Das Land

Das Holleland in NO-Hessen

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Wie stellen Sie sich das Land vor, in dem Frau Holle regiert? Man springt in einen tiefen Brunnen, landet auf einer blühenden Wiese neben Apfelbäumen, und ist gleichzeitig ganz weit oben im Himmel und hilft ihr beim winterlichen Schneien?

Die vorchristliche Göttin Freya hat unter dem Namen Holle vor allem in Hessen und Thüringen überlebt. Sie wohnte auf den Thüringer Hörselbergen (den Venusbergen der Tannhäusersage!), schenkte den Meiningern im Werratal das Rezept für die Thüringer Klöße, und schüttelte auf der hessischen Seite der Werra, auf dem Hohen Meißner, des Winters ihre Betten aus.

Stellen Sie sich also vor: das liebliche Werratal (der lateinische Name Visurgis bedeutet Wiesenfluss), an der Grenze zwischen Thüringen und Hessen, das bei Eschwege eine breite Flussniederung bildet. Hier gedeihen die allerschönsten Obstbäume, Witzenhausen, wenige Kilometer flussabwärts, ist vor allem für seine Kirschblüte bekannt.

Aus dieser klimatisch sehr begünstigten Flussniederung ragt plötzlich und sehr abrupt der Hohe Meißner auf hessischer Seite auf - 600 Höhenmeter über dem Eschweger Becken, auf fast 753 m liegt seine höchste Stelle, die Kasseler Kuppe. Sein Hochplateau bildet zusammen mit dem Kaufunger Wald das zweitgrößte Naturschutzgebiet Hessens. Ganz anders ist das Klima hier als im Werratal, ein scharfer, rauer Wind weht, die Niederschlagsmenge ist um ein Drittel höher als im Tal, und die Jahresmitteltemperatur liegt geschlagene 4°C unter der von Eschwege. Was das bedeutet, können Sie sich besser vorstellen, wenn Sie überlegen, dass wir derzeit über einen Klimawandel diskutieren, bei dem es um 2°C geht! Fazit: Wenn unten im Tal noch alles grün ist, liegt oben schon Schnee, und wenn in Eschwege die Osterglocken blühen, können Sie auf dem Meißner noch wunderbar Rodeln. Und daher kommt auch sein ursprünglicher Name, "Wissener", was Weißer (aber auch Weissager) bedeuten kann.

Hier also, auf 10x5 km, wohnt sie, die Frau Holle. Kalt und rau ist es bei ihr, aber die allerwunderlichsten Blumen blühen da im Sommer, wie man sie sonst nur im Hochgebirge oder Skandinavien findet. Hier haben sie die letzte Kaltzeit überstanden. Leineschafe und Ziegen ziehen weidend über das Land, so dass es an einigen Stellen wie in der Lüneburger Heide aussieht, denn überall wächst der ihr geweihte Wacholder. Natürlich gibt es auch die anderen ihr gewidmeten Pflanzen, die Trollblume, den Holunder, den Maßholder (Feldahorn), die Winterlinde. Und Wollgras, Borstengras, Frauenschuh oder das Rote Waldvögelein. Wenn Sie Glück haben, können Sie auch Rot-, Schwarz- und Muffelwild, Schwarzstörchen oder dem Großen Schillerfalter begegnen.

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