"In Schmiechen bei Schelklingen lebte vor einigen Menschenaltern ein Mädchen, dem war schon früh die Mutter gestorben, und mit der Stiefmutter kam eine hartherzige und mürrische Frau ins Haus. Die plagte das arme Ding mit Arbeit von früh bis spät. Und wenn sich das Mädchen noch so große Mühe gab und alles gewissenhaft erledigte, was sie ihm auftrug, nie war ihr recht, was es getan hatte, immer hatte sie etwas auszusetzen. Dazuhin war sie überaus geizig und zählte jeden Bissen, den sich die Stieftochter in den Mund schob.
Als dem Kind einmal ein Mißgeschick widerfuhr, rief die Frau voller Zorn: "Mach, dass du fortkommst, du dummes Ding! Scher dich zum Teufel; ich will dich nimmer sehen!" Voller Angst lief das Mädchen aus dem Haus. Wo sollte es unterkommen? Ziellos irrte es lange Zeit durch den Wald. Auf einmal trat ein fremder Jäger aus dem Unterholz, der trug ein grünes Gewand, und auf seinem Hut wippte eine kecke Feder. Er sprach das verängstigte Kind freundlich an, und als es Vertrauen zu dem Mann gefasst und erzählt hatte, was ihm zugestoßen, sagte er mitleidig: "Du kannst mir als Magd dienen. Die Arbeit ist nicht schwer, und du wirst es bei mir besser haben als bei deiner Stiefmutter." Das Mädchen besann sich nicht lange, willigte ein und ging mit.
Der Jäger führte das Kind immer tiefer in den Wald hinein, bis sie vor einer Höhle standen. Die Kleine fürchtete sich zuerst vor dem finsteren Loch, doch der Grünrock redete ihr gut zu, nahm sie bei der Hand und geleitete sie über viele Stufen hinab in den Schoß der Erde.
Doch der Magd blieb nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, denn sogleich wies ihr der Böse an, was sie zu tun hatte: Holz müßte sie herbeischleppen und immer fort die Feuer schüren, die unter großen eisernen Kesseln brannten. "Lupf ja nicht einen der Deckel, um in den Kessel zu schauen, sonst wirst du´s bitter büßen!" schärfte ihr der Teufel noch ein, bevor er sie allein ließ.
Gar zu gern hätte das Mädchen gewußt, was in den Kesseln war, aus denen das jämmerliche Geschrei drang, und als der Teufel einmal längere Zeit verschwunden blieb, faßte es sich ein Herz und hob vorsichtig einen der Deckel. Aber wie erschrak es, als es seinen Vater und die böse Stiefmutter in dem eisernen Hafen hocken sah! Die armen Seelen heulten vor Schmerz und baten das Mädchen händeringend, es möge doch weniger Holz in den Kessel legen, die Hitze sei unerträglich. Die Magd hatte den beiden längst verziehen, was sie Böses an ihr getan, und hätte ihnen gerne geholfen, doch aus Furcht vor der Strafe des Teufels ließ sie den Deckel fallen und schürte das Feuer, dass es heißer und heller brannte als zuvor.
Und das war ihr Glück! Denn kaum hatte sie sich den anderen Kesseln zugewandt, da stand der Böse hinter ihr und sprach: "Du hast mein Gebot übertreten, und ich würde dich auf der Stelle in Stücke reißen, wenn du das Feuer nicht so kräftig geschürt hättest."
Als nach sieben Jahren die Dienstzeit der Magd um war, führte sie der Teufel wieder an das Tor und gab ihr den Lohn. Und kaum hatte sie die Hölle verlassen, da stand sie in einem Hui am Waldrand bei Schmiechen. Wie das zugegangen war, wußte sie später nicht zu sagen. Während der sieben Jahre an den rußigen Höllenfeuern hatte ihre Haut eine schwarze Farbe angenommen, und als sie ins Dorf kam, wunderten sich die Leute über die Mohrin, die ihnen da zugelaufen war. Erst allmählich glaubte man ihrer Geschichte.
Die schwarze Farbe hat die Magd übrigens bis an ihr Lebensende behalten, und als die Leute sie fragten, was man ihr in der Hölle zu essen gegeben habe, erzählte sie, der Teufel habe ihr alle Tage einen Brotranft gebracht. Der wäre ihm von jedem Laib zugefallen, in den die Menschen vor dem Anschnitt kein Kreuz geritzt hätten."