Märchenorte: Stuttgart

Theater am Faden

Das märchenhafteste Theater Stuttgarts ist die Marionettenbühne Helga Brehmes in Heslach. Es residiert in einem halbverfallenen Winzerhäuschen und bietet 60 Zuschauern Platz. Im Sommer wird manchmal auch im Freien gespielt, wovon einige Stühle und ein alter Bauwagen zeugen. Schon der Eingang durch eine Mischung zwischen Hof und Garten ist romantisch, und dann erst das Theater! Überall brennen Kerzen, stehen und hängen Marionetten und andere Spielsachen. Nach dem Bezahlen des Eintrittsgeldes geht es nach rechts zu Kaffee, selbstgemachtem Kuchen, Säften und Biowein. Geheizt wird mit gußeisernen Öfen, vor denen zum Schutz tobender Kinder Paravents aufgestellt sind. Durch einen Geheimgang (Erwachsene müssen sich bücken!) gelangt man zu hunderten von Kostümen, Glitzerschuhen, Mützen - denn bevor die Vorstellung beginnt, verkleiden sich alle Zuschauer, Kinder wie Erwachsene. Dann wird gespielt, was das Zeug hält: mit alten Holzkarussellen, Puppen, Flöten - und nicht zu vergessen, den Marionetten natürlich. Alles ist alt, und alles darf benutzt werden. Schließlich klingelt die Glocke, und es geht ins eigentliche Theater: Die Vorstellung beginnt.

Helga Brehme arbeitet eng mit russischen und indischen Künstlern zusammen. Die Theaterstücke sind nicht für eine bestimmte Altergruppe festgelegt, sie eignen sich für Kinder ab vier Jahren, aber auch für große Kinder und für Erwachsene. Gespielt werden Märchen wie "Jorinde und Joringel", "Das singende, springende Löweneckerchen" oder "Der sternäugige Schäfer", aber es gibt auch Konzerte mit klassischer indischer Musik, altrussische Weihnachtsspiele und vieles mehr. Natürlich können auch Geburtstage bei der alten Frau Brehme gefeiert werden - Kindergeburtstage ebenso wie Erwachsenengeburtstage.

Prädikat: Höchst empfehlenswert!

Anschrift: Theater am Faden, Hasenstr. 32, Stuttgart-Heslach, T 0711-604850, www.theateramfaden.de

Linden-Museum * Staatliches Museum für Völkerkunde

Die Grundlage der meisten ethnologischen Sammlungen ist nicht märchenhaft, sondern kolonialistisch. So hat auch das Linden-Museum (benannt im 19. Jahrhundert nach Karl Graf von Linden) seinen Ursprung im Willen zur "Förderung deutscher Interessen im Ausland". Mittlerweile ist daraus eines der größten Völkerkundemuseen Europas geworden, das seit 1911 in einem schönen, neoklassizistischen Gebäude am Hegelplatz residiert.

Wilhelma - Die schwäbische Alhambra

„Ein Park zum Verlieben“ laut Eigenwerbung! Auf jeden Fall der beste Ort in Stuttgart, um Amethystglanzstare, Elfenblauvögel, Regenbogenboas, Drachenköpfe, Paradiesvogelblumen oder Venusschuhorchideen für sich zu entdecken.

Stuttgarter Märchenkreis

Schon immer wurden Märchen und Geschichten erzählt, aber erst seit 1989 gibt es den Stuttgarter Märchenkreis. Damals hatten sich drei Leute aus Stuttgart bei einem Treffen der Europäischen Märchengesellschaft (EMG) kennengelernt und beschlossen, die Märchenaktivitäten in Stuttgart und Umgebung besser zu koordinieren. Seitdem kennen die Stuttgarter nicht nur viele Geschichten, sondern sie bilden auch richtige, echte Märchenerzähler aus!

Burgruine Hofen

Hofen, im Nordosten Stuttgarts gelegen, ist ein in vielerlei Hinsicht eigentümlicher Stadtteil: Hier hat sich über die Jahrhunderte hinweg inmitten von Protestanten eine katholische Enklave erhalten. Von Hofen aus blickt man schon seit 1120 auf den Neckar hinab, und einhundertdreißig Jahre später kam eine stolze Burg hinzu - heute die einzige echte Burgruine auf Stuttgarter Gebiet.

Staatsgalerie

Mit Märchen hat die Staatsgalerie wenig im Sinn, dafür mit Mythen um so mehr. Seit dem 12.12.2008 wird die Sammlung in neuen Räumen neu präsentiert, und das hat für Sie den großen Vorteil, dass bis zum 1.6.2009 der Eintritt kostenlos ist. Durch die gelungene Neupräsentation finden Sie plötzlich einen ganz Modernen zwischen alten Meistern - und im klassizistischen Altbau (1883-45) mit seinen schönen schwarzen Säulen und dem Stuck nicht etwa einen Spitzweg, sondern eben: 20. Jahrhundert.

FITZ! Zentrum für Figurentheater

Wenn Sie glauben, Figurentheater sei nur etwas für Kinder (tri-tra-tralla, der Kasperle ist wieder da), dann täuschen Sie sich gewaltig. Mein Lieblingstheater in Stuttgart ist das FITZ. Hier werden Experimente großgeschrieben und können Sie Figuren von 20 cm neben solchen von 2 m erleben, aber vielleicht fliegt einfach auch nur ein Papierball durch die Luft, auf den ein Diabild projiziert wird. Im FITZ! ist alles möglich, und wenn auch nicht jede Inszenierung ein Märchen oder Mythos in engerem Sinne ist - magisch sind sie alle! Und seien wir ehrlich: Wenn eine Puppe zum Leben erwacht - grenzt das nicht immer an Zauberei? AlchemistInnen sind hier auf jeden Fall am Werk und verknüpfen Pantomime, Schauspiel, Musik, Tanz und Film auf wundersame Weise miteinander.

Auf den Spuren von Eduard Mörike

Eduard Mörike wurde 1804 in Ludwigburg (vor den nördlichen Toren Stuttgarts) geboren und starb am 4.6.1875 in Stuttgart, wo er seit 1851 mit Unterbrechungen lebte. Begraben liegt er auf dem schönen, alten Pragfriedhof (Friedhofstr. 44, Stuttgart-Nord). In der Silberburganlage (Stuttgart-Süd) wurde ihm 1880 von dem Bildhauer Wilhelm Rösch ein Denkmal erbaut (selbiger Rösch hat auch Wilhelm Hauff eines gehauen).

Geliebt hat Mörike sein Stuttgart nicht besonders (allerdings war seine Ehe eh unglücklich und er litt an Depressionen und diversen Krankheiten), elfmal soll er umgezogen sein, nur eine seiner Wohnungen (Reinsburgstr. 67 im Stuttgarter Westen) ist noch erhalten. In der Hospitalstr. 36 schrieb er 1852-3 "Die Hand der Jezerle" und sein berühmtestes Märchen, "Das Stuttgarter Hutzelmännlein".

Wilhelm Hauff in Stuttgart

Einer der bekanntesten Märchendichter Deutschlands ist in Stuttgart geboren, gestorben und begraben: Wilhelm Hauff. Geboren wurde er am 29.11.1802, und zwar in der Eberhardstr. 33 / Dornstraße (Stuttgart-Mitte). Dort erinnert eine Plakette an ihn, sein Geburtshaus ist inzwischen zerstört. Besuchen Sie trotzdem die Eberhardstraße, denn hier befindet sich auch noch ein netter Märchenblumenladen namens Dornröschen (Eberhardstr. 10, http://www.dornroeschen-floristik.de/index.html)!

Gestorben ist Hauff an einer Erkältung am 18. November 1827, kurz nach der Geburt seiner ersten Tochter. Man hat ihn auf dem Hoppenlau-Friedhof (Rosenbergstr. 7, Stuttgart-Mitte) begraben, und der ist nun wirklich sehenswert: Er wurde 1626 angelegt und ist mittlerweile ein hochromantischer "Friedhof im Ruhestand" mit vielen Gräbern aus der Zeit des Klassizismus.

Hans-im-Glück-Brunnen

Mitten im Geißenviertel in der Stuttgart Innenstadt (vermutlich wurden hier im 15. Jahrhundert Ziegen gehalten) steht ein kleiner Brunnen, der das Grimmsche Märchen von Hans im Glück erzählt: Hans hat als Lohn für seine Arbeit einen großen Goldklumpen erhalten.

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