Märchen- und Mythenbücher allg.

Paetow: Frau Holle

Untertitel: Volksmärchen und Sagen
Autor: Karl Paetow
© 1986 Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum
Taschenbuch, 144 S., mit zahlreichen s/w-Abbildungen
€ 6,95
***** (5 von 5 Sternen)

Der Sagen- und Märchenexperte Paetow hat hier einen Großteil der bekannten Sagen und Märchen rund um Frau Holle zusammengestellt. Umschlagtext: „Frau Holle, auch Berchta, Frau Gode, Frau Herke und anders genannt, ist als unsere bedeutendste volksmythologische Gestalt in Sagen, Märchen und Brauchtümern überliefert. Als Vertreterin des Mutterrechts wacht sie über häusliche Ordnung und Liebestreue. Bekannt ist Frau Holle vor allem aus dem Märchen der Brüder Grimm, es rankt sich um sie aber auch ein üppiger Sagenkranz, dessen Heimat der Meißner ist, der „König der hessischen Berge“. (....Hier) können wir Frau Holle in vielerlei Gestalt begegnen, als „weißer Frau“ oder als „spinnegrauem Mütterlein“, das in hohlen Baumstrunk sitzt, um nur zwei zu nennen." Schade nur, dass Paetow im Nachwort zwar die mutterrechtlichen Verhältnisse der Vorzeit erwähnt, sich aber sonst fast ausschließlich auf patriarchalische Germanen und das nicht minder patriarchalische Atharvaveda der Hinduisten bezieht.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880423318/holleland-21

Erstellt am 20.1.2012

MärchenZauber

Untertitel: Märchen, Land & Leute neu erleben!
Märchenzeitschrift
ISSN 2191-401X
Hier: Frühjahr Nr. 2/2011
€ 4,80 pro Ausgabe
Geplant sind 4 Ausgaben pro Jahr zum Abopreis von 19 €
98 S., 4c
Herausgeber und Verlag: Gredé-Verlag, Gesellschaft für Verlags- und Regionalentwicklungen, 37290 Meißner
www.mzauber.de

***oo (3 von 5 Sternen)

Nach einer ersten Ausgabe im Jahr 2010 liegt hier die zweite Ausgabe einer noch jungen Pflanze im deutschen Märchenwald vor, deren Ziel, der Verlagsname verrät es, die Regionalentwicklung des Werra-Meißner-Kreises in Nordhessen ist.

Frau Gredé und ihren Mitarbeitern ist es gelungen, viele Anzeigenkunden und Sponsoren für sein Projekt zu gewinnen, von der ARD über diverse Tourismusorganisationen Hessen bis hin zu einigen kleinen Familienunternehmen.

Herausgekommen ist ein auf den ersten Blick schön bebildertes und ansprechend gestaltetes Heft.

Spang: Frau Schächtele will oben bleiben

Spang: Frau Schächtele will oben bleibenKategorie: demokratische Märchen für Kinder
Autorin: Monika Spang
Illustrationen: Kostas Koufogiorgos
€ 6,95
32 Seiten, gebunden, 15,4x12,4x1,2 cm
Mit vielen 4farbigen Illustrationen

***oo (3 von 5 Sternen)

Frau Schächtele ist zwar eine alte Schachtel, aber sehr rege. Sie wohnt in einem kleinen Häuschen am Bürgerpark im Städtle im Ländle, als eines Tages König Mappus beschließt, die Wohnungen der dort Wohnenden unter die Erde zu verlegen: Er braucht Platz für einen neuen Palast. Das kann nicht sein, das darf nicht sein, also fangen Frau Schächtele und die anderen Bürger an, gegen den Beschluss zu demonstrieren. Die Polizei reagiert wie aus Stuttgart bekannt, Ereignisse vom 30. September 2010 inklusive. Auch Freiherr von Geißel tritt auf, redet mit allen und verkündet am Ende: Die unterirdischen Wohnungen müssen schöner werden, basta! Am Ende aber, da zwingen die Bürgerinnen und Bürger König Moppel, das Ländle zu verlassen und wählen sich eine neue Königin: Frau Schächtele.

Heine: Deutschland – Ein Wintermärchen

Heine: Deutschland – Ein WintermärchenKategorie: Demokratische Märchen
Autor: Heinrich Heine
Taschenbuch, 130 Seiten
€ 6,--

***** (5 von 5 Sternen)

Wie gefährlich Märchen den Mächtigen sein können, erkannten die deutschen Zensoren 1844 sofort, als sie das soeben erschienene Wintermärchen Heines in Händen hielten – und verboten es umgehend. Unterfing sich doch hier ein vor eben dieser Zensur und in Preußen drohender Verhaftung nach Paris emigrierter Schriftsteller, ein getaufter Jude gar, geistreich alles zu verspotten, was den deutschen Spießern und Herrschern gut und heilig war. Das hat heute noch genauso viel Brisanz wie im 19. Jahrhundert, denn, seien wir ehrlich, die Zahl der Spießer und Herrschenden hat schier gar nicht abgenommen, und die Wahl der Mittel sich kaum geändert: Öffentliches Infragestellen von geheimen Beschlüssen ist nach wie vor unerwünscht, und Untertanengeist wird statt mit Festungshaft mit Wasserwerfern einzementiert, siehe die Auseinandersetzungen um Stuttgart 21.

Was also tat der Emigrant Heine? Er sehnte sich so schrecklich nach Deutschland, dass er dorthin reiste (wobei er preußischen Boden sorgfältig vermied). Sein Büchlein schildert im volksliedhaften Versmaß der Vagantenstrophe, wie er im November 1843 bei Aachen die Grenze übertritt und per Postkutsche nach Hamburg fährt. Wie der Riese Antaios kommt er sich dabei vor, dem durch Berühren der Mutter Erde endlich wieder neue Kräfte erwachsen. Doch was muss er erleben? Alles ist grau in grau, die Wege könnte nicht matschiger und scheußlicher sein, das katholische Köln nicht klerikaler, die Menschen nicht militärisch-gedrillter, die Festungsstädtchen nicht bedrückender. Und dabei könnte doch alles ganz anders sein:

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Jedoch sein geliebtes Deutschland singt immer noch das Eiapopeia vom Himmel, und als Heine durch das Münsterland fährt, so denkt er an seine alte Amme, die ihm viele, sehr viele Märchen und Sagen erzählte, und davon wiederum erzählt das 14. Kapitel seines Büchleins:

Kübler: Die Mondstein Märchen

Kübler: Die Mondstein MärchenUntertitel: Ein Märchenbuch nicht nur für Erwachsene
Widmung: Für alle, die noch um die Macht der Märchen wissen
Autor: Roland Kübler
94 S., mit vielen einfarbigen Illustrationen von Claudia Layer und Manfred Häusler
€ 14,80

***oo (3 von 5 Sternen)

Dieses Buch ist beliebt: Bei Amazon steht es auf Rang 27 bei „Märchen, Sagen und Legenden“, und laut Pressemappe des Stendel-Verlags hat es sich 332.000mal verkauft, ist in diverse Sprachen übersetzt und wurde 1993 mit dem Deutschen Märchenpreis für das schönste Märchenbuch ausgezeichnet. Wer diesen Preis nach welchen Kriterien vergibt, konnte ich leider nicht eruieren.

Zugegeben, das Büchlein ist spannend. Und die politische Botschaft: „Sei mutig, hilfsbereit und erwehre dich der dich unterdrückenden Herrscher – es geht!“ gefällt mir natürlich auch, zumal sie wunderbar in die momentanen Auseinandersetzungen um „Stuttgart 21“ passt. Fast könnte man es als Rezeptbuch lesen zum Thema „wie mache ich eine gewaltfreie Revolution“.

Aber muss die Moral gleich mit der esoterischen Keule geschwungen werden? Roland Kübler, Jahrgang 1953, war Lehrer, bevor er sich als Schriftsteller und Organisator der Fellbacher Märchentage selbständig machte, und diesen pädagogisch erhobenen Zeigefinger merkt man seinen Märchen an.

Und sind es denn überhaupt Märchen? Kennen Sie ein Märchen, indem tatsächlich Gier, Neid, Zorn und Hass quasi-personifiziert als See, Sumpf, Abgrund, Mauer auftreten, mit einem Etikett versehen, damit auch der dümmste Schüler begreift, dass er hier eine der sieben Todsünden vor sich hat? Der Teufel bei Grimm mag zwar dumm sein, aber kennen Sie ein Märchen dass z.B. „Der Bauer und die Dummheit“ hieße? Allegorien, die passen eher in die Religion und in die Politik (siehe Delacroix´s Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“). Und so sind Küblers Märchen, obwohl sie mit Feen, Einhörnern und Zauberern nur so um sich schmeißen, denn auch eher religiös-politische Erbauungsliteratur denn wirkliche Märchen. Die sind feinsinniger.

Calvino: Die Braut, die von Luft lebte

Calvino: Die Braut, die von Luft lebteUntertitel: ...und andere italienische Märchen
Gesammelt und nacherzählt von Italo Calvino
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber
Mit einer Einführung von Paul-Wolfgang Wührl
Vignetten von Susanne Janssen
Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
Verlag: Carl Hanser; Auflage: 2 (1. Januar 1993)
Sprache: Deutsch
€ 24,90

****o (4 von 5 Sternen)

In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat Italo Calvino aus allen Regionen Italiens Geschichten zusammengetragen. Auf diese Weise ist eine Märchensammlung, vergleichbar mit den deutschen Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, entstanden. Calvino hat viele der Märchen erstmals aus dem Dialekt übertragen und erzählt nun diese neu entdeckten Geschichten mit Witz und voller Fabulierfreude nach. Der italienische Grimm wurde 1923 in Santiago de las Vegas/Kuba geboren und wuchs in San Remo auf und kämpfte im Zweiten Weltkrieg als Partisan gegen die Deutschen. Nach seinem Studium der Agrarwissenschaften, Philosophie und Literatur war er einige Jahre als Lektor bei dem italienischen Verlag Einaudi beschäftigt, in dessen Auftrag die vorliegenden Märchen gesammelt wurden.

Früh: Märchen von Hexen und weisen Frauen

Aulnoy: Die weisse KatzeSerie: Märchen der Welt
Herausgeberin: Sigrid Früh
Fischer Taschenbuch, 154 Seiten, o. Abb.
Gebraucht ab 1,08 €

***** (5 von 5 Sternen)

Die Germanistin und Volkskundlerin Sigrid Früh hat sich schon in den 80er Jahren mit der Frage beschäftigt, was für Frauengestalten in Volksmärchen auftreten. Im vorliegenden Band sind Hexen und weise Frauen unter drei Aspekten dargestellt: als Vernichtenden und Bedrohende, als Helfende und Heilkundige sowie als mythische Gestalten. Die Märchen stammen aus Estland, Italien, Frankreich, Groß Britannien, Deutschland, Flandern, Island und Russland und werden von Sigrid Früh im Nachwort ausführlich kommentiert. Der erste, einseitig bedrohliche Aspekt zeigt dabei das Bild, das durch die Hexenverfolgung mit ihrer Verteufelung der Muttergottheiten und ihrer Priesterinnen am stärksten im Gedächtnis der EuropäerInnen haften blieb. Am spannendsten ist für mich der Abschnitt über die mythischen Gestalten: Zu meiner großen Überraschung taucht hier die Sibylle von der Teck wieder auf,

Hoffmann: Der goldene Topf

Hoffmann: Der goldene TopfUntertitel: Ein Märchen aus der neuen Zeit
Autor: E.T.A. Hoffmann
entstanden 1814 und erstmals veröffentlicht in den "Fantasiestücken in Callots Manier"
142 Seiten
mit einem Nachwort von Konrad Nussbächer
ab ca. € 1,99 (als Reclam-Titel bei Amazon antiquarisch erhältlich)

***** (5 von 5 Sternen)

Ich gestehe, ich war schon immer ein Fan von E.T.A. Hoffmann, auch wenn natürlich vom feministischen Standpunkt so einiges gegen ihn einzuwenden wäre. Aber da ist etwas, das ihn deutlich unterscheidet von den vielen verquasten Romantikern seiner Zeit: dass er sich nicht geflüchtet hat in mittelalterlichen Katholizismus, und dass er seine biedermeierlichen, spießigen ZeitgenossInnen schlicht nicht ertragen hat. Mit Ironie versuchte er sich ihrer zu erwehren, und: sie in Alkohol zu ertränken. Ein genialer Mensch, der an den Konrektoren und Registratoren um sich herum schier verzweifelte. Und so lesen sich denn auch seine Märchen – und er hat deren viele geschrieben! – ganz anders als z.B. die seines Zeitgenossen Tieck. Sie spielen, wie auch der Untertitel des goldenen Topfes verrät, nicht in einer nebulösen Vergangenheit, sondern in der Hoffmannschen Gegenwart:

Dem verträumten Studenten Anselmus geht in Dresden am Himmelfahrtstag alles schief: Er stolpert über den Apfelkorb einer Marktfrau, und statt nun sein weniges Geld in ein Bier investieren zu können, muss er ihr den Schaden bezahlen. Er flüchtet sich an die Elbe, und dort, in einem Holunderbaum, begegnet er ihr, der Schlange Serpentina, die so wunderbare blaue Augen hat, dass er sich gleich in sie verguckt. Sie ist die Tochter des Archivarius Lindhorst, der in Wirklichkeit ein Feuersalamander ist, und alles könnte ganz wunderbar und einfach sein, wäre da nicht der Konrektor Paulmann, dessen Tochter Veronika ebenfalls ganz hübsche blaue Augen hat, und die sich an der Seite des Anselmus so von ganzem Herzen eine bürgerliche Ehe erträumt, wenn er denn erst einmal Hofrat geworden ist.

Tieck: Märchen aus dem „Phantasus“

Tieck: Märchen aus dem „Phantasus“Autor: Ludwig Tieck
400 Seiten
€ 8,60

****o (4 von 5 Sternen)

Mein eigenes Tiecksches Reclam-Heftchen (Nr. 7732, Stuttgart 1980) umfasst nur 79 Seiten und die Märchen „Der blonde Eckbert“ (entstanden 1797), „Der Runenberg“ und „Die Elfen“, zusammen mit einem Nachwort von Konrad Nußbächer. Es ist zur Zeit nicht lieferbar. Das hier abgebildete Reclam-Heft enthält außerdem noch „Der getreue Eckart und der Tannenhäuser“, „Liebeszauber“, „Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence“ und „Der Pokal“.

Ein Meisterwerk der Frühromantik, heißt es im Nachwort, sei der blonde Eckbert, dem 1802 der Runenberg und später die Elfen folgten. Anders als die meisten Volksmärchen sind diese Kunstmärchen gruselromantisch, oder, wie Nußbächer etwas schwülstig schreibt: „In diesen Märchen leben der Schauer magischer Mächte, der „Nachtseiten“ in Natur und Menschenseele, des traumhaften Verlorenseins an dieses Reich des Unbewußten und der Wunder, das bald in holder Lieblichkeit, stärker noch in dämonischem Grauen durchbricht. Vom Volksmärchen sind sie trotz schlichten Erzählstils und verwandter Motive durch ihren Ausdruck gefährdeter Seelenlage unterschieden, sie entstammen nicht mythischer Geborgenheit.“ (S. 76 in meiner Ausgabe).

Was sind das für Nachtseiten, mit denen Tieck ebenso wie die meisten anderen Romantiker nicht klar kam? Lassen wir ihn selbst sprechen (Runenberg, S. 32ff): „Plötzlich sah er ein Licht, das sich hinter dem alten Gemäuer zu bewegen schien. Er sah dem Scheine nach und entdeckte, dass er in einen alten geräumigen Saal blicken konnte, der wunderlich verziert von mancherlei Gesteinen und Kristallen in vielfältigen Schimmern funkelte, die sich geheimnisvoll von dem wandelnden Lichte durcheinander bewegten, welches eine große weibliche Gestalt trug, die sinnend im Gemache auf und nieder ging. Sie schien nicht den Sterblichen anzugehören, so groß, so mächtig waren ihre Glieder, so streng ihr Gesicht, aber doch dünkte dem entzückten Jünglinge, dass er noch niemals solche Schönheit gesehn oder geahndet habe.

Ruland: Das Geheimnis der Rauhnächte

Ruland: Das Geheimnis der RauhnächteMeditationsführer
Untertitel: Ein Wegweiser durch die zwölf heiligen Nächte
Autorin: Jeanne Ruland
Taschenbuch, 96 Seiten, mit vielen vierfarbigen Abbildungen
16,4 x 11,6 x 0,8 cm
€ 6,95

****o (4 von 5 Sternen)

Wenn Sie bereit sind, die Wissenschaft einmal beiseite zu lassen und sich auf Meditation und Religiöses einzulassen, dann ist dieses Büchlein optimal: Klein und handlich gibt es eine kurze Einführung in die Rauhnächte und das Brauchtum an den Tagen zwischen dem 21.12. und dem 6.1. (Frau-Holle-Tag!) eines Jahres, stellt dann aber - meist auf Doppelseiten - jeden Tag unter ein besonderes Thema. Es animiert zum Nachdenken über das, was schlecht gelaufen ist im vergangenen Jahr und was man im folgenden Jahr besser machen könnte – unter Themen wie Freundschaften, Familie, aber auch Tod.

Dumas: Geschichte eines Nußknackers

Autor: Alexandre Dumas père
Illustrator: Bertall
Herausgegeben und bearbeitet von Josef Heinzelmann,
Taschenbuch, 189 Seiten
nur antiquarisch erhältlich, ab 6 €

****o (4 von 5 Sternen)

Wer kennt nicht das Ballett Tschaikowskys von Nussknacker und Mäusekönig? Hier finden Sie nun in deutscher Übersetzung Tschaikowskys Quelle, Alexandre Dumas. Sie wissen schon: Die drei Musketiere, Der Graf von Montechristo. Und wer war Dumas´ Quelle? Der Deutsche E.T.A. Hoffmann. Dumas erzählt die Geschichte der kleinen Marie, welche zu Weihnachten einen Nussknacker geschenkt bekommt. Der Nussknacker wird in der Nacht höchst lebendig und bekämpft mit Maries Hilfe den siebenköpfigen Mäusekönig: In Wirklichkeit ist er der verzauberte Neffe des Paten Drosselmayer, der zum guten Ende das Kind Marie heiratet:

„Nach einem Jahr kam der Bräutigam, um seine Braut in einem kleinen Wagen von Perlmutt abzuholen, der mit Gold und Silber ausgelegt war und von Pferden gezogen wurde, die nicht größer waren als Schafe, aber unschätzbar, weil es keine ähnlichen in der Welt gab, und er brachte sie in den Marzipanpalast, wo

Bull (Hg.): Sagenhafte Weihnacht

Bull: Sagenhafte Weihnacht
Untertitel: Wintergeschichten und Weihnachtsbräuche aus längst vergangenen Zeiten
Herausgeberin: Gudrun Bull
Taschenbuch, 174 S., mit 21 schwarzweißen Abbildungen aus der Zeit zwischen 1707 - 1910
€ 7,90

****o (4 von 5 Sternen)

Gudrun Bell hat in diesem Band 70 sagenhafte Geschichten und Überlieferungen zusammengestellt. Viele davon sind christlich, eine ganze Reihe weist aber auch auf vorchristliche Zusammenhänge hin. Da wird vom hilfreichen kleinen Volk erzählt, von den Zwölften, der eisernen Bertha, davon, dass die Tiere in der Neujahrsnacht reden können, aber auch von der fliegenden Frau. Diese Sage will ich hier wiedergeben:

Bevor das Christentum sich über das nördliche Deutschland verbreitete, da war es die gute Frau Hare (oder Harke, Hertha), welche den Menschen alles, was sie brauchten, gewährte. Zwölf Nächte nach dem kürzesten Tag flog sie über das waldige, schneebedeckte Land, und wo sie in den Häusern fleißige und geschickte Arbeiter fand, da zog sie ein durch irgendeine Öffnung und segnete die Wohnung mit Glück und Freude für das nächste Jahr; wo sie aber Unreinlichkeit und Versäumnis sah, da bestrafte sie die Nachlässigen.

Früh: Rauhnächte

Früh: RauhnächteUntertitel: Märchen, Brauchtum, Aberglaube
Autorin/Herausgeberin: Sigrid Früh
Taschenbuch, 98 Seiten
mit vielen kleinen schwarzweiß-Abbildungen
12,80 €

****o (4 von 5 Sternen)

Die zwölf Rauhnächte, das sind die Tage vom 25.12. bis zum 6.1. - vor der Christianisierung bei uns die heiligste Zeit des Jahres: Die Wintersonnenwende am 21.12. ist überstanden, das Licht kommt zurück, gleichzeitig toben Stürme übers Land, die wilde Jagd braust einher und macht die Erde fruchtbar. Viele vorchristliche Bräuche haben sich über Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit gerettet. Die Germanistin und Volkskundlerin Sigrid Früh stellt sie kapitelweise mit der Weihnacht beginnend zusammen und ordnet ihnen die verschiedenen Märchen und Sagen zu. Die eigentliche Holle- oder Perchtennacht schließlich ist die Nacht vom 5. auf den 6.1., und in diesem wichtigsten Kapitel finden sich gleich elf Sagen aus dem Hollekreis. Schön zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren, und zu erklären, was der Ausdruck "das Lager teilen dürfen" bedeutet, hat mir auch gefallen.

Einen Stern Abzug gibt es dafür, dass Sigrid Früh versehentlich - hoffentlich versehentlich! - im ersten Teil zwei Märchen des Nazis Hans Friedrich Blunck aufgenommen hat, einem jener allertreuesten Anhänger Hitlers, die selbst nach Ende der Schreckensherrschaft von rechtsextremen Gedankengut nicht abließen ("Ein Reiter in den Zwölften", "Knecht Ruprecht"). Überblättern Sie sie!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3926789247/holleland-21

(c) 1998 by Verlag Stendel, Fellbach, 13. Auflage 2008

Ott: Gold auf Lapislazuli

Ott: Gold auf LapislazuliUntertitel: Die 100 schönsten Liebesgedichte des Orients
Herausgeberin: Claudia Ott
157 S., Hardcover, € 14,90

****o (4 von 5 Sternen)

Wenn uns Deutschen vielleicht auch auf den ersten Blick nicht klar ist, was Liebesgedichte mit Märchen und Mythen zu tun haben könnten, eine Araberin wüsste die Antwort sofort: Liebe ist märchenhaft, Liebe ist poetisch, Liebe verwandelt Steine in Menschen, und deshalb finden sich viele Liebesgedichte auch in den Märchen aus 1001 Nacht.

Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg

Hubrich-Messow: Sagen und Märchen aus Flensburg
Für Kinder und Erwachsene
Herausgeberin: Gundula Hubrich-Messow
104 S., o. Abb.
nur antiquarisch erhältlich ab ca. 6 €
****o (4 von 5 Sternen)

In der sehr empfehlenswerten Reihe "Sagen und Märchen aus..." werden wahre Kleinodien präsentiert, teils auf hochdeutsch, teils im Dialekt. Im vorliegenden Band hat die Herausgeberin aus 19 verschiedenen Quellen geschöpft. Mit Flensburg ist hier nicht allein die Stadt, sondern der ganze Landkreis gemeint. Im Ortsregister kann man nicht nur nach Ortschaften suchen, sondern auch nach Gebäuden, Plätzen und Straßennamen, und zwar sowohl heutigen als auch historischen.

Der wichtigste Märchenerzähler in Flensburg war der Kuhknecht Lorenz Jensen, der 1830 in Kitschelund bei Bau geboren wurde und seine Geschichten dem Kohlenzieher Heinrich Traulsen erzählte. Aus dieser Quelle wiederum schöpfte Prof. Wilhelm Wisser. Er übertrug einige der Flensburger Märchen leider ins ostholsteinische Platt, andere hingegen sind zum Glück in Jensens Flensburger Platt aufgezeichnet worden. Und ab und an verirrt sich auch ein dänischer Satz in die Sagen und Märchen - Dänemark liegt schließlich selbst heute noch in Sichtweite, und früher einmal gehörte Flensburg zu Dänemark.

Damit Sie einen Eindruck gewinnen: Vier der Sagen und Märchen habe ich für Sie unter "Sagen rund um Frau Holle" und "Märchenorte: Holnis" aufgeführt.

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880425922/holleland-21

(c) Husum Verlag, Husum 1992

In derselben Reihe ist ebenfalls erschienen: Dietmar Damwerth, Sagen und Märchen aus Ostfriesland, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880427828/holleland-21

(c) Husum Verlag, Husum 1997

Wetzel: Vom Mummelsee zur Weibertreu

Wetzel: Vom Mummelsee zur Weibertreu
Untertitel: Die schönsten Sagen aus Baden-Württemberg
Autor: Manfred Wetzel
Illustrator: Joachim Burzik
418 Seiten, mit einer Karte von Baden-Württemberg und 46 schwarz-weißen Illustrationen sowie einem Ortsregister
gebunden

****o (4 von 5 Sternen)

Aus 34 verschiedenen Quellen hat der Autor dieses dicke Sagenbuch zusammengetragen, dem ich gerne 5 Sterne gegeben hätte, wenn mir nur die Zeichnungen etwas besser gefallen würden. Über die Grenzen Baden-Württembergs bekannt sind die Sagen von der schönen Lau (siehe dazu auch im Märchenshop Mörikes „Stuttgarter Hutzelmännchen“), der schönen Melusine und von den Geistern vom Mummelsee (vertont von Achim Reichel, „Wilder Wassermann“, im Märchenshop). Zwei der Geschichten habe ich in der Rubrik „Sagen rund um Frau Holle“ aufgenommen, hier ist eine dritte, die zumindest einige Elemente aus dem Kreis rund um Frau Holle enthält: den Holunder, den Brunnen, in den es zu springen gilt, und das Spinnen.

Die Holderbrunnenfräulein

Nahe bei Waldangelloch entspringt eine Quelle, der man den Namen „Holderbrunnen“ gab, weil dort einst ein Holderstrauch stand. Ein armes Weiblein ging oft zu jenem Ort, um Gras für seine Kuh zu holen.

Als die Alte einmal erst spät nach Hause kam, fragten die Nachbarn besorgt, warum sie so lange ausgeblieben sei und erfuhren, sie sei bei guten Freundinnen gewesen, die sie heute kennen gelernt habe. Darüber wunderten sie sich, und weil die Frau in den folgenden Nächten auch so spät heimkehrte, schlichen ihr einige nach. Sie sahen die Alte mit zwei schönen fremden Fräulein am Holderstrauch stehen. Als sie näher gingen, tauchten die Mädchen in den Brunnen und verschwanden.

Macdonald: The Complete Fairy Tales

Macdonald: The Complete Fairy Tales
Märchenbuch für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene
Autor: George Macdonald
354 Seiten, Taschenbuch, keine Abb.
€ 11,56

***oo (3 von 5 Sternen)

Von Macdonald hatte ich noch nie etwas gehört, bis mich mein schottischer Kollege auf ihn aufmerksam machte und mir dieses Buch lieh. Macdonald war ein viktorianischer Schriftsteller und Pfarrer, jedoch ein kritischer. So bemerkte er zum Beispiel, das Kinder keine asexuellen Wesen sind, selbst Mädchen nicht - unerhört für seine Zeit. Und er hatte es mehr mit der Liebe Gottes denn mit der Strafe. Nichtsdestotrotz spürt man den Pfarrer natürlich in jedem seiner Märchen.

Der Ausgangspunkt der Geschichten ist traditionell, Motive aus Dornröschen tauchen auf, es gibt Kinder, die sich im Wald verirren, Hexen, Feen, Menschenfresser usw. Jedoch sind dies keine Märchen à la Grimm, sie sind vielschichtig und ironisch, sodass Erwachsene daran ebensoviel Freude haben können wie Kinder.

Werner: Sagen- und Märchenland Nordhessen


Geschichten, Sagen und Märchen aus Nordhessen
Herausgeber: Otto Werner
288 S., 11 Abb. s/w, kartoniert
nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Werner ist ein Sammler. Er versammelt in diesem Buch Fundstücke aus den Kreisen Kassel-Stadt und -Land, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner. Die Geschichten, Sagen und Märchen sind nach Ortschaften sortiert und mit kurzen Einleitungen zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten versehen. Mehrere hundert Schnipsel kommen auf diese Weise zusammen - vom volkskundlichen und germanistischen Standpunkt durchaus interessant.

Knittel: Wie Jakob die Maultasche erfand

Sage für Kinder ab 4 Jahren
Autorin: Elke Knittel
46 S., A5, Klebebindung mit sehr vielen s/w Strichzeichnungen
ab ca. 0,01 €, nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Ähnlich wie in "Der Frieder, der Graf und die Laugenbrezel" erzählt Kochbuchautorin Elke Knittel auch in diesem Büchlein von der Erfindung einer schwäbischen Köstlichkeit. Nach einer Sage (der ich diesmal nicht widersprechen will) hat ein Zisterziensermönch im Kloster Maulbronn die Maulbronner Taschen gleich Maultaschen in der Fastenzeit erfunden, als ihm ein Stück Fleisch "zufiel", das er einfach nicht verkommen lassen wollte. Also zerhackte er es, vermengte es mit vielen, vielen Kräutern und versteckte das Gemisch in Nudelteig, damit es der Christengott nicht sehe. Aus diesem Grunde heißen die Maultaschen im Ländle auch "Herrgottsbescheißerle". Elke Knittel ist von der Landesstelle für Volkskunde im Würrtembergischen Landesmuseum Stuttgart bei ihrer Arbeit unterstützt worden. Dadurch werden Schreibstil und Zeichnungen zwar nicht kunstvoller, aber lesbar ist die Sage allemal. Am Ende befindet sich wieder ein Lied (das Maultaschenlied) und ein Maultaschenrezept, bei dem mir jedoch gänzlich unbegreiflich ist, wie ich aus 3-4 Eiern und sonst nix einen Nudelteig herstellen soll (irgendwie muss doch da auch noch Mehl rein?).

Knittel: Der Frieder, der Graf und die Laugenbrezel

Sage für Kinder ab 4 Jahren
Autorin und Zeichnerin: Elke Knittel
32 S., A5, geheftet
mit vielen einfachen s/w-Zeichnungen
ab ca. € 4,89, nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Die Kochbuchautorin Elke Knittel hat sich hier an die alte württembergische Sage von der Erfindung der Laugenbrezel gewagt. Angeblich soll der Bäcker Frieder sie im 15. Jh. während der Regierung Eberhards im Barte in Bad Urach gebacken haben, um seinen Kopf, der wegen Majestätsbeleidigung in der Schlinge steckte, aus selbiger zu ziehen. Wahr ist dies alles nicht, auf alten Illustrationen kann man sehen, dass es die Brezel in der heutigen Form schon 300 Jahre früher gab. Auch ist mir ein angeblich lateinisches Wort namens "bracchia" für Ärmchen (die der Brezel!) noch nie untergekommen, das lateinische Wort für einen kleinen, niedlichen Arm ist vielmehr bracchiolum. Aber welch edle Kochbuchschreiberin stören schon solche Nichtigkeiten! Nett: Am Ende des Buchs gibt es ein Rezept für Laugenbrezeln und ein kleines Brezellied: "Jeder ißt se bei ons gern, arme Leit ond reiche Herrn. Zom Kaffee - au zom Wei, a Laugabrezel isch halt fei!" Was ist bestätigen kann.

Göttner-Abendroth: Frau Holle ~ Das Feenvolk der Dolomiten


Die großen Göttinnenmythen Mitteleuropas und der Alpen neu erzählt
Autorin: Dr. Heide Göttner-Abendroth
350 Seiten, mit vielen s/w-Abb.
20,8 x 14,8 x 2,8 cm, broschiert
€ 24,95

****o (4 von 5 Sternen)

Göttner-Abendroth hat im ersten Teil des Buches alle Erzählungen um Frau Holle und im zweiten Teil um die Fanes-Königinnen in eine logische Reihenfolge gestellt und jeweils mit einer Rahmenhandlung sowie Kommentaren versehen. Das ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus sehr spannend. Und eigentlich hätte dabei eine Art Bibel des Göttinnenglaubens herauskommen können.

Rowling: Die Märchen von Beedle dem Barden


Märchenbuch für Kinder ab 10 Jahren
Autorin: Joanne K. Rowling
129 S., zahlreiche kleine s/w-Zeichnungen aus der Hand der Autorin
17,8 x 13 x 1,4 cm
ab € 7,49

**ooo (2 von 5 Sternen)

Frau Rowling hat wieder einmal ihren Zauberstab geschwungen, um noch mehr Geld zu verdienen, diesmal geht der Gewinn allerdings an eine Stiftung für Kinder in Waisenhäusern. Das Schwingen war erfolgreich: Ihr Buch landete bei seinem Erscheinen im Dezember 2008 sofort auf den allerobersten Rängen der Bestsellerlisten. Zu den 100 reichsten Menschen der Welt gehört Frau Rowling meines Wissens trotzdem noch nicht.

Grimm: Kinder- und Hausmärchen (1857)

Märchenbuch für Kinder und Erwachsene
Gesammelt durch die Brüder Grimm, Textrevision und Anmerkungen von Therese Erler
786 Seiten, gebunden, ohne Bilder

Bewertung: ***○○ (3 von 5 Sternen)

Das Buch kommt optisch ziemlich dröge daher, eine einzige Bleiwüste, aufgehellt nur durch den Frakturschnitt der Überschriften. Dafür aber versammelt es nicht nur sage und schreibe 200 Märchen der Brüder Grimm, sondern es erklärt im Anhang auch schwierige Wörter.

Syndicate content

Copyright 2008/2010 Holleland.de .
Home nach oben