Sage für Kinder ab 4 Jahren
Autorin: Elke Knittel
46 S., A5, Klebebindung mit sehr vielen s/w Strichzeichnungen
ab ca. 0,01 €, nur antiquarisch erhältlich
***oo (3 von 5 Sternen)
Ähnlich wie in "Der Frieder, der Graf und die Laugenbrezel" erzählt Kochbuchautorin Elke Knittel auch in diesem Büchlein von der Erfindung einer schwäbischen Köstlichkeit. Nach einer Sage (der ich diesmal nicht widersprechen will) hat ein Zisterziensermönch im Kloster Maulbronn die Maulbronner Taschen gleich Maultaschen in der Fastenzeit erfunden, als ihm ein Stück Fleisch "zufiel", das er einfach nicht verkommen lassen wollte. Also zerhackte er es, vermengte es mit vielen, vielen Kräutern und versteckte das Gemisch in Nudelteig, damit es der Christengott nicht sehe. Aus diesem Grunde heißen die Maultaschen im Ländle auch "Herrgottsbescheißerle". Elke Knittel ist von der Landesstelle für Volkskunde im Würrtembergischen Landesmuseum Stuttgart bei ihrer Arbeit unterstützt worden. Dadurch werden Schreibstil und Zeichnungen zwar nicht kunstvoller, aber lesbar ist die Sage allemal. Am Ende befindet sich wieder ein Lied (das Maultaschenlied) und ein Maultaschenrezept, bei dem mir jedoch gänzlich unbegreiflich ist, wie ich aus 3-4 Eiern und sonst nix einen Nudelteig herstellen soll (irgendwie muss doch da auch noch Mehl rein?).
Maultaschen gehören zu den wirklichen Köstlichkeiten der schwäbischen Küche. Wir essen sie geschmälzt zu Kartoffelsalat und Rapunzel, in der Brühe oder in Streifen geschnitten, mit Ei übergossen und gebraten (ebenfalls zu Kartoffelsalat). Es gibt sie aus Weizen- oder aus Dinkelmehl, und ja, es gibt auch wirklich vegetarische Maultaschen ohne ein winziges Fitzelchen Fleisch.
Und Maulbronn? Das Kloster (in der Nähe der Goldstadt Pforzheim in Baden-Württemberg) ist eines der schönsten, die man besichtigen kann - und da es gleichzeitig die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen ist, steht es als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Begründet wurde es übrigens von einem Esel, besser gesagt einem Maul-Tier, welches mit den Klosterschätzen beladen war, selbige aber abwarf und mit dem Huf scharrte, woraufhin eine Wasserfontaine hervorschoss - der heutige Klosterbronnen. Sagt die Sage.
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(c) Mamaverlag Stuttgart 1986