Sängerin: Mari Boine
CD, Spieldauer 58'22“, mit 20seitigem Booklet
Texte: Mari Boine, Rauni Magga Lukkari, Karen Anne Buljo
Musik: Mari Boine, Georg Buljo, Svein Schultz, Malika Makouf Rasmussen, Ross Reaver
€ 16,99
***** (5 von 5 Sternen)
Im Jahre 2006 erschien der Kinderfilm „Hänsel und Gretel“ von Anne Wild, zu dem Mari Boine die Filmmusik schrieb. Er wurde mit dem Prix Danube und dem Diversine UNICEF Award ausgezeichnet. Ein kleines Stück der Filmmusik findet sich auf dieser CD. Es heißt „Little Bird“ (oder auf Samisch „Lottás“). Der Text ist Fantasiesprache. Leider scheint der Rest der Filmmusik (noch) nicht auf CD erhältlich zu sein.
Auf „In the hand of the night“ sind jedoch auch andere märchenhafte Wesen zu finden, z.B. eine Meerjungfrau: „Die stolze Meerjungfrau zeigt den Weg, wem immer sie will. Die schöne Maid der See zeigt die Tiefen, wo immer sie aufsteigt. Lass den Nordwind Wellen atmen. Die stolze Meerjungfrau erklärt Träume, wem immer sie will. Die schöne Maid der See befreit die Tiefen, wo immer sie fällt. Lass das Gewitter die zertrümmernden Steine umherwerfen, während sie zerbrechen. Lass den Wirbelwind aus den Wellen eine Klippe erbauen. Das Gewitter wird den Stein am Meeresgrund nicht erreichen. Der Wirbelwind wird die stolze Maid nicht vom Boden der See emporheben.“
(Übersetzung von mir).
In „Reindeer of Diamond“ (Diamántta spáillit) geht es eigentlich um etwas ganz Prosaisch-Kolonialistisches: Da im Samenland Diamanten gefunden worden sind, versucht eine Firma, den Menschen das Land abzukaufen. Das klingt dann von mir übersetzt so: „Große röhrende Tiere, Stahlskelette, haben ihren Weg in unser Land gefunden. Sie graben und graben und suchen dass Diamanten-Rentier. Große, riesige Tiere mit gefräßigen Mündern sind hier. Laufe an deinen heiligen Ort, Diamanten-Rentier. Lauf! Lass sie dich nicht finden!“
Die norwegische Samin Mari Boine Persen verbindet archaische Elemente mit schlichtem Joik-Gesang und Elektronik: tiefe, pulsierende Trommeln, filigrane Saitenklänge und leise Elektronik, gepaart mit ihrer ausdrucksvollen, unverwechselbaren Stimme, gewispert und geraunt in Samisch, Englisch, und eben Fantasiesprachisch. Die Texte stammen diesmal großenteils von zwei samischen Lyrikerinnen und basieren auf Geschichten aus der samischen Mythologie. Zahlenmäßig hat Boine mit insgesamt 15 Musikerinnen und Musikern ein sehr großes Aufgebot vereint; auch bekannte Gäste, wie der norwegische Gitarrist Terje Rypdal, sind vertreten. Die Instrumente stammen aus aller Welt: von der griechischen Bouzouki über das afrikanische Daumenklavier Mbira bis zum brasilianischen Berimbau – und trotzdem wirkt alles wie aus einem Guss. Eben magisch.
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