Märchenbilderbuch für Kinder ab 3 Jahren
Autor: Lewis Carroll
Illustrator: John Tenniel
Aus dem Englischen mit einem Nachwort von W.E. Richartz
71 Seiten, gebunden, mit vielen 4c-Abbildungen
€ 12,90
Text und Zeichnungen: ****o (4 von 5 Sternen)
Hintergründe: *oooo (1 von 5 Sternen)
Im April 1890 veröffentlichte Lewis Carroll nach "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" eine Version der Geschichte für Vorschulkinder: "The Nursery Alice" - zu deutsch: "Die kleine Alice". Ein Stück Nonsense-Weltliteratur ist hier erfolgreich weitergesponnen worden, wenn ich den leuchtenden Augen meiner Tochter folge. Die Welt steht auf dem Kopf, nichts ist so, wie es zu sein hat, Alice schrumpft und wächst, sobald sie den Kuchen Iss mich! oder Pilze zu sich nimmt oder aus der Flasche Trink mich! trinkt, Drontes und Greifen tauchen auf, aus Babies werden Ferkel, die Edamer Grinsekatze löst sich in einem Lächeln auf und die Herzkönigin spielt mit Flamingos und Igeln Krocket - möchte aber am liebsten allen den Kopf abschlagen. Also sagte Alice: "Mist und Blödsinn!" Und dann sagte Alice: "Wer seid ihr denn schon! Ihr seid ja bloss ein Kartenspiel!" - und erwacht aus ihrem Traum. Anders als die Geschichte für größere Kinder orientiert sich die Nursery Alice stark an den Illustrationen. Der Autor fragt die Kinder, was sie denn darauf erkennen können - und gibt in allwissender Manier anschließend selbst die Antworten. Schlecht: Er geht davon aus, dass Lernen für Kinder eine Qual ist - und der Diogenes Verlag steht ihm in einer Passage, die aus Übersetzungsgründen nicht dem Original entspricht, da leider auch in nichts nach. Also musste ich meiner Tochter erklären, dass Lernen Kinder natürlich nur nervt, wenn sie nicht wie sie auf eine Freie Aktive Schule kommen... Nichts desto trotz: Ihren nächsten Geburtstag möchte sie als Alice im Wunderland feiern! Dafür also 4 von 5 Sternen.
Charles Lutwige Dodgson, alias Lewis Carroll, war ein höchst pedantischer Lehrer und Autor, stotterte und litt an Migräne-Attacken, die mit halluzinatorischen Bewußtseinsveränderungen bezüglich der eigenen Größe einhergingen (Todd's Syndrom bzw. nach dem Autor auch Alice-im-Wunderland-Syndrom genannt). Dodgson liebte kleine Mädchen mehr als erwachsene Frauen. Er fotografierte Kinder mit Leidenschaft, und zwar (halb-)nackt, und eines sehr beliebtesten Modelle war die Tochter seines Dekans, Alice Liddell. Die große Liebe seines Lebens sei sie gewesen, kann man in den Kommentaren lesen... und ganze 12 Jahre alt, als der erwachsene Mann ihr diese seine Liebe widmete. Schließlich verbot die Mutter Dodgson den Umgang mit ihrer Tochter, verbrannte alle seine Briefe - und mysteriöserweise sind auch alle seine Tagebücher aus dieser Zeit verloren gegangen. In den Kommentaren (ich kenne nur Kommentare von Männern dazu!) steht da gern etwas von "verzopfter viktorianischer Moral" und dass es in jener Zeit ja andererseits nicht unüblich gewesen sei, kleine Mädchen mehr oder minder nackt zu fotografieren. Es ist heute nicht mehr nachzuweisen, ob Dodgson Alice sexuell oder "nur" psychisch missbraucht hat - aber Missbrauch ist allemal im Spiel, wenn ein kleines Mädchen die große Liebe eines Erwachsenen Mannes wird. Weltliteratur für Kinder - auf Kosten eines Kindes. Unterste Kategorie: 1 von 5 Sternen.
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(c) der deutschen Ausgabe 1977, 2008 Diogenes Verlag AG Zürich