Knittel: Der Frieder, der Graf und die Laugenbrezel

Sage für Kinder ab 4 Jahren
Autorin und Zeichnerin: Elke Knittel
32 S., A5, geheftet
mit vielen einfachen s/w-Zeichnungen
ab ca. € 4,89, nur antiquarisch erhältlich

***oo (3 von 5 Sternen)

Die Kochbuchautorin Elke Knittel hat sich hier an die alte württembergische Sage von der Erfindung der Laugenbrezel gewagt. Angeblich soll der Bäcker Frieder sie im 15. Jh. während der Regierung Eberhards im Barte in Bad Urach gebacken haben, um seinen Kopf, der wegen Majestätsbeleidigung in der Schlinge steckte, aus selbiger zu ziehen. Wahr ist dies alles nicht, auf alten Illustrationen kann man sehen, dass es die Brezel in der heutigen Form schon 300 Jahre früher gab. Auch ist mir ein angeblich lateinisches Wort namens "bracchia" für Ärmchen (die der Brezel!) noch nie untergekommen, das lateinische Wort für einen kleinen, niedlichen Arm ist vielmehr bracchiolum. Aber welch edle Kochbuchschreiberin stören schon solche Nichtigkeiten! Nett: Am Ende des Buchs gibt es ein Rezept für Laugenbrezeln und ein kleines Brezellied: "Jeder ißt se bei ons gern, arme Leit ond reiche Herrn. Zom Kaffee - au zom Wei, a Laugabrezel isch halt fei!" Was ist bestätigen kann.

Graf Eberhard im Barte (ebenfalls lateinunkundig) rühmte sich übrigens, er könne "sein Haupt kühnlich in jedes Untertanen Schoß legen", ohne Angst um sein Leben haben zu müssen. Seine jüdischen Untertanen kann er damit nicht gemeint haben, denn die hat er 1477 alle aus Württemberg vertrieben. Und seine italienische Frau Barbara Gonzaga war Zeit ihres Lebens in Urach unglücklich, was ja auch damit zusammengehangen haben mag, dass der ach so fromme Eberhard mit diversen anderen Frauen jedwede Menge unehelicher Kinder zeugte. Gestorben ist er dann aber nicht an der Syphilis, sondern (mit 50 Jahren) an einer Mischung aus Fieber, roter Ruhr und Blasengeschwüren. Auch nett.

Und was ist nun mit der Brezel? Ihre Form hat sich im Lauf der Jahrhunderte allmählich entwickelt. Ursprünglich war sie einmal ein Ringbrot, das zu kultischen Handlungen im antiken Rom benötigt wurde. Sie gehört zu den "Gebildbroten" (mit der Hand geformte Gebilde), diente als Opfergebäck und Grabbeigabe, bis sie schließlich christianisiert und als Fastenspeise verwendet wurde. Bei so viel Religion ist es kein Wunder, dass sich um die Brezel noch viele andere Sagen und Legenden ranken, aus Bayern, der Schweiz, aber auch aus Südfrankreich. In Baden und Schwaben verheißen die ungelaugten Neujahrsbrezeln Glück und Wohlergehen. Und vielleicht findet man ja auch deshalb die ein oder andere an so manchem Hexenhäuslein...

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