Vielschichtigkeit eines guten Märchens völlig abhanden. Die Kommentare im Anschluss an die einzelnen Märchen machen´s nicht besser, sie verstärken eher den Eindruck: Hier war jemand mit Holzhammermethoden am Werk. Auch dichten kann die Gute leider nicht. Ich habe ihr Büchlein auf Englisch gelesen, und hier findet sich auf S. 99 der Standardausgabe folgender Vers "When his wand´s oak and hers is holly, Then to marry would be folly". Das krieg´ ich selbst hin, wenn ich mich eine halbe Stunde lang bemühe (die anderen Verse sind nicht besser). Vergleichen Sie mal mit: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch tausendmal schöner als Ihr!" (aus dem Gedächtnis zitiert)

Eingefleischte Rowling-Fans wird diese Kritik natürlich nicht abschrecken, und sie können über folgende Links bestellen:
(a) die englische Standardausgabe von The Tales of Beedle the Bard:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0747599874/holleland-21
(b) die englische Luxusausgabe von the Tales of Beedle the Bard:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0956010903/holleland-21
(c) die deutsche Ausgabe:
http://www.buecher.de/shop/Rowling-Joanne-K-/Die-Maerchen-von-Beedle-dem...

(c) 2007/2008 by Joanne K. Rowling, die englische Ausgabe ist bei Bloomsbury erschienen, die deutsche bei Carlsen.

Ruland: Das Geheimnis der Rauhnächte

Ruland: Das Geheimnis der RauhnächteMeditationsführer
Untertitel: Ein Wegweiser durch die zwölf heiligen Nächte
Autorin: Jeanne Ruland
Taschenbuch, 96 Seiten, mit vielen vierfarbigen Abbildungen
16,4 x 11,6 x 0,8 cm
€ 6,95

****o (4 von 5 Sternen)

Wenn Sie bereit sind, die Wissenschaft einmal beiseite zu lassen und sich auf Meditation und Religiöses einzulassen, dann ist dieses Büchlein optimal: Klein und handlich gibt es eine kurze Einführung in die Rauhnächte und das Brauchtum an den Tagen zwischen dem 21.12. und dem 6.1. (Frau-Holle-Tag!) eines Jahres, stellt dann aber - meist auf Doppelseiten - jeden Tag unter ein besonderes Thema. Es animiert zum Nachdenken über das, was schlecht gelaufen ist im vergangenen Jahr und was man im folgenden Jahr besser machen könnte – unter Themen wie Freundschaften, Familie, aber auch Tod.

Im Prinzip ist das Büchlein sowohl für Christen als auch für Heiden geeignet, denn Frau Ruland hat sich in einer Art von persönlichem Synkretismus aus diversen Religionen das für sie beste herausgenommen (ursprünglich dachte ich, sie sei vielleicht Anthroposophin, aber ein Blick auf ihre Homepage zeigte, dass ihr Glaube wirklich aus Versatzstücken selbst zusammengestrickt ist). Bringen Sie also Toleranz mit. Eines sollten Sie jedenfalls gewiss nicht sein: strengeR WissenschaftlerIn oder AtheistIn.

Ich habe das Büchlein als Rezeptbuch mit Gewinn genutzt, und mehr will es – hoffentlich! - auch nicht sein.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3897678659/holleland-21

© Schirner Verlag 2009

Spang: Frau Schächtele will oben bleiben

Spang: Frau Schächtele will oben bleibenKategorie: demokratische Märchen für Kinder
Autorin: Monika Spang
Illustrationen: Kostas Koufogiorgos
€ 6,95
32 Seiten, gebunden, 15,4x12,4x1,2 cm
Mit vielen 4farbigen Illustrationen

***oo (3 von 5 Sternen)

Frau Schächtele ist zwar eine alte Schachtel, aber sehr rege. Sie wohnt in einem kleinen Häuschen am Bürgerpark im Städtle im Ländle, als eines Tages König Mappus beschließt, die Wohnungen der dort Wohnenden unter die Erde zu verlegen: Er braucht Platz für einen neuen Palast. Das kann nicht sein, das darf nicht sein, also fangen Frau Schächtele und die anderen Bürger an, gegen den Beschluss zu demonstrieren. Die Polizei reagiert wie aus Stuttgart bekannt, Ereignisse vom 30. September 2010 inklusive. Auch Freiherr von Geißel tritt auf, redet mit allen und verkündet am Ende: Die unterirdischen Wohnungen müssen schöner werden, basta! Am Ende aber, da zwingen die Bürgerinnen und Bürger König Moppel, das Ländle zu verlassen und wählen sich eine neue Königin: Frau Schächtele.

Was ein nettes Stuttgarter Märchen für mehr Demokratie sein könnte, hat leider zwei kleine Haken (und die geben je einen Stern Abzug): Die Zeichnungen das Karikaturisten Koufogiorgos sind nicht sehr kindgerecht: Freiherr von Geißel mit schleppenden Rockschößen sieht zwar einfach nur klasse aus, aber einiges ist denn doch für ein Kind nicht zu erkennen – den Schlagstock des Polizisten z.B. hat meine Tochter definitiv für etwas anderes gehalten (und sie weiß aus praktischer Anschauung, wie Schlagstöcke aussehen). Den zweiten Punkt Abzug gibt es für das etwas phantasielose Ende des Märchens, denn wem ist demokratisch damit gedient, wenn lediglich ein König durch eine Königin ausgetauscht wird?

Trotzdem ist es ein Märchen, was unserer Tochter (6 Jahre) so gut gefällt, dass sie es immer wieder vorgelesen haben möchte.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3842511280/holleland-21

© Silberburg-Verlag, Tübingen 2/2011

Erstellt am 28.2.2011

Tieck: Märchen aus dem „Phantasus“

Tieck: Märchen aus dem „Phantasus“Autor: Ludwig Tieck
400 Seiten
€ 8,60

****o (4 von 5 Sternen)

Mein eigenes Tiecksches Reclam-Heftchen (Nr. 7732, Stuttgart 1980) umfasst nur 79 Seiten und die Märchen „Der blonde Eckbert“ (entstanden 1797), „Der Runenberg“ und „Die Elfen“, zusammen mit einem Nachwort von Konrad Nußbächer. Es ist zur Zeit nicht lieferbar. Das hier abgebildete Reclam-Heft enthält außerdem noch „Der getreue Eckart und der Tannenhäuser“, „Liebeszauber“, „Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence“ und „Der Pokal“.

Ein Meisterwerk der Frühromantik, heißt es im Nachwort, sei der blonde Eckbert, dem 1802 der Runenberg und später die Elfen folgten. Anders als die meisten Volksmärchen sind diese Kunstmärchen gruselromantisch, oder, wie Nußbächer etwas schwülstig schreibt: „In diesen Märchen leben der Schauer magischer Mächte, der „Nachtseiten“ in Natur und Menschenseele, des traumhaften Verlorenseins an dieses Reich des Unbewußten und der Wunder, das bald in holder Lieblichkeit, stärker noch in dämonischem Grauen durchbricht. Vom Volksmärchen sind sie trotz schlichten Erzählstils und verwandter Motive durch ihren Ausdruck gefährdeter Seelenlage unterschieden, sie entstammen nicht mythischer Geborgenheit.“ (S. 76 in meiner Ausgabe).

Was sind das für Nachtseiten, mit denen Tieck ebenso wie die meisten anderen Romantiker nicht klar kam? Lassen wir ihn selbst sprechen (Runenberg, S. 32ff): „Plötzlich sah er ein Licht, das sich hinter dem alten Gemäuer zu bewegen schien. Er sah dem Scheine nach und entdeckte, dass er in einen alten geräumigen Saal blicken konnte, der wunderlich verziert von mancherlei Gesteinen und Kristallen in vielfältigen Schimmern funkelte, die sich geheimnisvoll von dem wandelnden Lichte durcheinander bewegten, welches eine große weibliche Gestalt trug, die sinnend im Gemache auf und nieder ging. Sie schien nicht den Sterblichen anzugehören, so groß, so mächtig waren ihre Glieder, so streng ihr Gesicht, aber doch dünkte dem entzückten Jünglinge, dass er noch niemals solche Schönheit gesehn oder geahndet habe.

Er zitterte und wünschte doch heimlich, dass sie zum Fenster treten und ihn wahrnehmen möchte. Endlich stand sie still, setzte das Licht auf einen kristallenen Tisch nieder, schaute in die Höhe und sang mit durchdringender Stimme (...). Als sie geendigt hatte, fing sie an sich zu ENTKLEIDEN und ihre Gewänder in einen kostbaren Wandschrank zu legen. Erst nahm sie einen goldenen Schleier vom Haupte, und ein langes, schwarzes Haar floss in geringelter Fülle bis über die Hüften hinab; dann löste sie das Gewand des Busens, und der Jüngling vergaß sich und die Welt im Anschauen der überirdischen Schönheit. Er wagte kaum zu atmen, als sie nach und nach alle Hüllen löste; NACKT schritt sie endlich im Saale auf und nieder, und ihre schweren, schwebenden Locken bildeten um sie her ein dunkel wogendes Meer, aus dem wie Marmor die glänzenden Formen des reinen Leibes abwechselnd hervorstrahlten. Nach geraumer Zeit näherte sie sich einem andern goldenen Schranke, nahm eine Tafel heraus, die von vielen eingelegten Steinen, Rubinen, Diamanten und allen Juwelen glänzte, und betrachtete sie lange prüfend. Die Tafel schien eine wunderliche, unverständliche Figur mir ihren unterschiedlichen Farben und Linien zu bilden; zuweilen war, nachdem der Schimmer ihm entgegenspiegelte, der Jüngling schmerzhaft geblendet, dann wieder besänftigten grüne und blau spielende Scheine sein Auge: er aber stand, die Gegenstände mit seinen Blicken verschlingend und zugleich tief in sich selbst versunken. In seinem Innern hatte sich ein Abgrund von Gestalten und Wohllaut, von Sehnsucht und WOLLUST aufgetan, Scharen von beflügelten Tönen und wehmütigen und freudigen Melodien zogen durch sein Gemüt, das bis auf den Grund bewegt war: er sah eine Welt von Schmerz und Hoffnung in sich aufgehen, mächtige Wunderfelsen von Vertrauen und trotzender Zuversicht, große Wasserströme, wie vor Wehmut fließend. Er kannte sich nicht wieder und erschrak, als die Schöne das Fenster öffnete, ihm die magischer steinerne Tafel reichte und die wenigen Worte sprach: „Nimm dieses zu meinem Angedenken!“ Er fasste die Tafel und fühlte die Figur, die unsichtbar sogleich in sein Inneres überging, und das Licht und die mächtige Schönheit und der seltsame Saal waren verschwunden. Wie eine dunkele Nacht mit Wolkenvorhängen fiel es in sein Inneres hinein, er suchte nach seinen vorigen Gefühlen, nach jener Begeisterung und unbegreiflichen Liebe, er beschaute die kostbare Tafel, in welcher sich der untersinkende Mond schwach und bläulich spiegelte.“ (Hervorhebungen von mir.)

Es ist also Nacht, der Mond scheint, geheimnisvolle Ruine, Geisterlicht und Edelstein, und eine wunderschöne Schwarzhaarige – natürlich kann sie nicht blond sein! - zieht sich nackig aus. Schrecken über Schrecken! Ewiges Verhängnis! Eine Venus im Venusberge! Bei Tage natürlich ein hässliches, altes Waldweib – denn Sex bei Tageslicht, das kann ja nur hässlich und verderbt sein! Was ein Glück, dass er danach der blonden Kirchgängerin Elisabeth begegnet, mit der er schöne blonde kleine Kinderlein zeugen kann (natürlich wird nie beschrieben, dass sie auch mal nackt ist, das gehört sich nicht). Aber am Ende, Schicksal, Grauen, will er denn doch wieder zu seiner schwarzen Venus in den Runenberg hinein, zum Verderben seiner Frau und seiner Kinderlein. Bürgerlicher Tannhäuser auf verheiratet.

Dem blonden Eckbert geht’s nicht viel besser, nur dass diesmal seine Angetraute an allem Schuld ist und ihn ins Verderben stürzt – was kann ein Mann schon gegen die Verlockungen, da muss er ja zum Mörder werden. Am besten von allen drei Märchen gefallen mir „Die Elfen“. Denen geht es zwar zum Schlusse schlecht, und sie müssen, weil von einer Frau verraten, das Land verlassen, aber immerhin gibt es dazwischen sehr hübsche Schilderungen der elfischen Gefilde (S. 57): „Sie gingen durch die erzene Tür des Palastes. Da saßen viele schöne Frauen umher, ältere und junge, im runden Saal, sie genossen die lieblichsten Früchten und eine herrliche, unsichtbare Musik erklang. In der Wölbung der Decke waren Palmen, Blumen und Laubwerk gemalt, zwischen denen Kinderfiguren in den anmutigsten Stellungen kletterten und schaukelten; nach den Tönen der Musik verwandelten sich die Bildnisse und glühten in den brennendsten Farben; bald war das Grüne und Blaue wie helles Licht funkelnd, dann sank die Farbe erblassend zurück, der Purpur flammte auf und das Gold entzündete sich; dann schienen die nackten Kinder in den Blumengewinden zu leben und mit den rubinroten Lippen den Atem einzuziehn und auszuhauchen, so dass man wechselnd den Glanz der weißen Zähnchen wahrnahm sowie das Aufleuchten der himmelblauen Augen.“ Wie anders doch als die Burgbeschreibung im Runenberg – aber natürlich ist hier denn auch nicht von Sex die Rede.

Mir persönlich ist E.T.A. Hoffmann lieber, aber das ist natürlich Geschmackssache. Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3150182409/holleland-21

© Reclam, Ditzingen 2003

Werner: Sagen- und Märchenland Nordhessen


Geschichten, Sagen und Märchen aus Nordhessen
Herausgeber: Otto Werner
288 S., 11 Abb. s/w, kartoniert
nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Werner ist ein Sammler. Er versammelt in diesem Buch Fundstücke aus den Kreisen Kassel-Stadt und -Land, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner. Die Geschichten, Sagen und Märchen sind nach Ortschaften sortiert und mit kurzen Einleitungen zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten versehen. Mehrere hundert Schnipsel kommen auf diese Weise zusammen - vom volkskundlichen und germanistischen Standpunkt durchaus interessant.

Leider ist Werner kein guter Schriftsteller und der Setzer des Buches ist kein guter Setzer. Mit dem Erfolg, dass es von zum Teil sogar sinnentstellenden Tippfehlern nur so wimmelt und mindestens eine Sage doppelt vorhanden ist - nur unter anderer Überschrift. Sehr schade!

Jedoch erfahren Sie viel über das alte Volk, die heidnischen AnhängerInnen Frau Holles. Als Wichtel haben sie die Wichtelkirche am Dörnberg in Ahnatal gebaut (natürlich nicht aus ganz freien Stücken)(1.). Frau Holle selbst hilft einem armen Glasmacher am Hirschberg bei Helsa (12.). An der Oberweser setzt ein Fährmann ein ganzes Zwergenvolk über (21.). Dann gibt es die unsäglich kitschige Christenversion zum Thema Holle und Hoher Meißner, "Martha Holle" (da ist sie doch glatt die Ehefrau eines Herrn Holle, 30.) Vom Ort Meißner (37.) selbst werden die Sagen zur Kitzkammer, Germerode, Frau Hollenbad und Frau Holle selbst berichtet, von Wehretal (43.) diejenigen zu den Hollesteinen und wie Frau Holle einmal einen Zimmermann belohnte. Usw. usf. Alle Wichtelgeschichten (manchmal heißen die Wichtel auch "die Hollen") enden damit, dass die Wichtel zunächst im Untergrund leben - und schließlich aber das Land ganz verlassen müssen. Das hat den Vorteil, dass den Christen keine Wechselbälger mehr untergeschoben werden: Die Wichtel raubten nämlich gern ungetaufte Kinder und ließen ihre eigenen, häßlichen zurück. Wenn es jedoch einem Menschenkind bei den Wichteln nicht gefiel, durfte es zu seiner leiblichen Familie zurückkehren. Aber der Wegzug des alten Volkes brachte auch Nachteile mit sich: Der finanzielle Segen, den sie und ihr Fleiß mit sich brachten, blieb nun aus. So kann´s gehen.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B001FBQQEC/holleland-21

(c) Baurechte Verlag Kassel 1995

Wetzel: Vom Mummelsee zur Weibertreu

Wetzel: Vom Mummelsee zur Weibertreu
Untertitel: Die schönsten Sagen aus Baden-Württemberg
Autor: Manfred Wetzel
Illustrator: Joachim Burzik
418 Seiten, mit einer Karte von Baden-Württemberg und 46 schwarz-weißen Illustrationen sowie einem Ortsregister
gebunden

****o (4 von 5 Sternen)

Aus 34 verschiedenen Quellen hat der Autor dieses dicke Sagenbuch zusammengetragen, dem ich gerne 5 Sterne gegeben hätte, wenn mir nur die Zeichnungen etwas besser gefallen würden. Über die Grenzen Baden-Württembergs bekannt sind die Sagen von der schönen Lau (siehe dazu auch im Märchenshop Mörikes „Stuttgarter Hutzelmännchen“), der schönen Melusine und von den Geistern vom Mummelsee (vertont von Achim Reichel, „Wilder Wassermann“, im Märchenshop). Zwei der Geschichten habe ich in der Rubrik „Sagen rund um Frau Holle“ aufgenommen, hier ist eine dritte, die zumindest einige Elemente aus dem Kreis rund um Frau Holle enthält: den Holunder, den Brunnen, in den es zu springen gilt, und das Spinnen.

Die Holderbrunnenfräulein

Nahe bei Waldangelloch entspringt eine Quelle, der man den Namen „Holderbrunnen“ gab, weil dort einst ein Holderstrauch stand. Ein armes Weiblein ging oft zu jenem Ort, um Gras für seine Kuh zu holen.

Als die Alte einmal erst spät nach Hause kam, fragten die Nachbarn besorgt, warum sie so lange ausgeblieben sei und erfuhren, sie sei bei guten Freundinnen gewesen, die sie heute kennen gelernt habe. Darüber wunderten sie sich, und weil die Frau in den folgenden Nächten auch so spät heimkehrte, schlichen ihr einige nach. Sie sahen die Alte mit zwei schönen fremden Fräulein am Holderstrauch stehen. Als sie näher gingen, tauchten die Mädchen in den Brunnen und verschwanden.

Nun fragten sie die Alte nach den Wasserfräulein und drängten sie, ihre schönen Freundinnen in ihr Haus einzuladen. Und wirklich! Eines Abends, als man bei ihr in die Spinnstube kam, waren auch die beiden Fremden zu Gast. Jede hatte ein Laternchen dabei, eine Kunkel und Hanf. Zuerst musterte man sie verstohlen und schwieg. Weil sie aber gekleidet waren wie die anderen Dorfmädchen, ihre Arbeit geschickt verrichteten und dabei lachten und scherzten, schwand bald alle Scheu. Neugierig fragte man nach ihrer Behausung. Da erzählten sie, ihre Wohnung in einem großen See tief unter der Erde sei ähnlich beschaffen wie die der Menschen. Auch dankten sie, als man ihnen zu essen bot, nahmen aber bloß Obst und Brot.

Wie im Flug verging die Zeit. Als es neun Uhr schlug, zündeten die Wasserfräulein ihre Laternen an und gingen fort trotz aller Bitten der anderen, noch ein wenig zu bleiben. Doch versprachen sie, am folgenden Abend wiederzukommen.

Die Gesellschaft der Menschen schien ihnen zu gefallen, denn dreiundzwanzig Tage lang fanden sie sich Abend für Abend in der Spinnstube ein. Sie waren fleißig und gegen jedermann freundlich. Ein hübscher Bursche, der auch immer zu Gast war, schien wie verzaubert von der seltsamen Schönheit des einen Wasserfräuleins. Er setzte sich in seine Nähe, wandte keinen Blick von ihm und lauschte begierig jedem Wort, das es sprach. Auch bat er, es auf dem Heimweg begleiten zu dürfen. Ein Stück weit ließ ihn die Jungfer mitkommen, doch dann bestand sie darauf, dass er zurückbleibe.

Als der Bursche wieder einmal sich nicht trennen wollte von seiner Liebsten, blickte sie ihn seltsam an und sagte dann, er dürfe mit in den Brunnen kommen, wenn er mit ihr hinab tauche in die Tiefe. Es dauerte lange, bis der Bursche sich dazu entschließen konnte, und erst nach vielem Zureden willigte er ein. Als sie an die Quelle kamen, wollten die Mädchen, dass zuerst das eine, dann der Bursche und zuletzt seine Liebste sich hinab lasse. Weil aber der Junge der letzte sein wollte, schnallte ihm jene ihren Gürtel um und versicherte, damit sei er geschützt und brauche keine Angst zu haben.

Die Mädchen verschwanden in der finsteren Tiefe, doch der Bursche wagte nicht, ihnen zu folgen. Lange starrte er in das dunkle Wasser hinunter, auf dessen Spiegel das Licht des Mondes schimmerte. Auf einmal begann es zu brodeln und zu kochen im Brunnen, und eine Wolke von Blut stieg an die Oberfläche. Eilig warf der Bursche den Gürtel hinein, weil er dachte, dass er ihn nicht hätte zurückbehalten dürfen. Nach einiger Zeit war das Wasser wieder still und ruhig. Lange stand er noch bei dem Brunnen, aber seine Liebste blieb verschwunden, und auch in die Spinnstube kamen die Wasserfräulein nie mehr.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3806213070/holleland-21

© Konrad Theiss Verlag GmbH & Co., Stuttgart 1988, 1997

Märchendekoration

Märchenfliese Frau Holle

Glasuntersetzer Frau Holle

10 x 10 cm gross und mit dickem Filz unterfüttert sind die Märchenfliesen der Keramikmanufaktur Majolika Karlsruhe. Sie eignen sich hervorragend als Untersetzer für Gläser und ähnliches und kosten 12 € pro Stück.

Im Jahre 1901 gab der badische Großherzog Friedrich I. die Zustimmung zum Bau eines Werkstattgebäudes in der Karlsruher Hoffstraße. Gleichzeitig genehmigte er, "dass die neu zu gründende keramische Anstalt die Bezeichnung Großherzogliche Majolika-Manufaktur führt und ihre Produkte mit dementsprechenden Warenzeichen signiert werden." Noch im Gründungsjahr wurde das bis heute geltende Markenzeichen der Manufaktur von Hans Thoma entworfen: das gekrönte Badische Wappen mit dem darunter angebrachten doppelten M für Majolika-Manufaktur. Ein bis zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstler arbeiten ständig in der Manufaktur und entwerfen viele Unikate, aber eben auch in Serie die hier vorgestellten Märchenfliesen, von denen es sage und schreibe 25 verschiedene Motive gibt. Neben der oben abgebildeten Frau Holle sind dies: Aschenputtel, Die Bremer Stadtmusikanten, Brüderlein und Schwesterlein, Dornröschen, König Drosselbart, Der Fischer und seine Frau, Der Froschkönig, Die goldene Gans, Hänsel und Gretel, Hans im Glück, Hase und Igel, Des Kaisers neue Kleider, Der gestiefelte Kater, Der kleine Muck, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen, Schneewittchen, Das tapfere Schneiderlein, Die drei Spinnerinnen, Sterntaler, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Tischlein deck dich, Der Wolf und die 7 Geißlein sowie Rapunzel.

Sie können die Kacheln im Shop des Ludwigsburger Schlosses erwerben oder über das Internet direkt beim Hersteller: www.majolika-karlsruhe.com/index2.html

Märchengeburtstag Dornröschen

Dornröschenkostüm 98/104
Alle hier genannten Tipps sind persönlich ausprobiert und für gut befunden!
Geeignet für: Kinder ab 5 Jahren

Einladungskarten:

* goldene aus dem Papierwarenladen, auf die Titelseite wird ein Bild von Otto Ubbelohde geklebt (z.B. unter http://www.onlinekunst.de/februarzwei/24_02_dornroeschen.html). Auf der Innenseite mit grünem oder goldenem Buntstift eine Rosenranke von einer Metall- oder Pappvorlage durchpausen. Die Gäste dürfen sich als Prinzessinnen und Prinzen verkleiden, müssen aber nicht!

Dekoration:

* Rosenservietten, z.B. Three Roses, 20 Servietten, € 2,95 unter diesem Link: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000S13CT2/holleland-21
* goldene Pappteller, z.B. 10 Stück, € 3,99 unter diesem Link: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0015CWNXY/holleland-21
* rosa Kerzen, z.B. in Rosenblütenform à € 7,90 unter diesem Link: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B001BZ2C4A/holleland-21

Essen und Trinken:

* Kuchen "Das Schloss der Schokoladenfee": Einen Schokoladenkuchen in Kastenform backen (ich nehme dafür eine Brownie-Bio-Fertigbackmischung und peppe sie auf). Den abgekühlten Kuchen oben mit dem Messer einritzen, in die Ritzen rechteckige Kekse stecken (die Zinnen!) darüber einen Zuckerguss aus Kakao, Puderzucker, Sauerrahmbutter und heißem Wasser streichen

* Feenfinger, Gugelhupf frisch aus dem Schloss, und Anisknöpfchen (die Rezepte dafür finden Sie in "Tischlein, deck dich!" unter http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3836929856/holleland-21)

* Hagebuttentee
* Rosensirup mit Mineralwasser
* für die Eltern: Rosé-Sekt

Märchen und Lied:

* Zu Beginn wird das Märchen von Dornröschen vorgelesen. An den entsprechenden Stellen wird jeweils eine Strophe des Dornröschenlieds eingefügt

Spiel und Anregungen:

* Krepprosen basteln
Benötigt werden pro Kind:
o je ein größerer roter Kreis (Durchmesser ca. 15 cm) aus Krepppapier ausgeschnitten und ein kleinerer grüner (ca. 7 cm Durchmesser). In der Mitte haben beide ein kleines (!) Loch, durch das ein Schaschlikspiess gerade eben durchpasst
o ein Schachlikspieß aus Holz oder Bambus, wenn möglich am Ende zum Kreis gebogen
o ein langer, schmaler Streifen grünen Krepppapiers
o Tesafilm
Die Kinder fassen beide Kreppkreise so in der Mitte, dass sich nach außen eine "Blüte" entfaltet: das rote Papier innen, das grüne außen. Durch das Loch wird der Schachlikspieß gesteckt. Achtung: Wenn er am Ende nicht gebogen ist, muß er vorab oben mit Tesafilm verdickt werden! Die Blüte wird unten einmal mit Tesa fixiert. Dann wird der Schaschlikspieß mit dem grünen Kreppband umwunden. Am unteren Ende wird das Kreppband mit Tesafilm fixiert.

* Wolle spinnen mit der Handspindel und Herstellen von Freundschaftsarmbändern
Die Zutaten für eine Handspindel und etwas Wolle können Sie für wenig Geld z.B. bei www.diespindel.de erstehen. Bitte üben Sie ausführlich vorab, damit es auch klappt. Ich empfehle, die Fäden nicht auch noch vor den Kindern zu verzwirnen, das dauert zu lang. Achtung: Bitte machen Sie vor allem kleineren Kindern unbedingt vorher klar, dass niemand spinnen muss und die Spindel unten stumpf ist. Eventuell haben sonst einige Kinder Angst, dass sie sich stechen und in einen hundertjährigen Schlaf verfallen. Wenn genug Faden fertig gesponnen ist (vielleicht haben Sie ja auch schon einige Fäden vorbereitet!), schneiden Sie die Fäden in gleichlange Stücke und verknoten Sie je drei am oberen Ende. Ein Kind soll nun den Knoten festhalten, das andere flicht die drei Fäden wie einen Zopf. Knoten etwas vor dem Ende, ganz am Ende dann noch einen Knoten - so hat man eine ganz einfache Schlaufe, in den man den Anfangsknoten stecken kann - schon ist das Freunschaftsarmband fertig.

* Das Lied "Dornröschen war ein schönes Kind" als Kreisspiel aufgeführt. Texte, Noten und Regieanweisung im Internet unter http://www.labbe.de/liederbaum/index.asp?themaid=48&titelid=239

* Rosentee selber herstellen: Dazu kann man Rosenknospen im Bioladen kaufen. Selbige müssen im Mörser zerrieben werden. Ab damit in die Teekanne (ca. 3 Knospen pro Becher), kochendes Wasser drüber, 5-10 Minuten ziehen lassen.

Geschenke für die Gäste:

* Freundschaftsarmband und Krepprosen, siehe oben
* Das Märchen Dornröschen mit den Bildern z.B. Ubbelohdes zusammenkopiert (ergibt ca. 3 Seiten DIN A 5).

Märchengeburtstag Dornröschen: Einladungskarten

DornröschenkarteDiese rosa Einladungskarten sind echte Handarbeit und können daher in der Ausführung leicht variieren. Sie bestehen aus einer Klappkarte A6 (200g-Papier), dazu passendem, ungefütterten Umschlag (90g-Papier) und sind mit einer goldenen Rose, dem Schriftzug „Herzliche Einladung“ und einem aufgeklebten Dornröschen- Motiv verziert. Der stilvolle Auftakt für einen bezaubern- den Märchengeburtstag!

Karte plus Umschlag kosten zusammen 1,60 €, die Versandkosten pauschal 2,20 €. Da wir noch keinen Shop besitzen, kontaktieren Sie uns bitte über das Kontaktformular oder senden sie uns den Betrag in Briefmarken an Barbara Pfeifer, Buowaldstr. 52, 70619 Stuttgart. Absender bitte nicht vergessen!

Märchengeburtstag Froschkönig

Handpuppe FroschkönigGeeignet für: Kinder ab 4 Jahren

--Selber ausprobiert und für gut befunden!--

Einladungskarten:

* Papp-Schablone in Kronenform ausschneiden. Hellgrüne Karten und goldenen Buntstift kaufen. Auf die Karten die Schablone legen und mit Goldstift umrahmen (z.B. in Strahlenform)

Dekoration:

* Servietten mit Fröschen/Froschkönigen
* goldene Pappteller

Essen und Trinken:

* grüner und gelber Wackelpudding (Waldmeister und Zitrone)
* grüne und gelbe Getränke (z.B. mit Waldmeister- und Zitronensirup)
* Plätzchen in Froschform

Aufführung des MÄRCHENS als Puppentheater für 2 SpielerInnen (z.B. die Eltern des Geburtstagskinds). Benötigt werden:

* 1 Pappe doppelt so groß wie der Türrahmen. In der Mitte wird ein Fenster mit Fensterläden herausgeschnitten in Idealhöhe für die Spieler.

Die Seiten links uns rechts werden nach hinten geklappt zwecks Standfestigkeit.

* Geschenkpapier in 2 Farben zum Bekleben der Vorderseite: z.B. eine Rolle grün für die Großfläche und etwas gelbes Papier für Ornamente.
* roter Stoff zum lässigen Drapieren
* Metallhaken, um die aufgeklappten Fensterläden zu befestigen
* 5 Puppen: Prinzessin, König, Frosch, Prinz/Ritter, Diener/Kasper, Ansager/Räuber
* Schablonen aus Pappe, bemalt, unten Stöcke angeklebt:
o die Schwestern der Prinzessin
o der Brunnen
o der Tisch mit goldenem Geschirr
o das Bett der Prinzessin
o die Kutsche
* eine goldene Kugel (aus Holz, bemalt)
* Text des Theaterstücks (Sie können ihn bei mir unter info@holleland.de kostenlos bestellen)

Spiele:

* Sackhüpfen = Froschhüpfen

Lied:

* Kanon "Heut ist ein Fest bei den Fröschen am See" ((c) Helmut Bornefeld/Carus Verlag, 1948)

Geschenke für die Gäste:

* Ratschen mit Fröschen
* Fingerpuppe Frosch
* Knack-Frösche aus Plastik

Ostereier

Holles OstereiIst es nun erst christlich oder schon vorchristlich, das Osterei? Woher stammt überhaupt der Name Ostern - von der germanischen Göttin Ostara, wie Jacob Grimm meinte? Und was hat der Osterhase mit all dem zu tun?
 
Dies alles sind Fragen, die die Wissenschaft noch nicht bis ins letzte geklärt hat. Fest steht, dass Hase und und Eier auch Begleittier bzw. -symbol der griechischen Liebesgöttin Aphrodite und der germanischen Holda (links im Bild!) waren. Und das passt ja auch: Im Frühjahr freuen wir uns über die Fruchtbarkeit der Erde und das wiedererwachende Leben. Nachdem wir monatelang nur grau, braun, schwarz und weiß zu Gesicht bekamen, sind sie endlich wieder da, die Farben: das sinnliche Rot der Tulpen, das strahlende Blau der Scillas, das buttrige Gelb der Winterlinge, das zarte Grün an Bäumen und Büschen. Und das Osterwasser fördert auch bei christlichen Frauen die Fruchtbarkeit.

In der Vorosterzeit schmücken wir Europäer Äste mit Eiern. Da gibt es die ganz grauslichten aus Plastik, und da gibt es dann noch die echten, ausgeblasenen Eier, kunstvoll mit handbemalt oder aber auch mit feinsten Bohrern ziseliert. In Deutschland bei den Sorben, aber auch in vielen Gegenden Osteuropas sind das noch wunderschöne, traditionelle, abstrakte Muster. Daneben immer verbreiterter werden Blumen- und Tierdarstellungen "nach alter Manier", mehr oder meist minder gekonnt nachgeahmte "moderne Kunst", erotische Darstellungen und natürlich: Märchen! Frau Holle schüttelt die Betten, Dornröschen spinnt, und die Hexe verführt in ihrem Häuschen Hänsel und Gretel zu oralen Hochgenüssen.
 
Besonders viele Varianten kann man auf der Fellbacher Ostereierbörse finden. Seit 1989 findet dieser Osterzauber alljährlich in der Nähe von Stuttgart in der Schwabenlandhalle statt und lockt über 200 Künstler und Kunsthandwerker aus fast einem Dutzend Länder an. Da gibt es dann Märchen in 4c auf großen Eiern, für die Sie 60 Euro und mehr zahlen müssen (Näheres unter www.ostereier.com), aber auch kleine Hühnereier, die nur in ochsenblutrot, nachtblau oder dunkelgrün gezeichnet sind und fein ziseliert die bekanntesten Märchen der Brüder Grimm oder den Gestiefelten Kater zeigen. 12 Euro kostet solch ein Prachtexemplar, wie Sie es auf diesem Foto sehen können. Es stammt aus dem Atelier von Ursula Mirke (E.-Frohnmayer-Str. 46, 74354 Besigheim, Ursula@Mirke.com).
 
Ganz besonders schön sind auch die perforierten Ostereier auf der Homepage www.opiola.de/maerchen.html. Hier möchte ich Ihnen kurz den märchenhaften Einleitungstext zitieren: "Es war einmal ein Ostereierfreund, der eines Tages beschloss, filigrane Märchenmotive in Gänseeier zu bohren. Doch ach, das dauert lange, Dornröschen ist bald wieder aufgewacht. Hänsel und Gretel gefällt ihr neues Zuhause auf der Eierschale, so ein Ei ist doch verlockender als ein Lebkuchenhaus. Auch Schneewittchen fühlt sich hier geborgen, und die Prinzessin fordert vom Froschkönig nicht mehr ihre goldene Kugel zurück, sondern lieber eines dieser ganz besonderen Eier."

Natürlich können Sie auch einfach ein Ei selbst rot färben und Ihrer oder Ihrem Liebsten schenken.

Viel Spaß mit Ihren sinnlichen, märchenhaften Ostereiern!

Märchenküche

Ausstechformen: Märchenset Froschkönig


Geschenkset aus 4 Metall-Ausstechformen, Märchen und Rezepten
Autor: Fa. RBV Birkmann
Nr. 160521
ca. € 7,90

****o (4 von 5 Sternen)

Ein märchenhaftes Backerlebnis bei Groß und Klein: Die Firma Birkmann hat ihren 4 Keks-Ausstechformen (Prinzessin, König, Frosch und Burg) auf einem kleinen, 4seitigen Faltblatt u.a. das Märchen "Der Froschkönig" in der Version des Projekts Gutenberg zum Vorlesen beigelegt (das Projekt Gutenberg hat alle bedeutenden deutschen Märchen in eine zeitgemäße Sprache übersetzt, um die Tradition der Märchen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen). Außerdem gibt es zwei Rezepte (für Marzipan-Märchen-Plätzchen und Mandel-Märchen-Plätzchen). Einen Stern Abzug lediglich dafür, dass die Bebilderung künstlerisch nicht wertvoll und die angebliche Geschenkverpackung ein etwas schlichter Karton mit Klarsichtfolie ist. (Ich hätte die Firma eher in Halle an der Saale als in Halle/Westfalen vermutet...)

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: RBV Birkmann 160521 Märchenset Froschkönig Geschenkset aus 4 Ausstechformen Märchen zum Vorlesen und Rezept in Geschenkverpackung

Glasuntersetzer: Frau Holle

Glasuntersetzer Frau Holle

10 x 10 cm gross und mit dickem Filz unterfüttert sind die Märchenfliesen der Keramikmanufaktur Majolika Karlsruhe. Sie eignen sich hervorragend als Untersetzer für Gläser und ähnliches und kosten 12 € pro Stück.

Im Jahre 1901 gab der badische Großherzog Friedrich I. die Zustimmung zum Bau eines Werkstattgebäudes in der Karlsruher Hoffstraße. Gleichzeitig genehmigte er, "dass die neu zu gründende keramische Anstalt die Bezeichnung Großherzogliche Majolika-Manufaktur führt und ihre Produkte mit dementsprechenden Warenzeichen signiert werden." Noch im Gründungsjahr wurde das bis heute geltende Markenzeichen der Manufaktur von Hans Thoma entworfen: das gekrönte Badische Wappen mit dem darunter angebrachten doppelten M für Majolika-Manufaktur. Ein bis zwei Dutzend Künstlerinnen und Künstler arbeiten ständig in der Manufaktur und entwerfen viele Unikate, aber eben auch in Serie die hier vorgestellten Märchenfliesen, von denen es sage und schreibe 25 verschiedene Motive gibt. Neben der oben abgebildeten Frau Holle sind dies: Aschenputtel, Die Bremer Stadtmusikanten, Brüderlein und Schwesterlein, Dornröschen, König Drosselbart, Der Fischer und seine Frau, Der Froschkönig, Die goldene Gans, Hänsel und Gretel, Hans im Glück, Hase und Igel, Des Kaisers neue Kleider, Der gestiefelte Kater, Der kleine Muck, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen, Schneewittchen, Das tapfere Schneiderlein, Die drei Spinnerinnen, Sterntaler, Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Tischlein deck dich, Der Wolf und die 7 Geißlein sowie Rapunzel.

Sie können die Kacheln im Shop des Ludwigsburger Schlosses erwerben oder über das Internet direkt beim Hersteller: www.majolika-karlsruhe.com/index2.html

Märchen-Zaubergärten

Schneewittchen kannte keine Golden Delicious (entstanden 1890), Jonagold (1968) oder Gala-Äpfel (erstmals 1960). Pflanzenmärchen und Bestellmöglichkeiten für alte Sorten finden Sie im Shop.

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

Aulnoy: Die weisse KatzeStrauch, bis 10 m Höhe
Blüte weiß (April-Mai)
Beeren ab Ende August, rotschwarz

€ 8,99 / Pflanze

Weitere Namen: Holderbusch, Holler, Flieder

Verwendung: Die Blüten können zu Hollerküchlein, Holundersirup und -sekt sowie Holunderblütentee (gut gegen Erkältungen und Fieber!) verarbeitet werden, während die Rinde bei Nierenleiden / Harnstauung verwendet wird. Die schwarzroten Beeren sind Vitamin-C- und kaliumreich, sie müssen gekocht werden, um genießbar zu sein (Holundersaft, Marmelade, Fliederbeersuppe), denn sie enthalten das leicht giftige Glykosid Sambunigrin. Das farbgebende Anthocyan schützt uns außerdem vor freien Radikalen und verlangsamt den Alterungsprozess, hilft gegen Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen. Auch bei Magenbeschwerden kann Holundertee eingesetzt werden. Holunderbeeren sind außerdem ein Bestandteil der Roten Grütze und des Grogs. Den Farbstoff setzte man früher zum Färben von Haaren, Leder oder auch Rotwein ein.

Sowohl unheilvolle als auch positive Eigenschaften sagten die Leute dem Holunderstrauch nach. Das Verdorren eines Strauches zeigte den Tod eines Familienmitglieds an. Andererseits galt er als Abwehrmittel gegen schwarze Magie und Hexen, schützte vor Feuer und Blitzeinschlag, vor Schlangenbissen und Mückenstichen. Auch beherbergte er wohlgesinnte Hausgeister, was den Strauch in vielen Hausgärten heimisch werden ließ und zu dem Spruch führte, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen müsse. Das Fällen eines Holunders sollte Unheil bringen.

H.C. Andersens Fliedermütterchen ist ins Hochdeutsche übersetzt ein Holunderteemütterchen. Das Märchen finden Sie hier: http://www.garten-literatur.de/adventskalender/dez15_andersen_fliedermue...

Vor allem aber ist der Holunder der Hausstrauch der Frau Holle. Wie er zu seinem Namen kam, schildert Sigrid Früh in dem Märchen „Holunder tut Wunder“: „Es begab sich aber auch im Verlauf der Zwölf Nächte, dass sich Frau Holle rüstete, wie immer in diesen erregenden Zeiten der Jahreswende das Menschenland zu durchwandern. So kam sie auch über die verschneite Heide. Da war es Weihnachten im ganzen Land. Und sie horchte auf den Gesang der Bienen im hohlen Baum, auf den Atem der Tiere, die unter der Schneedecke schliefen oder in warmen Höhlen. Sie lauschte auf die Stimme der Steine und den strömenden Saft unter der Borke von Busch und Baum. Aller erstorbenen Blumen Frühlingshoffnung lag ihr im Ohr. Es stand aber einsam auf der verschneiten Heide ein kahler, stakiger Strauch. Seine Zweige knackten zum Erbarmen im Rauhfrost der Weihnacht.
Frau Holle fragte den Busch: „Was klagst du so?“
Da wehte es aus den brackigen Zweigen her: „Oh große Mutter! All deinen Kindern hast du einen Nutzen und Sinn in den Keim gelegt. Die Menschen brauchen die Nuss von der Hasel, die Rute von der Weide, und selbst den struppigen Ginster binden sie Winters in ihre Besen. Dem Flachs hast du gute Fasern gegeben und allen Blumen Schönheit zur Augenweide. Nur mir hast du weder Glanz noch Nutzen verliehen. Und selbst die ärmsten Menschenkinder verschmähen mein Holz für den Hausbrand.“
Die Klage rührte die Weise Frau an das Herz, und sie lächelte: „Gut denn, weil du den Menschen so gerne hold bist, so will ich dir selber den Namen geben, Hollerbusch sollst du von Stund´ an heißen in ihrem Mund. Dazu verleihe ich dir eine edle Kraft, die dich wert macht vor allem Gebüsch.“
Und sie schenkte dem Busch die Heilkraft der Rinde und der Blüten und füllte ihm seine tausend Beeren mit Arznei. Bei schlimmen Tagen, als Not und Krankheit die Menschen heimsuchten in ihren Häusern, erkannten sie bald die heilenden Säfte des Holunderstrauchs.
Da holten sie den verschmähten Busch in ihre Bärten, an ihre Höfe und alsbald war kein Backofen mehr in den Dörfern zu finden, in dessen Schutz nicht der Hollerbusch grünte und blühte zur Augenweide mit seinem Segen.
Die Kranken wurden gesund vom Trunk seiner Säfte. Und ihre Kinder spielten im Duft der schattigen Blütenteller die liebsten Reigen.“ (Rauhnächte, S. 73f, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3926789247/holleland-21)
Einen dieser Reigen kennen Sie gewiss auch noch aus Ihrer Kindheit: „Ringel, Ringel Reihe! Sind der Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, rufen alle: „Husch, husch, husch!“

Zum Bestellen eines Strauchs können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00284DQ7A/holleland-21

Matriarchat - Märchen, Mythen, Fakten

Coler: Das Paradies ist weiblich

Coler: Das Paradies ist weiblichEine faszinierende Reise ins Matriarchat
Reisebericht
Autor: Ricardo Coler
165 Seiten, gebunden, mit vielen Farbfotos des Autors
Originaltitel: El reino de las mujeres. El ultimo matriarcado.
Aus dem argentinischen Spanisch von Sabine Giersberg
€ 17,95

****o (4 von 5 Sternen)

Ricardo Coler, 1956 in Argentinien geboren, ist Arzt, Journalist und Fotograf. Mehrere Monate lebte er bei den etwa 30-40.000 Mosuo im Südwesten Chinas, um hautnah zu erfahren, wie eine Gesellschaft funktioniert, in der „die Frauen das Sagen haben“. Leider spricht er kein chinesisch, geschweige denn die Sprache der Mosuo, und war also auf die Künste seines han-chinesischen Dolmetschers angewiesen – und die (in China vorherrschende) han-chinesische ist eine patriarchalische Kultur per excellence. Die Mosuo haben also von ihrer eigenen, sino-tibetischen Sprache ins Han-Chinesische übersetzt, und der Übersetzer dann ins Spanische (oder vielleicht Englische)? Wieviel dabei verloren geht und wie ungezwungen die Konversation war, können Sie sich unschwer vorstellen.

Herausgekommen ist ein farbenfroher, aber an vielen Stellen oberflächlicher Bericht über ein kleiner Volk an einem glasklaren See im Hochgebirge, dass es erfolgreich geschafft hat, sich der han-chinesischen Kultur und Herrschaft zu entziehen. Der Autor reflektiert alle Nase lang auf sich selbst und die argentinische Machokultur, und so ist es stellenweise mehr ein durchaus kritischer Reisebericht über unsere westliche, kapitalistisch-patriarchalische Kultur, denn über die der Mosuo. Grober Eindruck: Die Frauen sind schön, bestimmen und arbeiten ungeheuer viel, die Männer qualmen wie die Schlote, sind faul und tun nur was, wenn frau sie dazu auffordert. Fast alle Menschen leben im Haus ihrer Mutter und nachts gehen die Männer in die Häuser der Frauen, wenn sie darum gebeten werden (sog. Besuchsehe). Die Hanchinesen haben versucht, die Mosuo in patriarchale Kleinfamilien zu zwingen – aber kaum ließ der Druck nach, zogen alle Mosuofrauen und –männer wieder erleichtert zu ihren Müttern zurück. Am Ende des Büchleins findet ein nächtliches Tanzfest statt, und fast ebenso erleichtert stellt der Autor fest, dass die Welt doch noch in Ordnung ist: Auch der Mosuo-Mann kann sich „typisch männlich“ aufplustern, wenn es um Erotik geht!

Das Thema Mythen und Religion streift der Autor leider nur ganz am Rande. Die Mosuo sind tibetische Buddhisten – und gehören just einer Richtung an, die weibliche Priester nicht zulässt. Neben dieser erst in historischer Zeit übernommenen Religion hat aber auch die autochthone Daba-Religion überlebt. Sie beruht auf Ahnenverehrung, Animismus-Schamanismus und spielt bei Taufe und den Riten beim Eintritt ins Erwachsenenalter eine wichtige Rolle, beim jährlichen Frühlingsfest und natürlich bei Erkrankungen, zu deren Heilung ein Daba-Priesterschamane gerufen wird. Die ersten Sätze der Daba-Religion lauten: „Das Wasser ist die Quelle, und die Bäume haben Wurzeln. Das Leben kann nicht von der Mutter getrennt werden. Es verletzt nicht, wenn Fleisch gegen Fleisch stösst, aber es verletzt, wenn Fleisch gegen Knochen prallt.“ (zitiert nach dem Mosuo Prof. Lamu Ga tusa).

Mehr Information zu dieser Ethnie finden Sie unter http://www.mosuoproject.org/main.html

Zum Bestellen des Titels von Coler können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3378011033/holleland-21

© der deutschen Ausgabe Kiepenheuer 2009

Gimbutas: The Goddesses and Gods of Old Europe

Gimbutas: The Goddesses and Gods of Old EuropeUntertitel: Myths and Cult Images. 6.500 – 3.500 B.C.
Fachbuch für Erwachsene
Autorin: Marija Gimbutas
304 S., Softcover, 17,99 €
252 Großillustrationen sowie 171 Abb. Im Text, 8 Karten

***** (5 von 5 Sternen)

Erstellt: 26. Okt. 2010

Marija Gimbutas (1921-1994) war eine außergewöhnliche Frau: Studium in Litauen und Deutschland, Auswanderung in die USA, berühmte Archäologin, vielfach ausgezeichnet, Ehefrau, dreifache Mutter, Leiterin von fünf bedeutenden Ausgrabungen im ehemaligen Jugoslawien, in Griechenland und Italien, Querdenkerin, Feministin, interdisziplinär arbeitend, bevor das in Mode kam.

Ihr hier vorliegendes Fachbuch hat von der ersten zur zweiten Auflage eine kleine, aber feine Titeländerung durchgemacht: Ursprünglich hatte es Gimbutas noch ganz traditionell „The Gods and Goddesses of Old Europe“ genannt, obwohl doch die überwältigende Mehrheit der Funde Göttinnendarstellungen sind.

Wie könnte die Religion in vorgeschichtlicher Zeit ausgesehen haben? Was erzählen die archäologischen Funde, wenn wir nur genau genug hinschauen und die verschiedenen Ausgrabungsorte miteinander vergleichen? Wie haben die Menschen gelebt, bevor die kriegerischen Indoeuropäer zu uns kamen?

Auch wenn dies ein Fachbuch ist – noch dazu ein englischsprachiges: Ackern Sie sich durch, es ist spannend! Sie werden dann bestimmt zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen wie Marija Gimbutas (Übersetzung von mir): „Im Alten Europa war die mythische Welt nicht polarisiert zwischen Frauen und Männern wie bei den Indoeuropäern und vielen anderen nomadischen und Hirtenvölkern der Steppen. Beide Prinzipien manifestierten sich Seite an Seite. Die männliche Gottheit in Gestalt eines jungen Mannes oder eines männlichen Tieres scheint die Kräfte der kreativen und aktiven Göttin zu bestätigen und zu verstärken. Niemand ist dem anderen untergeordnet; indem das Männliche und das Weibliche einander ergänzen, verdoppelt sich stattdessen ihre Macht.
Das zentrale Thema bei der Aufführung von Mythen war offensichtlich die Feier der Geburt eines Kindes. Das Baby als Symbol eines neuen Lebens und der Hoffnung auf Überleben wird umarmt von Göttinnen mit Schlangen-, Vogel- und Bärmasken. Maskierte Ammen, die einen Sack tragen, (…) scheinen eine Rolle als Beschützerinnen des Kindes gespielt zu haben, das später erwachsen und ein junger Gott wurde. (…) Dionysius ist eng verbunden mit der Großen Göttin in ihrem Aspekt der Jungfrau-Natur-Göttin und der Vegetationsgöttin. Alle sind Gottheiten des Lebenszyklusses der Natur, befasst mit dem Problem von Tod und Wiedergeburt, und alle wurden verehrt als Symbole des überschäumenden Lebens.
Das Pantheon reflektiert eine Gesellschaft, die von der Mutter dominiert wurde. Die Rolle der Frau war der des Mannes nicht untergeordnet, und vieles, was zwischen dem Beginn der Jungsteinzeit und der Blüte der Minoischen Zivilisation erfunden wurde, war das Ergebnis dieser Struktur, in der alle Möglichkeiten der menschlichen Natur, weibliche und männliche, als kreative Kräfte voll ausgeschöpft wurden.“ (S. 237 f)

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
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© 1974, 1982 Thames & Hudson Ltd., London, U.K.

Göttner-Abendroth: Das Matriarchat I

Göttner-Abendroth: Matriarchat I
Kategorie: Sachbuch
Untertitel: Die Geschichte seiner Erforschung
Autorin: Heide Göttner-Abendroth
Taschenbuch, 193 S., keine Abb.
€ 16,36
***** (5 von 5 Sternen)

Dieses Werk ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Die Philosophin Dr. Göttner-Abendroth hat sich daran gemacht, ein nicht nur für eine Handvoll WissenschaftlerInnen verständliches Fachbuch zu schreiben, sondern eben ein Sachbuch, das jedeR begreifen kann. Mythos Matriarchat: Die Autorin weist kenntnisreich nach, dass das Matriarchat eben nicht das Gegenteil unseres derzeitigen Patriarchats ist, also Frauen- statt Männerherrschaft bedeutet, sondern vielmehr: „Am Anfang war die Mutter.“

Viele Forscherinnen und Forscher haben in den letzten 150 Jahren Erstaunliches ausgegraben und bewiesen: beginnend mit Bachofen im Jahre 1861, über Marx und Engels, Arthur Evans (Entdecker der Paläste des König Minos), James Mellaart (Entdecker der ältesten Steinzeit-Stadt Catal Hüyük), bis hin zu Marie König, Marija Gimbutas, Gerda Weiler oder Hartmut Zinser. Göttner-Abendroth beschreibt, was sie Positives geleistet haben, aber auch, wo sie falsch gewertet haben, entweder weil die Wissenschaft schlicht noch nicht so weit war – oder aber, weil sie wie die meisten von uns auch heute noch zu sehr im patriarchalen Denken verhaftet sind: Da wimmelt es von Göttinnenstatuen, die nur übergewichtige Frauen sind, auch wenn dadurch die wissenschaftliche Argumentation nicht mehr schlüssig ist, da werden kleine, männliche Heroen-Figuren zu großen Göttern hochstilisiert, da wird gezeigt, wie „primitiv“ die friedfertigen, egalitären Göttinnen-Mythen doch im Verhältnis zu den kriegerischen, patriarchalen Götter-Mythen sind – nur weil diese historisch auf die ursprünglichen Mythen folgten (eben dank Krieg). Nur: Was ist am Krieg oder an der Sklaverei eigentlich kulturell hochstehend?

Göttner-Abendroth zeigt Seite für Seite, wo genau die Argumentation der verschiedenen WissenschaftlerInnen hakt, und um wie viel schlüssiger sie würde, wenn wir einfach davon ausgehen: Am Anfang der Menschheitsgeschichte stand rund 100.000 Jahre lang die Verehrung der Großen Mutter, die Menschen lebten egalitär in Sippen zusammen und entwickelten Kulturleistungen wie Jagd, Ackerbau, Viehzucht, Weberei und Stadtgründungen. Mit Beginn der indoeuropäischen und anderer Völkerwanderungen (z.B. aufgrund von ökologischen Katastrophen) patriarchalisierten sich die wandernden Völker, eroberten die sesshaften, real existierenden Matriarchate und patriarchalisierten sie unter Zwang: Herrschaft statt Egalität, Privateigentum statt Gemeinschaftseigentum, Krieg statt Frieden, Gott im Himmel statt Mutter Erde – das sind z.B. in Deutschland Erfindungen erst der letzten rund 4.000 Jahre. Ein letztes kleines Überbleibsel der alten Zeit ist heutzutage die Himmelskönigin Maria mit ihrem Heros, dem Jesuskinde.

Dass es anders ging, zeigen die Ausgrabungen der Archäologen, dass es auch heute noch anders geht, zeigen einige kleine Völker wie die Mosuo in Westchina – und dass es auch bei uns hier in Deutschland wieder einmal anders gehen könnte – das impliziert Göttner-Abendroth mit ihrem mittlerweile in der dritten Auflage vorliegenden Buch. Wie Elke Heidenreich sagen würde: Lesen!

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3170128493/holleland-21

© Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1988, 1995

Göttner-Abendroth: Das Matriarchat II, 1

Göttner-Abendroth: Das Matriarchat II, 1Sach-Fachbuch für Erwachsene
Untertitel: Stammesgesellschaften in Ostasien, Indonesien, Ozeanien
Autorin: Heide Göttner-Abendroth
Taschenbuch, 200 S. mit vielen s/w-Abbildungen

€ 18,30

***** (5 von 5 Sternen)

"Den verfolgten und bedrohten matriarchalen Völkern der Gegenwart" ist dieses Buch gewidmet, und von denen gibt es noch viel mehr, als man glaubt, bevor man es gelesen hat. Das reicht von ganz kleinen Gruppen mit nur noch wenigen Hundert Überlebenden bis hin zu den Minangkabau auf Sumatra, die es auf immerhin drei Millionen Menschen bringen. Einzig in Europa haben keine matrilinear oder matriarchal organisierten Völker überlebt. Göttner-Abendroth beschreibt das soziale Gefüge dieser Menschen und ihre Kulte - und auch, was an ihrer egalitären Gesellschaftsordnung für Christen, Buddhisten und Muslime oder auch schlicht atheistische Eroberer so gefährlich ist, dass es unbedingt unterdrückt und bekehrt werden musste und muss. Sie berichtet von den Khasi in Assam/Ostindien, von den Newar in Nepal, den Mosuo in Tibet, Schamaninnen in Korea, den Ainu in Nordjapan, den erwähnten Miningkabau in Indonesien, den Trobriandern in Melanesien oder von Pelés Clan auf Hawaii.

Dabei kommen natürlich auch die Mythen nicht zu kurz. Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Bon-Religion Tibets: "Es gibt eine (...) Bon-Mythe von einer Urgöttin, welche die körperlich-sinnliche Welt geschaffen hat. Sie ist kLu-mo, die Urmutter, die aus der Leere geboren wurde und aus ihrem Körper Erde und Himmel formte: Aus der Spitze ihres Kopfes wurde der Himmel, aus dem rechten Auge der Mond, aus dem linken die Sonne, aus den Zähnen die Planeten. Öffnete kLu-mo ihre Augen, war es Tag, schloss sie diese, war es Nacht. Aus ihrer Stimme wurde der Donner, aus ihrer Zunge der Blitz, aus ihrem Atem die Wolken, aus ihren Tränen der Regen, aus ihren Nasenlöchern der Wind. Ihr Fleisch wurde die Erde, ihre Knochen die Berge, ihr Blut die Ozeane und ihre Adern die Flüsse. Damit ist der sinnliche Raum der Körper der Urmutter selber". (S. 62)

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(c) W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1991, 1999

Göttner-Abendroth: Das Matriarchat II, 2

Göttner-Abendroth: Das Matriarchat II, 2Sach-/Fachbuch
Untertitel: Stammesgesellschaften in Amerika, Indien, Afrika
Autorin: Heide Göttner-Abendroth
Taschenbuch, 300 Seiten mit vielen s/w-Abb.
€ 18,30

***** (5 von 5 Sternen)

Im dritten Band ihres Standardwerks über matriarchal lebende Völker in allen Teilen der Welt geht Göttner-Abendroth nur noch kurz auf indische Urgesellschaften ein (und dabei auch auf die sog. Sinti und Roma, vulgo Zigeuner). Der Schwerpunkt liegt diesmal auf den Völkern Amerikas, Zentral-, West- und Nordafrikas. Wie in einem Buch über Völker zu erwarten, die völlig anders leben als wir in Europa, friedlicher und gleichberechtigter, sofern die umgebende, aggressiv christlich-muslimisch-hinduistische etc. Gesellschaft sie lässt, wird natürlich auch die Glaubensbasis beschrieben, die es diesen Völkern trotz aller Ausrottungs- und Unterdrückungsversuche ermöglicht hat, Jahrhunderte und Jahrtausende lang zu überleben. Stellvertretend für die verschiedenen Herkunftsmythen zitiere ich hier, was Göttner-Abenroth über die Hopi-Indianer im südlichen Nordamerika schreibt (S. 96ff):

„So beginnt die Mythe der Erschaffung der Menschen bei den Hopi mit einer weiten, wunderbaren Unterwelt, aus der die Menschen allmählich durch mehrere Weltsphären hinaufgestiegen sind. Es gibt sieben Weltsphären, die von unten nach oben führen, und drei dieser Sphären hat die Menschheit schon durchschritten, während sie in der vierten lebt. Die Übergänge von einer Sphäre in die nächste gehen jedoch nicht leicht vonstatten, sondern führen jedesmal durch Katastrophen, die alles vernichten. Die Ursache dafür ist die moralische Verdorbenheit der Menschen am Ende jeder Weltsphäre, denn Macht, Gier und Herrschsucht haben von ihnen Besitz ergriffen, sie bauen Städte und Reiche und verlassen den Weg der Einfachheit.

Deshalb gehen sie alle zugrunde, nur eine winzige Gruppe demütiger, spiritueller Leute überlebt und wir auf geheimnisvolle Weise in die jeweils höhere Welt gerettet. Bei diesen Rettungen helfen ihnen die bescheidensten Wesen wie die Ameisen oder das Schild, weil diese Menschen sie nicht verachten. Die große Helferin aber ist – in der traditionellen Hopi-Mythologie – die „Kokyan-wuhti“ oder „Großmutter Spinnenfrau“, die weise Uralte, die Schöpferin und Geleiterin der Menschheit.
In der Schöpfungsmythe der Hopi heipt es, dass die weite, wunderbare Unterwelt am Anfang ein einziges Meer war. Am Grunde dieses Urozeans wohnen weit im Osten und weit im Westen je eine Göttin in ihrer Kiva. Jede heißt „Hurung-wuhti“, „Göttin der harten Substanz“ oder einfach „Türkisfrau“, denn jede besitzt solche Kostbarkeiten wie Muscheln, Korallen und Türkise. Die Türkisfrau des Ostens pflegt eine graue und eine gelbe Fuchshaut an der Spitze der Leiter aufzuhängen, die in ihre Kiva führt, die Türkisfrau des Westens dagegen eine große Rassel aus einem Schildkrötenpanzer. Jeden Morgen kleidet sich die Sonne, wenn sie aus der Kiva der Türkisfrau des Ostens aufsteigt, in die graue Fuchshaut, trägt am Mittag die gelbe Fuchshaut und steigt am Abend, die Schildkrötenrassel der Türkisfrau des Westens berührend, in deren Kiva hinab. Wenn die beiden Göttinschwestern sich besuchen wollen, so reisen sie auf dem Regenbogen zueinander. Das erste trockene Land, das aus dieser Unterwelt auftauchte, war von Anfang an von „Kokyan-wuhti“ oder „Spinnenfrau“, der dritten der Urgöttinnen, bewohnt. Aber die Sonne konnte sie von oben nicht sehen, da Spinnenfrau in ihrer unterirdischen Kiva verborgen lebt. So berichtete die Sonne den Türkisfrauen, die Erde sei unbewohnt. Da beschlossen diese, in ihren Gegenden weit im Osten und weit im Westen Vögel, wilde Tiere und Menschen zu schaffen, und die Spinnenfrau in der Mitte beschloss das auch. Also schufen die drei Göttinnen in verschiedenen Weltgegenden die Lebewesen und verschiedenen Menschenrassen und lehrten sie die Sprachen (...)
Während sich die anderen beiden Schöpferinnen von da an zurückzogen, begleitete Großmutter Spinnenfrau die Menschen als Helferin durch ihre ganze Geschichte. Denn sie ist auch die Mutter der Götter und hat fast unbegrenzte Macht. Sie ist in vielen Mythen prominent und erscheint manchmal in Menschgestalt, manchmal in Spinnengestalt. Als solche sitzt sie ratgebend hinter dem Ohr von denen, die sie durch alle Gefahren begleitet – wie jenen Knaben Tiyo, den sie zur Kiva der Türkisfrau des Westens führte, wo er die Schlangen-Zeremonie erlernte, die als eine der ältesten Zeremonien der Pueblo-Indianer gilt. Zu ihr wird immer gebetet. Ihre große Macht als Lebensschöpferin geht darauf zurück, dass sich hinter ihr eine uralte Unterweltsgöttin verbirgt. Als diesse ist sie immer auch Schicksalsgöttin, denn „sie hat den Atem (Seelen), guten und bösen, schafft alle Ereignisse, sie weiß alles auf der Welt.“ Ihre Gestalt verweist auf die Mondgöttin Ixchel in der Mythologie der Maya, die auch das Leben schafft, die Fäden des Lebens weiterspinnt, das Netz des Schicksals webt, als große Weberin Spinnenfrau ist und als alte Großmutter die Menschen schützt.“
Heute leben nur noch 8-12.000 Hopi. Weitere Völker in diesem Buch beschriebene Völker, von denen Sie vielleicht schon gehört haben, sind die Irokesen, die Tuareg und die Berber („die Barbaren“ für die patriarchalen Altgriechen).

Die drei Bücher Göttner-Abendroths (siehe auch http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3170128493/holleland-21 und http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3170149954/holleland-21) sind meiner Meinung nach die beste Quelle, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie man auch heute noch anders leben kann. In Europa hat das leider kein Volk geschafft – außer den verklärten, romantisierten und verteufelten Sinti und Roma („Zigeunern“). Dass dabei unter dem Druck der umliegenden Gesellschaften auch vieles pervertiert wird, steht außer Frage und reicht bis hin zu Extremformen wie der Sklavenhaltung bei den Nayar in Indien.

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© 2000 W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Göttner-Abendroth: Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft


Prinzipien und Praxis der Matriarchatspolitik - für Erwachsene
Autorin: Dr. Heide Göttner-Abendroth
12 €
112 S. o. Abb., broschiert
21 x 13,4 x 1,2 cm

****o (4 von 5 Sternen)

Vier Prinzipien braucht es laut der Philosophin Göttner-Abendroth, um die aktuelle Krise von lediglich formaler Demokratie und Kapitalismus zu überwinden:

1. Neue Sozialordnung: Wir suchen uns Wahlverwandte und ziehen mit ihnen zusammen in Gruppen von 10-20 Menschen, wobei die Kinder bei der Mutter bleiben und die Väter nur nachts zu Besuch kommen. Sex zwischen den Wahlverwandten eines Hauses darf es nicht geben.
2. Neue Ökonomie: Die Gemeinschaften funktionieren auf dem Prinzip des Schenkens und des weitgehend bargeldlosen Austauschs untereinander. Jeder und jedem steht die gleiche Menge an Gütern zur Verfügung. Und: Wenn viele Güter vorhanden sind, werden Feste gefeiert, wobei die reicheren Gemeinschaften die ärmeren beschenken.
3. Neue politische Praxis: Jedes Haus stimmt basisdemokratisch über alles ab, Frauen und Männer getrennt. Es herrscht eine Konsenspolitik auf dieser wie auf allen weiteren Ebenen. Zur nächsthöheren Ebene, dem Dorf, werden von jeder Gruppe ein Mann und eine Frau entsandt, die berichten, wie ihre Hausgemeinschaft entschieden hat, und sich anhören, was die anderen Hausgemeinschaften zum Thema meinen. Wenn sich nicht alle einig sind, gehen die Abgesandten so lange zwischen Hausgemeinschaft und Dorfrat hin und her, bis es auch hier zum Konsens gekommen ist. Dasselbe Prinzip gilt auch auf allen höheren Ebenen, wobei die Autorin größere Zusammenschlüsse als die der Regionen für unmenschlich hält.
4. Neue Spiritualität und Kultur: Die Basis von all dem ist der Glaube an eine große Muttergöttin (und hier wird es natürlich mythologisch). Da die ganze Welt göttlich ist, ist jede Handlung, die in diesem Bewußtsein geschieht, heilig, von der Meditation übers Feste feiern im Jahres- und Lebenszyklus bis zum Tellerwaschen.

Die Autorin hat sich mit vielen auch heute noch in Rückzugsgebieten real existierenden matriarchalischen Kulturen in allen Teilen der Welt auseinandergesetzt.

Soweit so gut. Allerdings weiß ich aus gut 10jähriger WG-Erfahrung, dass Wahlgemeinschaften schlicht nicht asexuell funktionieren - außer vielleicht, alle Mitglieder sind über 90 Jahre alt. (In den real existierenden Matriarchaten dieser Welt handelt es sich natürlich um Blutsverwandtschaften - und deshalb funktionieren sie eben auch.)

Die Autorin scheint außerdem extrem schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht zu haben, sonst würde sie nicht eine Zwangstrennung der Väter von ihren Kindern verordnen. Mein Partner arbeitet halbtags und kümmert sich mehr als ich um unsere Tochter und den Haushalt - es wäre für das Kind traumatisch, wenn er in einem anderen Haus wohnen müßte und nur noch des Nächtens käme.

Fazit: Viele bedenkenswerte Aspekte, aber ich möchte auch in einer Wahlgemeinschaft meinen Partner mit dabei haben!

Wenn Sie diesen spannenden Titel bestellen möchten, können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3927369330/holleland-21

(c) Drachen Verlag; Auflage: 1 (31. Juli 2008)

Göttner-Abendroth: Die Göttin und ihr Heros

Göttner: Göttin und HerosUntertitel: Die matriarchalen Religionen in Mythos, Märchen und Dichtung
Autorin: Heide Göttner-Abendroth
Taschenbuch, 252 Seiten, mit vielen s/w-Abbildungen
ISBN 3-88104-096-X
Nur antiquarisch erhältlich, ab € 8,90

***** (5 von 5 Sternen)

In ihrem 1980 erstmals erschienenen Buch geht Göttner-Abendroth von der These aus, dass in den vorpatriarchalen Gesellschaften der Alten Welt (bei ihr bis ca. 1.000 v.u.Z.) die große Göttin von einem männlichen Heros begleitet wurde. Es ist in der Forschung durchaus umstritten, ob dieser Geliebte und Sohn der Göttin in den Augen der Gläubigen ursprünglich nur ein Heros oder nicht doch von Anbeginn selbst ein Gott war. Mich selbst interessiert mehr die Beziehung zwischen der Göttin und ihrem Geliebten, und ich lasse die Streitfrage für mich unbeantwortet. Der Heros (oder Gott) feierte mit der großen Göttin jedes Frühjahr die Heilige Hochzeit, damit das Land fruchtbar werde, und erlitt jeden Herbst den Opfertod, um schließlich im nächsten Frühjahr wiedergeboren zu werden. Diese Grundstrukture der Göttin-Heros-Beziehung gräbt Göttner-Abendroth nun quasi archäologisch aus den uns heute noch bekannten, aber seit der Ankunft der indogermanischen Stämme patriarchal überformten Mythen, Märchen und Dichtungen aus:

Artemis und Aktaion, Aphrodite und Adonis, Athene und Erechtheus – sie sind geschichtlich älter als der hellenische Usurpator Zeus. In der prä-hellenischen Form des Mythos wird Athene denn auch nicht aus dem Haupt des Zeus, sondern am Ufer des Tritonsees in Libyen geboren. In Kreta begegnen uns Demeter und Iakchos, Rhea und ein prä-olympischer Zeus, Hera und ein immer noch prä-olympischer Zeus und schließlich Hera und Herakles, dessen Name nichts anderes bedeutet als „Ruhm der Hera“.

Weiter geht die Reise durch Ägypten (Isis und Osiris), Babylon, Persien, Indien, Kleinasien und Palästina, wo der patriarchale Herrgott später alle Hände voll zu tun hat, um von einer Jehva = Eva zu einem männlichen Jehova zu werden und ihren Heros Adam über sie zu stellen. Bei den Kelten begegnen uns u.a. noch die vorkeltischen Paare Dagda und Dana (von der die Donau ihren Namen hat) oder Bran und Modron (die uns später als Fee Morgane über den Weg laufen wird). Bei den Germanen sind es die vorgermanischen Jörd/Nerthus und Tyr, Freyja und Freyr sowie Frigga und Baldur, bevor die patriarchalen Asen Odin und Thor die Herrschaft übernahmen und Frigga (genau wie die griechische Hera) zur Ehefrau degradiert wird. Aber zum Glück war da ja noch die Götterdämmerung!

Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich Göttner-Abendroth mit matriarchaler Mythologie in unseren Grimmschen Zaubermärchen und beleuchtet dabei drei verschiedene Gruppen von Märchen. Die erste Gruppe befasst sich mit der Reichtumsspenderin im Jenseits. In Reinform ist dies Frau Holle, bei der die Goldmarie die Kunst des Ackerbaus (Brot), der Pflanzenzucht (Apfelbaum), der Tierdomestikation (Kuh) und schließlich der Magie (Wettermachen durch Bettschütteln) erlernt. Die Göttin als jenseitige, gestorbene Mutter taucht auch in anderen Märchen auf, so in Aschenputtel oder in Schneewittchen, wo sie dem Mädchen die drei klassischen Farben der matriarchalen Göttin schenkt: weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz - und sie damit erotisch unwiderstehlich macht. Der Dreiklang genau dieser Farben wird uns später auch in den Epen begegnen – sie sind auch Lancelots Farben. Die zweite Märchengruppe zeigt die schenkende Frau im totenähnlichen Zustand (z.B. Dornröschen, vor allem in der vorgrimmschen Version) und die dritte Gruppe Heilbringermärchen wie den Froschkönig – auch er natürlich in der vorgrimmschen, deutlich erotischeren Form ausgeleuchtet.

Der letzte Teil des Buches schließlich befasst sich mit der Herrin und ihrem Helden – mit den Resten matriarchaler Mythologie in der mittelalterlichen Epik. Da ist nun König Artus nicht mehr der Gute, sondern ein unerotischer patriarchaler Kriegerkönig, und Lancelot und Parcival, vom christlichen Kitsch befreit, werden zu alten matriarchalen Heroen. Natürlich rehabilitiert die Autorin auch die Fee Morgane. Der Vorteil an der Göttner-Abendrothschen Betrachtung ist ihre Schlüssigkeit. Plätzlich versteht frau, warum die Jungens so handeln, wie sie handeln, und freut sich am Ende mit Lancelot, dem vorkeltischen Heroen:

„ Arthur will seinen Besitz: Ginevra und Britannien, lieber in Flammen aufgehen lassen als ihn herzugeben. Eine typisch patriarchale Haltung! findet (…) Lancelot, und deshalb rettet er Königin und Land vor dieser Dummheit. (…) Aber wie es so ist, lauert neben der Unterwürfigkeit (der keltischen Helden) die Falschheit: Bei (der) erstbesten Gelegenheit fallen Arthur die eigenen Vasallen (…) in den Rücken, nämlich Mordred und Anhang. Nun kann (…) Lancelot von seiner Burg der Selbstzerfleischung und dem Untergang des Artusreiches ruhig zuschauen: die (geschichtlich) späteren Helden treten ab, wie sie angetreten sind, mit Krieg. Am Ende überleben nur er und Ginevra, im schönen Lande Britannien.“ (S. 227)

Sie sehen, das liest sich spannend, und manchmal sogar vergnüglich, und ebenso aufschlussreich ist Göttner-Abendroths Analyse der Erzählungen um Tristan und Isolde (Marke als patriarchaler Kriegerkönig) und Siegfried und Brunhilde (mit Gunther als Patriarchen, der noch nicht einmal fähig ist, mit einer matriarchalen Frau wie Brunhilde die Hochzeitsnacht zu verbringen). Auch hier enden die Patriarchen im Untergang. Und heute? Loki, Lug und Pan sind tot, aber da wäre noch der Lichtträger Lucifer, von Jehova in die Hölle verbannt, der jedoch in der Apokalypse seine Fesseln zerreißen und Gott als mächtiger Rebell entgegentreten soll (sagt der Mythos). „Die weibliche Partnerin von Lucifer ist aber keine dämonische oder lächerliche Hexe, sondern eine Herrin, der er gehorcht: „Hagia Sofia“, die Heilige Weisheit selber. Sie steht mitten im Himmel, und ihr Haupt ist von Sternen bekränzt.“ (S. 230).

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/388104096X/holleland-21

© Verlag Frauenoffensive, München 1980, 9. Aufl. 1990

Erstellt: 2.1.2011

Göttner-Abendroth: Frau Holle und das Feenvolk der Dolomiten


Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen neu erzählt
Autorin: Dr. Heide Göttner-Abendroth
350 Seiten, mit vielen s/w-Abb.
20,8 x 14,8 x 2,8 cm, broschiert
€ 24,95

****o (4 von 5 Sternen)

Göttner-Abendroth hat im ersten Teil des Buches alle Erzählungen um Frau Holle und im zweiten Teil um die Fanes-Königinnen in eine logische Reihenfolge gestellt und jeweils mit einer Rahmenhandlung sowie Kommentaren versehen. Das ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sehr spannend. Und eigentlich hätte dabei eine Art Bibel des Göttinnenglaubens herauskommen können.

Leider ist die Autorin keine Dichterin, und so enthält das Buch an allen Ecken und Enden Passagen wie diese: "Als sie am Backhaus vorüberschritten," (haben sie schon einmal ein 15jähriges Mädchen schreiten sehen?) "zog Erdschlange die fertigen Brote mit dem Schieber aus dem glühenden Loch. Sie waren dunkel und duftend." Das Backhaus scheint denn doch eher ein Backofen gewesen zu sein, und dass es im Ofen heiß ist, ist ebenso selbstverständlich wie dass ein Brot himmlisch riecht, wenn man´s aus selbigem holt. Und natürlich kämmt sich Frau Holle auch nie die Haare - sie "strählt" sie! Mit einem Wort: So schön der Inhalt, so kitschig die Form. Wenn sich doch einmal eine wirkliche Dichterin oder ein echter Dichter des Themas annehmen würde!

Doch dafür müssen Sie das Buch erst einmal lesen, und dafür finden Sie hier einen Link: Frau Holle - Das Feenvolk der Dolomiten: Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen. Neu erzählt

(c) 2005 Ulrike Helmer Verlag, Königstein/Taunus

Hecker: Urmütter der Steinzeit

Katalog zu einer Ausstellung
Untertitel: Bilder weiblicher Schöpfungskraft
Autorin: Ruth Hecker
Broschüre, 60 Seiten
2farbig mit zahlreichen Abbildungen
€ 8,50

***** (5 von 5 Sternen)

In Abwandlung dieses Ausstellungskatalogs könnte man sagen: Dass die Erde immer noch Überraschungen bereithält, beweist der Fund der Venus vom Hohlen Fels bei Schelklingen auf der Schwäbischen Alb im Jahre 2008. Sie ist mindestens 35.000 Jahre alt und damit die älteste Menschendarstellung der Welt. Und diese Menschendarstellung ist - wie üblich in der Steinzeit - eine Frauendarstellung.

In der Altsteinzeit begannen die Menschen, religiöses Bewußtsein zu entwickeln. Weibliche Ahnenfiguren mit prallen Brüsten und ausladendem Becken sollten Fruchtbarkeit der Erde und aller ihrer Geschöpfe garantieren. Wie bei den heutigen Schamanen verbergen sie das Gesicht hinter einer Kappe oder der Kopf ist gar nur angedeutet: Keine individuelle Frau ist gemeint, sondern ein Symbol der Lebens und der Fülle. In ganz Europa findet man diese Figuren, und sie sehen sich trotz tausender Kilometer Distanz erstaunlich ähnlich. Bis hinein in die Jungsteinzeit war die Große Mutter alleinige Göttin, nur manchmal begleitet von ebenfalls Fruchtbarkeit spendenden Phallussymbolen. Die Gesellschaften waren egalitär organisiert und Frauen besaßen eine hoch geachtete Stellung.

Das änderte sich in Europa erst vor ca. 5.000 Jahren mit Beginn der Bronzezeit. Durch Hungersnöte im vorderasiatischen Raum kam es zu verstärkten Völkerwanderungen, und diese waren kriegerisch. Waffen wurden nun aus Metall hergestellt, die Kriegerkönige waren Männer, Hierarchien bildeten sich heraus und der soziale Status der Frauen änderte sich. Sie waren nun "weniger Wert", wie sich eindrucksvoll an den Grabbeigaben belegen lässt. Parallel dazu wurden die Göttinen Eurasiens durch Götter verdrängt und verloren peu à peu ihre All-Umfassendheit. "Verblasste Überreste der einstigen Urgöttin schimmern (jedoch) sogar noch in unserem Kulturkreis durch: Frau Holle z.B., die ehemalige Göttin der Ober- und Unterwelt, oder die Gottesmutter Maria in der christlichen Religion. Ihre göttlichen Attribute der Lebenserneuerung - Mond und Schlange - haben sich in alten Darstellungen noch erhalten. Im Christentum und im Volksglauben z.B. existieren ebenfalls noch viele religiöse Vorstellungen der jungsteinzeitlichen Bauernvölker in abgewandelter Form weiter." (S. 44f) "Wir können uns von dem Erbe vergangener Generationen inspirieren lassen, Verantwortung für diese Welt zu übernehmen und eine Vision für die Zukunft zu entwickeln, besonders da die Frage nach dem Wohin unseres Daseins immer drängender wird." (S. 45)

Zum Bestellen dieses streng wissenschaftlichen Katalogs können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.naturkundemuseum-bw.de/stuttgart/schriften/begleitmaterial/

(c) Ruth Hecker 2001, Klein Druck, Steeden

Kuhlmann: Der Schwabenstreich

Der Schwabenstreich, © G. Kuhlmann 2008Künstler: Gerhard Kuhlmann, www.kunstwerkstatt-feuerbach.de, © 2008
Besichtigung nach Vereinbarung: Hohewartstr. 74, 70469 Stuttgart
Keramik, Höhe 2,30 m

Der schon seit langem im Ländle lebende Berliner Gerhard Kuhlmann hat sich märchenhaft eines Stuttgarter Politikums angenommen: Schlossgärten und Hauptbahnhof, alle unter Denkmalschutz stehend, sollen weitestgehend dem Erdboden gleichgemacht werden und der Kopfbahnhof durch einen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Die gesamte Stuttgarter Innenstadt würde dadurch für mindestens zehn Jahre in eine Großbaustelle verwandelt und die Kosten – mindestens 4,8 Mrd. Euro – führen dazu, dass für notwendige Reparaturen an Schulen, für die Kultur und für vieles andere leider schon jetzt kein Geld mehr da ist. Auch konnten die Verantwortlichen des sog. Stuttgarts 21 (kurz S21) den Vorteil von zukünftig nur noch 8 Gleisen gegenüber den jetzigen 16 Gleisen dem überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht klar machen. Aber da hier so mancher Investor zusammen mit herrschenden Politikern sein Privatsüppchen kocht, wird das Votum der Bevölkerungsmehrheit in patriarchalischer Manier missachtet. Dagegen wehren sich die StuttgarterInnen mit regelmäßigen, z.B. von der SÖS (Stuttgart Ökologisch Sozial) organisierten Demonstrationen (www.kopfbahnhof-21.de = K21, www.parkschuetzer.de), bei denen LehrerInnen, GewerkschafterInnen und eben auch Künstler wie Kuhlmann auftreten.

Kuhlmann schöpft aus zwei Quellen: Zum einen dem Grimmschen Märchen „Die sieben Schwaben“ (KHM 119), zum anderen dem schwäbischen Volkslied (1853) „Auf de schwäbsche Eisebahne“. Beide seien hier vollständig zitiert, ans Ende stelle ich schließlich die Beschreibung Kuhlmanns zu obigem Bild:

Brüder Grimm: Die sieben Schwaben
Einmal waren sieben Schwaben beisammen, der erste war der Herr Schulz, der zweite der Jackli, der dritte der Marli, der vierte der Jergli, der fünfte der Michal, der sechste der Hans, der siebente der Veitli; die hatten alle siebene sich vorgenommen, die Welt zu durchziehen, Abenteuer zu suchen und große Taten zu vollbringen. Damit sie aber auch mit bewaffneter Hand und sicher gingen, sahen sie's für gut an, dass sie sich zwar nur einen einzigen, aber recht starken und langen Spieß machen ließen.
Diesen Spieß fassten sie alle siebene zusammen an, vorn ging der kühnste und männlichste, das musste der Herr Schulz sein, und dann folgten die andern nach der Reihe, und der Veitli war der letzte.

Nun geschah es, als sie im Heumonat eines Tags einen weiten Weg gegangen waren, auch noch ein gut Stück bis in das Dorf hatten, wo sie über Nacht bleiben mussten, dass in der Dämmerung auf einer Wiese ein großer Rosskäfer oder eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude vorbei flog und feindlich brummelte. Der Herr Schulz erschrak, dass er fast den Spieß hätte fallen lassen und ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach.
»Horcht, horcht«, rief er seinen Gesellen, »Gott, ich höre eine Trommel!«
Der Jackli, der hinter ihm den Spieß hielt und dem ich weiß nicht was für ein Geruch in die Nase kam, sprach: »Etwas ist ohne Zweifel vorhanden, denn ich schmeck das Pulver und den Zündstrick.«
Bei diesen Worten hub der Herr Schulz an, die Flucht zu ergreifen, und sprang im Hui über einen Zaun, weil er aber gerade auf die Zinken eines Rechens sprang, der vom Heumachen da liegen geblieben war, so fuhr ihm der Stiel ins Gesicht und gab ihm einen ungewaschenen Schlag.
»O wei, O wei«, schrie der Herr Schulz, »nimm mich gefangen, ich ergeb mich, ich ergeb mich!«
Die andern sechs hüpften auch alle einer über den andern herzu und schrien: »Gibst du dich, so geb ich mich auch, gibst du dich, so geb ich mich auch.« Endlich, wie kein Feind da war, der sie binden und fortführen wollte, merkten sie, dass sie betrogen waren; und damit die Geschichte nicht unter die Leute käme und sie nicht genarrt und gespottet würden, verschworen sie sich untereinander, so lang davon stillzuschweigen, bis einer unverhofft das Maul auftäte.
Hierauf zogen sie weiter. Die zweite Gefährlichkeit, die sie erlebten, kann aber mit der ersten nicht verglichen werden. Nach etlichen Tagen trug sie ihr Weg durch ein Brachfeld, da saß ein Hase in der Sonne und schlief, streckte die Ohren in die Höhe und hatte die großen gläsernen Augen starr aufstehen. Da erschraken sie bei dem Anblick des grausamen und wilden Tieres insgesamt und hielten Rat, was zu tun das wenigst Gefährliche wäre. Denn so sie fliehen wollten, war zu besorgen, das Ungeheuer setzte ihnen nach und verschlänge sie alle mit Haut und Haar. Also sprachen sie: »Wir müssen einen großen und gefährlichen Kampf bestehen, frisch gewagt ist halb gewonnen!«, fassten alle siebene den Spieß an, der Herr Schulz vorn und der Veitli hinten. Der Herr Schulz wollte den Spieß noch immer anhalten, der Veitli aber war hinten ganz mutig geworden, wollte losbrechen und rief:
»Stoß zu in aller Schwabe Name, sonst wünsch i, dass ihr möcht erlahme.
Aber der Hans wusst ihn zu treffen und sprach: »Beim Element, du hascht gut schwätze, bischt stets der letscht beim Drachehetze.«
Der Michal rief: »Es wird nit fehle um ei Haar, so ischt es wohl der Teufel gar.«
Drauf kam an den Jergli die Reihe, der sprach: »Ischt er es nit, so ischt's sei Muter oder des Teufels Stiefbruder.«
Der Marli hatte da einen guten Gedanken und sagte zum Veitli: »Gang, Veitli, gang, gang du voran, i will dahinte vor di stahn.«
Der Veitli aber hörte nicht drauf, und der Jackli sagte: »Der Schulz, der muss der erschte sei, denn ihm gebührt die Ehr allei.«
Da nahm sich der Herr Schulz ein Herz und sprach gravitätisch: »So zieht denn herzhaft in den Streit, hieran erkennt man tapfre Leut.«
Da gingen sie insgesamt auf den Drachen los. Der Herr Schulz segnete sich und rief Gott um Beistand an; wie aber das alles nicht helfen wollte und er dem Feind immer näher kam, schrie er in großer Angst: »Hau! Hurlehau! Hau! Hauhau!« Davon erwachte der Has, erschrak und sprang eilig davon. Als ihn der Herr Schulz so feldflüchtig sah, da rief er voll Freude: »Potz, Veitli, lueg, lueg, was ischt das? Das Ungehüer ischt a Has.«
Der Schwabenbund suchte aber weiter Abenteuer und kam an die Mosel, ein moosiges, stilles und tiefes Wasser, darüber nicht viel Brücken sind, sondern man an mehrern Orten sich muss in Schiffen überfahren lassen. Weil die sieben Schwaben dessen unberichtet waren, riefen sie einem Mann, der jenseits des Wassers seine Arbeit vollbrachte, zu, wie man doch hinüber kommen könnte. Der Mann verstand wegen der Weite und wegen ihrer Sprache nicht, was sie wollten, und fragte auf sein Trierisch: »Wat? Wat?« Da meinte der Herr Schulz, er spräche nicht anders als: »Wate, wate durchs Wasser«, und hub an, weil er der Vorderste war, sich auf den Weg zu machen und in die Mosel hineinzugehen. Nicht lang, so versank er in den Schlamm und in die antreibenden tiefen Wellen, seinen Hut aber jagte der Wind hinüber an das jenseitige Ufer, und ein Frosch setzte sich dabei und quakte »wat, wat, wat«. Die sechs andern hörten das drüben und sprachen: »Unser Gesell, der Herr Schulz, ruft uns, kann er hinüberwaten, warum wir nicht auch?« Sprangen darum eilig alle zusammen in das Wasser und ertranken, also dass ein Frosch ihrer sechse ums Leben brachte und niemand von dem Schwabenbund wieder nach Haus kam.

Auf de schwäbsche Eisebahne
1. Auf de schwäbsche Eisebahne gibt´s gar viele Haltstatione,
Schtuegert, Ulm und Biberach, Meckebeure, Durlesbach.
Rulla, rulla, rulllala...

2. Auf de schwäbsche Eisebahne gibt es viele Restauratione,
wo ma esse, trinke ka, alles, was de Magen ma...

3. Auf de schwäbsche Eisebahne braucht ma keine Postillione,
was uns sonst das Posthorn blies, pfeifet jetzt die Lokomotiv...

4. Auf de schwäbsche Eisebahne wollt´ amal a Bäurle fahre,
geht an Schalter lupft de Hut :"Oi Billetle, seid so gut !"

5. Eine Geiß hat er sich kaufet und daß sie ihm nit entlaufet,
bindet sie de gute Ma hinte an de Wage a...

6. "Böckli, tu nur woidle springe, `s Futter wird i dir schon bringe."
Setzt sich zu seimn Weibl na und brennts Tabackspfeifle a...

7. Auf de nächste Statione, wo er will sein Böckle hole,
findt er nur noch Kopf und Soil an dem hintre Wagentoil...

8. Da kriegt er en große Zorne, nimmt den Kopf mitsamt dem Horne,
schmeißt en, was er schmeiße ka, dem Konduktör an Schädel na...

9. "So, du kannst den Schade zahle, warum bischt so schnell gefahre !
Du allein bischt Schuld daran, daß i d´Gois verlaure ha !"

10. So, jetzt wär das Lied gesunge, hot´s euch in de Ohre klunge?
Wer´s noch net begreife ka, fangs nomal von vorne a...

(Worte und Weise: Volkslied aus Schwaben um 1853)

Kuhlmann selbst schreibt zu seiner Skulptur:
Der Schwabenstreich – Das neue Herz Europas S21
Eine wahre Geschichte aus der Landeshauptstadt Stuttgart – nachstehend wird sie dem Volke vor Augen geführt.
Auf der schwäbschen Eisebahne... OB Schuster hat sich das Projekt aufgesetzt. Lokführer Oettinger hat sich auf den Zug S21 geschwungen, und der Geißbock schaut dem ganzen entgegen.
Die sieben Schwaben – frei nach Grimms Märchen – eine Initiative von S21, einem Bündnis aus Politik und Wirtschaft – hat den Spieß ergriffen. DB-Chef Mehdorn ist der Has, das Ungeheuer.
Die Paragraphen-Bezwinger: 75% der Stadträte stimmen für S21 – CDU, FDP, FW, SPD und der OB verhindern ein Volksbegehren.
Das Volk sind wir. Aus der Kiste kommen die Befürworter der Bürgerbegehrens mit 62.000 Unterschriften und mahnen die Parteien.

Postkarten und Briefpapier

Bartels: Märchen der Brüder Grimm

Postkartenset mit 8 Motiven
Illustratorin: Gudrun Bartels
4farbig
€ 4,50

***** (5 von 5 Sternen)

Wenn Sie Märchenillustrationen suchen, die aber auch nicht ein bisschen kitschig sein sollen, dann sind Sie bei Gudrun Bartels richtig. Ihre Illustrationen sind eckig, fast schon abstrakt und erinnern mich vage an Lyonel Feininger. Von den 8 Motiven am besten gefällt mir "Der Mond", der über einer kargen Berglandschaft fast schon explodiert. Ansonsten gibt es im Set "Die sieben Raben", "Die Sterntaler", "Schneewittchen", "Rumpelstilzchen", "Aschenputtel" und zwei Illustrationen zu "Rapunzel".

Gudrun Bartels, Jahrgang 1952, arbeitet seit 1978 als freischaffende Künstlerin. Seit 1991 organisiert sie die Göttinger Märchenwochen und gründete 1998 den Göttinger Märchenland e.V.

Das Postkartenset können Sie u.a. bei der Kasseler Tourist Information im Hauptbahnhof käuflich erwerben, oder auf Frau Bartels Homepage erstehen: www.kunstdruck-bartels.de/shop/product_info.php?products_id=200 (dort abgebildet ist eine Szene aus Schneewittchen)

Sachbücher

Bettelheim: Kinder brauchen Märchen


Anspruchsvolles Märchen-Sachbuch für Erwachsene
Autor: Bruno Bettelheim
12 €
Taschenbuch 395 Seiten, o. Abb.

***** (5 von 5 Sternen)

Moderne Eltern finden klassische Märchen häufig zu brutal, wenn denn die böse Stiefmutter in rotglühden Schuhen tanzen muss, bis sie tot umfällt oder die Hexe im Backofen verbrennt. Kinder nicht. Kinder finden es nur richtig, dass das Gute am Ende über das Böse siegt. Und Bettelheim plädiert dafür, Kinder so zu akzeptieren, wie sie sind, und ihnen zu geben, was sie brauchen. Es ist nicht die reale böse Stiefmutter, die da vernichtet wird, sondern es sind die bösen Wünsche im Kind selbst oder aber der Teil in der realen Mutter, die gerade einmal sich nicht so verhält, wie das Kind es gerne hätte.

Märchen geben Kindern die Möglichkeit, ihre Gewaltphantasien gewaltfrei zu verarbeiten. Sie geben ihm die Möglichkeit, zu wachsen und zu reifen durch subtile Fingerzeige. Das ideale Märchen für Bettelheim ist nicht die platte Tierfabel oder ein Perraultsches Märchen mit der der ebenso platten Moral am Schluss. Ein ideales Märchen stellt vielmehr dem Kind frei, an welcher Figur es sich orientieren will, und erlaubt vielschichtige Einsichten und Interpretationen je nach Alter des Kindes. Wichtig ist dem Psychologen Bettelheim, dass das Märchen "gut" endet und das Kind nicht der Verzweiflung überläßt. Andersens Märchen wie "Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern" sind für ihn Märchen für Erwachsene - und nicht für Kinder. Und moderne Kindergeschichten? Sie bleiben viel zu häufig eindimensional und an der Oberfläche und helfen dem Kind nicht wirklich, seine wichtigsten inneren Konflikte wie Eifersucht auf die Geschwister, ödipale Liebe und Wut zu bewältigen.

Bruno Bettelheim wurde 1903 in Wien geboren, emigrierte während der Nazizeit in die USA und war dort Professor für Erziehungswissenschaften, Psychologie und Psychiatrie. Er starb 1990 in Maryland.

Den Umschlag der deutschen Taschenbuchausgabe ziert das Foto eines dunkelhaarigen Mädchens mit langen Zöpfen, das einen aus faszinierenden, schwarzen, großen Augen unverwandt leicht von unten anschaut. Mit seinem braven weißen Kleidkragen könnte es direkt einem Märchen entsprungen sein und stimmte mich ideal auf die Lektüre ein. Dieser Blick läßt einen so schnell nicht wieder los!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3423350288/holleland-21

(c) 1975, 1976 Bruno Bettelheim. Originaltitel "The Uses of Enchantment" (wie poetisch im Vergleich zum deutschen Titel!!)
(c) 1977 der deutschsprachigen Ausgabe DVA München. Taschenbuchausgabe bei dtv, München Januar 1980, 28. Auflage Januar 2008. Ungekürzte Ausgabe.
ISBN-13: 978-3-423-35028-0

Brüder Grimm-Journal

Kategorie: Zeitschrift für Erwachsene
Herausgeber: Bernhard Lauer im Auftrag des Vorstandes der Brüder Grimm-Gesellschaft e.V.
36 S., A4, 4farbig
€ 3,-- pro Heft, plus Versandkosten

***oo (3 von 5 Sternen)

Diese reich bebilderte Zeitschrift erscheint seit 2006 einmal pro Jahr und gibt einen Überblick über weltweite Aktivitäten, die in irgendeinem Zusammenhang mit den Grimms stehen. Das reicht von Spurensuche nach der Familie Grimm auf deutschen Friedhöfen, über die Eröffnung eines neuen Museums in Steinau an der Straße (issich zwischen Frankfurt und Leipzich, aber mehr bei Frankfurt als bei Leipzich), bis hin zu Besprechungen von Grimm-Sachbüchern in allen nur erdenklichen Sprachen und zu Ausstellungen, Veranstaltungen und Projekten. Jedes Heft widmet sich einem Schwerpunktthema. In dem mir vorliegenden 2006er ist das Frau Holle (Märchen - Sage - Mythos), im 2007er Kinderliteratur (Bücher öffnen Welten --- ja, wer hätte das gedacht???, Anm.d.Autorin), im 2008er Grimms Märchen (Urdeutscher Mythos?).

Für alle großen Grimm-Fans ist diese Zeitschrift (Auflage immerhin 5.000 Exemplare!) gewißlich ein Muss, für mich als matriarchal interessierter Märchen-Mythen-Frau jedoch nicht zwingend notwendig - zumal Herr Lauer bestimmt viele fachliche Qualitäten hat, aber kein Künstler ist. Und so lesen sich denn seine Buchbesprechungen wie eine Aneinderreihung von Grabsteinen mit Geburts- und Todesdaten, wobei es mir nicht einleuchten will, wie Wilhelm Grimms Tochter Auguste schon 1819 gestorben sein soll, obwohl ihr Papa doch erst 1825 geheiratet und Auguste angeblich das Kindesalter überlebt hat...

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.grimms.de/contenido/cms/front_content.php?client=1&lang=1&idc...

(c) Brüder Grimm-Gesellschaft e.V., Kassel, and the authors

Doebel: Archetypische Deutung des Märchens "Frau Holle" der Brüder Grimm

Mythen-Sachbuch für Erwachsene

Autorin: Susanne Doebel

Untertitel: Im Sinne der Tiefenpsychologie von C.G. Jung und Marie-Louise von Franz.

*○○○○ (1 von 5 Sternen)

Diese Arbeit (82 Seiten A4) gibt sich den Anschein der Wissenschaftlichkeit, ist jedoch gespickt mit den Träumen der Autorin und ihrer Bekannten. Frau Doebel ist keine Psychologin oder Psychoanalytikerin, sondern Fremdsprachenkorrespondentin, Coacherin und systemische Naturtherapeutin (was auch immer das sein mag) sowie Geschäftsführerin des Spektrum Instituts. Die Arbeit leidet darunter, dass sie (außer Jung und von Franz) fast keine Originalquellen zitiert, sondern nach Sekundär- bis Tertiärliteratur, die großenteils auch noch esoterisch geprägt ist. Am Ende der Arbeit fehlt ein Abbildungsnachweis, sodass sich der Verdacht aufdrängt, die Autorin könnte eventuell die Bildrechte nicht ordentlich eingeholt haben. Wenn Sie noch nie etwas von einem Archetypus gehört haben, können Sie mal einen Blick hineinwerfen und schaudern.

Nachtrag: Wie gefährlich für uns die Archetypen-Lehre Jungs per se ist, läßt sich sehr schön nachlesen bei Heide Göttner-Abendroth: "Der nüchterne, wissenschaftliche Weg schlägt mit Hilfe von Archäologie, Ethnologie und Folkloristik die Brücke durch die einzelnen Jahrtausende. Damit werden solche Begriffe wie das "kollektive Unbewußte" und "Archetypen" überflüssig. Sie erweisen sich als theoretische Hilfskonstrukte mangels einer besseren historischen Erklärung. Die Flucht in den Transzendentalismus, der sie zu Wesenheiten an sich erklärt, die man nicht fassen kann - warum soll man sich dann mit ihnen beschäftigen?-, ist zuletzt die Immunisierungsstrategie für die eigene, angreifbare Theorie. Wenn Jung sich inhaltlich über seine Archetypen ausläßt, wird die Angelegehheit von einer anderen Seite her problematisch. Es zeigt sich, dass diese Begriffe mit Vorstellungen gefüllt sind, die aus den ideologisch geprägten Weiblichkeits- und Männlichkeitsbildern der Gegenwart stammen statt aus den Bedeutungen, welche diese Bilder im Rahmen ihrer eigenen Kulturen hatten (...) Eine solche Psychologie bietet Frauen nur den Schein ihrer Selbstfindung. In Wahrheit hat sie immense Entlastungsfunktionen für Männer, weshalb sie von diesen so wichtig genommen wird." (in: Das Matriarchat I, Geschichte seiner Erforschung, S. 124ff, (c) Kohlhammer GmbH, Stuttgart 1988, 1995. Zum Bestellen dieses äußerst wissenschaftlichen und trotzdem nicht trockenen Buches können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3170128493/holleland-21

(c) das o.g. Holle-Machwerks: Susanne Doebel, Steingaden 2004. Veröffentlicht auf der Homepage: http://www.spektrum-institut.de/downloads/frauholle.pdf

Drewermann: Frau Holle

Drewermann: Frau Holle
Untertitel: Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet
Autor: Dr. Eugen Drewermann
72 Seiten, gebunden, mit 8 farbigen Abb.
€ 18,00

***oo (3 von 5 Sternen)

Als ich das Buch zum ersten Mal las, war ich fasziniert und hätte ihm glatt 5 von 5 Sternen gegeben. Bei der zweiten Lektüre nun war ich sehr viel kritischer. Drewermann ist ziemlich bekannt: Ein hochgebildeter, exkommunizierter Priester, das findet man selten. So belesen der Autor aber auch sein mag, in diesem Buch hat er sich selbst gleich mehrere Beine gestellt!

Den Untertitel führt er schon im Vorwort ad absurdum, darauf hinweisend, dass Frau Holle eigentlich kein Märchen, sondern ein Mythos ist, und als solcher philosophisch und nicht tiefenpsychologisch gedeutet werden muss. Das hindert Drewermann jedoch nicht daran, im folgenden immer weiter vom Märchen zu sprechen - mit dem Mythos tut er sich sichtlich schwer und stolpert ein ums andere Mal über den Saum seiner Priesterkutte. Seiner Meinung nach geht es in dem "Märchen" um die "ewige Frage" des Glücks des Bösen und des Unglücks des Guten (und darum, wie denn letztlich doch das Gute siegt), um die Geburt und das Schicksal von Sonne und Mond - wobei die Sonne gut und der Mond böse sei.

Nun ist das allererste Problem: Das steht da gar nicht - und während wir bei Heinrich Heine oder Goethe davon ausgehen dürfen, dass sie nicht alles gesagt, was sie gemeint haben, so wäre Frau Holle doch meines Wissens der erste Mythos, der von der Entstehung von Sonne und Mond berichtet, ohne explizit auch von Sonne und Mond zu sprechen. Auch alle Parallelen, die Drewermann anführt, sprechen von einem Sonnenmädchen usw. - und nicht von einer Goldmarie.

Das zweite Problem: Warum sollte in einem vorchristlichen Mythos, der von der Großen Göttin berichtet (wie Drewermann richtig bemerkt), der Mond wohl faul und "böse" sein? Waren nicht vielmehr die ersten Kalender Mondkalender? War nicht der Mond gut, weil den Göttinnen heilig? Der Widerspruch, dass hier der Mond der Sonne angeblich nachfolgt, fällt übrigens sogar unserem Autor auf. Und wenn es doch um Gehorsam gegenüber den Dingen gehen soll, der dazu führe, dass das Sonnenmädchen Goldmarie wieder zurück auf die Erde wolle jedes Jahr wieder im Frühjahr (die Stiefmutter ist angeblich die "Frau Welt"), warum sollte dann der faule, ungehorsame Mond es ihm gleich tun, Monat für Monat? Das ist unlogisch! Allerdings vermute ich, dass der Autor den Mond nicht mag, und eventuell ihn sogar fürchtet.

Überhaupt bezweifle ich, dass es hier um den Gegensatz von Gut und Böse geht. Ja, es geht um den Gegensatz von fleißig und faul, von schön und hässlich. Und es geht um die Initiation in einen vorchristlichen Kult in christlicher Zeit. Eine Initiation, die gelingen kann, auch wenn die liebende Mutter, die ein Mädchen sanft darauf vorbereiten könnte, gestorben ist. Und die misslingen muss, wenn das vorchristliche Wissen von der Natur und die Freude an ihr verlorengegangen sind. Das ist traurig, aber nicht böse. Das ist so häßlich wie eine vierspurige Autostraße und eine Stunde RTL sehen, aber nicht teuflisch.

Trotzdem empfehle ich Ihnen die Drewermann-Lektüre: Der Mann ist wohlmeinend und belesen, wenn auch etwas verklemmt.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3530170046/holleland-21

(c) 1982, 2003 Walter Verlag, Düsseldorf und Zürich

Francia: Mond, Tanz, Magie


Magisches Tanzen für jedefrau
Autorin: Luisa Francia
Fotografin: Inea Gukema (die Luisa fotografiert hat)
144 Seiten mit zahlreichen s/w-Abb.
23,6 x 16,7 x 1,4 cm, Softcover
€ 14,90

***** (5 von 5 Sternen)

Bevor das Sonnenjahr mit seinen 12 Monaten eingeführt wurde (wobei immerhin noch das Wort Monat an den Mond erinnert), lebten die Menschen nach dem Mondjahr, und ein Jahreszeitenzyklus umfasste 12 oder 13 Monde. Deswegen galt die 13. Fee auch früher nicht als die Böse und hatte Dornröschens Papa ein Problem mit seinen 12 goldenen Tellern (das Märchen schildert den Übergang vom alten Mond- zum Sonnenzyklus). Nur in wenigen Jahresfesten schimmert das alte Mondjahr noch durch, z.B. wird Ostern am ersten Vollmond nach der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche gefeiert. Luisa, die eine echte Hexe ist, hat sich der einzelnen Monde angenommen und Tänze dazu kreiert. Die Zählung beginnt sie an Halloween, aber es ist natürlich jeder Frau frei gestellt, das Neujahr nach Gutdünken beginnen zu lassen - Luisa ist keine Religionsstifterin. Ihr sechster Mondtanz z.B. ist ein Ostervollmondtanz. Er beschäftigt sich mit Fruchtbarkeit, Eierlaufen, Gebildbroten, Hasen (dem uralten Symboltier des Mondes und der ständigen Erneuerung des Lebens), dem Vor-stellen, Ein-bilden und dem Sehen, der Vision. Zum Beispiel auch dem Sehen von Feen wie der Fata Morgana, die in der Tiefe des grünen Meeres wohnt, der Königin von Avalon oder der 13. alten, matriarchalen Fee in Dornröschen. Das Kauen oder Trinken von Pfefferminze hilft dabei.

Viele, viele Informationen und 13 Tänze können Sie bestellen über folgenden Link:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3881041524/holleland-21

(c) Verlag Frauenoffensive 1986

GardenStone: Göttin Holle

Untertitel laut Umschlag: Auf der Suche nach einer alten Göttin.
Untertitel 1 im Innenteil: Auf der Suche nach einer GERMANISCHEN Göttin (sic!)
Untertitel 2 im Innenteil: Frau Holle in Märchen, Sagen, Legenden, Gedichten, Gebräuchen und in der Mythologie
Zweite vollständig überarbeitete Ausgabe
© GardenStone, Usingen 2002-2006
ISBN 3-8334-4579-3
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
232 S. mit zahlreichen s/w und 4c-Abb.
Tschenbuch, € 18,00

***oo (3 von 5 Sternen)

Ja, der Mann ist kenntnisreich. Das vorliegende Buch ist angenehm zu lesen und in Form einer „Queste“ geschrieben, einer Suchfahrt. Auf neun verschiedenen Wegen kann die Leserin/der Leser sich Frau Holle nähern und dabei erfahren, dass sie weit mehr ist als eine Grimmsche Märchenfigur – nämlich eine vorchristliche Göttin, die als Märchen- und Sagengestalt Christianisierung und Hexenverbrennung überlebt hat. Die neun Pfade der Queste...

* führen zum Hohen Meißner in Nordhessen, wo auch heute noch Frau Holle lebendig ist,
* beschreiben die Holle-Pflanzen Holunder, Maßholder, Wacholder, Linde und das Liebfrauenbettstroh (den Waldmeister),
* beschreiten den Weg der Märchen sowie
* den Weg der Sagen,
* beschreiben Gebräuche und Volkswissen über Frau Holle,
* beschreiten anschließend den Weg der Poesie,
* den Weg der Forschung und
* den Weg der Theorie und lassen uns abschließend
* genießen mit Frau Holle.
Warum aber nur drei von fünf Sternen? Weil der Autor leider bei seiner Queste nicht weiter zurückgeht als bis zur germanischen Frigga/Freya, zur Gattin Odins/Wotans oder von wem auch immer. An wenigen Stellen ahnt er, dass es wohl auch eine Zeit vor der Germanisierung Deutschlands gegeben haben könnte, aber wenn dieser Ausblick erscheint, verschließt er schnell die Augen, ebenso vor dem Widerspruch, dass in der ganz überwiegenden Anzahl der Holle-Märchen, -Sagen usw. diese alte Göttin eben nicht als „Gattin von“ auftritt, sondern solo. Ihre Gestalt weist zurück auf die Zeit vor Auftreten männlicher Gottheiten, auf die älteste Jungsteinzeit, auf das gerade beginnende Sesshaftwerden der Menschen, und letztlich auf die großen Muttergöttinnen der Altsteinzeit. Das aber ist GardenStone zu gefährlich, und so beschäftigt er sich lieber mit Richard Wagner und den Questen der Nazis – mit dem Problem, dass er sich regelmäßig von diesen abgrenzen muss. Schaaade drum. Trotzdem ein lesenswertes Büchlein, wenn wir im Auge behalten, dass er geschichtlich bei seiner Queste nur den halben Weg zurück gegangen ist.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3833445793/holleland-21

Erstellt am 29.10.2011

Gimbutas: The Goddesses and Gods of Old Europe

Gimbutas: The Goddesses and Gods of Old EuropeUntertitel: Myths and Cult Images. 6.500 – 3.500 B.C.
Fachbuch für Erwachsene
Autorin: Marija Gimbutas
304 S., Softcover, 17,99 €
252 Großillustrationen sowie 171 Abb. Im Text, 8 Karten

***** (5 von 5 Sternen)

Erstellt: 26. Okt. 2010

Marija Gimbutas (1921-1994) war eine außergewöhnliche Frau: Studium in Litauen und Deutschland, Auswanderung in die USA, berühmte Archäologin, vielfach ausgezeichnet, Ehefrau, dreifache Mutter, Leiterin von fünf bedeutenden Ausgrabungen im ehemaligen Jugoslawien, in Griechenland und Italien, Querdenkerin, Feministin, interdisziplinär arbeitend, bevor das in Mode kam.

Ihr hier vorliegendes Fachbuch hat von der ersten zur zweiten Auflage eine kleine, aber feine Titeländerung durchgemacht: Ursprünglich hatte es Gimbutas noch ganz traditionell „The Gods and Goddesses of Old Europe“ genannt, obwohl doch die überwältigende Mehrheit der Funde Göttinnendarstellungen sind.

Wie könnte die Religion in vorgeschichtlicher Zeit ausgesehen haben? Was erzählen die archäologischen Funde, wenn wir nur genau genug hinschauen und die verschiedenen Ausgrabungsorte miteinander vergleichen? Wie haben die Menschen gelebt, bevor die kriegerischen Indoeuropäer zu uns kamen?

Auch wenn dies ein Fachbuch ist – noch dazu ein englischsprachiges: Ackern Sie sich durch, es ist spannend! Sie werden dann bestimmt zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen wie Marija Gimbutas (Übersetzung von mir): „Im Alten Europa war die mythische Welt nicht polarisiert zwischen Frauen und Männern wie bei den Indoeuropäern und vielen anderen nomadischen und Hirtenvölkern der Steppen. Beide Prinzipien manifestierten sich Seite an Seite. Die männliche Gottheit in Gestalt eines jungen Mannes oder eines männlichen Tieres scheint die Kräfte der kreativen und aktiven Göttin zu bestätigen und zu verstärken. Niemand ist dem anderen untergeordnet; indem das Männliche und das Weibliche einander ergänzen, verdoppelt sich stattdessen ihre Macht.
Das zentrale Thema bei der Aufführung von Mythen war offensichtlich die Feier der Geburt eines Kindes. Das Baby als Symbol eines neuen Lebens und der Hoffnung auf Überleben wird umarmt von Göttinnen mit Schlangen-, Vogel- und Bärmasken. Maskierte Ammen, die einen Sack tragen, (…) scheinen eine Rolle als Beschützerinnen des Kindes gespielt zu haben, das später erwachsen und ein junger Gott wurde. (…) Dionysius ist eng verbunden mit der Großen Göttin in ihrem Aspekt der Jungfrau-Natur-Göttin und der Vegetationsgöttin. Alle sind Gottheiten des Lebenszyklusses der Natur, befasst mit dem Problem von Tod und Wiedergeburt, und alle wurden verehrt als Symbole des überschäumenden Lebens.
Das Pantheon reflektiert eine Gesellschaft, die von der Mutter dominiert wurde. Die Rolle der Frau war der des Mannes nicht untergeordnet, und vieles, was zwischen dem Beginn der Jungsteinzeit und der Blüte der Minoischen Zivilisation erfunden wurde, war das Ergebnis dieser Struktur, in der alle Möglichkeiten der menschlichen Natur, weibliche und männliche, als kreative Kräfte voll ausgeschöpft wurden.“ (S. 237 f)

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© 1974, 1982 Thames & Hudson Ltd., London, U.K.

Göttner-Abendroth: Die Göttin und ihr Heros

Göttner: Göttin und HerosUntertitel: Die matriarchalen Religionen in Mythos, Märchen und Dichtung
Autorin: Heide Göttner-Abendroth
Taschenbuch, 252 Seiten, mit vielen s/w-Abbildungen
ISBN 3-88104-096-X
Nur antiquarisch erhältlich, ab € 8,90

***** (5 von 5 Sternen)

In ihrem 1980 erstmals erschienenen Buch geht Göttner-Abendroth von der These aus, dass in den vorpatriarchalen Gesellschaften der Alten Welt (bei ihr bis ca. 1.000 v.u.Z.) die große Göttin von einem männlichen Heros begleitet wurde. Es ist in der Forschung durchaus umstritten, ob dieser Geliebte und Sohn der Göttin in den Augen der Gläubigen ursprünglich nur ein Heros oder nicht doch von Anbeginn selbst ein Gott war. Mich selbst interessiert mehr die Beziehung zwischen der Göttin und ihrem Geliebten, und ich lasse die Streitfrage für mich unbeantwortet. Der Heros (oder Gott) feierte mit der großen Göttin jedes Frühjahr die Heilige Hochzeit, damit das Land fruchtbar werde, und erlitt jeden Herbst den Opfertod, um schließlich im nächsten Frühjahr wiedergeboren zu werden. Diese Grundstrukture der Göttin-Heros-Beziehung gräbt Göttner-Abendroth nun quasi archäologisch aus den uns heute noch bekannten, aber seit der Ankunft der indogermanischen Stämme patriarchal überformten Mythen, Märchen und Dichtungen aus:

Artemis und Aktaion, Aphrodite und Adonis, Athene und Erechtheus – sie sind geschichtlich älter als der hellenische Usurpator Zeus. In der prä-hellenischen Form des Mythos wird Athene denn auch nicht aus dem Haupt des Zeus, sondern am Ufer des Tritonsees in Libyen geboren. In Kreta begegnen uns Demeter und Iakchos, Rhea und ein prä-olympischer Zeus, Hera und ein immer noch prä-olympischer Zeus und schließlich Hera und Herakles, dessen Name nichts anderes bedeutet als „Ruhm der Hera“.

Weiter geht die Reise durch Ägypten (Isis und Osiris), Babylon, Persien, Indien, Kleinasien und Palästina, wo der patriarchale Herrgott später alle Hände voll zu tun hat, um von einer Jehva = Eva zu einem männlichen Jehova zu werden und ihren Heros Adam über sie zu stellen. Bei den Kelten begegnen uns u.a. noch die vorkeltischen Paare Dagda und Dana (von der die Donau ihren Namen hat) oder Bran und Modron (die uns später als Fee Morgane über den Weg laufen wird). Bei den Germanen sind es die vorgermanischen Jörd/Nerthus und Tyr, Freyja und Freyr sowie Frigga und Baldur, bevor die patriarchalen Asen Odin und Thor die Herrschaft übernahmen und Frigga (genau wie die griechische Hera) zur Ehefrau degradiert wird. Aber zum Glück war da ja noch die Götterdämmerung!

Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich Göttner-Abendroth mit matriarchaler Mythologie in unseren Grimmschen Zaubermärchen und beleuchtet dabei drei verschiedene Gruppen von Märchen. Die erste Gruppe befasst sich mit der Reichtumsspenderin im Jenseits. In Reinform ist dies Frau Holle, bei der die Goldmarie die Kunst des Ackerbaus (Brot), der Pflanzenzucht (Apfelbaum), der Tierdomestikation (Kuh) und schließlich der Magie (Wettermachen durch Bettschütteln) erlernt. Die Göttin als jenseitige, gestorbene Mutter taucht auch in anderen Märchen auf, so in Aschenputtel oder in Schneewittchen, wo sie dem Mädchen die drei klassischen Farben der matriarchalen Göttin schenkt: weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz - und sie damit erotisch unwiderstehlich macht. Der Dreiklang genau dieser Farben wird uns später auch in den Epen begegnen – sie sind auch Lancelots Farben. Die zweite Märchengruppe zeigt die schenkende Frau im totenähnlichen Zustand (z.B. Dornröschen, vor allem in der vorgrimmschen Version) und die dritte Gruppe Heilbringermärchen wie den Froschkönig – auch er natürlich in der vorgrimmschen, deutlich erotischeren Form ausgeleuchtet.

Der letzte Teil des Buches schließlich befasst sich mit der Herrin und ihrem Helden – mit den Resten matriarchaler Mythologie in der mittelalterlichen Epik. Da ist nun König Artus nicht mehr der Gute, sondern ein unerotischer patriarchaler Kriegerkönig, und Lancelot und Parcival, vom christlichen Kitsch befreit, werden zu alten matriarchalen Heroen. Natürlich rehabilitiert die Autorin auch die Fee Morgane. Der Vorteil an der Göttner-Abendrothschen Betrachtung ist ihre Schlüssigkeit. Plätzlich versteht frau, warum die Jungens so handeln, wie sie handeln, und freut sich am Ende mit Lancelot, dem vorkeltischen Heroen:

„ Arthur will seinen Besitz: Ginevra und Britannien, lieber in Flammen aufgehen lassen als ihn herzugeben. Eine typisch patriarchale Haltung! findet (…) Lancelot, und deshalb rettet er Königin und Land vor dieser Dummheit. (…) Aber wie es so ist, lauert neben der Unterwürfigkeit (der keltischen Helden) die Falschheit: Bei (der) erstbesten Gelegenheit fallen Arthur die eigenen Vasallen (…) in den Rücken, nämlich Mordred und Anhang. Nun kann (…) Lancelot von seiner Burg der Selbstzerfleischung und dem Untergang des Artusreiches ruhig zuschauen: die (geschichtlich) späteren Helden treten ab, wie sie angetreten sind, mit Krieg. Am Ende überleben nur er und Ginevra, im schönen Lande Britannien.“ (S. 227)

Sie sehen, das liest sich spannend, und manchmal sogar vergnüglich, und ebenso aufschlussreich ist Göttner-Abendroths Analyse der Erzählungen um Tristan und Isolde (Marke als patriarchaler Kriegerkönig) und Siegfried und Brunhilde (mit Gunther als Patriarchen, der noch nicht einmal fähig ist, mit einer matriarchalen Frau wie Brunhilde die Hochzeitsnacht zu verbringen). Auch hier enden die Patriarchen im Untergang. Und heute? Loki, Lug und Pan sind tot, aber da wäre noch der Lichtträger Lucifer, von Jehova in die Hölle verbannt, der jedoch in der Apokalypse seine Fesseln zerreißen und Gott als mächtiger Rebell entgegentreten soll (sagt der Mythos). „Die weibliche Partnerin von Lucifer ist aber keine dämonische oder lächerliche Hexe, sondern eine Herrin, der er gehorcht: „Hagia Sofia“, die Heilige Weisheit selber. Sie steht mitten im Himmel, und ihr Haupt ist von Sternen bekränzt.“ (S. 230).

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/388104096X/holleland-21

© Verlag Frauenoffensive, München 1980, 9. Aufl. 1990

Erstellt: 2.1.2011

Huber: Die Brüder Grimm in Kassel

Die Brüder Grimm in Kassel
Reich bebildertes Sachbuch für Erwachsene
Autor: Jörg Adrian Huber
64 S., 58 s/w Abb., gebunden
€ 12,90

***** (5 von 5 Sternen)

Kenntnisreich schildert Huber das Leben von Jacob und Wilhelm Grimm in Kassel, wohin die beiden Brüder 1798 kamen, um die Schule zu besuchen, und das sie erst 1841 endgültig verließen, um in Berlin an der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu lehren. Sein Schwerpunkt ist historisch, ich habe viel über die Napoleonischen Kriege, König Lustik und auch darüber gelernt, warum die Grimms Kassel letztlich verließen.

Nach wie vor nicht recht begreiflich ist mir die Symbiose der beiden - aber dazu hätte es natürlich nicht eines historisch-politischen, sondern eines psychologischen Ansatzes bedurft, und darum geht es in diesem Büchlein nicht: Jacob und Wilhelm Grimm haben mit kurzen Unterbrechungen ihr ganzes Leben zusammengewohnt. Den erwachsenen Brüdern führte zunächst die Schwester Lotte den Haushalt. Als sie heiratete, nahm Wilhelm Grimm sich eine neue Frau, Dorothea Wild, und die Menage à trois wurde fortgesetzt, ergänzt durch die diversen Kinder, die aus der Ehe mit Dorothea hervorgingen...

Gekrönt wird das Büchlein durch drei bebilderte Märchen in einer Fassung aus Grimms´ Zeiten: Die Sterntaler, Dornröschen sowie Frau Holle.

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(c) 2007 Wartberg Verlag GmbH & Co. KG, Gudensberg-Gleichen

Kasten (Hg.): Schamanen Sibiriens

Kasten: Schamanen SibiriensUntertitel: Magier * Mittler * Heiler
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart, Staatliches Museum für Völkerkunde
Herausgeber: Erich Kasten
In Zusammenarbeit mit dem Russischen Ethnografischen Museum St. Petersburg
250 Seiten, broschiert, 4c
29,4 x 25 x 2,2 cm

€ 32,99

***** (5 von 5 Sternen)

Das Wort Schamane ist ein sibirisches Wort: Es stammt aus der Sprache der Evenken, in der mit mit saman oder xaman religiöse Führer beiderlei Geschlechts bezeichnet werden. Die heute rund 35.000 Evenken leben als Rentiernomaden weit verstreut. Neben ihnen gibt es aber noch 22 weitere Bevölkerungsgruppen, von den nur 700 Ortschen am Amur, über 16.000 Tschuktschen bis hin zu 443.900 Jakuten in Nordostsibirien. So riesig wie das Gebiet, so unterschiedlich ist die Sozialstruktur der einzelnen Völker - von eher egalitären Lebensweisen bis hin zu streng hierarchisch-patriarchalischen. Allen gemeinsam sind jedoch ähnliche Vorstellungen über das Universum, das mit einem Tier wie z.B. einer Schlange, einem Vogel, einem Elch oder einer Robbe assoziiert wird. Diese mythologischen Wesen haben ihren Platz in einer vielschichtig vorgestellten Welt, die von Geistern und Ahnen bewohnt ist. Das Universum unterteilt sich in eine obere (himmlische) Welt, in die mittlere Welt der Menschen und die (unterirdische) Unterwelt. Bei Krankheiten usw. ist es Aufgabe der Schamanin oder des Schamenen, durch die einzelnen Welten zu reisen, um mit den Geistern zu kommunizieren und Gesundheit, Wohlstand und das Gleichgewicht mit der Natur wieder herzustellen.

Den Schamnismus der Tschuktschen zählt man zum Typ des Familienschamanismus: An den rituellen Handlungen nehmen alle Mitglieder einer Gemeinschaft teil. Sogar die Trommel, die bei anderen Völkern Sibiriens nur von den Schamanen benutzt und von anderen ferngehalten wird, ist bei den Tschuktschen allen, sogar Kindern zugänglich. Die Schamenen unterscheiden sich hier von den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft vor allem durch ihre besonderen Schutzgeister (s.S. 146).

In der Mythologie der Tschuktschen, Korjaken und Itelmenen gilt der Rabe als der Erschaffer der Welt wie auch der Trommel des ersten Schamanen. Die größte Tat des Raben war das Herbeibringen des Lichts. Der Rabe konnte Unwetter beruhigen, indem er die Herrin des Wetters mithilfe eines Fliegenpilzes berauschte. Fliegenpilze verhelfen der Schamanin zur Trance und gelten als übernatürliche Wesen, die ähnlich wie die Menschen leben. Sie wurden von der Obersten Gottheit gesandt, erschienen der Schamanin im Traum und führten sie in die Welt der Ahnen, um dort die nötigen Ratschläge zu erhalten. Deshalb aßen Schamanen bei Zeremonien Fliegenpilze. Die Rituale während der Zeit der herbstlichen Rentierschlachtung und des Walfestes wurden meist von den Familienoberhäupten, in der Regel von Frauen angeleitet. Man glaubte, dass Frauen eine besondere Verbindung zur sakralen Welt hatten, denn vor allem sie waren es, die die häuslichen Schutzgegenstände der Familie hüteten. Als besonders mächtig galten Schamanen mit "verwandeltem Geschlecht", das heißt Männer, die sich wie Frauen gaben und umgekehrt. Die Tschuktschen meinten, Frauen seien von Natur aus Schamanen. Sie trugen bisweilen die Kleidung des anderen Geschlechts, doch änderten sie dabei ihre gewöhnliche Lebensweise nicht: Sie hatten Familie, Kinder, betrieben Rentierhaltung und gingen jagen. In dieser Kleidung und mit ihrer Trommel führten die Schamanen der Tschuktschen und Korjaken die Zeremonien durch. Die Praxis des Transvestismus, die auch von anderen sibirischen Völkern bekannt ist, wird damit erklärt, dass dem Schamenen und der Schamanin damit die Kräfte der beiden grundlegenden Prinzipien der Natur, des männlichen und des weiblichen, zur Verfügung standen. Manche Geister zwangen die Schamanen geradezu, das Geschlecht zu wechseln bis hin zur Übernahme des Sozial- und Arbeitsverhaltens des anderen Geschlechts. Weiße Schamanen der Jakuten kleideten sich für eine Reise in die obere Welt in Frauenpelze aus Hengstfohlen, die mit Büscheln von Pferdehaaren eingefasst waren. Auf dem Kopf trugen sie eine Frauenkappe mit Silberring in der Mitte, der Sonnenstrahlen aussandte und die Fruchtbarkeistkräfte der Sonne anziehen sollte. Während der Zeremonie nahm ihr Doppelgänger die Gestalt eines weißen Pferdes an. Man ist der Ansicht, dass diese Erscheinung ihren Ursprung in alten Mutterkulten hat, nach denen ein weibliches Wesen die Urahnin und Beschützerin alles Lebendigen ist. Bei den Tschuktschen und nördlichen Jakuten galten (im Gegensatz zu den anderen Völkern Sibiriens) Schamaninnen gegenüber Schamanen als mächtiger (s.S. 84).

Leider fehlt dem Katalog (der auch äußerst lesenswert ist, wenn man die Ausstellung nicht gesehen hat) ein Sachverzeichnis, ansonsten gibt es nur wenig zu bemängeln.

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(c) 2009 Linden-Museum Stuttgart und Dietrich Reimer Verlag GmbH, Berlin sowie die Autoren und Fotografen

Kollmann: Frau Holle und das Meißnerland

Sachbuch für Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren
Autor: Dr. Karl Kollmann
Untertitel: Einem Mythos auf der Spur
168 Seiten, viele s/w Abbildungen
€ 8,00

Bewertung: ***** (5 von 5 Sternen)

Kenntnisreich setzt sich der Archivar der Stadt Eschwege mit der Frage auseinander, welche historischen Quellen die Verehrung der Göttin Holle / Freya an 14 verschiedenen Orten des Hohen Meißners belegen - vom Frau-Holle-Teich über die Hilgerhäuser Höhle bis zu den Hollsteinen.

Dabei stellt sich heraus, dass so manche Sage eine schnöde Erfindung der Neuzeit ist, andere hingegen archaische Relikte sind: Orte wie der Frau-Holle-Teich waren tatsächlich schon in vorchristlichen Zeiten Kultplätze. Und vielleicht waren diese Kulte auch nicht nur licht und rein, wie wir es heute gern hätten: An zwei Kultplätzen wurden Menschenknochen gefunden, die zumindest Fragen aufwerfen. Auch die großen Zähne der Frau Holle im Märchen weisen ja darauf hin, dass die Göttin nicht nur Leben spendet, sondern auch Leben nehmen kann, wenn sie will.

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(c) Historische Gesellschaft des Werralandes / Werratalverein, Eschwege 2005 ISBN 3 13 978-3929413908

Landeck: Steine * Gräber * Kultplätze

Landeck, Steine-Gräber-KultplätzeKategorie: Reiseführer
Untertitel: Ein Reisebegleiter zu den mystischen Orten im nördlichen Schleswig-Holstein
Autor: Horst-Dieter Landeck
Taschenbuch, 144 Seiten, mit einer Übersichtskarte in der vorderen Umschlagklappe und 103 vierfarbigen Abbildungen
€ 8,80

****o (4 von 5 Sternen)

Beim ersten Durchblättern des Büchleins irritierten mich die vielen romanischen Kirchenbesichtigungen des Autors. Unvermittelt stehen sie neben seinen Besuchen von Langgräbern der Steinzeit und magischen Wiesen. Auf den zweiten Blick hat Landeck Recht: Wurden doch die ersten Kirchen zumeist auf vorchristlichen Heiligtümern errichtet zwecks Zwangsmissionierung der Heidenkinder. Und die alten Erdenergien sind natürlich selbst heute noch zu spüren, auch wenn ihnen ein Taufbecken übergestülpt wurde - so man sie denn spüren kann. Der Autor ist da mir gegenüber eindeutig im Vorteil, allein spürt es sich besser denn zusammen mit Partner und fünfjähriger Tochter.
Ohne sein ausgesprochen schön und informativ bebildertes Büchlein hätten wir vom Zauberwald und der Feenwiese bei Glücksburg nie erfahren, geschweige denn, sie gefunden (siehe auch http://www.holleland.de/category/maerchenorte/maerchenorte-holnis). Opferstätten für die Göttin Freya (Albersdorf), Schalensteine, auch Elfensteine genannt (Bunsoh) und viele, viele andere Orte laden zu weiteren Entdeckungen ein.

Steine * Gräber * Kultplätze beginnt im Süden auf der Höhe von Meldorf und Neumünster und endet an der dänischen Grenze (Sylt). Einziges Manko: Es ist auf Autofahrer zugeschnitten. Dadurch wird dann zum Beispiel der archäologische Wanderweg zur Feenwiese (siehe oben) von hinten nach vorn begangen, und die Wegweiser sind entsprechend schwerer zu finden. Trotzdem ein Muss für alle Steinzeitfans, auch wenn sie mit Wasseradern und Erdmagnetismus nichts am Hut haben.

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(c) Boyens Medien GmbH & Co. KG, Heide 2003, 2004

Monson: Frühlingsreigen. Das andere Osterbuch


How to do it für Heidenkinder und ihre Eltern
Autorin: Monson, Diana
Zeichnerin: Briswalter, Maren
derzeit nur antiquarisch erhältlich
80 Seiten, gebunden, mit vielen farbigen llustrationen, 26,8 x 20,2 cm

Bewertung: ****○ (4 von 5 Sternen)

In diesem Buch, wie auch in den zwei parallelen von Monson/Briswalter für die Jahreszeiten Weihnachten ("Winterlicht") und Sommer/Herbst ("Ernte-Sommer") finden Eltern Bastelanleitungen, Lieder und Rezepte beruhend auf den vorchristlichen Wurzeln unserer Jahresfeste. In der Rahmenhandlung erfährt die Grundschülerin Sonja von ihrer Großmutter Alwine alles über die Göttin Ostara, das Winteraustreiben, den Mondhasen oder den alten Brauch, frühmorgens an einer Quelle stillschweigend wunderkräftiges Osterwasser zu trinken. Wenn Sie kein Christ sind, aber kleine Kinder haben, kommen sie um diese drei Bücher fast nicht herum.

Denn auch Ihre Kinder wollen ja Ostereier und Osterhasen und Osterspiele - und was erzählen Sie ihnen dann? Die Erklärung, dass das Wiedererwachen der Natur und die Fruchtbarkeit gefeiert werden, finde ich dann sehr hilfreich - und Sie als Erwachsene bekommen noch einiges Hintergrundwissen dazu. Außerdem lernen Sie, dass man Eier mit Schachtelhalm gelbgrün und mit Holundersaft blau färben kann oder wie man Nester für die Eier bäckt.

Das Buch hat leider zwei Wehrmutstropfen: Frau Monson schreibt schlicht keine guten Gedichte (lesen Sie möglichst schnell darüber hinweg). Die historische Existenz der Göttin Ostara wurde zwar von Jacob Grimm angenommen, ist aber wissenschaftlich auch heute noch nicht gesichert. Trotzdem empfehle ich: Bestellen!

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(c) 1997 Esslinger Verlag J.F. Schreiber, Esslingen, Wien
5. Auflage 2002

Monson: Winterlicht. Das andere Weihnachtsbuch

How to do it für Heidenkinder und ihre Eltern
Monson, Diana und Briswalter, Maren
80 Seiten, gebunden, mit vielen farbigen llustrationen, 26,8 x 20,2 cm

Bewertung: ***o○ (3 von 5 Sternen)

Dieses spannende Familienbuch geht der Frage nach, wie die Menschen in den Wintermonaten gelebt und gefeiert haben, bevor es das Christentum gab.Im Mittelpunkt steht die siebenjährige Sonja, die mit ihrer Großmutter und den Eltern die alten Feste feiert, vom Laternelaufen über die Wintersonnenwende bis hin zum Perchten- und Holletag am 6. Januar. Das Buch steckt voller Geschichten, Gedichte, Lieder (mit Noten!), Bastel- und Backideen.

Natürlich fehlen auch das Märchen von Frau Holle und das Frau-Holle-Lied nicht. Die liebevollen Illustrationen haben mit dazu beigetragen, dass unsere Tochter schon mit drei Jahren immer wieder aus dem Buch vorgelesen haben wollte, auch wenn die Geschichten um Sonja noch zu lang und kompliziert für sie sind.
Einziger Abstrich: Die Autorin ist keine wirkliche Dichterin, einige Passagen klingen etwas hölzern und verquast: Knecht Ruprecht, „nimm den unerschöpflichen Sack der Urewigkeiten und wandere mit allen Seelen, die wieder neu dort leben wollen, der Erde zu.“ oder: Lucia, „wie seit tausenden von Jahren, lässt immer wiederkehrend, du uns deine Botschaft erfahren.“ (Das soll ein Gedicht sein.)
Aber wen stört das schon, wenn nebenan gleich ein wunderbares Rezept für Sonnenkuchen steht?
Vom Duo Monson / Briswalter gibt es zwei weitere Bücher, „Frühlingsreigen“ und „Ernte-Sommer“, letzteres mit einem schönen Poster des Jahreskreises mit seinen acht wichtigsten Festen. Es hängt bei unserer Tochter an der Wand.

Nachtrag vom 4.1.2010: Leider bin ich erst heute durch eineN BesucherIn meiner Homepage darauf aufmerksam geworden, dass es um dieses Buch einen Skandal gegeben hat: Es enthält nämlich gegen Ende ein Lied des Nazi-Poeten Hans Baumann "Ein Jahr muss nun vergehen". Das Liedchen an sich ist harmlos, aber Hans Baumann ist es leider überhaupt nicht. Von ihm stammt das berüchtigte Lied "Es zittern die morschen Knochen" mit der Zeile "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt". Ich hoffe, dass Frau Monson dieser Zusammenhang ebenfalls nicht klar war - schließlich hat Baumann Nachkriegskarriere gemacht und auch in das Liedgut der Bundeswehr Eingang gefunden. Es bleibt ein ekliger Nachgeschmack - ich habe das Blatt aus dem Buch meiner Tochter herausgerissen, und die Bewertung um einen Stern nach unten korrigiert.

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© 1995 Esslinger Verlag J.F. Schreiber, Esslingen
ISBN-10: 3-215-13006-8, nur antiquarisch erhältlich, Neuauflage 2003

Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen

Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen

Sachbuch für Erwachsene
Autor: Herfried Münkler
606 S. mit 17 s/w-Abbildungen, gebunden
24,90 €

 ***** (5 von 5 Sternen)

Ein dickes, fettes Sachbuch mit unendlich vielen Fußnoten, das ich trotzdem verschlungen habe, so spannend ist es. Wenn nur jeder Professor anschaulich schreiben könnte wie Münkler! Von daher nimmt es nicht Wunder, dass es 2009 den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse erhalten hat.

Um die kritischen Stimmen gleich vorweg zu nehmen: Ja, das Buch hat Lücken. Auschwitz kommt darin nicht vor, sondern nur Buchenau, und dies auch nicht wegen der Morde an den Juden, sondern weil hier Ernst Thälmann umgebracht wurde, und der Gründungsmythos der DDR auf ihm und dem kommunistischen antifaschistischen Widerstand basiert. Und ja, das Buch ist ganz gewiss nicht militärfeindlich. Das nimmt ebenfalls nicht Wunder, denn Herr Münkler ist Spezialist für Kriegstheorie, Macchiavelli, Imperien, Gewalt und Ordnung. Er ist nicht Spezialist für Matriarchatstheorie und Pazifismus. Aber er ist auch noch Spezialist für jemand anderen, und darin unterscheidet er sich von so manchem konservativen Bildungsbürger unserer Tage: für Heinrich Heine, den lebenslustigen, getauften Juden, der nicht nach Germanenart zu zechen verstand und aus Deutschland nach Frankreich fliehen musste.

Und: Ohne Mut zur Lücke kann man kein packendes Sachbuch schreiben, sondern nur ein detailliertes, zumeist staubtrockenes Fachbuch, das eine Auflage von 1.500 Exemplaren nicht überschreiten wird. Worum geht es also in diesem Reißer?

Es geht darum zu zeigen, welche Mythen die deutsche Geschichte beeinflusst haben, manchmal zum Guten, zumeist aber zum Schlechten, darum, was machthungrige Politiker aus kleinen, unscheinbaren Mythchen so gemacht haben. Vieles davon habe ich schlicht nicht gewußt. Deutsche Nationalmythen, das sind der Kaiser Barbarossa, der König Friederich...., die Nibelungen rauf und runter, und Dr. Faust, habe nun ach. Hinzu kommt der Kampf gegen Rom: Tacitus, die Hermannsschlacht, der täglich mit welschen Teufeln kämpfende Herr Luther und natürlich der Gang nach Canossa. Preußische Mythen dürfen nicht fehlen: der gichtige, ungepflegte Friedrich der Große, Königin Luises Rendezvous mit Napoleon und das Attentat vom 20. Juli 1944. Burgen und Städte, darin die Nürnberger Meistersinger oder die Antwort auf die Frage, warum es am Rhein so schön ist (und nicht etwa an der Fulda), vielleicht wegen der Loreley?

Und last but not least: politische Mythen nach dem 2. Weltkrieg. Von denen hatte die DDR recht viele zu bieten: den antifaschistischen Widerstand, wie gesagt, aber auch Thomas Müntzer, und, da die Bauernkriege ja mit einem Massenmord an den Bauern endeten, was nicht gar so positiv war, hat man dann auch gleich noch Luther vor den mythischen Karren gespannt - obwohl nun just jener die Fürsten gegen die Bauern unterstützte. Aber lebendige Mythen lassen sich umformen, kritisieren, weiterentwickeln und manipulieren. Das Problem der DDR: Mythenpolitisch hatte sie so einiges zu bieten, ökonomisch nicht. Genau umgekehrt ging es in der Bundesrepublik zu, die sich bei ihrer Gründung wegen der Teilung Deutschlands nur als Provisorium verstand. Kein Gründungsmythos, kein politischer Orientierungsmythos, sondern nur und ausschließlich wirtschaftliche Mythen: Bei der Währungsreform haben wir angeblich alle mit 40 D-Mark angefangen (falsch!). Trümmerfrauen, Wirtschaftswunder, das Wunder von Bern, der millionste Käfer. Wer fleißig ist, der kommt voran. Damit lebt sich´s bequem, aber es formt sich keine politische Identität. Nach der Wiedervereinigung versuchte man´s denn auch mit unserer demokratischen Verfassung, dem Grundgesetz, zur Identitätsstiftung, aber nur auf intellektuellem, nicht auf emotionalem Niveau. Und so gibt es statt mythischer Großerzählungen in den letzten zwanzig Jahren bei uns nur noch kurzfristige Slogans von BILD-Redakteuren und Marketingstrategen: "Wir sind Papst." "Du bist Deutschland." In Frankreich, Polen, den USA.... sieht das ganz anders aus. Münkler stellt abschließend die Frage, wie lange eine Nation sich den Verzicht auf identitätsstiftende Mythen leisten kann.

Vorschlag: Da auch ein Dr. Faust zum Mythos avancieren konnte: Wie wäre es heute im Gegenzug mit einem matriarchalischen Mythos um die Venus von der Schwäbischen Alb, Frau Holle, die Percht und Sibylle von der Teck zusammen?

Zum Bestellen des Münklerschen Mythenwerks können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3871346071/holleland-21

(c) Rowohlt Berlin Verlag, 2009

Perschten-Stiftung: Frau Percht - Göttin im Exil?

Landeck, Steine-Gräber-KultplätzeUntertitel: Auf der Suche nach der Frau Percht - zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Rauhnachtsgedanken für das ganze Jahr
Autor: Ernst Weeber
Hardcover, 144 Seiten, mit 48 vierfarbigen und s/w-Abbildungen
€ 29,90

****o (4 von 5 Sternen)

Was in Hessen und Thüringen die Frau Holle, das ist in Bayern die Percht oder Perscht: die alte, große Muttergöttin, die in vielfältigen Verkleidungen und Deformierungen 4.000 Jahre Patriarchat inklusive Christentum überlebt hat. Dabei hat die Percht dämonischere Züge angenommen, Frau Holle eher bieder-hausfrauliche.

Allein schon die Tatsache, dass es überhaupt so etwas wie eine Perschten-Stiftung gibt, macht neugierig. Sie kooperiert mit dem Perschtenbund Soj, und mehr nachlesen können Sie unter www.perschten.de sowie www.perchten-kirchseon.de.

Der Autor des vorliegenden Titels ist ein Mann (Sozialarbeiter und Songpoet), Perchtenläufer waren früher ausschließlich Männer (heute sind auch Frauen dabei), und die dämonischste Percht, die "schiache Luz" (Lucia, Luzifera, Lichtbringerin) ein roh-autoritärer Kinderschreck. Weeber bemüht sich zwar redlich, Christentum und Perchtenglauben in Einklang zu bringen. Aber das geht natürlich an einigen Stellen des Buches schief. So stellt sich der Autor die Frage nach den "entfesselten dunklen Mächten", die nicht mit der Frau Percht, sondern eben mit ihrem Gegenteil, mit ihrer Verdrängung, zu tun haben: "Die den Planeten beherrschende zivilisierte menschliche Kultur bringt sich selbst in furchtbare Bedrängnis. Allerorten ist das, was wir heute Wachstum nennen, mit zerstörerischen Aspekten verbunden, mancherorts erweisen sich Menschen einander als Werwölfe und Teufel. Scharen von Wütenden, Heere von Verzweifelten gehen um." (S. 120). Umweltschutz und christliche Nächstenliebe sollen dagegen helfen! Dass es das Prinzip von Hierarchie und Herrschaft abzuschaffen gilt, vermag Weeber nicht zu erkennen, und so beißt sich die Katze in den Schwanz. Zu böser Letzt wird die Percht dann noch weiter erniedrigt - von der "heidnischen Dämonin" zur bloßen "Allegorie" einer neuen Welt.

Wenn wir jedoch einmal vom (teils penetranten) ideologischen Überbau absehen, ist "Frau Percht" ein ausgesprochen fakten- und kenntnisreiches Buch. Es schildert in acht Kapiteln mit vielen Fotos und teils alten, teils leider auch kitschig-neuen Zeichnungen (letztere von Rafael Gerlach aus Kirchseon verbrochen):
* Was man von der Frau Percht erzählt, also Sagen: Wie sieht sie denn aus, die Frau Percht?
* Was hat es mit der geisterhaften Einkehr, den Zwölfern, den Rauhnächten irgendwo zwischen der Wintersonnenwende am 21.12. und dem 6. Januar auf sich?
* Welchen Menschen bietet die Percht Heimat, und warum ist sie selbst heimatlos geworden?
* Was bedeutet das Wort Percht eigentlich? (Eine der geläufigsten Erklärungen: althochdeutsch peraht = leuchtend, glänzend, strahlend.)
* Was erzählen uns Mythen heute noch von der alten, vorpatriarchalen Welt?
* In welche Funktionen wurde im Patriarchat die Große Mutter aufgespalten? (Lichte Seite, Mutter, Jungfrau, Isis, Sophia, Maria versus dunkle Seite, Hexe, Lilith, Kali, Circe)
* Eigenschaften der Großen Mutter: Alles-gebend, todbringend, Regeneratrix, Spenderin von Erdfruchtbarkeit, Mutter der Toten....
* Wie kam es zum Untergang des Matriarchats in Europa (Kurganvölker, indoeuropäische Völkerwanderung)
* Von der parthenogenetischen Göttin zur Gottesbraut, -gattin, -tochter: Wer entzieht sich noch am ehesten? Königinnen des Himmels und der Erde. Inanna, Lilith, Ischtar, Astarte, Kybele, Rhea, Artemis, Isis. Dana, Morrigan, Macha, die Nornen, Freya/Frigg, Nerthus....
* Der nächste Grad des Patrismus: Der Allvater im Himmel und sein geopferter Sohn Jesus. Bonifatius fällt die Donareiche. Die Erde als Ort der Verbannung aus dem Paradies. "Frau Welt" regiert - angeblich. Aus der Großen Göttin werden Unsere liebe Frau Maria - und die "schiache Luz"
* Von Umziehenden, Unsichtbaren, Unheimlichen: Gibt es eine kontinuierliche Entwicklung von der umziehenden, einkehrenden, Kultur (Spinnen, Weben, Säen, Ernten) und Frieden erhaltenden Großen Göttin der Jungsteinzeit zur Percht? Wie stehen bei ihrer Version Frau Holle "Lichtes" und "Dunkles" zueinander? Weeber beschreibt sie in Anlehnung an Waschnitius (1914) wie folgt: "Sie ist nördlich von uns, im mitteldeutschen Gebiet, zuhause, allseits bekannt durch das gleichnamige Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm und eine ganz nahe Verwandte unserer Frau Percht. Das mag zunächst verwundern, denn die (wegen ihrer großen Zähne) etwas unheimliche, aber doch vornehme Frau Holle (...) zeigt wenig Ähnlichkeit mit unserer ruppigen Frau Percht. Die Ähnlichkeit tritt erst zutage, wenn man andere Erzählungen dazunimmt (...) Auch die Frau Holle ist zur Zeit der Rauhnächte mit einem Wagen unterwegs, braucht "Pannenhilfe" und gewährt den "Spanlohn". Auch sie nimmt ungetauft verstorbene Kinder zu sich und geht mit dem Wilden Heer um. Auch sie wird einmal als schöne, hehre, huldvolle Frau gesehen, ein andermal als hässliche und beängstigende Hexengestalt. Auch sie legt Wert auf einen geordneten Haushalt und das Einhalten der Feiertagsruhe in den Spinnstuben. Auch sie ist für die Fruchtbarkeit im neuen Vegetationszysklus zuständig. Sie wirkt "himmlisch", "die Erde umspannend": Wenn sie ihr Bett ausschüttelt, schneit es auf Erden. Im Ganzen gesehen steht die Frau Holle etwas freundlicher da als die Frau Percht. Offensichtlich, so vermutet Jakob Grimm, wurde sie von den christlichen Dogmatikern nicht ganz so gründlich herabgewürdigt. Das Wesen einer gnädigen, mütterlichen Gottheit ist bei ihr noch deutlicher erkennbar. Deutlicher auch wird Frau Holle mit dem Element des Wassers in Verbindung gebracht, mit Seen, Quellen, Brunnen. Wie in dem bekannten Grimm-Märchen gelangen Sterbliche, wenn überhaupt, durch einen Brunnen zu ihr, durch das unterirdische Wasser, durch den feuchten fruchtbaren Erdboden. (...) Worauf aber läßt sich der Name Holle zurückführen? Auch hier gibt es, wie bei der Percht, unterschiedliche Richtungen bei den Deutungsversuchen. Man kann den Namen zurückführen auf "hold" und "huldvoll", man kann ihn mit der Unterweltgöttin Hel in Verbindung bringen. Neben der Holle, Hulle oder Hulda gibt es aber auch die Holden, Holde, Hollen oder Hullen als Gattungsbegriff für dämonische Wesen, wie beispielsweise im Niederrheingebiet, wo die Holda nicht bekannt zu sein scheint, dafür aber neben den goyde holden, hulden auch witte, selige frouwen (weiße Frauen); es gibt "Wasserholde" (Nymphen) und "Unholde", und weiter nördlich, in Skandinavien, das Hulder- oder Huldrefolk." (S. 94f)
* Was ist am unsichtbaren Volk, den Huldren, Trollen, Nissen, Elfen und Zwergen so unheimlich?
* Wie kam die Vorstellung von Vegetations- und Seelendämonen auf? (Weeber ist hier leider unkritisch in seiner Begrifflichkeit.)
* Perchtenlauf als dionysischer Fruchtbarkeitsritus
* Den Frauen imponieren wollen: der dionysische Perchtenläufer
* Heischegänge
* Und schließlich: Frau Percht als anachronistische Keimträgerin für eine bessere Welt zyklischen Wandels, der Vielfalt und Gemächlichkeit.

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(c) Perschten-Stiftung, Kirchseon 2006

Überarbeitet am 11.12.2010

Rölleke: Die Märchen der Brüder Grimm


Anspruchsvolles Märchen-Sachbuch für Erwachsene
Autor: Heinz Rölleke
Untertitel: Eine Einführung
€ 4,00
117 S., o. Abb.

***** (5 von 5 Sternen)

Der Germanist Heinz Rölleke ist eine Kapazität auf dem Gebiet der Märchen und Sagen. Für seine Grimm- und Märchenforschung wurde er ausgezeichnet mit dem Hessischen Staatspreis, dem Großen Preis der Akademie für Kinder- ind Jugendliteratur sowie dem Brüder-Grimm-Preis der Universität Marburg.

Das vorliegende Reclam-Bändchen ist trotz aller Wissenschaftlichkeit sehr lesbar geschrieben - und wenn Sie es fertighaben, werden Sie die Märchen der Brüder Grimm mit anderen Augen ansehen. Wußten Sie z.B., dass die Zuträger zumeist hochgebildete Damen der Gesellschaft mit französisch-hugenottischem Hintergrund und nur selten Leute aus dem einfachen Volk waren? Dass sich viele der angeblich doch so deutschen Volksmärchen schon gut hundert Jahre früher bei den Franzosen Perrault und d´Aulnoy finden - oder gar schon 150 Jahre zuvor beim Italiener Basile? Oder wie stark Wilhelm Grimm die Märchen überarbeitet hat, um sie für das prüde 19. Jh. akzeptabler zu machen?

Dazu nur ein kleines Beispiel: Während in der Erstausgabe der Märchen 1812 Rapunzel die Fee fragt, warum ihr ihre Kleider wohl nicht mehr passen (klar, sie ist schwanger), fragt sie die - jetzt: - Zauberin 1819 stattdessen, warum diese denn soviel schwerer an den Haaren heraufzuziehen sei als der junge König (der zuvor noch ein Prinz war).

Empfehlung: Lesen!

(c) 2004 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart (aktualisierter und korrigierter Neudruck der 3. Aufl. bei Bouvier Bonn/Berlin 1992)
ISBN-13: 978-3-15-017650-4

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Schenk: Was ist Schamanentum?

Ethnologische Broschüre für Erwachsene
Autorin: Amélie Schenk
32 S., A5, vereinzelte s/w-Abb.
ca. 5 €

***** (5 von 5 Sternen)

Diese äußerst empfehlenswerte Broschüre gibt Erwachsenen ohne Vorkenntnisse einen guten Einstieg in die Frage, was Schamanen (in Sibirien, Amerika und anderswo) ausmacht, was ihnen über alle Kulturgrenzen hinweg gemeinsam ist. Der Einstieg gefällt mir besonders gut, und deshalb möchte ich ihn hier zitieren:

"Es gibt Menschen auf diesem Planeten - seit den Uranfängen unserer Geschichte -, die ein gespaltenes Leben führen und mit beiden Beinen nicht nur fest auf dem Boden dieser Welt stehen, sondern gleichzeitig tief in einer jenseitigen Welt verwurzelt sind. Wir kennen sie als Schamanen, Magier, Heiler, Medizinleute und Orakel. Den schönsten Namen aber, finde ich, der ihrem Wesen am ehesten entspricht, besitzen wir im Deutschen: Zauberer!" An anderer Stelle bezeichnet die Anthropologin Schenk sie auch noch als Psychotherapeuten.

Schenk beschreibt in ihrer leicht zu bewältigenden Broschüre die Weltsicht der Schamanen, ihre Berufung und Ausbildung, ihre Brücke zur Geisterwelt, aber auch westliche und Neoschamanen. Eines ist mir dabei sehr schnell klar geworden: Ich bin froh, dass ich keine Schamanenausbildung absolvieren mußte! Die Ausbildung ist brutal, und Versagern kann es - je nach Kultur - durchaus blühen, am Ende erwürgt zu werden, damit sie wenigstens einmal die Geisterwelt zu sehen bekommen.

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(c) 1996/2009, Alle Rechte bei der Autroin
Verlegt von Werner Pieper´s MedienXperimente, Löhrbach in der Reihe ReEducation, Der Grüne Zweit 192

Schwalb: Kinder fördern mit Märchen, Reimen und Geschichten

Schwalb: Kinder fördern mit Märchen, Reimen und GeschichtenUntertitel: Ganzheitliche Sprachförderung in der Kita
Autorin: Renate Schwalb
144 Seiten, Softcover, mit zahlreichen vierfarbigen Abbildungen
€ 16,95

***** (5 von 5 Sternen)

Renate Schwalb ist Lehrerin an der Fachschule für Sozialpädagogik in Allensbach-Hegne und dort in der Ausbildung von Erzieherinnen im Bereich Kinder- und Jugendliteratur tätig. Sie beschreibt, warum Kinder, die viele Märchen, Geschichten und Gedichte erzählt und vorgelesen bekommen, später einen größeren Wortschatz haben, weniger aggressiv und besser in der Schule sind. Anhand der Grimmschen Märchen „Die Bienenkönigin“ und „Der süße Brei“ zeigt sie, wie Kinder durch Märchen gefördert werden, warum Märchen Kinder stark machen, und wie sie als Mittler zwischen Kulturen fungieren können. Besonders spannend finde ich den Praxisteil. Hier gibt die Autorin Tipps zum Vorlesen aber auch zum freien Erzählen und zum Gestalten einer oder vieler Märchenstunden in der Kita. Das beginnt mit der Raumdeko. Anschließend werden die Kinder mit einem Ritual oder auch leibhaftig ins Märchenland geführt. Wichtig ist der Autorin, dass Märchen nicht für pädagogische Zwecke instrumentalisiert werden, sondern für sich stehen. Schließlich verlassen die Kinder das Märchenland so, wie sie es betreten haben, und das Tor zum Märchenland wird geschlossen, damit keine Hexen oder Kobolde durchschlüpfen können.

Und dann lebt das Märchen im Alltag der Kinder weiter, die sich kreativ mit ihm auseinandersetzen: malen, mit Ton arbeiten, Collagen, Rollenspiele, Theateraufführungen machen... Alles ist möglich. Wenn ich auch in winzigen Details nicht immer mit den Definitionen der Autorin d´accord bin: Insgesamt eine sehr gelungene Darstellung!

Im Bereich Kinderlyrik schließlich zitiert Schwalb ein Gedicht von Michael Ende, das sich aus dem Märchen von Hänsel und Gretel einen Spass macht. Es ist nicht nur ein sehr kurzes Märchen (so der Titel), sondern gar das kürzeste, das ich kenne, zu singen nach dem bekannten Kinderlied: „Hänsel und Knödel, die gingen in den Wald. Nach längerem Getrödel rief Hänsel plötzlich „Halt“. Ihr alle kennt die Fabel, des Schicksals dunklen Lauf: Der Hänsel nahm die Gabel und aß den Knödel auf.“ Klasse!(aus: „Die Schattennähmaschine“ © 1982 Thienemann, Stuttgart, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3522127900/holleland-21)

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© 2010 Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau

Thuja: Dem Einhorn auf der Spur

Thuja: Dem Einhorn auf der SpurUntertitel: Zur Kulturgeschichte eines Mythos
Autorin: Aleke Thuja
Chiva OHG, Kiel 1984 (in anderer Aufmachung auch bei DroemerKnaur erschienen)
128 Seiten
nur gebraucht erhältlich, ab ca. € 0,63

***oo (3 von 5 Sternen)

„Es ist der Wissenschaft bis heute nicht gelungen, einen Beweis für die Nichtexistenz des Einhorns zu erbringen.“ Wenn Sie sich auf dieses augenzwinkernde Statement der Autorin einlassen können, dann erwartet Sie ein humorvolles kleines Sachbüchlein mit einem schönen Fundus an schwarzweißen Abbildungen. Vergnüglich zu lesen, und ein wenig schlauer sind Sie danach auf jeden Fall: Einhörner können Sie auf der ganzen Welt entdecken, selbst in China, und so unähnlich sehen die außereuropäischen den europäischen Einhörnern gar nicht einmal!

Das Buch informiert sie über die Eigenschaften des Fabelwesens (es kann über Wasser und Land schreiten), zeigt seine Spuren in den Weltreligionen auf, berichtet von Leuten, die es leibhaftig gesehen haben wollen, erzählt, was sich mit dem Horn so alles anstellen lässt und endet mit der Frage: Glaubst du, das heute sei eine gute Zeit für Einhörner? Aber ist nicht immer eine gute Zeit für Paradiesgärten? Und dass das Einhorn ein Bestandteil des Paradieses ist, steht doch wohl außer Frage!

Den Punktabzug gibt es lediglich dafür, dass es sich eben doch um ein Sach- und kein Fachbuch handelt.

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Artikel erstellt am 15.1.2011

Timm: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten

Timm: Frau Holle, Frau Percht und verwandte Gestalten
Fachbuch
Autorin: Erika Timm, unter Mitarbeit von Gustav Adolf Beckmann
Untertitel: 160 Jahre nach Jacob Grimm aus germanistischer Sicht betrachtet
372 S. o. Abb., kartoniert
€ 54,00

***** (5 von 5 Sternen)

Wenn Sie wissen wollen, wie alt der Glaube an Frau Holle bzw. die Percht wirklich ist - und zwar wissenschaftlich nachgewiesen! - dann sind Sie mit diesem Buch bestens bedient. Erika Timm hat 25 Jahre lang Belege dafür gesammelt, dass die Frau Holle Gestalt nicht erst im 16. Jahrhundert auftauchte, sondern weit älter ist. Sie pflichtet Heide Göttner-Abendroth und den Brüdern Grimm inhaltlich bei, dass es sich bei Frau Holle um eine vorchristliche Göttin handelt, wenn sie auch Göttner-Abendroths Methode (bloße Interpretation des Grimmschen Märchens) nicht gutheißt. Ist Frau Holle nun einfach die germanische Freya / Frija / Frigg oder gar die Große Muttergöttin? Urteilen Sie selbst! Erika Timm ist sich darüber im Klaren, dass sie sich mit ihrer streng germanistisch-wissenschaftlichen Arbeit zwischen alle Stühle setzt: Der zünftigen deutschen Volkskunde passt ihre Grundorientierung nicht, den Feministinnen der Göttner-Abendrothschen Richtung ihre Methode und ausländischen GermanstInnen eventuell einige ihrer Einzelentscheidungen. Fazit: ein hochgradig spannendes Buch. Aber Achtung: nichts für die LiebhaberInnen einfach zu konsumierender Sachbücher -- dies hier ist schwere Fachkost.

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http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3777612308/holleland-21

(c) S. Hirzel Verlag Stuttgart 2003

Spiele

Deutsche Märchen Spielkarten

Untertitel: Auf den Spuren der Brüder Grimm
Herausgeber: Deutsche Märchenstraße
Illustrationen: Markus Lefrançois, Seligenstadt
Skatspiel mit 55 Karten
€ 6,95

*****/o (4,5 von 5 Sternen)

Der Untertitel "auf den Spuren der Brüder Grimm" ist etwas irreführend: Hat der Kasseler Herkules nicht mehr mit der griechischen Sage denn mit einem deutschen Märchen zu tun? Und gab es das Marionettentheater "Die Holzköppe" in Steinau an der Straße schon zu Grimms Zeiten? Die Antwort ist Nein, denn der Gründer wurde erst 1900 in Kassel geboren. Ferner haben die Brüder nachweislich nicht all die Orte besucht, die in diesem Skatspiel aufgeführt wurden - dafür waren sie in Paris, Wien (der Kongress tanzt), Frankfurt (Paulskirche), Weimar und Berlin, welche wiederum nicht abgebildet sind. Eines haben alle Orte jedoch gemeinsam: Sie liegen an der Deutschen Märchenstraße, und diese Interessengemeinschaft ist nun einmal der märchenhafte Herausgeber.

Aber dann sind sie doch da, die Brüder-Grimm-Denkmäler aus Kassel und Hanau als zwei der Joker im flächenhaften Stil Lefrançois´ und die Märchenfrau Dorothea Viehmann aus der Knallhütte in Baunatal als dritter Joker, 37 Märchen hat sie den Grimms erzählt.
Und keine Sorge: Auch die Märchen selbst kommen nicht zu kurz - Schneewittchen an der Oberweser ist das Herz-Ass, Dornröschen auf der Sababurg die Herzdame, Frau Holle für Hessisch-Lichtenau die Kreuzdame, das Rumpelstilzchen aus dem Heilbad Heiligenstadt Karo Neun, Tischlein-deck-dich auf Burg Hanstein die Pik Vier usw. usf.

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(c) 2004 Heritage Playing Card Company Ltd., Belgien

Im Märchenwald (Kartenspiel)


Märchen-Spiel für Kinder ab 5 Jahren
Autor: Markus Nikisch
€ 7,00

***** (5 von 5 Sternen)

In diesem schön gezeichneten Spiel versuchen 1-8 Kinder (und Erwachsene!) gemeinsam, die Prinzessin zu retten, in dem sie sieben Zaubergegenstände finden und zu ihr ins Schloss bringen. Ihre Widersacher sind Hexen, Raben und die sieben Zwerge. Hier sind Kooperation und vor allem ein gutes Gedächtnis gefragt - es handelt sich um ein Memory unter verschärften Bedingungen.

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(c) Adlung Spiele, Remseck 2000

Lego 7870: Andersen Märchen

Spiel für Kinder ab 5 Jahren
Autor: die Firma Lego
ab ca. 39 €

***** (5 von 5 Sternen)

Die dänische Firma Lego hat sich zu diesem Modellbau-Eimer von den Märchen des Dänen Hans Christian Andersen inspirieren lassen.

In einem der typischen Plastikeimer - hier in orange - (in meiner Kindheit waren sie noch aus Holz, seufz!) finden Sie eine unendliche Menge von Kleinteilen, incl. Krönchen und Schwert, sowie Bauanleitungen. Damit können z.B. die Märchen vom hässlichen Entlein, der Prinzessin auf der Erbse und viele andere mehr nachgebaut werden. Aber Achtung, Lego meint es ernst mit der Altersangabe: Für Kinder unter 5 Jahren ist die Anleitung deutlich zu kompliziert, mit dem Erfolg, dass dann hauptsächlich die Eltern bauen müssen. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse auch für jüngere Kinder spannend!
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Märchenlotto "Contes de fées"

Märchenspiel für Kinder ab 4 Jahren
Pappkarton 160 g mit 12 Märchentafeln, 48 beweglichen Teilen (Arme, Köpfe etc.) und den Zahlen von 1-48. Spielanleitung auf Deutsch, Französisch und Englisch!
€ 15,--

****o (4 von 5 Sternen)

Für dieses Märchenlotto muss Ihr Kind die Zahlen beherrschen. Auf 12 Tafeln zeigt es in Bildern aus der Zeit um 1900 verschiedene Perraultsche Märchen - die größtenteils Eingang in die Grimmsche Märchenwelt gefunden haben, also auch deutschen Kindern vertraut sind: Der gestiefelte Kater (den die Grimms später aus ihrer Sammlung gestrichen haben), Dornröschen, Rotkäppchen, Eselshaut (hat Ähnlichkeiten mit Tischlein-deck-Dich), Blaubart, Der kleine Däumling, Aschenputtel, Die Feen, Riquet à la houppe. Das ganze ist sehr liebevoll gestaltet und macht Kindern und Erwachsenen großen Spass. Achtung: Beim Auseinandertrennen der Zahlen müssen Sie sehr vorsichtig sein, damit sie nicht einreißen!

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http://www.lestresorsdagui.com/p209.html oder via Amazon Frankreich: http://www.amazon.fr/exec/obidos/ASIN/B00008D8K9/holleland-21

ISBN 3660341075159
(c) 2000 Dagobert jeux et jouets, 5 bd de Ménilmontant, 75011 Paris, Frankreich

Sagaland

SagalandWürfelspiel für 2-6 Spieler ab 5 Jahren
Autoren: Alex Randolph und Michel Matschoss
Material: Karton/Papier, Holzfiguren, Holzwürfel und 13 Bäume, die leider aus Plastik sind
Spieldauer: ca. 60 Min
Spielmotivation: Strategie, Gedächtnis
Spiel des Jahres 1982 (Kritikerpreis)
€ 19,99

****o (4 von 5 Sternen)

Das Spiel wird von Ravensburger erst ab 6 Jahren empfohlen, aber meine Tochter spielt es auch mit 5 schon gerne. Hier die Geschichte: Es war einmal ein König, der lebte in einem prächtigen Schloss hoch über dem Wald von Sagaland. Seine Untertanen hätten sich einen besseren König nicht vorstellen können, so weise und gütig führte er sein Zepter. Viele Jahre gingen ins Land, und der König fühlte, dass er alt wurde. Er begann sich zu sorgen, wer wohl nach ihm regieren sollte, denn er hatte keine Kinder. Oft aber hatte er von wunderbaren und seltsamen Dingen gehört, die im Wald von Sagaland unter den Bäumen verborgen seien. Er beschloss deshalb, diese erstaunlichen Dinge suchen zu lassen, damit jederman sie auf seinem Schloss sehen und sich darüber wundern könnte. Als der König diesen Plan gefasst hatte, ließ er überall verkünden, derjenige solle seinE NachfolgerIn werden, der oder die ihn als ErsteR zu dreien dieser wunderbaren Dinge führen könne. Die SpielerInnen machen sich also im Wald von Sagaland auf die Suche nach den Dingen, die der König haben möchte, und eilen dann aufs Schloss, um dem König die Fundorte mitzuteilen. Dabei müssen sie nicht nur des Königs Fragen richtig beantworten, sondern sich auch der Angriffe ihrer MitspielerInnen erfolgreich erwehren. Auch Zauberei ist im Spiel.

Und dies sind die wunderbaren Dinge, die gesucht werden:
* die Spindel von Dornröschen
* die schneienden Federbetten der Frau Holle
* die großen Stiefel des gestiefelten Katers
* der Gürtel des tapferen Schneiderleins
* einer von den Sterntalern
* ein Lebkuchen vom Hexenhäuschen, zu dem Hänsel und Gretel kamen
* das Feuer, um das Rumpelstilzchen tanzt
* eine Zwergenmütze aus „Schneewittchen“
* der Wolf aus „Rotkäppchen“
* die goldene Kugel, die der Froschkönig für die Prinzessin aus dem Brunnen holt
* der Turm, von dem Rapunzel ihr Haar herunterlässt
* einer der Ballschuhe von Aschenputtel
* die Krone des Kaisers mit den neuen Kleidern

Wenn das nicht märchenhaft ist! Einen Stern Abzug gibt es lediglich für die Plastikbäumchen und den Zeichenstil, der mich nicht sehr anspricht.

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© 1994/2006 Ravensburger Spieleverlag GmbH

Schreiber-Bogen „Hänsel und Gretel“

Schreiber-Bogen „Hänsel und Gretel“Modellbau für Kinder

€ 3,62

***** (5 von 5 Sternen)

Am Neckar zwischen Weinbergen liegt die ehemalige Reichsstadt Esslingen mit ihren vielen romantischen Fachwerkhäusern, und am Rande der historischen Altstadt residiert im Salemer Pfleghof das J.F.Schreiber-Museum. Märchenhaft mutet die Geschichte des Jakob Ferdinand Schreiber an: ein Waisenhauskind ist er, das außer einer guten Ausbildung als Lithograph und 44 Steinplatten nichts vorzuweisen hat, als er mit 22 Jahren nach Esslingen kommt. Aber die Steinplatten haben es in sich, und der junge Schreiber offenbar auch: Er heiratet eine reiche Frau, Marie Karoline König, und gründet mit seinen Steindrucken einen Verlag für religiöse Bildchen, Schultafeln, Papiertheater, Bilder-, Pop-up-Bücher und eben die später in ganz Deutschland berühmten Kartonmodellbögen. Das Schreiber-Museum ist ein Traum für alle Kinder. Am letzten Mittwoch jeden Monats können sie hier verschiedene Papierbasteltechniken erlernen, und auch Kindergeburtstage werden regelmäßig im Museum gefeiert. Neben den hochkomplizierten Modellbögen für wahre Papierkünstler gibt es auch eine Reihe etwas einfacherer Märchenbögen, z.B.:
* Hänsel und Gretel, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3480724906/holleland-21, € 3,62, L23xB9xH21 cm, 1,5 Bögen. Schwierigkeitsgrad 0 – was aber heißt, dass die Eltern ihrer fünfjährigen Tochter noch gewaltig helfen müssen!
* Aschenputtel, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3480724892/holleland-21, € 3,62, mit ähnlichen Maßen und ebenfalls 1,5 Bögen
* Rotkäppchen, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3870296208/holleland-21, € 3,62, mit ähnlichen Maßen und ebenfalls 1,5 Bögen
* Bremer Stadtmusikanten, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3480725945/holleland-21, € 3,62, 23x12x cm, 2 Bögen
* Drache, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3480723721/holleland-21, € 6,12, Länge 400 mm, 2 Bastelbögen, es wird für den Drachen – im Gegensatz zu den vorhergehenden Bögen! - keine Schere benötigt, da alle Teile vorgestanzt sind.

Bei Amazon und im Museum sind noch viele weitere Bögen und Bücher erhältlich. Anschrift: J.F. Schreiber-Museum, Untere Beutau 8-10, 73728 Esslingen, T 0711/3512-3309. Di-Sa 14-18 Uhr, So- und Feiertag 11-18 Uhr.