***** (5 von 5 Sternen)
Von Anfang April bis Anfang November ist das südlich von Stuttgart gelegene Museumsdorf täglich außer montags geöffnet. Es befindet sich romantisch mitten im von der UNESCO ausgezeichneten Biosphärenreservat Schwäbische Alb, einer Modellregion, in der erfolgreicher Natur- und Umweltschutz mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der im Gebiet lebenden Menschen verknüpft werden soll - und zwar auf eine Weise, die den Ansprüchen der heute lebenden Menschen gerecht wird und gleichzeitig die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen erhält. Auf der Alb entsteht also ein Beispielgebiet für „nachhaltige Entwicklung“.
Ob Schreinerwerkstatt, Schlafkammer, ob Stall oder Scheune, Weber-, Back-, Wasch-, Rathaus oder Fotoatelier: Die Häuser im kulturhistorischen Freilichtmuseum kennen viele Geschichten aus dem früheren Alltag der Landbevölkerung. Und selbst Immenhäuser stehen hier, bewohnt von 36 ganz realen Bienenvölkern und deshalb mit einem kleinen Sicherheitszaun drumherum. Der Schäferkarren ist so klein, dass beim Schlafen die Beine angewinkelt werden müssen, und auf dem Klo wird mit einer Kanne Wasser gespült. Die Gebäude stammen aus den Regionen Mittlerer Neckar und Schwäbische Alb. Auf den Wiesen weiden Schafe, auf dem Mist scharren Hühner, und auch Esel, Ziegen und Gänse haben wir bestaunt. Wissen Sie, was eine Schwäbische Auster ist? Heute stehen die hinter dem Begriff steckenden Weinbergschnecken unter Naturschutz, früher aber wurden sie in Schneckengärten gezüchtet, und im Winter, wenn ihr Deckel verschlossen war, als Delikatesse überallhin verkauft. Einen solchen Schneckengarten können Sie ebenfalls bewundern – natürlich bleibt den heutigen Schnecken das Schicksal ihrer Vorfahren erspart.
Auch wenn uns heute vieles märchenhaft anmutet, so war der Alltag in früheren Jahrhunderten natürlich keinesfalls märchenhaft, sondern sehr hart. Vor allem gegen Ende des Winters wurde das Essen oft sehr eintönig, wenn es denn überhaupt noch Vorräte gab. Über Lautsprecher erzählen alte Frauen im schwäbischen Dialekt, wie die Vorratshaltung funktionierte oder was mit Waisenkindern geschah.
Im historischen Museumslädle verkauft Tante Helene an Sonn-, Feier- und Backtagen von 11-17 Uhr und in den Schulferien nachmittags Spätzleschaber, Himbeerbonbons, Emailschüsseln, Alb-Wacholderschnaps und Springerle-Modeln, zum Beispiel von den Bremer Stadtmusikanten (weitere Springerle-Modeln siehe auch unter: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/003085G3U/holleland-21)
Außerdem gibt es jede Menge Veranstaltungen. Das reicht vom Gießen durchsichtiger Zuckerosterhasen in alten Metallformen wie zu meiner Kinderzeit über die Schäfertage bis hin zu Märchenerzählungen des Stuttgarter Märchenkreises und von Sigrid Früh und geht weiter mit Spitzen klöppeln, Oldtimertreffen, Most- und Tanzfesten auf dem Dorfplatz sowie Rübengeister schnitzen.
Die Gaststätte „Steinbüble“ ist in einem sehr prachtvollen Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert untergebracht und serviert traditionelle schwäbische Küche mittlerer Qualität.
Verkehrsanbindung: Das Freilichtmuseum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, z. B. ab Stuttgart Hbf mit der Regionalbahn bis Nürtingen und weiter mit der Tälesbahn bis Neuffen. Ab Bahnhof Neuffen mit der Buslinie 172 oder 199 bis Beuren (Haltestelle "Freilichtmuseum").
Am märchenhaftesten aber wählen Sie zwischen Mai und Oktober den dritten Sonntag eines jeden Monats (bzw. einige Feiertage) und fahren im historischen Museums-Dampfzug, dem "Sofazügle". Die Dampflok pendelt dann zwischen Nürtingen und Neuffen, und ein historischer Omnibus bringt Sie vom Bahnhof Neuffen ins Freilichtmuseum Beuren und wieder zurück. Fahrplanauskünfte unter Telefon 07025/4164 oder im Internet bei der "Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart e.V." unter www.ges-ev.de.
Zum Museum führen außerdem einige Rad- und Wanderwege. Eine Wanderung ab Owen, dem Ort am
Fuße des Teckbergs (siehe auch der Beitrag über Sibylle von der Teck, www.holleland.de/content/sibylle-von-der-teck-die-schwaebische-frau-holle) dauert etwa 60 Minuten.
Geöffnet ist das Museumsdorf täglich außer montags von 9-18 Uhr, Eintritt Erwachsene 4,50 €, Kinder ab 6 Jahren 2,50 € (Stand 2010). Homepage http://www.freilichtmuseum-beuren.de
Anschrift: Freilichtmuseum Beuren, In den Herbstwiesen, 72660 Beuren, T 07025/91190-90
Viel Vergnügen!