Untertitel: Ein Märchenbuch nicht nur für Erwachsene
Widmung: Für alle, die noch um die Macht der Märchen wissen
Autor: Roland Kübler
94 S., mit vielen einfarbigen Illustrationen von Claudia Layer und Manfred Häusler
€ 14,80
***oo (3 von 5 Sternen)
Dieses Buch ist beliebt: Bei Amazon steht es auf Rang 27 bei „Märchen, Sagen und Legenden“, und laut Pressemappe des Stendel-Verlags hat es sich 332.000mal verkauft, ist in diverse Sprachen übersetzt und wurde 1993 mit dem Deutschen Märchenpreis für das schönste Märchenbuch ausgezeichnet. Wer diesen Preis nach welchen Kriterien vergibt, konnte ich leider nicht eruieren.
Zugegeben, das Büchlein ist spannend. Und die politische Botschaft: „Sei mutig, hilfsbereit und erwehre dich der dich unterdrückenden Herrscher – es geht!“ gefällt mir natürlich auch, zumal sie wunderbar in die momentanen Auseinandersetzungen um „Stuttgart 21“ passt. Fast könnte man es als Rezeptbuch lesen zum Thema „wie mache ich eine gewaltfreie Revolution“.
Aber muss die Moral gleich mit der esoterischen Keule geschwungen werden? Roland Kübler, Jahrgang 1953, war Lehrer, bevor er sich als Schriftsteller und Organisator der Fellbacher Märchentage selbständig machte, und diesen pädagogisch erhobenen Zeigefinger merkt man seinen Märchen an.
Und sind es denn überhaupt Märchen? Kennen Sie ein Märchen, indem tatsächlich Gier, Neid, Zorn und Hass quasi-personifiziert als See, Sumpf, Abgrund, Mauer auftreten, mit einem Etikett versehen, damit auch der dümmste Schüler begreift, dass er hier eine der sieben Todsünden vor sich hat? Der Teufel bei Grimm mag zwar dumm sein, aber kennen Sie ein Märchen dass z.B. „Der Bauer und die Dummheit“ hieße? Allegorien, die passen eher in die Religion und in die Politik (siehe Delacroix´s Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“). Und so sind Küblers Märchen, obwohl sie mit Feen, Einhörnern und Zauberern nur so um sich schmeißen, denn auch eher religiös-politische Erbauungsliteratur denn wirkliche Märchen. Die sind feinsinniger.
Passend dazu die Buchgestaltung: Hübsch die Idee, eine Ecke des Papiers auszusparen, so dass dem beigelegten Lesezeichen ein kleiner Mondstein aufgeklebt werden kann – wobei sich der geneigten Leserin nur bedingt erschließt, warum die Märchen just Mondsteinmärchen und nicht Bergkristallmärchen oder Lapislazulimärchen heißen (dazu müsste frau sich vermutlich in Hildegard von Bingen vertiefen). Die Zeichnungen strahlen jede Menge Anthroposophie aus und weniger Kunst. Wessenthalben wohl auch die Schrift blau und nicht schwarz ist.
Wer davon kein Bauchweh bekommt, dem vergönnt das Büchlein einige Stunden voller Spannung, wenn auch ohne literarischen Tiefgang (aber das muss ja auch nicht immer sein!).
Zum Bestellen können Sie auf folgenden Link klicken:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3926789026/holleland-21
© Stendel-Verlag, Waiblingen 1988, 1990
Erstellt am 2.2.2011