Burgruine Hofen

Hofen, im Nordosten Stuttgarts gelegen, ist ein in vielerlei Hinsicht eigentümlicher Stadtteil: Hier hat sich über die Jahrhunderte hinweg inmitten von Protestanten eine katholische Enklave erhalten. Von Hofen aus blickt man schon seit 1120 auf den Neckar hinab, und einhundertdreißig Jahre später kam eine stolze Burg hinzu - heute die einzige echte Burgruine auf Stuttgarter Gebiet.

Die Kirche nebenan heißt St. Barbara, stammt aus dem 18. Jh., und ist nicht irgendeine Kirche, sondern eine Wallfahrtskirche. Hier steht eine wunderkräftige Madonna mit Kind. 1535 wurde sie vom letzten katholischen Pfarrer der Stuttgarter Stiftskirche nach Hofen gebracht: Als er die Stiftskirche verlassen wollte, rief sie ihm zu: "Nimm mich mit, und meinen göttlichen Sohn!" Was er denn auch machte, und seitdem tut sie eben in Hofen ihre Wunder. Übrigens gibt es auch eine nachgemachte Lourdes-Grotte, und von Hofen nach Fellbach-Oeffingen einen richtigen Wallfahrtsweg, man kommt sich vor wie in Bayern.

Hinter der Kirche liegt, wie gesagt, die Burgruine Hofen, die Ihnen Tag und Nacht frei zugänglich ist. Dort wohnte einst im Mittelalter eine Adelige, die das Volk triezte und schund und regelmäßig von nächtlichen, rauschenden Festen erst am frühen Morgen zurückkam. Da das Gras dann so nass war, färbte es ihre weißen Seidenschuhe grün. Auch nach ihrem Tod geht ihr Geist noch um und wird wegen der Schuhe das Grüntöffele (Greadeffele) genannt. Der Geist ist aber, wie ich meiner Tochter erzählt habe, zu Kindern ausgesprochen nett, weil er ja gerne erlöst und wiedergeboren werden möchte! Die Burg selbst wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden niedergebrannt. Sie hatten Hofen schon lange belagert. Schließlich versprachen sie den Bewohnern freien Abzug, wenn sie noch zwei Laib Brot vorweisen könnten - einen für die Herrschaft, einen fürs Volk. Aber die Belagerten hatten nur noch einen einzigen Laib, und so fiel die Burg.

Zu Hofen gehört ferner der Max-Eyth-See, der in der Nazizeit entstand und seit 1961 Landschaftsschutzgebiet ist. Hier leben viele Vogelarten, unter anderem treffen Sie regelmäßig Wildgänse an.

Das Greadeffele tritt in der 5. Jahreszeit leibhaftig vor uns: als Symbolfigur der Scillamännle. Welches junge Hofener Mädele die jeweils auserwählte Darstellerin wird, ist ein wohlgehütetes Geheimnis. Und wer sind die Scillamännle? Ihr Name leitet sich von der unter Naturschutz stehenden Scilla (Blaustern) ab, die den nahe bei Hofen gelegenen Wald jedes Frühjahr in ein Meer blauer Blüten verwandelt. Scillamännle nun sind die Hofener Karnevalsgruppe, deren ganzes Gewand (Häs) ein Abbild der Scilla darstellt, bis hin zur freundlichen, manchmal auch knitz dreinblickenden Maske aus Lindenholz. Die Scillamännle wollen nicht erschrecken, sondern stehen für die Erd- und Naturverbundenheit der Hästräger. Stark in der Tradition der schwäbisch-allemannischen Fasnet verwurzelt, beginnen sie ihr Treiben erst am 6. Januar - dann aber gibt es kein Halten mehr. Viel Vergnügen!

Adresse der Burgruine: Wolfgangstraße, 70378 Stuttgart. Leicht zu erreichen mit der U-Bahnlinie 14, Haltestelle Hofen.


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