****o (4 von 5 Sternchen) für die Grotten
Mit einem blauen Sternchen als sehenswertes Naturwunder zeichnet meine Deutschlandkarte die Saalfelder Feengrotten aus – und ich bin es gewohnt, dass meine Deutschlandkarte mit der Kategorisierung Recht hat. So auch diesmal: An einem regnerischen Novembertag tauchten wir mit Kind und Kegel in das ehemalige Alaunschiefer-Bergwerk des Herrn Jeremias Glück ein. 1860 war es nach rund 300jähriger Ausbeutung, da unrentabel, aufgegeben worden. Sein Alaun (Magnesium und Aluminium) kristallisiert ganz wunderbar tief violett und eignet sich auch heute noch für Deostifte und zum Blutstillen.
1913 wurde das Saalfelder Quellwasser untersucht, und da entdeckte man die alten Stollen und Höhlen wieder. Die Stalagmiten und Stalaktiten sind andernorts größer, aber sie wachsen in Saalfeld so schnell wie Butterberge und sind so farbenreich wie nirgendwo sonst auf der ganzen Welt!
Das hat man unverzüglich vermarktet und den Feen und Gnomen hier ein Stelldichein ermöglicht. Die schönste der Höhlen, der Märchendom (zu dem Sie natürlich eine passende Geschichte hören werden) inspirierte Wagner-Sohn Siegfried zu den Kulissen seiner Tannhäuser-Inszenierung (der ja bekanntlich bei der Frau Venus im ebenfalls Thüringer Hörselberg lebt).
Hier können Sie sich trauen lassen. Vielleicht ist es ja Siegfried W. zum Danke, dass die Saalfelder ihr Mineralwasser Gralsquelle genannt haben? Ob Sie eine echte Saalfelder Fee sind, können Sie dann auf dem Rückweg beim „Feenfahrstuhl“ testen: Die versteinerte Wurzel einer 200jährigen Eiche reicht hier tief in eine Berghöhle hinein und verbindet Unter- mit Oberwelt. Aber zum Fahrstuhl-Fahren sind wir alle zu groß und so müssen wir prosaisch wie die anderen Menschen die Höhlen über den Brunnentempel verlassen, wo wir das Gralsquellen-Wasser kostenlos schlürfen und ansonsten diverse Feensouvenirs käuflich erwerben können.
Neben den normalen gibt es spezielle Kinderführungen auf den Spuren der Grottenfee, zünftig in grünem Umhang, roter Zipfelmütze und Grubenlaterne für die Kleinen von 5-12 Jahren. Aber auch als Emanatorium werden die Heilstollen der Feengrotten benutzt zur Behandlung von Erkrankungen der oberen Atemwege, der Haut und von Allergien. Und neben den Hochzeiten können Gruppen auch Sonderführungen mit süßen Überraschungen, Steinhauen oder Bergmannsvesper buchen.
Von Mai bis Oktober (und deshalb für uns leider nicht mehr zugänglich) lockt nebenan noch das Feenweltchen mit seinem Hain der Lichtelfen (außergewöhnliche Klänge, selber musizieren, geheimnisvolle Verstecke erkunden), dem Garten der Feenpflanzen (Waldhyazinthen, vierblättrige Kleeblätter, Schlüsselblumen, Fingerhut, Haselnusssträucher sowie Giftpilze wachsen hier), dem dunklen Reich der Waldgeister mit kniffligen Aufgaben und kleinen Abenteuern und dem Feenwipfelschloss (ein Baum muss erklommen und eine Zauberrutsche ausprobiert werden). Hier können Kinder auch ihren Geburtstag feiern. Na, und der örtliche Tourismus-Verein in Form der Fee Rosalie hat auch nicht vergessen, die Kinder via „Feenzauber-Club“ anzubinden, mit Clubkarte und allem Drum und Dran.
Überhaupt ist die Tourismus-Industrie sehr märchenhaft aktiv, einen Steinladen gibt es (in dem unter anderem Alaun „wie von hier“ erworben werden kann), diverseste Feensouvenirs, einen Glasbläser und natürlich Thüringer Küche, die hier gern feenhafte Namen verpasst bekommt. So verkauft die Historische Grottenschänke „Süße Feen-Rollen“ (Eierkuchen mit Apfelmus, Schlagsahne und Feenstreuseln), „Kleines Zwergenmahl“ (lustige Nudeln mit Tomatensauce), „Süße Waldfee“ (Waldmeistereis mit Antioxidationsmittel
Wir selbst sind 200 m weiter in die Confiserie der Firma Rotstern gegangen, wo Fee ihren Kaffee oder Kakao mit hauseigenen Pralinen und Schokoladen versüßen kann. Die Zartbitterschokoladen dieser Firma hat kürzlich bundesweit den zweiten Platz belegt. Hier gibt es Vollmilch-Schokolade vom ostdeutschen Sandmännchen („Abenteuer im Traumland“) und viele andere märchenhafte Köstlichkeiten neben wirklich sehr empfehlenswerten alkoholischen Pralinées für uns Erwachsene. Prädikat: Extremst lecker!
Die Feengrotten sind geöffnet täglich von April – Okt. von 9.30-17.00 Uhr, Nov. – März 10.30 – 15.30 Uhr (im Januar nur Sa+So geöffnet)
Das Feenweltchen ist geöffnet täglich von Mai – Okt. Von 9.30-18.00 Uhr.
Anschrift: Saalfelder Feengrotten, Feengrottenweg 2, 07318 Saalfeld, T 03671-55040, F 03671-550440, info@feengrotten.de, www.feengrotten.de
Artikel erstellt am 11.12.2010