Untertitel: Musikalischer Dialog mit der Museumslandschaft Kassel
Herausgeber: Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt/Main, in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Spielzeit der CD: ca. 77 Minuten
mit 60seitigem Booklet
ca. 5 €
****o (4 von 5 Sternen)
Kassel ist alles: märchenhaft (Wirken der Brüder Grimm), mythisch (über der Stadt thront als ihr Wahrzeichen der Halbgott Herkules) und modern (alle fünf Jahre findet hier die documenta statt). Ihre Museums- und Parklandschaft ist partiell einzigartig in Europa und steht als Ensemble in Deutschland auf einer Stufe mit München und Dresden. So ist es nicht verwunderlich, dass Kassel seine landgräflichen Gärten zur Aufnahme in das Weltkulturerbe der UNESCO angemeldet hat. Auf dieser CD hat die HfMDK Stücke eingespielt, die alle drei Aspekte Kassels illustrieren:
MÄRCHENHAFTES
* Robert Schumanns romantische Stücke für Klavier und Viola op. 113 (Märchenbilder). Sie beziehen sich nicht auf konkrete Märchen, sondern entwerfen 1851 eine heile Gegenwelt zur als unvollkommen empfundenen Realität. (In einer anderen Einspielung auch erhältlich unter: Chamber Music [Complete])
* Maurice Ravels Ma Mère l´Oye (Meine Mutter, die Gans), 1912 in der Orchesterfassung uraufgeführt. Der Titel bezieht sich auf die in Frankreich berühmte Märchensammlung Perraults aus dem 17. Jahrhundert. An ein Vorspiel schließt sich der Tanz des Feenspinnrads an, gefolgt von der "Pavane de la belle au bois dormant" (die in etwa unserem Dornröschen entspricht). Ein Interludium leitet über zum Märchen von der Schönen und dem Biest. Es folgt der Kleine Däumling und schließlich das exotische Bild von Laideronette, der Kaiserin der Pagoden, in dem Ravel ein Märchen-China heraufbeschwört. Abgeschlossen wird der Werk mit der Beschreibung eines Feengartens.
* Johannes Brahms hat 1864 vierzehn Volkslieder vertont, darunter das Chorlied "Bei nächtlicher Weil": Ein Jäger verliebt sich in eine Nixe und stürzt sich schließlich in ihre tiefe Quelle, um im Tod mit ihr vereint zu sein.
MYTHISCHES
* Jacob van Eyck hat im 17. Jahrhundert sich in einem Flötenstück der schönen Daphne angenommen, die vom liebetollen Apoll verfolgt sich in einen Lorbeer verwandelt.
* Johann Sebastian Bach komponierte zwischen 1718 und 1721 seine Brandenburgischen Konzerte, dessen fünftes die Wahl der Herkules zwischen Laster (Flöte des Satyrs, bei Bach eine Querflöte) und der Tugend ist. Diese wird durch Athene/Minerva verkörpert, und musikalisch durch Lira oder Violine. Das Cembalo wiederum repräsentiert den unschlüssigen Herkules.
* Benjamin Britten hat sich in seinem opus 49 für Oboe im Jahre 1951 der sechs Metamorphosen des Ovids angenommen: Pan spielt auf seiner Geliebten Syrinx; Phaeton wird durch einen Donnerschlag in einen Fluss geschleudert; Niobe verwandelt sich aus Trauer über den Tod ihrer Kinder in einen Felsen; Bacchus veranstaltet ein Gelage; Narcissus wird zur Blume gleichen Namens; und Arethusa schließlich, die ebenso wie Daphne der "Liebe" eines Gottes entkommen wollte, verwandelt sich in eine Quelle.
MODERNES
Die CD endet mit zwei Kirchenmusikstücken von Klaus Huber (*1924) und Hans Zender (*1936), die mir schier gar nicht gefallen wollen, zum Glück aber zusammen nur 13 Minuten lang sind.
Leider ist die CD nicht leicht übers Internet erhältlich. Sie können entweder nach Kassel fahren und sie dort in einem der diversen Museumsshops käuflich erwerben oder aber in Wiesbaden in der Hessischen Landesbibliothek ausleihen: http://www.hlb-wiesbaden.de/media/File/Hoerbuecher_CD_Januar_2009_fertig...
(c) HfMDK, Frankfurt/Main 2007