Göttner-Abendroth: Das Matriarchat I

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Göttner-Abendroth: Matriarchat I
Kategorie: Sachbuch
Untertitel: Die Geschichte seiner Erforschung
Autorin: Heide Göttner-Abendroth
Taschenbuch, 193 S., keine Abb.
€ 16,36
***** (5 von 5 Sternen)

Dieses Werk ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Die Philosophin Dr. Göttner-Abendroth hat sich daran gemacht, ein nicht nur für eine Handvoll WissenschaftlerInnen verständliches Fachbuch zu schreiben, sondern eben ein Sachbuch, das jedeR begreifen kann. Mythos Matriarchat: Die Autorin weist kenntnisreich nach, dass das Matriarchat eben nicht das Gegenteil unseres derzeitigen Patriarchats ist, also Frauen- statt Männerherrschaft bedeutet, sondern vielmehr: „Am Anfang war die Mutter.“

Viele Forscherinnen und Forscher haben in den letzten 150 Jahren Erstaunliches ausgegraben und bewiesen: beginnend mit Bachofen im Jahre 1861, über Marx und Engels, Arthur Evans (Entdecker der Paläste des König Minos), James Mellaart (Entdecker der ältesten Steinzeit-Stadt Catal Hüyük), bis hin zu Marie König, Marija Gimbutas, Gerda Weiler oder Hartmut Zinser. Göttner-Abendroth beschreibt, was sie Positives geleistet haben, aber auch, wo sie falsch gewertet haben, entweder weil die Wissenschaft schlicht noch nicht so weit war – oder aber, weil sie wie die meisten von uns auch heute noch zu sehr im patriarchalen Denken verhaftet sind: Da wimmelt es von Göttinnenstatuen, die nur übergewichtige Frauen sind, auch wenn dadurch die wissenschaftliche Argumentation nicht mehr schlüssig ist, da werden kleine, männliche Heroen-Figuren zu großen Göttern hochstilisiert, da wird gezeigt, wie „primitiv“ die friedfertigen, egalitären Göttinnen-Mythen doch im Verhältnis zu den kriegerischen, patriarchalen Götter-Mythen sind – nur weil diese historisch auf die ursprünglichen Mythen folgten (eben dank Krieg). Nur: Was ist am Krieg oder an der Sklaverei eigentlich kulturell hochstehend?

Göttner-Abendroth zeigt Seite für Seite, wo genau die Argumentation der verschiedenen WissenschaftlerInnen hakt, und um wie viel schlüssiger sie würde, wenn wir einfach davon ausgehen: Am Anfang der Menschheitsgeschichte stand rund 100.000 Jahre lang die Verehrung der Großen Mutter, die Menschen lebten egalitär in Sippen zusammen und entwickelten Kulturleistungen wie Jagd, Ackerbau, Viehzucht, Weberei und Stadtgründungen. Mit Beginn der indoeuropäischen und anderer Völkerwanderungen (z.B. aufgrund von ökologischen Katastrophen) patriarchalisierten sich die wandernden Völker, eroberten die sesshaften, real existierenden Matriarchate und patriarchalisierten sie unter Zwang: Herrschaft statt Egalität, Privateigentum statt Gemeinschaftseigentum, Krieg statt Frieden, Gott im Himmel statt Mutter Erde – das sind z.B. in Deutschland Erfindungen erst der letzten rund 4.000 Jahre. Ein letztes kleines Überbleibsel der alten Zeit ist heutzutage die Himmelskönigin Maria mit ihrem Heros, dem Jesuskinde.

Dass es anders ging, zeigen die Ausgrabungen der Archäologen, dass es auch heute noch anders geht, zeigen einige kleine Völker wie die Mosuo in Westchina – und dass es auch bei uns hier in Deutschland wieder einmal anders gehen könnte – das impliziert Göttner-Abendroth mit ihrem mittlerweile in der dritten Auflage vorliegenden Buch. Wie Elke Heidenreich sagen würde: Lesen!

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© Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1988, 1995


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