Göttner-Abendroth: Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft

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Prinzipien und Praxis der Matriarchatspolitik - für Erwachsene
Autorin: Dr. Heide Göttner-Abendroth
12 €
112 S. o. Abb., broschiert
21 x 13,4 x 1,2 cm

****o (4 von 5 Sternen)

Vier Prinzipien braucht es laut der Philosophin Göttner-Abendroth, um die aktuelle Krise von lediglich formaler Demokratie und Kapitalismus zu überwinden:

1. Neue Sozialordnung: Wir suchen uns Wahlverwandte und ziehen mit ihnen zusammen in Gruppen von 10-20 Menschen, wobei die Kinder bei der Mutter bleiben und die Väter nur nachts zu Besuch kommen. Sex zwischen den Wahlverwandten eines Hauses darf es nicht geben.
2. Neue Ökonomie: Die Gemeinschaften funktionieren auf dem Prinzip des Schenkens und des weitgehend bargeldlosen Austauschs untereinander. Jeder und jedem steht die gleiche Menge an Gütern zur Verfügung. Und: Wenn viele Güter vorhanden sind, werden Feste gefeiert, wobei die reicheren Gemeinschaften die ärmeren beschenken.
3. Neue politische Praxis: Jedes Haus stimmt basisdemokratisch über alles ab, Frauen und Männer getrennt. Es herrscht eine Konsenspolitik auf dieser wie auf allen weiteren Ebenen. Zur nächsthöheren Ebene, dem Dorf, werden von jeder Gruppe ein Mann und eine Frau entsandt, die berichten, wie ihre Hausgemeinschaft entschieden hat, und sich anhören, was die anderen Hausgemeinschaften zum Thema meinen. Wenn sich nicht alle einig sind, gehen die Abgesandten so lange zwischen Hausgemeinschaft und Dorfrat hin und her, bis es auch hier zum Konsens gekommen ist. Dasselbe Prinzip gilt auch auf allen höheren Ebenen, wobei die Autorin größere Zusammenschlüsse als die der Regionen für unmenschlich hält.
4. Neue Spiritualität und Kultur: Die Basis von all dem ist der Glaube an eine große Muttergöttin (und hier wird es natürlich mythologisch). Da die ganze Welt göttlich ist, ist jede Handlung, die in diesem Bewußtsein geschieht, heilig, von der Meditation übers Feste feiern im Jahres- und Lebenszyklus bis zum Tellerwaschen.

Die Autorin hat sich mit vielen auch heute noch in Rückzugsgebieten real existierenden matriarchalischen Kulturen in allen Teilen der Welt auseinandergesetzt.

Soweit so gut. Allerdings weiß ich aus gut 10jähriger WG-Erfahrung, dass Wahlgemeinschaften schlicht nicht asexuell funktionieren - außer vielleicht, alle Mitglieder sind über 90 Jahre alt. (In den real existierenden Matriarchaten dieser Welt handelt es sich natürlich um Blutsverwandtschaften - und deshalb funktionieren sie eben auch.)

Die Autorin scheint außerdem extrem schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht zu haben, sonst würde sie nicht eine Zwangstrennung der Väter von ihren Kindern verordnen. Mein Partner arbeitet halbtags und kümmert sich mehr als ich um unsere Tochter und den Haushalt - es wäre für das Kind traumatisch, wenn er in einem anderen Haus wohnen müßte und nur noch des Nächtens käme.

Fazit: Viele bedenkenswerte Aspekte, aber ich möchte auch in einer Wahlgemeinschaft meinen Partner mit dabei haben!

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(c) Drachen Verlag; Auflage: 1 (31. Juli 2008)


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