
Blaubeuren liegt am südlichen Ende der Schwäbischen Alb in der Nähe von Ulm. Schon seit ewigen Zeiten haben hier Menschen gelebt, Früchte gesammelt, gejagt, und Märchen erzählt. Die Höhlen rund um Blaubeuren gehören zu den wichtigsten urgeschichtlichen Fundstätten Europas. So wurde im Hohle Fels bei Schelklingen (nur einen Steinwurf von Blaubeuren entfernt) die Frauenfigur der Welt, die vermutlich eine Muttergöttin darstellt, entdeckt - 35.000 Jahre ist sie alt. Blaubeuren selbst liegt im engen Tal der Urdonau. Hier entspringt das Flüsschen Blau in einer der ergiebigsten Quellen Europas, dem Blautopf. Alle Fotos vom Blautopf sehen unecht aus, man muss einfach hinfahren und ihn selber sehen, an einem trockenen Sommertag. Sein Wasser ist klar und so türkisblau, als würde täglich Tinte in ihn hineingeschüttet. Früher ging die Sage, er sei unergründlich, aber de facto ist er 22 m tief und endet in einem labyrinthischen Höhlensystem. So unergründlich sind diese Höhlen, dass das Tauchen für Privatleute verboten ist und selbst Berufstaucher schon tödlich verunglückt sind: Nicht alle Geheimnisse will der Blautopf preisgeben! Die schier unglaubliche Farbe des Wassers erklärt man heute physikalisch mit seiner großen Tiefe und Reinheit.
Aber nicht immer ist der Blautopf so fröhlich türkis- oder tiefblau, manchmal zürnt er auch, schäumt, brodelt, läuft über und bedroht das Städtchen so lange, bis in früheren Jahrhunderten zumindest die Mönche des nahe gelegenen Benediktinerklosters sich wieder für ein paar Stunden zum alten Heidentum bekannten und ihm wertvolle Opfergaben darbrachten. Dann beruhigt sich der Quelltopf und kehrt aus den Gassen Blaubeurens wieder zurück in sein Bett.
Eduard Mörike hat im 19. Jahrhundert die vielen Sagen, die sich um Bleubeuren ranken, in seiner "Historie von der schönen Lau" zusammengefasst. Sie findet sich im kleinen Buch "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3150047552/holleland-21), das man unbedingt gelesen haben sollte, bevor man nach Bleubeuren fährt und die schöne Lau leibhaftig in Stein gemeißelt vor sich sieht. Sie war eine Nixe, die von ihrem patriarchischen Wassermann in den Blautopf verbannt wurde. Denn die Lau war immer traurig, und weil sie so traurig war, konnte sie nur tote Kinder gebären. Die braven Blaubeurener bringen ihr nicht nur den Spruch des Ortes,
»'s leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura, glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei«
bei, sondern auch das Lachen, und lachend kehrt sie schließlich zu ihrem Mann zurück, nicht ohne einige magische Geschenke zu hinterlassen. Und den Bleiklotz gleich bei Blaubeuren - zu dem können Sie auch heute noch gehen. Wenn Sie es nicht vorziehen, den Kräutergarten im nahe gelegenen Kloster oder eine der umliegenden Höhlen zu erkunden.
Das Buch über Tauchversuche im Blautopf können Sie unter folgenden Link bestellen:
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