Hoffmann: Der goldene Topf

Hoffmann: Der goldene TopfUntertitel: Ein Märchen aus der neuen Zeit
Autor: E.T.A. Hoffmann
entstanden 1814 und erstmals veröffentlicht in den "Fantasiestücken in Callots Manier"
142 Seiten
mit einem Nachwort von Konrad Nussbächer
ab ca. € 1,99 (als Reclam-Titel bei Amazon antiquarisch erhältlich)

***** (5 von 5 Sternen)

Ich gestehe, ich war schon immer ein Fan von E.T.A. Hoffmann, auch wenn natürlich vom feministischen Standpunkt so einiges gegen ihn einzuwenden wäre. Aber da ist etwas, das ihn deutlich unterscheidet von den vielen verquasten Romantikern seiner Zeit: dass er sich nicht geflüchtet hat in mittelalterlichen Katholizismus, und dass er seine biedermeierlichen, spießigen ZeitgenossInnen schlicht nicht ertragen hat. Mit Ironie versuchte er sich ihrer zu erwehren, und: sie in Alkohol zu ertränken. Ein genialer Mensch, der an den Konrektoren und Registratoren um sich herum schier verzweifelte. Und so lesen sich denn auch seine Märchen – und er hat deren viele geschrieben! – ganz anders als z.B. die seines Zeitgenossen Tieck. Sie spielen, wie auch der Untertitel des goldenen Topfes verrät, nicht in einer nebulösen Vergangenheit, sondern in der Hoffmannschen Gegenwart:

Dem verträumten Studenten Anselmus geht in Dresden am Himmelfahrtstag alles schief: Er stolpert über den Apfelkorb einer Marktfrau, und statt nun sein weniges Geld in ein Bier investieren zu können, muss er ihr den Schaden bezahlen. Er flüchtet sich an die Elbe, und dort, in einem Holunderbaum, begegnet er ihr, der Schlange Serpentina, die so wunderbare blaue Augen hat, dass er sich gleich in sie verguckt. Sie ist die Tochter des Archivarius Lindhorst, der in Wirklichkeit ein Feuersalamander ist, und alles könnte ganz wunderbar und einfach sein, wäre da nicht der Konrektor Paulmann, dessen Tochter Veronika ebenfalls ganz hübsche blaue Augen hat, und die sich an der Seite des Anselmus so von ganzem Herzen eine bürgerliche Ehe erträumt, wenn er denn erst einmal Hofrat geworden ist.

Also versichert sie sich der Unterstützung der oben genannten Marktfrau, welche wiederum Tochter einer Runkelrübe und die größte Feindin des Feuersalamanders ist. Ähnlich wie ein Volksmärchen endet dieses Kunstmärchen gut im Hoffmannschen Sinne – Anselmus wird glücklich, und der letzte Satz fragt: Aber „ist denn überhaupt des Anselmus Seligkeit etwas anderes als das Leben in der Poesie, der sich der heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur offenbaret?“ Ob diese Seligkeit nun in den blauen Augen der Veronika oder denen einer grüngoldenen Schlange liegt, und was es mit dem goldenen Topf auf sich hat, das möchte ich Ihrer Fantasie überlassen!

Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B003BQQ7PC/holleland-21
(es sind auch noch weitere Ausgaben bei Amazon erhältlich)

(c) Reclam 101 (2), Stuttgart 1976


Copyright 2008/2010 Holleland.de .
Home nach oben