Holnis - Die Halbinsel Nis Puks

Landeck, Steine-Gräber-Kultplätze***** (5 von 5 Sternen)

Nordöstlich von Flens- und Glücksburg erstreckt sich die Halbinsel Holnis. Große Teile von ihr stehen unter Naturschutz, auf wenigen hundert Hektarn kann man alle Landschaften Schleswig-Holsteins auf einmal bewundern. Hier haben die Eiszeitengletscher gehobelt und geschliffen, das noch relativ salzhaltige, klare Wasser der Förde trifft auf Steilküsten und freundliche Sandstrände, Moore wechseln mit Laubwäldern und Seen ab, und die Felder sind von Hecken, den sogenannten "Knicks", umsäumt, mit seltenen Brombeerarten und Schlehen. 130 verschiedene Vogelarten werden hier gezählt, schwarze Schwäne, Graugänse, Lachmöwen und viele andere. Zwei Seeleute, ein deutscher und ein dänischer, haben es nicht geschafft und sind an der Küste begraben, der dänische wegen Krieges und der deutsche wegen Cholera. In der Nähe der Holnisspitze liegt das wirklich alte Alte Fährhaus, in dem Kinder das Eis "NIS PUK" und Erwachsene einen schönen Blick auf die Förde genießen. Theodor Fontane ist auf dem Schiff dran vorbeigefahren und hat tatsächlich einen Satz über das Fährhaus verloren, worauf man so stolz ist, dass man selbigen Satz auf einem Schild verewigt hat. Direkt nördlich an Glücksburg grenzt das Friedeholz, von den Einheimischen ZAUBERWALD genannt.

Ein archäologischer Lehrpfad führt an sage und schreibe zehn Hügelgräbern aus der Stein- und Bronzezeit sowie an einer wahrhaft magischen Moorwiese, der FEENWIESE, vorbei. (Nähere Informationen dazu finden Sie bei Horst-Dieter Landeck, Steine - Gräber - Kultplätze, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3804211208/holleland-21.) Im August springen einem alle paar Meter Grasfrösche über den Weg, und schwarze Ringelnattern mit gelben Halbmonden schlängeln sich durchs Gras. Magisch!

Wer oder was aber ist Nis Puk? Und warum heißt die Halbinsel Holnis (Hol-Nis, also: Halt an, Nis!)? Darüber geben Wikipedia und drei Flensburger Sagen Auskunft:

Der Zwerg "Nis Puk soll auf Haus, Hof und Tiere Acht geben, wenn die Bewohner bereit sind, die eigenen Kinder und die Haustiere gut zu behandeln und innerhalb des Hauses wie auch des Dorfes ausgleichend wirken. Nis Puk soll auf dem Dachboden oder in einer Scheune leben. Angeblich können ihn Erwachsene nicht mehr sehen. Einmal im Jahr, zu Weihnachten, muss dem Nis Puk eine Schüssel Grütze (mit Butter) gebracht werden. Geschieht das nicht, wandert der Nis Puk in ein anderes Dorf. Haus und Hof wären dann ungeschützt Habgier und Verfall ausgesetzt." (zitiert nach Wikipedia)

Und hier die Flensburger Sagen:

1. Nis Puk
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Von dem Puk auf Lindewitt-Hof erzählt man, er habe einst auf dem Hundehaus gesessen und mit seinen Beinen die Hunde so geärgert, dass sie laut heulend und bellend versucht hätten, den kleinen Nis zu fassen. Der Knecht habe das gesehen und zum Schabernack den Puk vom Hundehaus herabgestoßen. Nis Puk habe vor Schreck laut aufgeschrien und geschworen, sich an dem Knecht zu rächen. Als dieser nun einstmals in der Wirtschaft gezecht habe, hätte Nis Puk die beiden schwarzen Rappen losgebunden und nach der Wirtschaft zu fortgejagt. Der Knecht habe sich beeilt, die Pferde zu ergreifen, und sich dann auf das eine gesetzt, um beide zum Stall zurückzubringen. Unterwegs sei er aber eingeschlafen. Am nächsten Morgen sei er zu seiner größten Verwunderung auf zwei schwarzen Torfhaufen im Oxlundmoor erwacht.

2. Dr. Faust und Nis
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Dr. Faust hat den Nis einmal in seinen Diensten gehabt. Er fuhr mit ihm in einem gläsernen Kasten über die See an den Küsten entlang, um alle Tiefen und Untiefen auszuspähen. Alles, was er so durch seinen Glaskasten wahrgenommen, hat er aufgenommen und zu Papier gebracht; denn die Seekarten, die die Kapitäne und Steuermänner gebrauchen und worauf alles eingezeichnet ist, die rühren vom Dr. Faust her. Als sie an die Fährstelle am Eingange des Flensburger Hafens kamen, da war es aber nahe daran, dass der Glaskasten untergehen sollte. Da rief Dr. Faust: "Hol, Nis!" Nis sollte nämlich nicht weiterfahren, weil es nicht mehr ging, und sollte das Schiff zum Stehen bringen. Seit der Zeit heißt nun der Ort Holnisfähr.

3. Der Teufel und sein Fährknecht Nis
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Der Teufel hatte wieder einmal etwas ausgefressen; das konnte der liebe Gott nicht so durchgehen lassen, und wollte es ihm tüchtig heimzahlen. Das hat sich der Teufel auch so gedacht, und er hat seinem Fährknecht Nis Bescheid gegeben, er solle alles zur Abfahrt bereit halten. Und Nis hat das auch getan. Fast wäre der Teufel mit seiner Schandtat davongekommen, als der liebe Gott ihn erblickte (in´n Kiker kreegt). Da legte der Teufel ab, so schnell es nur mit seinem Pferde- und seinem Krähenfuss gehen mochte. Nis setzte alle Segel. "Segel runter!" rief der Teufel, "die verraten uns bloss, der Alte ist genau hinter uns. Du musst rudern." Da half nun nichts, Nis musste rudern, und der Teufel saß achtern am Steuer. Und so kamen sie denn auch wirklich an das Eck von Alsen, ohne dass sie der liebe Gott zu fassen bekam. Hier verpustete sich Nis und schaute sich um, wo der liebe Gott wohl sei. Da sagte der Teufel: "Siehst du ihn, Nis?" "Ja, er ist aber noch weit weg." "Dann rudere mal fix weiter, sonst kriegt er uns!" sagte der Teufel. Und Nis ruderte, dass ihm der Schweiß an der Nase herunterlief. Der Kahn flog dahin, und sie kamen immer weiter und weiter, bis sie dorthin kamen, wo Broacker spitz zuläuft. Aber Nis passt das nicht mehr, er wird ganz verdrießlich und knurrt. "Brummst du, Nis?" sagt der Teufel. "Mach mal fix weiter, bis wir um die nächste Ecke kommen!" Nis hat vor dem lieben Gott ebensoviel Angst wie der Teufel, und er rudert, dass ihm die Knochen knacken. Das dauert Nis fast zu lang, aber endlich kommen sie doch um die Ecke von Drey. "Halt an, Nis!" rief der Teufel vergnügt. "Nun kannst du dich ausruhen, wir sind dem Alten entwischt." (...wie sünd den Oln ut de Künn kam'.) Und noch heute heißen die drei Ecken von Alsen, Broacker und Drey: Kekenis (Schau, Nis), Brunsnis (Brummst du, Nis?) und Holnis (Halt an, Nis).

Zitiert nach Gundula Hubrich-Messow, Sagen und Märchen aus Flensburg, http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3880425922/holleland-21


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