Angeblich eine Kinderoper für Kinder ab 5 Jahren
Komponist: in sehr grober Anlehnung an Wolfgang Amadeus Mozart, von den Herren Mandozzi, Brückner und Nola
In sehr grober Anlehnung an das Libretto von Emanuel Schikaneder
Bearbeitung: Graziano Mandozzi, Wolfgang Bücker und Jürgen Nola
Synthesizer: Serge Weber
Audio-CD, 16.10.1990
Deutsche Grammophon (Universal), € 9,49
*oooo (1 von 5 Sternen)
Nachdem ich mit meiner 6jährigen Tochter diese angebliche Kinderoper erstmals im Stück gehört habe, bin ich ebenso entsetzt wie sie.
Da singen und sprechen normale Erwachsene (Evelyn Hamann, Mona Seefried, Manfred Böll usw.) wie normale Erwachsene ebenso singen. Mit Kunst hat es nicht viel zu tun – und wie soll man Kindern so Kunst näher bringen? Klar, dass es für die schwierige und wunderschöne Arien wie „Der Hölle Rache“ schier nicht langt.
Auch der Text ist grob vereinfacht zu einem angeblichen „Märchen“, der angeblichen Kinder-Kompatibilität halber (Zitat: "Die Autoren...wagten den Versuch, in ihrer Bearbeitung der Mozart-Oper erst einmal alle "klugen Dinge"... wegzulassen.")
Aber der Text ist nicht nur vergröbert, sondern auch uminterpretiert worden. Aus der Mutter wird eine Stiefmutter, der von Anbeginn an ein hinterlistiges, böses Spiel unterstellt wird (damit das Kind auch ja nicht selbst denken braucht), und Sarastro ist der gute Stiefvater, der Pamina nur zu ihrem Besten entführt hat und gefangen hält. Damit einher geht die Vielschichtigkeit der Texte und Musik verloren – ursprünglich sollte ja die Königin der Nacht, die Mutter Paminas, durch das Singspiel hindurch die Gute und Siegreiche sein, was sich jedoch nicht verkaufen ließ und deshalb kurz vor Abgabe an den Auftraggeber „mal eben schnell“ umgeschrieben und –komponiert wurde. Die kleine Zauberflöte nun vereinfacht, ohne dass diese neue Fassung an Klarheit gewinnen würde - sie wird stattdessen nur plumper und frauenfeindlicher (Wer war noch mal Sarastro? Wie heißt noch mal der Prinz?). Mittendrin jedoch verstand meine Tochter plötzlich, was Sache war: Der Mann hat das Mädchen entführt und hält es gefangen. Und da hat sie fürchterlich angefangen zu weinen und wollte die tolle „Kinderoper“ nicht mehr zu Ende hören: „Mama, schmeiß die CD weg. Warum sagen die, dass der Mann gut sei? Jemand, der einen Menschen entführt und gefangen hält, ist böse!“ Und damit sei der Stab über dieses wirre, kunstlose Machwerk gebrochen. Ob ich meine Tochter nach dieser Erfahrung noch davon überzeugen kann, dass die „echte“ Zauberflöte zauberhaft ist, wenn auch in ihrer Endversion leider gleichfalls frauenfeindlich?
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Erstellt am 12.5.2011