Märchenhafte Tuilerien

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Monument à Charles PERRAULT von Gabriel Edouard Baptiste Pech, 1908, © Foto Mike Schaffner / flickrMärchen sind nicht das erste, was wir im allgemeinen mit Paris verbinden, sondern eher nüchterne Aufklärung, Rationalität und Laizismus – neben der Liebe natürlich! Aber trotzdem hat es auch hier ganz große Märchenerzähler gegeben, wie z.B. Madame d´Aulnoy (siehe http://www.holleland.de/content/aulnoy-die-weisse-katze) und vor allem Charles Perrault. Bei uns in Deutschland kennt kaum jemand seinen Namen, und doch war er an vielen Märchen der Brüder Grimm und Bechsteins Schuld! Die Grimms verkehrten nämlich mit Frauen, die aus Hugenotten-Familien stammten, jenen Franzosen also, die seinerzeit wegen religiöser Verfolgung nach Deutschland gekommen waren – und ihre Perraultschen Märchen mitgebracht hatten: Rotkäppchen, Ritter Blaubart, Der gestiefelte Kater, Aschenputtel, Der kleine Däumling und Dornröschen. Sogar eine französische Abart von Frau Holle gibt es bei Perrault: Les Fées.

Der dickliche Charles Perrault (1628-1703) war Hofbeamter unter König Ludwig dem XIV. - dem Sonnenkönig. Er schrieb Burlesken, griff die an der Klassik orientierten „Alten“ an – vor allem aber wurde er durch seine für den Hof geschriebenen Märchen berühmt. Dabei griff er auf mündliche Überlieferung und italienische Autoren wie Straparola und Basile zurück, passte die Geschichten aber dem Geschmack seiner Zeit und Gesellschaftsschicht an: Am Ende steht immer eine kommentierende, auch ironisierende Moral in Versform (für den heutigen Geschmack manchmal nicht mehr leicht erträglich). Tschaikowskys Dornröschenballett beruht auf der Perraultschen Fassung der Geschichte, und auch Maurice Ravel komponierte seine Klavier-Suite „Ma Mère l´Oye“ nach den Perraultschen Märchen.

Wenn Sie Paris besuchen, sollten Sie bei schönem Wetter einen Spaziergang durch die Tuilerien machen (Metrostationen: Concorde, Tuileries oder Palais Royal). In der nordwestlichen Ecke, ganz in der Nähe des Museums Jeu de Paume finden Sie ein Monument für Perrault, umspielt von Kindern und dem gestiefelten Kater. Es stammt von Gabriel Edouard Baptiste Pech und wurde 1908 in Marmor gehauen. Perrault hatte sich seinerzeit erfolgreich dafür eingesetzt, dass diese königlichen Gärten auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden! Die Tuilerien bieten Ihnen aber noch weit mehr: nostalgische Kinderkarussells und viele andere Statuen: Diana, Medea, Venus, Faun, Bacchus, Merkur, Herkules usw. usf. - daneben moderne Kunst von Weltrang, unter anderem den „Baum der Vokale“ von Penone.

Öffnungszeiten: ab 6 Uhr/6.30 Uhr bis 20 Uhr vom 1.10.-30.4., in den Sommermonaten länger.


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